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Sozialversicherungsgericht des Kantons Basel-Stadt
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URTEIL
vom 14. Oktober 2020
Mitwirkende
Dr. G. Thomi (Vorsitz), P. Waegeli, lic. iur. R. Schnyder
und Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Dreyer
Parteien
A____
[...]
vertreten durch lic. iur. B____, Advokat,
[...]
Beschwerdeführerin
SUVA
Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern
Gegenstand
UV.2020.17
Einspracheentscheid vom 25. März 2020
adäquater Kausalzusammenhang bei psychischen Unfallfolgen; strukturiertes Beweisverfahren.
Tatsachen
I.
a) Die 1964 geborene A____ (Beschwerdeführerin) arbeitete seit März 2000 40 % als Objektleiterin Reinigung für die C____ AG und war in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) unfallversichert. Am 10. Januar 2009 erlitt die Beschwerdeführerin auf der Autobahn in Slowenien einen Unfall, bei dem sie den Personenwagen lenkte, in dem sich auch ihr Ehemann (D____), ihr Sohn (E____) und ihre "Schwägerin" F____ (vgl. SUVA-Akte 435, S. 111) befanden. Laut dem (auf Deutsch übersetzten) Unfallprotokoll der slowenischen Polizei vom 21. Januar 2009 (SUVA-Akte 185, S. 24 ff.) verlor sie wegen unangepasster Geschwindigkeit nach dem Überholen eines Lastwagens die Kontrolle über das Fahrzeug. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern, prallte mit der Frontseite auf die linke Leitplanke. Danach überschlug sich das Auto über die Leitplanke auf den mit Gras bewachsenen Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen, rutschte auf dem Dach bzw. dem Frontteil und kam schliesslich auf dem Mittelstreifen auf den Rädern zum Stehen. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann wurden eingeklemmt. Sie wurden mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Auto geholt und mit der Ambulanz ins Medizinische Zentrum nach [...] gebracht. Die "Schwägerin", welche hinten links sass und nicht angegurtet war, wurde aus dem Fahrzeug herausgeschleudert. Sie blieb 17.60 Meter vor dem Fahrzeug auf dem linken Fahrstreifen liegen. Sie wurde per Helikopter ins Spital transportiert. Der Sohn der Beschwerdeführerin blieb unverletzt (vgl. S. 4 des Unfallprotokolls). In Bezug auf die Beschwerdeführerin wurden im Spital in [...] folgende Diagnosen gestellt: S42.2 Fractura complicata (aperta) humeri sin.; S06.5 Haematoma subdurale minima reg. parietalis lat. dex.; S06.0 Commotio cerebri; S01.0 V.l.c. capitis; S00.8 Contusio faciei lat. dex.; S60.8 Contusio antebrachii et carpi sin./Contusio brachii lat. dex.; S10.1 Contusio colli (vgl. S. 1 des Austrittsberichtes; SUVA-Akte 224, S. 1 bzw. SUVA-Akte 222, S. 5). Es erfolgte eine Versorgung des Oberarmbruches links und eine Überwachung/Kontrolle der Hirnfunktionen. Namentlich wurde am 11. Januar 2009 ein Kontroll-CT vorgenommen (vgl. S. 1 f. des Austrittsberichtes; SUVA-Akte 222, S. 5 f.).
b) Am 20. Januar 2009 wurde die Beschwerdeführerin zurück in die Schweiz geflogen (vgl. u.a. SUVA-Akte 219), wo sie zur definitiven Versorgung der Humerusfraktur links direkt ins Kantonsspital [...] (Abteilung Orthopädie) eintrat (vgl. SUVA-Akte 4). Am 22. Januar 2009 erfolgte ein erster operativer Eingriff (vgl. SUVA-Akte 4, S. 3 f.). Weitere Operationen fanden am 15. Mai 2009 und am 17. Februar 2010 statt (vgl. SUVA-Akte 58). Zur Verbesserung der Situation am linken Oberarm wurden konstant physiotherapeutische Behandlungen vorgenommen (vgl. u.a. SUVA-Akten 16, 19, 22, 25, 31, 32, 52, 53, 59, 60, 64, 73, 76).
c) Da die Beschwerdeführerin ausserdem über seit dem Unfall bestehende (persistierende) Kopfschmerzen, Schwindel und Vergesslichkeit klagte, fanden diesbezüglich entsprechende Abklärungen statt (vgl. u.a. den Bericht über das MRT des Neurocraniums vom 11. August 2009 [SUVA-Akte 44], den Bericht der Neurologisch-Neurochirurgischen Poliklinik vom 27. September 2010 [SUVA-Akte 90], den Bericht von Dr. G____ vom 27. Dezember 2010 [SUVA-Akte 103]). Die röntgendiagnostische Abklärung (MRT) brachte weitgehend unspezifische Befunde zum Vorschein (vgl. SUVA-Akte 44). Im Rahmen der neurologischen Abklärung konnten keine neurologischen Ausfälle objektiviert werden (vgl. SUVA-Akte 90, S. 4). Auch die Schwindelbeschwerden liessen sich im Rahmen der neurootologischen Untersuchung nicht objektivieren (vgl. SUVA-Akte 103, S. 2). Anlässlich des neurorehabilitativen Aufenthaltes der Beschwerdeführerin in der Rehaklinik [...] (Dauer: 1. Juni 2011 bis 22. Juli 2011) wurden ebenfalls Abklärungen getätigt. Im Bericht über die neuropsychologische Testung wurde ausgeführt, der tatsächliche Schweregrad der neuropsychologischen Einschränkungen sei aufgrund der Verdeutlichungstendenzen bzw. der wahrscheinlich auch vorliegenden Aggravation schwierig einzuschätzen (vgl. SUVA-Akte 139, S. 5). Die im psychiatrischen Bericht (SUVA-Akte 137) angeführte Diagnose lautete auf "chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)". Eine ambulante Physiotherapie oder Ergotherapie wurde als gegenwärtig nicht weiter indiziert erachtet. Die Aufnahme einer ambulanten Psychotherapie wurde ebenfalls als aktuell nicht weiter erfolgversprechend eingestuft (vgl. SUVA-Akte 137, S. 2 f.). Im Austrittsbericht vom 25. Juli 2011 (SUVA-Akte 140) wurde dargetan, es liege keine psychische Störung mit Krankheitswert oder neuropsychologische Störung vor, welche eine arbeitsrelevante Leistungsminderung zu begründen vermöge (vgl. SUVA-Akte 140, S. 2).
d) In der Folge nahm die Kreisärztin am 20. September 2011 die Abschlussuntersuchung vor (vgl. SUVA-Akte 147). Daraufhin verneinte die SUVA ab dem 1. Oktober 2011 einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf weitere Versicherungsleistungen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, die geklagten Beschwerden seien organisch nicht hinreichend nachweisbar. Es bestehe in der angestammten Tätigkeit wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Da in Bezug auf die psychischen Beschwerden der adäquate Kausalzusammenhang zu verneinen sei, bestehe kein Anspruch auf Dauerleistungen (vgl. SUVA-Akte 150). Hiergegen erhob die Beschwerdeführerin am 4. November 2011 Einsprache. Zur Hauptsache machte sie geltend, der Fallabschluss sei zu früh erfolgt. Im Übrigen sei auch der Sachverhalt unzureichend abgeklärt worden (vgl. SUVA-Akte 152). In der Folge holte die SUVA die neurologische Beurteilung von Dr. H____ vom 22. Mai 2012 (SUVA-Akte 162) ein. Mit Stellungnahme vom 12. Juli 2012 ergänzte die Kreisärztin das Zumutbarkeitsprofil (vgl. SUVA-Akte 166). Daraufhin wies die SUVA die Einsprache der Beschwerdeführerin mit Einspracheentscheid vom 20. Juli 2012 ab (vgl. SUVA-Akte 167). Hiergegen erhob die Beschwerdeführerin Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt (vgl. SUVA-Akte 178). Dieses hiess die Beschwerde mit Urteil vom 27. August 2013 insoweit gut, als es die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zum Erlass eines neuen Entscheides an die SUVA zurückwies (vgl. SUVA-Akte 202).
e) In Nachachtung dieses Urteils holte die SUVA zunächst Originaldokumente über den Unfall in Slowenien ein (vgl. die Unterlagen der Polizei [SUVA-Akte 215, S. 4 ff.; SUVA-Akte 237; SUVA-Akte 244, S. 2 ff.; SUVA-Akte 245] sowie die ärztlichen Berichte, inklusive deutscher bzw. englischer Übersetzung [SUVA-Akte 222, S. 5 ff.; SUVA-Akten 224-226; SUVA-Akten 232, 233, 235, 255, 256, 269 und 270] sowie Farbfotoaufnahmen des Unfallautos (vgl. SUVA-Akte 246). Die Beschwerdeführerin liess der SUVA ebenfalls noch eine Fotodokumentation zukommen (vgl. SUVA-Akte 241, S. 2 ff.). In der Folge veranlasste die SUVA – unter Einbeziehung der Beschwerdeführerin – die Einholung eines interdisziplinären Gutachtens unter der Federführung des Neurologen Dr. I____ (vgl. die Schreiben vom 29. September und vom 27. Oktober 2015; SUVA-Akten 284 und 287). Die Erstellung des Gutachtens zog sich massiv in die Länge. Im Juni 2017 gingen das neurologische Gutachten vom 14. Juni 2017 (SUVA-Akte 345) bzw. die Gesamtbeurteilung sowie die einzelnen Teilgutachten (orthopädisches Gutachten vom 8. Februar 2016 [SUVA-Akte 344]; neuropsychologisches Gutachten vom 18. April 2016 [SUVA-Akte 348]; neuroradiologisches Gutachten vom 31. März 2017 [SUVA-Akte 350]; psychiatrisches Gutachten vom 28. April 2017 [SUVA-Akte 349]) bei der SUVA ein. Am 29. November 2017 äusserte sich die Beschwerdeführerin ausgiebig zum Gutachten. Der Eingabe legte sie einen Bericht von Dr. J____ vom 27. November 2017 bei (vgl. SUVA-Akte 371). In der Folge holte die SUVA bei Prof. Dr. K____ die neuroradiologische Beurteilung vom 23. März 2018 ein (vgl. SUVA-Akte 378, S. 2 f.). Daraufhin erachtete sie die Einholung eines neuen Gutachtens für erforderlich. Die Parteien einigten sich vergleichsweise auf die L____ ([...]), M____spital [...] (nachfolgend: L____ Begutachtung) als Gutachterstelle (vgl. SUVA-Akte 402). Am 22. Juli 2019 ging das entsprechende Gutachten vom 19. Juli 2019 bei der SUVA ein (vgl. SUVA-Akte 435).
f) Mit Verfügung vom 22. Oktober 2019 bejahte die SUVA einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Integritätsentschädigung von 10 %. Einen Rentenanspruch verneinte sie hingegen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen dargetan, als organische Unfallfolge könne lediglich die verbliebene Beeinträchtigung am linken Oberarm angesehen werden. Aufgrund dieser bestehe jedoch weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit. Bei dieser medizinischen Ausgangslage lasse sich keine Erwerbseinbusse von mindestens 10 % errechnen. In Bezug auf die übrigen – psychischen – Unfallfolgen mangle es am adäquaten Kausalzusammenhang (vgl. SUVA-Akte 443). Hiergegen erhob die Beschwerdeführerin am 7. November 2019 Einsprache. Sie beantragte Folgendes: Es seien ihr über den 30. September 2011 hinaus (Einstellung der UVG-Leistungen) die ihr von Gesetzes wegen zustehenden UVG-Leistungen zuzusprechen: Ab 1. Oktober 2011 100 % Taggeldleistungen; ab 1. Januar 2017 100 % UVG-Invalidenrente. Es sei ihr eine Integritätsentschädigung in Höhe von insgesamt 75 % auszurichten (vgl. SUVA-Akte 449). Mit Einspracheentscheid vom 25. März 2020 wies die SUVA die Einsprache der Beschwerdeführerin ab (vgl. SUVA-Akte 457).
II.
a) Gegen den Einspracheentscheid der SUVA hat die Beschwerdeführerin am 18. Mai 2020 Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt erhoben. Sie beantragt, es seien ihr über den 30. September 2011 hinaus (Einstellung der UVG-Leistungen) die ihr von Gesetzes wegen zustehenden UVG-Leistungen zuzusprechen: Ab 1. Oktober 2011 100 % Taggeldleistungen, ab 1. Januar 2017 100 % UVG-Invalidenrente. Es sei ihr eine Integritätsentschädigung in Höhe von insgesamt 75 % zuzusprechen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersucht sie um Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung.
b) Mit Verfügung des Instruktionsrichters vom 29. Juni 2020 wird der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Vertretung durch lic. iur. B____, Advokat, bewilligt.
c) Die SUVA (Beschwerdegegnerin) schliesst mit Beschwerdeantwort vom 17. Juli 2020 auf Abweisung der Beschwerde.
d) Die Beschwerdeführerin hält mit Replik vom 24. August 2020 an ihrer Beschwerde fest.
III.
Am 14. Oktober 2020 findet die Beratung der Sache durch die Kammer des Sozialversicherungsgerichts statt.
Entscheidungsgründe
1.
1.1. Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige kantonale Instanz zuständig zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit (§ 82 Abs. 1 des Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die Organisation der Gerichte und der Staatsanwaltschaft [Gerichtsorganisationsgesetz], GOG; SG 154.100). Die örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 58 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1).
1.2. Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die rechtzeitig erhobene Beschwerde einzutreten.
3.2.2. Die Parteien tragen im Sozialversicherungsprozess in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des im Verwaltungsverfahren wie auch im kantonalen Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218, 221 E. 6; BGE 117 V 261, 264 E. 3b).
3.3.2. Sind die geklagten Beschwerden natürlich unfallkausal, nicht aber objektiv ausgewiesen im Sinne der Rechtsprechung, so ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 109, 111 f. E. 2.1). Hat die versicherte Person einen Unfall erlitten, welcher die Anwendung der Schleudertrauma-Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hierbei die durch BGE 134 V 109, 126 ff. E. 10 präzisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht anwendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 115 V 133, 140 E. 6c/aa), anzuwenden (BGE 134 V 109, 111 f. E. 2.1 und 116 E. 6.1).
4.3.3. In Bezug auf allfällige Residuen der erlittenen traumatischen Hirnverletzung wurde im Gutachten klargestellt, die Verletzungsschwere (im MRI 2009 nachweisbare Scherverletzungen) eigne sich zwar durchaus für eine Persistenz von neuropsychologischen und/oder neuropsychiatrischen Störungen. Das geringe Ausmass der nachweisbaren Scherverletzungen müsse aber im klinischen Gesamtkontext relativiert werden. Die fehlende Validität der erhobenen neuropsychologischen Befunde lasse es nicht zu, differenziert allfällige hirnorganische und/oder schmerzbedingte Einschränkungen auf neurokognitiver Ebene zuverlässig zu detektieren und zu quantifizieren resp. insbesondere von den führenden psychiatrischen Beeinträchtigungen abzugrenzen. Die stattgehabte traumatische Hirnverletzung erkläre den aktuell schwer beeinträchtigenden Gesundheitszustand nicht (vgl. S. 15 des Gutachtens). Was die von der Explorandin geklagten Kopfschmerzen angehe, so müsse davon ausgegangen werden, dass überwiegend wahrscheinlich bis zu drei Monate nach dem Unfallereignis noch Kopfschmerzen, zurückzuführen auf die traumatische Hirnverletzung, nach ICHD-3 vorgelegen hätten. Danach fänden sich in den Akten zunehmend Hinweise auf nicht neurologische Faktoren, die an der Aufrechterhaltung der Kopfschmerzen beteiligt gewesen seien und es auch weiterhin seien. Die Gutachter erwähnten hier namentlich einen Medikamentenübergebrauch und psychische Faktoren (vgl. S. 13 des Gutachtens).
4.3.4. Aus fachorthopädischer Sicht bestehe in Bezug auf den linken Oberarm eine endgradige Bewegungseinschränkung mit einer Flexion von 120° und Abduktion von 100°. Diese Funktionseinschränkung führe zu geringen, rein qualitativen Limiten bezüglich der Belastbarkeit und sei überwiegend wahrscheinliche Unfallfolge bei erlittener Humerusschaftfraktur II° links und Status nach retrograder Marknagelung am 22. Februar 2009, Dynamisierung durch Entfernung der distalen statischen Schraube am 15. Mai 2009 und Entfernung des proximalen Bolzens am 17. Februar 2010 (vgl. S. 13 des Gutachtens). Der Explorandin seien weiterhin leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeiten zu 100 % möglich. Tätigkeiten über Kopf bzw. dauerhaft über der Horizontalen seien zu vermeiden. Dabei bestehe aus orthopädischer Sicht eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit (vgl. S. 17 des Gutachtens). In Bezug auf den linken Oberarm seien keine Behandlungsmassnahmen mehr indiziert (vgl. S. 16 oben des Gutachtens). Der Integritätsschaden könne mit 10 % beziffert werden (vgl. S. 17 des Gutachtens).
4.4.3. Soweit die Beschwerdeführerin das neurologische Teilgutachten von Dr. N____ als mangelhaft erachtet, da es (ohne Begründung) von der Beurteilung von Prof. Dr. K____ vom 23. März 2018, abweiche (vgl. S. 13 ff. der Beschwerde), kann ihr nicht gefolgt werden. Prof. Dr. K____ hielt in seiner neuroradiologischen Beurteilung vom 23. März 2018 fest (vgl. SUVA-Akte 378, S. 2 f.), es lägen mit grosser Wahrscheinlichkeit zwei hämorrhagische DAI ("diffuse axonal injury") vor, die im Verlauf sowohl im MRT vom 11. August 2009 als auch im MRT vom 15. Januar 2016 prinzipiell nachweisbar seien. Diese Läsionen seien in Lage und Konfiguration typisch für posttraumatische hämorrhagische DAI. Dr. N____ legte ihrerseits im neurologischen Teilgutachten (SUVA-Akte 435, 81 ff.) dar, die linksfrontale Läsion sei im MRI 2016 nicht mehr nachweisbar (vgl. S. 15 des Teilgutachtens). Diese Interpretation des MRI 2016 deckt sich zwar möglicherweise tatsächlich nicht vollends mit derjenigen von Prof. Dr. K____; sie basiert aber – wie von der Beschwerdegegnerin zu Recht eingewendet wird (vgl. S. 2 f. der Beschwerdeantwort) – auf dem schlüssigen neueren MRI-Bericht vom 20. März 2019 (vgl. IV-Akte 435, S. 67 f.). Im Übrigen geht Dr. N____ ebenfalls davon aus, dass bildgebend Verletzungen nachgewiesen wurden. Die Gutachterin hat dann aber überzeugend klargestellt, dass sich das exakte Ausmass einer allfällig unterlagerten und organisch potenziell begründbaren neuropsychologischen Störung aufgrund der fehlgeschlagenen Symptomvalidierung, die bereits mehrfach in den Vorakten beschrieben worden sei, gar nicht erfassen lässt (vgl. insb. S. 16 und S. 21 des neurologischen Teilgutachtens). Auch die weitere am Gutachten von Dr. N____ geübte Kritik greift ins Leere. Es kann diesbezüglich vollumfänglich den ausführlichen und plausiblen Überlegungen der Beschwerdegegnerin (vgl. insb. S. 4 ff. der Beschwerdeantwort) gefolgt werden.
4.4.4. Auch das psychiatrische Teilgutachten (SUVA-Akte 435, S. 103 ff.) erweist sich als umfassend und nachvollziehbar begründet. Insbesondere hat die Gutachterin sich fundiert mit den relevanten Vorakten auseinandergesetzt und ihre Diagnose nach sorgfältigem Abwägen aller in Betracht fallenden Möglichkeiten gestellt (vgl. insb. S. 16 ff. des Gutachtens). Die daran von der Beschwerdeführerin geübte Kritik (vgl. S. 21 ff. der Beschwerde) erscheint unberechtigt.
5.2.2. Als mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unfällen eingereiht hat die Praxis etwa die Kollision eines Lastwagens mit einem Personenwagen auf der Autobahn, wobei dieser dann zuerst mit der rechten, anschliessend mit der linken Tunnelwand kollidierte und die Windschutzscheibe durch heftigen Kopfanprall barst (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2008 vom 4. September 2008 E. 3.3.3). Gleich eingereiht wurde ein Unfall, bei dem der Versicherte mit einem Personenwagen auf der Überholspur der Autobahn fuhr und bei einer Geschwindigkeit von etwa 130 km/h plötzlich ins Schleudern geriet, die Normalspur und den Pannenstreifen überquerte und mit der Böschung kollidierte, wobei sich das Fahrzeug überschlug. Der Personenwagen wurde auf die Überholspur zurückgeschleudert und kam auf den Rädern stehend zum Stillstand. Beim Überschlagen wurde der Beifahrer aus dem Dachfenster auf die Böschung geschleudert. Der Versicherte konnte das Fahrzeug nicht mehr eigenständig verlassen (Urteil des Bundesgerichts 8C_799/2008 vom 11. Februar 2009 E. 3.2.2). Ebenfalls als mittelschweres Ereignis an der Grenze zu den schweren wurde ein Unfall qualifiziert, bei dem ein Lenker eines Motorrades mit einem entgegenkommenden Personenwagen kollidierte und beide Fahrzeuge mit rund 50 km/h unterwegs waren. Als erschwerendes Element kam in diesem Fall dazu, dass sowohl der Motorradlenker als auch seine mitfahrende Freundin rund 10 Meter durch die Luft geschleudert wurden (Urteile des Bundesgerichts 8C_746/2008 vom 17. August 2009 E. 5.1.2 und 8C_134/2015 vom 14. September 2015 E. 5.3.1).
5.2.3. Laut dem (auf Deutsch übersetzten) Unfallprotokoll der slowenischen Polizei vom 21. Januar 2009 (SUVA-Akte 185, S. 24 ff.) verlor die Beschwerdeführerin wegen unangepasster Geschwindigkeit nach dem Überholen eines Lastwagens die Kontrolle über das Fahrzeug. Das Fahrzeug geriet ins Schleudern, prallte mit der Frontseite auf die linke Leitplanke. Danach überschlug sich das Auto über die Leitplanke auf den mit Gras bewachsenen Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen, rutschte auf dem Dach bzw. dem Frontteil und kam schliesslich auf dem Mittelstreifen auf den Rädern zum Stehen. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann wurden im Fahrzeug eingeklemmt. Sie wurden mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Auto geholt und mit der Ambulanz ins Medizinische Zentrum in [...] gebracht. Die "Schwägerin", welche hinten links sass und nicht angegurtet war, wurde aus dem Fahrzeug herausgeschleudert. Sie blieb 17.60 Meter vor dem Fahrzeug auf dem linken Fahrstreifen liegen. Sie wurde per Helikopter ins Spital transportiert. Der Sohn der Beschwerdeführerin blieb unverletzt.
5.5.2. Ebenfalls als gegeben erachtet werden kann das Kriterium der körperlichen Dauerbeschwerden. So wurde im orthopädischen Gutachten (SUVA-Akte 435, S. 71 ff.) klargestellt, ein Teil der Beschwerden am linken Oberarm könne fachorthopädisch als plausibel ("teilweise zum Unfall") angesehen werden (vgl. S. 7 des Gutachtens; siehe auch S. 15 des Einspracheentscheides vom 20. Juli 2012 [SUVA-Akte 167, S. 15]). Des Weiteren ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bis zum Fallabschluss Ende September 2011, mithin während rund 21 Monaten, aufgrund der Beeinträchtigung am linken Arm arbeitsunfähig war. Damit kann ausserdem auch das Kriterium des Grads und der Dauer der Arbeitsunfähigkeit als knapp erfüllt angesehen werden (vgl. dazu u.a. das Urteil des Bundesgerichts 8C_123/2018 vom 18. September 2018 E. 5.2.2.3.).
5.5.3. Das Vorliegen der übrigen Kriterien ist hingegen zu verneinen. Insbesondere erlitt die Beschwerdeführerin keine schweren oder besonderen Verletzungen, die geeignet wären, psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Besondere Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussten, liegen nicht vor. Die Fraktur heilte grundsätzlich komplikationslos ab. Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist ebenfalls nicht gegeben. Die ärztliche Behandlung war in somatischer Hinsicht im Wesentlichen ein paar Monate nach dem letzten operativen Eingriff vom Februar 2010 beendet. Blosse medizinische Abklärungen, ärztliche Verlaufskontrollen sowie physiotherapeutische und medikamentöse Behandlungen stellen hingegen keine ärztliche Behandlung im Sinne dieses Kriteriums dar (vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2016 E. 8 und 8C_647/2018 vom 16. Januar 2019 E. 5.3). Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin dies anders empfunden haben mag, da eine objektive Betrachtungsweise massgebend ist (vgl. u.a. das Urteil des Bundesgerichts 8C_493/2018 vom 12. September 2018 E. 5.3.2 mit Hinweis).
6.1.2. Gemäss Art. 36 Abs. 1 der Verordnung vom 20. Dezember 1982 über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) gilt ein Integritätsschaden als dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht. Das Bundesgericht befasste sich in BGE 124 V 29 und 209 vertieft mit der Frage, ob und inwiefern psychische Störungen als dauerhaft im Sinne von Art. 36 Abs. 1 UVV zu betrachten sind. Es kam zum Schluss, dass für den Entscheid der Dauerhaftigkeit des Integritätsschadens und die Notwendigkeit einer entsprechenden psychiatrischen Abklärung die Praxis wegleitend ist, wie sie für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Unfallfolgen Geltung hat (BGE 124 V 29 und BGE 124 V 209). In Anlehnung an diese Praxis und die psychiatrischen Lehrmeinungen ist der Anspruch auf Integritätsentschädigung bei banalen bzw. leichten Unfällen regelmässig zu verneinen, selbst wenn die Adäquanz der Unfallfolgen ausnahmsweise bejaht wird. Auch bei Unfällen im mittleren Bereich lässt sich die Dauerhaftigkeit des Integritätsschadens in der Regel verneinen, ohne dass in jedem Einzelfall eine nähere Abklärung von Art und Dauerhaftigkeit des psychischen Schadens vorzunehmen wäre. Etwas anderes gilt nur ausnahmsweise, namentlich im Grenzbereich zu den schweren Unfällen, wenn aufgrund der Akten erhebliche Anhaltspunkte für eine besonders schwerwiegende Beeinträchtigung der psychischen Integrität bestehen, die einer Besserung nicht mehr zugänglich zu sein scheint. Solche Indizien können in den weiteren unfallbezogenen Kriterien erblickt werden, wie sie bei der Adäquanzbeurteilung zu berücksichtigen sind, sofern sie besonders ausgeprägt und gehäuft gegeben sind und die Annahme nahelegen, sie könnten als Stressoren eine lebenslang chronifizierende Auswirkung begünstigt haben (BGE 124 V 29, 45 E. 5c/bb; BGE 124 V 209, 214 E. 4b).
6.3.4. Im psychiatrischen Teilgutachten der L____ Begutachtung (SUVA-Akte 435, S. 103 ff.) wurde festgehalten, hinsichtlich der Schilderung der Alltagsfunktionalität sei man weitgehend auf den Selbstbericht der Explorandin bzw. die für die Begutachtenden authentisch und nachvollziehbar erscheinenden Angaben von Familienangehörigen angewiesen gewesen. Demnach sei die Explorandin in allen vergleichbaren Lebensbereichen erheblich eingeschränkt, also auch in Alltag und Freizeit; sie benötige in jeder Hinsicht praktisch ständige Betreuung bzw. zumindest Unterstützung bei der Alltagsbewältigung bzw. im Haushalt (vgl. S. 19 des Gutachtens). Gleichzeitig wurde allerdings auch erwähnt, dem aktuellen neuropsychologischen Teilgutachten könne entnommen werden, dass die Explorandin eigenen Angaben zufolge gelegentlich sehr kurze Strecken Auto fahre (vgl. S. 20 des Gutachtens). Ebenfalls festgestellt wurde im Gutachten, der enge familiäre Zusammenhalt und die Unterstützung durch den Ehemann der Explorandin und ihre erwachsenen Kinder seien prinzipiell als Ressourcen einzuschätzen (vgl. S. 19 des Gutachtens).
6.3.5. Bei dieser nicht ganz frei erscheinenden Ausgangslage bedarf die Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit daher einer besonders substanziierten Begründung. Es liegt nunmehr nicht am Sozialversicherungsgericht, die hier gebotene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anhand der Standardindikatoren von sich aus vorzunehmen. Dafür ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, welche allenfalls auch nochmals Rücksprache mit der Gutachterin zu nehmen hat.
Demgemäss erkennt das Sozialversicherungsgericht:
://: In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 25. März 2020 aufgehoben und die Sache zur Festlegung der weiteren Leistungen im Sinne der obigen Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
Der Beschwerdeführerin wird eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1'850.-- (inklusive Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer von Fr. 142.45 zugesprochen. Im Übrigen werden die ausserordentlichen Kosten wettgeschlagen.
Dem Vertreter der Beschwerdeführerin im Kostenerlass, lic. iur. B____, Advokat, wird ein Kostenerlasshonorar von Fr. 1’450.-- (inklusive Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer von Fr. 111.65 zugesprochen.
Das Verfahren ist kostenlos.
Sozialversicherungsgericht BASEL-STADT
Der Präsident Die Gerichtsschreiberin
Dr. G. Thomi lic. iur. S. Dreyer
Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdegründe sind in Art. 95 ff. BGG geregelt.
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:
a) Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;
b) in der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt;
c) die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.
Geht an:
– Beschwerdeführerin
– Beschwerdegegnerin
– Bundesamt für Gesundheit