Kanton Glarus

 

Obergericht

 

 

 

 

Beschluss und Urteil vom 30. Juni 2017

 

 

Verfahren OG.2016.00038

 

 

A.______

Kläger und

Berufungskläger

vertreten durch C.______

 

 

gegen

 

 

B.______

Beklagte und

Berufungsbeklagte

vertreten durch D.______

 

 

 

betreffend

 

Einräumung eines Notwegrechts

 

 

Anträge des Berufungsklägers (gemäss Eingabe vom 14. September 2016 [act. 34 S. 2]):

„1.

Es seien die Ziff. 2, 4, 5, 6, 7 und 8 des Dispositivs des angefochtenen Urteils ZG.2015.00582 des Kantonsgerichts Glarus vom 22. Juli 2016 aufzuheben.

2.

Es sei den Parz.-Nrn. www und xxx GB-V.______ (Gemeinde Glarus Nord), derzeit im Eigentum des Berufungsklägers stehend, ein Notwegrecht (allgemeines und unbeschränktes Fahrwegrecht) im Sinne der Ausführungen des Berufungsklägers über die Parz.-Nr. yyy GB-V.______ (Gemeinde Glarus Nord) einzuräumen, wobei die nähere Ausgestaltung des Weges gerichtlich zu bestimmen sei.

3.

Eventuell sei der Parz.-Nr. www GB-V.______ (Gemeinde Glarus Nord), derzeit im Eigentum des Berufungsklägers stehend, ein Notwegrecht (allgemeines und unbeschränktes Fahrwegrecht) im Sinne der Ausführungen des Berufungsklägers über die Parz.-Nr. yyy GB-V.______ (Gemeinde Glarus Nord) und der Parz.-Nr. xxx GB-V.______ (Gemeinde Glarus Nord), derzeit im Eigentum des Berufungsklägers stehend, ein Notwegrecht (unbeschränktes Fahrwegrecht für Elektrofahrzeuge) im Sinne der Ausführungen des Berufungsklägers über die Parz.-Nr. yyy GB-V.______ (Gemeinde Glarus Nord) einzuräumen, wobei die nähere Ausgestaltung des Weges gerichtlich zu bestimmen sei.

4.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer zu Lasten der Berufungsbeklagten sowie unter dem Vorbehalt sämtlicher weiterer Rechte zu Gunsten des Berufungsklägers.“

Anträge der Berufungsbeklagten (gemäss Eingabe vom 7. November 2016 [act. 41 S. 2]):

„1.

Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen.

2.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Berufungsklägers.“

____________________

 

Das Gericht zieht in Betracht:

 

I.
(Prozessgeschichte)

 

1.

A.______ ist Alleineigentümer der Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx im U.______ in V.______, Gemeinde Glarus Nord. An seine erstgenannte Liegenschaft grenzt die Liegenschaft Nr. yyy, im U.______ in V.______, Gemeinde Glarus Nord, die im Alleineigentum von B.______ steht (vgl. z.B. act. 3/2-5).

2.

Am 6. Mai 2015 leitete A.______ beim Vermittleramt Glarus Nord ein Schlichtungsverfahren gegen B.______ ein. In diesem verlangte er, dass zugunsten seiner Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy von B.______ ein Notwegrecht im Sinne eines allgemeinen Fuss-, Fahr- sowie Viehfahrwegrechts eingeräumt werde (act. 1). Die Parteien konnten sich an der Schlichtungsverhandlung nicht einigen (act. 1 S. 3). Daraufhin reichte A.______ am 28. Juli 2015 beim Kantonsgericht fristgerecht und unter Beilage der Klagebewilligung des Vermittleramts Glarus Nord vom 21. Mai 2015 (act. 1) eine Klage mit identischen Rechtsbegehren wie vor dem Vermittleramt ein (act. 2).

3.

Am 6. Oktober 2015 hielt der Kantonsgerichtspräsident einen Augenschein im U.______ in V.______ und anschliessend eine Instruktionsverhandlung ab (act. 7-10). Danach nahm B.______ mit Eingabe vom 8. Februar 2016 zur Klage Stellung (act. 14). In der Folge fand am 3. Mai 2016 die Hauptverhandlung vor dem Kantonsgerichtspräsidenten statt (act. 20-25). Schliesslich fällte der Kantonsgerichtspräsident am 22. Juli 2016 in dieser Sache sein Urteil. Mit diesem räumte er zugunsten der Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx von A.______ und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy von B.______ erstens ein Notwegrecht im Sinne eines unbeschränkten Fuss- und Viehfahrwegrechts auf dem bestehenden Weg zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www und zweitens auf ebendiesem Weg ein Notwegrecht im Sinne eines beschränkten Fahrwegrechts, das pro berechtigte Liegenschaft jährlich 48 Einzelfahrten resp. 24 Hin- und Zurückfahrten mit einem motorisierten Fahrzeug (ohne Quads und Motorfahrräder) umfasst und mit Ausnahme von unaufschiebbaren Krankentransporten sowie Feuerwehreinsätzen zwischen 7.00 Uhr und 20.00 Uhr ausgeübt werden muss, ein. Weiter verpflichtete der Kantonsgerichtspräsident A.______, B.______ für diese Notwegrechte eine Entschädigung von insgesamt CHF 800.– zu bezahlen. Im Übrigen wies er die Klage ab (act. 31).

4.

Am 14. September 2016 erhob A.______ gegen diesen Entscheid rechtzeitig Berufung und stellte die einleitend wiedergegebenen Anträge (act. 34). Die Berufungsantwort von B.______ mit dem Antrag auf Abweisung der Berufung datiert vom 7. November 2016 (act. 41). Hierauf hielt das Obergericht am 9. Dezember 2016 im U.______ in V.______ einen Augenschein ab und gleichentags erstatteten die Parteien je ihre mündliche Berufungsreplik bzw. -duplik (act. 43-51/12-17). Ein von B.______ am 29. Mai 2017 gestelltes Gesuch um Sistierung des Berufungsverfahrens (act. 54) wies der Obergerichtspräsident am 20. Juni 2017 ab (act. 59).

II.
(Prozessuales)

 

1. a)

Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Entscheids im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO).

b)

Die Dispositiv-Ziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils vom 22. Juli 2016 (act. 31), in der dem Kläger zugunsten seiner Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten Notwegrechte im Sinne unbeschränkter Fuss- und Viehfahrwegrechte eingeräumt wurden, blieb unangefochten. In diesem Umfang ist dieses Urteil somit in Rechtskraft erwachsen. Dies ist vorzumerken.

c)

Ebenfalls von keiner Partei ausdrücklich angefochten wurde die Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils, in der der Kläger verpflichtet wurde, der Beklagten für die vorinstanzlich eingeräumten Notwegrechte (unbeschränkte Fuss- und Viehfahrwegrechte sowie beschränkte Fahrwegrechte) eine Entschädigung von insgesamt CHF 800.– zu bezahlen. Da aber die Höhe der Entschädigung für die Notwegrechtsbelastung vom Umfang der eingeräumten Notwegrechte abhängt (zu deren Berechnung vgl. hinten, E. IV.11. sowie z.B. Rey/Strebel, BSK ZGB II, Art. 694 N 24 ff. m.w.H.) und Letzteres Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bildet (vgl. vorne, S. 2), liegt in Bezug auf diese Dispositiv-Ziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils keine Rechtskraft vor (vgl. z.B. auch OG ZH, PQ140028 vom 22. Juli 2014, E. 2.2.).

2.

Im vorliegenden Verfahren gilt die Dispositionsmaxime. Demnach darf das Gericht einer Partei nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als sie verlangt, und nicht weniger als die Gegenpartei anerkannt hat (Art. 58 ZPO). Dies hat zur Folge, dass im vorliegenden Berufungsverfahren das Verschlechterungsverbot (Verbot der reformatio in peius) gilt. Dieses besagt, dass die Berufungsinstanz das angefochtene erstinstanzliche Urteil nicht zu Ungunsten der Berufung erhebenden Partei abändern darf, es sei denn, die Gegenpartei habe – was hier nicht zutrifft – ebenfalls Berufung (oder Anschlussberufung) erhoben (vgl. z.B. BGer 5A_169/2012 vom 18. Juli 2012, E. 3.3 m.w.H.).

 

III.
(Sachverhalt im Überblick)

 

1.

Insbesondere folgende Sachverhaltsteile sind zwischen den Parteien nicht strittig (vgl. v.a. act. 2; act. 14; act. 21-22):

a)

Der Kläger ist wie bereits erwähnt (E. I.1a) Alleineigentümer der Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx im U.______ in V.______, Gemeinde Glarus Nord. An seine erstgenannte Liegenschaft grenzt die Liegenschaft Nr. yyy, im U.______ in V.______, Gemeinde Glarus Nord, die im Alleineigentum der Beklagten steht und von ihren Eltern bewohnt wird. Von den beiden Liegenschaften des Klägers führt ein Weg über die Liegenschaft der Beklagten sowie über die Liegenschaft Nr. zzz, die im Alleineigentum der Genossame V.______ steht, hin zur öffentlich befahrbaren, im Eigentum der Gemeinde Glarus Nord stehenden [...]-Strasse (Liegenschaft Nr.[..]). Indes lasten auf den Liegenschaften Nr. yyy der Beklagten und Nr. zzz der Genossame V.______ keine Dienstbarkeiten o.ä., die den Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx die Benützung dieses Weges in irgendeiner Weise erlauben würden. Jedoch hat die Genossame V.______ ihre Bereitschaft geäussert, sämtlichen Anstössern ein unbeschränktes und unentgeltliches Fuss- und Fahrwegrecht über die Liegenschaft Nr. zzz einzuräumen (vgl. act. 23/55 und act. 31 E. II.4.). Abgesehen von diesem Weg bestehen im Übrigen von den Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx aus keine Wegverbindungen zu einer öffentlichen Strasse.

b)

Der Kläger erwarb die Liegenschaft Nr. xxx am 2. August 1993 von […]. Im diesbezüglichen Kaufvertrag wird diese rund 820 m2 grosse Liegenschaft als „Ferien-/Wochenendhaus“ samt Wiese und Wegen beschrieben (act. 3/8). In der Folge baute der Kläger diese Liegenschaft Nr. xxx, die ihm und seiner Familie von nun an als (ständige) Familienwohnung diente, um und aus (act. 2 Rz. 12, 26 und act. 34 Rz. 11). Die Liegenschaft Nr. xxx ist vollständig von der Liegenschaft Nr. www umgeben und wurde nach eigenen, unstrittigen Angaben des Klägers im Jahr 1988 – offenkundig gemeint von der Liegenschaft Nr. www (vgl. nur die in den act. 3/2-3 enthaltenen Dienstbarkeitseintragungen vom 22. Juni 1988) – abparzelliert. Ebendiese Liegenschaft Nr. www pachtete der Kläger seit dem 1. Januar 2002, bis er sie am 3. März 2008 von […] käuflich erwarb. Die Liegenschaft weist eine Fläche von rund 20‘600 m2 auf und umfasst im Wesentlichen Wiesland (14‘310 m2), einen Stall, Weggebiet und geschlossenen Wald (5‘357 m2).

2.

Auf weitere unstrittige und strittige Sachverhaltselemente wird soweit erforderlich im Rahmen der nachstehenden Erwägungen eingegangen.

 

IV.
(Materielle Beurteilung)

 

1.

Die Vorinstanz erwog zusammengefasst Folgendes: Da sich die klägerischen Liegenschaften abgelegen ausserhalb V.______ respektive des Wohngebiets befänden und der Zugang zu ihnen dadurch gewährleistet sei, dass die Beklagte sowie die Genossame V.______ ein Fuss- und Viehfahrwegrecht zugunsten der Kläger anerkannten, könne dem Kläger kein genereller Anspruch auf eine allgemeine Zufahrt zu seinen Liegenschaften mit einem Motorfahrzeug eingeräumt werden. Sodann rechtfertigten Bedenken bezüglich Beschaffenheit bzw. Stabilität der den Zugangsweg auf der Liegenschaft Nr. yyy im Waldbereich talseitig abstützenden Stützmauer, ein allfälliges Fahrwegrecht angemessen zu beschränken. Indem der Kläger und dessen Familie die Liegenschaft Nr. xxx zu Wohnzwecken benütze, sei er auf eine Zufahrtsmöglichkeit mit Motorfahrzeugen höchstens insoweit angewiesen, als es um Notfälle sowie die Lieferung schwerer Gegenstände gehe, die für das Bewohnen des Hauses unentbehrlich seien (z.B. Möbel- und Heizmaterialtransporte). Die Seltenheit solcher Transporte rechtfertige es, das Notfahrwegrecht zugunsten der Liegenschaft Nr. xxx und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy auf insgesamt jährlich 48 Einzelfahrten respektive 24 Hin- und Zurückfahrten mit motorisierten Fahrzeugen zu beschränken. In Bezug auf die Liegenschaft Nr. www erwog die Vorinstanz, diese befinde sich weder in der Landwirtschaftszone noch werde sie vom Kläger im landwirtschaftlichen Sinne genutzt. Damit entspreche die gewählte Nutzungsart nicht der wirtschaftlichen Bestimmung, die dem Grundstück aufgrund der gesamten örtlichen Verhältnisse zukomme, weshalb der Kläger zugunsten seiner Liegenschaft Nr. www keinen Anspruch auf ein allgemeines Notfahrwegrecht habe. Auch ohne dass ihr die Eigenschaft eines landwirtschaftlichen Betriebes zukomme, könne aber die Bewirtschaftung dieser Liegenschaft angesichts von deren Grösse von 20‘672 m2 mit sich bringen, dass der Kläger viel Heu oder schweres Holz abführen müsse, was mit Schubkarren schwierig zu bewältigen sei. Hingegen könne das Halten von Tieren (Zuführen von Futter, Abführen von Mist) aufgrund des geringen Tierbestandes der Familie des Klägers auch mit einer Schubkarre bewältigt werden. Demnach und aufgrund der wenig intensiven Bewirtschaftung der Liegenschaft Nr.www rechtfertige es sich, dem Kläger zugunsten der Liegenschaft Nr. www und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy ein beschränktes Notfahrwegrecht von insgesamt jährlich 48 Einzelfahrten respektive 24 Hin- und Zurückfahrten mit motorisierten Fahrzeugen einzuräumen. Mit derart beschränkten Notwegrechten sowie der zusätzlichen Anordnung, dass die Fahrten – mit Ausnahme von unaufschiebbaren Krankentransporten und Feuerwehreinsätzen – zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr durchzuführen seien und die Benützung von Motorrädern und Quads zu untersagen sei, werde auch auf die Interessen der Beklagten hinreichend Rücksicht genommen (zum Ganzen: act. 31 E. III.).

2.

Der Kläger rügt in seiner Berufung im Wesentlichen, die Vorinstanz habe das Recht unrichtig angewendet, indem sie ihm zugunsten seiner Liegenschaften und zulasten der Liegenschaft der Beklagten lediglich beschränkte Notfahrwegrechte eingeräumt habe. Entgegen der Vorinstanz sei die fragliche Stützmauer beim Zugangsweg genügend stabil, um diesen Zufahrtsweg problemlos auch mit schwerem Gerät zu befahren. Der Vater der Beklagten sowie der Pächter der Liegenschaft Nr. yyy beführen den Zufahrtsweg selber täglich mit verschiedenen Fahrzeugen und zu verschiedenen Zwecken. Ohnehin dürfe der Zustand der Stützmauer kein Grund dafür sein, ihm ein unbeschränktes und allgemeines Notfahrwegrecht zu verweigern. Denn die Mauer könne auch unter seiner Kostenmittragung saniert und verstärkt werden. Weiter habe die Vorinstanz, indem sie verneine, dass er (der Kläger) ein landwirtschaftliches Gewerbe betreibe, den Sachverhalt unrichtig festgestellt. Die Vorinstanz lasse bei ihren diesbezüglichen Erwägungen insbesondere 10 von ihm gehaltene Hühner unberücksichtigt und suggeriere zu Unrecht, dass die Liegenschaft Nr. www heute nicht dem Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) unterstellt sei. Bereits sein Rechtsvorgänger habe auf der Liegenschaft Nr. www ein landwirtschaftliches Gewerbe betrieben. Unzutreffend seien auch die vorinstanzlichen Erwägungen, wonach sich seine Liegenschaften abgelegen im U.______ sowie nicht in der Landwirtschaftszone befänden und wonach keine der Liegenschaften im U.______ motorfahrzeugmässig erschlossen sei. Sodann sei die von der Vorinstanz festgelegte Beschränkung der Notfahrwegrechte auf insgesamt 96 Fahrten pro Jahr jeweils zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr impraktikabel, untragbar, nicht vollstreckbar, nicht im Grundbuch eintragbar und in zeitlicher Hinsicht unangemessen. Insbesondere habe die Vorinstanz nicht berücksichtigt, dass der Auszug seiner bereits über 20-jährigen Söhne absehbar sei, weshalb künftig nicht mit unzumutbaren Immissionen beim Befahren des Zufahrtswegs zu rechnen sei. Ohnehin aber habe entgegen der Vorinstanz nie jemand mit Quads die beklagtische Liegenschaft befahren und erkläre er (der Kläger) sich bereit, die bestehende Zufahrtsstrasse auf seine Kosten bergseits weg vom auf der Liegenschaft Nr. yyy stehenden Wohnhaus zu versetzen, falls ihm ein unbeschränktes und allgemeines Fahrwegrecht eingeräumt werde. Schliesslich würde er im Sinne eines Entgegenkommens eventualiter in Bezug auf die Liegenschaft Nr. xxx ein zeitlich unbeschränktes Fahrwegrecht für Elektrofahrzeuge akzeptieren, während er hinsichtlich der Liegenschaft Nr. www auf einem unbeschränkten allgemeinen Fahrwegrecht bestehe (zum Ganzen: act. 34 Rz. 10 ff.).

3. a)

Hat ein Grundeigentümer keinen genügenden Weg von seinem Grundstück auf eine öffentliche Strasse, so kann er beanspruchen, dass ihm die Nachbarn gegen volle Entschädigung einen Notweg einräumen (Art. 694 Abs. 1 ZGB).

b)

Berechtigt zur Geltendmachung eines solchen Notweganspruchs ist primär der Eigentümer der notleidenden Liegenschaft. Der Notweganspruch richtet sich grundsätzlich gegen jeden benachbarten Grundeigentümer, d.h. nicht nur gegen den Eigentümer des direkt angrenzenden Grundstücks, sondern gegen all jene Eigentümer, deren Grundstücke zwischen dem notwegbedürftigen Grundstück und der öffentlichen Strasse liegen (vgl. im Detail Rey/Strebel, BSK ZGB II, Art. 694 N 12-14 – zu den dortigen Ausführungen in Widerspruch steht die Bemerkung derselben Autoren in BSK ZGB II, Art. 694 N 5, wonach das zu berechtigende und das zu belastende Grundstück unmittelbar aneinander grenzen müssen; konsequent und zutreffend hingegen Rey, Die Grundlagen des Sachenrechts und das Eigentum, 3. Aufl., Bern 2007, N 1163, 1166).

c)

Unstrittig (vgl. vorne, E. III.1a) sind der Kläger bzw. die Beklagte Alleineigentümer der in die vorliegende Sache involvierten, benachbarten Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx bzw. Nr. yyy. Die Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten befindet sich sodann zwischen den nach Auffassung des Klägers notwegbedürftigen Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx und der öffentlichen Strasse (Liegenschaft Nr. 52; vgl. act. 3/5). Damit ist vorliegend die Aktiv- respektive die Passivlegitimation der Parteien unzweifelhaft gegeben.

4. a)

Wegnot im Sinne von Art. 694 Abs. 1 ZGB liegt vor, wenn das berechtigte Grundstück mangels einer genügenden Verbindung zu einer öffentlichen Strasse weder bestimmungsgemäss genutzt noch im Rahmen dieser Nutzung rationell bewirtschaftet werden kann. Die bestimmungsgemässe Nutzung des Grundstücks ergibt sich zum einen aus seiner Beschaffenheit, Lage und Umgebung, zum andern aber insbesondere auch aus der Rechtsordnung, namentlich aufgrund des Raumplanungsrechts (BGer 5C.91/2005 vom 11. Oktober 2005 E. 1. f.).

b)

Das Notwegrecht bedeutet wie andere mittelbare gesetzliche Eigentumsbeschränkungen (z.B. Durchleitungen, Notbrunnen u.ä.) eine "privatrechtliche Enteignung". Das Bundesgericht hat die Gewährung eines Notwegrechts deshalb von strengen Voraussetzungen abhängig gemacht. Der Anspruch auf Einräumung eines Notwegrechts kann nur in einer eigentlichen Notlage geltend gemacht werden. Wegnot liegt bei einem Grundstück dann vor, wenn die zur bestimmungsgemässen Benutzung des Grundstücks erforderliche Verbindung zur öffentlichen Strasse überhaupt fehlt oder der vorhandene Weg sich als ungenügend erweist. Für die blosse Verbesserung nicht ganz vollkommener Wegverhältnisse kann kein Notweg beansprucht werden. Der Ansprecher hat sodann darzulegen, dass er erfolglos alles ihm Mögliche getan hat, um mit öffentlich-rechtlichen Mitteln einen Zugang zu seinem Grundstück zu erlangen (BGE 136 III 130 E. 3.3.1 m.w.H.). Nach heutiger Auffassung hat ein Grundeigentümer in einem Gebiet, wo Wohn- oder Ferienhäuser stehen, grundsätzlich Anspruch auf eine allgemeine Zufahrt zu seinem Grundstück mit einem Motorfahrzeug, sofern die topographischen Verhältnisse eine solche überhaupt zulassen. Bei Grundstücken ausserhalb des Bereichs von Ortschaften gilt dieser Grundsatz – unter denselben Voraussetzungen – nicht uneingeschränkt, aber immerhin insoweit, als es um die Ermöglichung von Transporten geht, die sich gewöhnlich nur mit Fahrzeugen ausführen lassen (BGer 5C.225/2003 vom 23. Dezember 2003 E. 7.1). Ausserhalb von Ortschaften bzw. eigentlichen Wohngebieten kann also ein Not-Fusswegrecht genügend sein, falls für ausserordentliche Transporte (z.B. Lieferung von Brennstoffen oder Möbeln, Fahrten des Arztes, der Ambulanz oder der Feuerwehr usw.) gleichwohl eine Befahrungsmöglichkeit besteht (Göksu, CHK ZGB, Art. 694 N 4 m.w.H.).

c)

Für die Anwendung von Art. 694 ZGB ist nicht die einmal gegebene Art der Benutzung und Bewirtschaftung eines Grundstücks auf alle Zeiten massgebend. Jedoch kann eine Änderung der Verhältnisse und Bedürfnisse nur Anlass zur Entstehung eines bisher nicht vorhandenen (unbeschränkten) Notwegrechts geben, sofern sie auf objektiven Gründen und nicht einfach auf persönlichen Wünschen oder Liebhabereien des Eigentümers beruht (BGE 107 II 323 E. 3; BGE 85 II 392 E. 1a). Die Änderung der bisherigen Benutzungsart eines Grundstücks ist nicht nur auf den persönlichen Wunsch des Eigentümers, sondern auf einen objektiven Grund zurückzuführen, wenn sie der Natur und Umgebung des Grundstücks entspricht, bzw. einem wirklichen wirtschaftlichen Bedürfnis des Grundstücks entspringt. Dies ist vor allem dann anzunehmen, wenn die Bewirtschaftungsart den veränderten örtlichen Verhältnissen oder einer allgemeinen Entwicklung angepasst wird. Entspricht die gewählte Nutzungsart nicht der wirtschaftlichen Bestimmung, die dem Grundstück aufgrund der gesamten örtlichen Verhältnisse zukommt, so kann allein aufgrund der persönlichen Bedürfnisse des Eigentümers kein (umfassendes) Notwegrecht abgeleitet werden. Ein solches kann sich immer nur aus der bestimmungsgemässen Benutzung eines Grundstücks ergeben (BGE 107 II 323 E. 3).

d)

Inhalt des Notwegrechts ist ein Dulden der Traversierung des belasteten Grundstücks nach Massgabe des eingeräumten Rechts (z.B. Fuss- oder Fahrweg, zeitliche Beschränkungen, nur zu bestimmten Zwecken, etc.; Göksu, CHK ZGB, Art. 694 N 15). Der Umfang der Notwegberechtigung und die Lage des Notwegtrasses bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalles (Haab, ZK ZGB, Art. 694 N 20). Dabei muss die Einräumung des Notwegrechts unter Berücksichtigung der entgegengesetzten Interessen verhältnismässig erscheinen (vgl. Art. 694 Abs. 3 ZGB). Sowohl bei der Beantwortung der Grundsatzfrage, ob überhaupt ein Anspruch auf ein Notwegrecht besteht, als auch bei der Klärung der konkreten Ausgestaltung des Notwegrechts ist folglich eine Interessenabwägung (berücksichtigend u.a.: Wichtigkeit des Wegs für den Ansprecher, Ausmass der Unannehmlichkeiten für den Belasteten) vorzunehmen (Göksu, CHK ZGB, Art. 694 N 7).

5. a)

Die beiden Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx des Klägers liegen im Weiler U.______ oberhalb V.______ auf zirka 660 Metern über Meer. Das Dorfzentrum V.______ liegt auf zirka 430 Metern über Meer. Die Distanz vom Dorfzentrum V.______ bis zum Wohnhaus des Klägers beträgt zirka 1.37 Kilometer (Luftlinie) bzw. zirka 2.4 Kilometer (Fussgängerroute) bzw. zirka 3.1 Kilometer (Motorfahrzeugroute). Das Wohnhaus des Klägers steht vereinzelt im Gebiet U.______, betragen doch die Distanzen zwischen den insgesamt lediglich vier (und nicht „zahlreichen“, wie der Kläger behauptet [act. 34 Rz. 47]) ständig bewohnten, im U.______ gelegenen Wohnhäusern je mindestens rund 110 Meter (zum Ganzen: act. 47 S. 3 und S. 8-15). Schliesslich ist festzuhalten, dass sich die Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx entgegen den Erwägungen der Vorinstanz (act. 31 E. III.3.2.) in der Landwirtschaftszone befinden (unstrittig, vgl. act. 34 Rz. 62; act. 41 Rz. 45; act. 35/11). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass sich das Gebiet U.______ in V.______, in dem die klägerischen Liegenschaften liegen, fernab der Ortschaft und fernab von eigentlichen Wohngebieten befindet und dort alles andere als eine dichte, geordnete Besiedelungsform, sondern vielmehr eine ungeordnete, dünne Zersiedelung besteht. Die Abstände zwischen den wenigen Häusern sind mit den genannten je mindestens 110 Metern zu gross, um zu konstatieren, dass ein Siedlungszusammenhang vorliegt. Ausserdem ist das Gebiet U.______ nahezu rundherum – eine kleinere waldfreie Lücke besteht einzig gegen den Parkplatz im „[…]“ hin – von Wald umgeben. Im Dorfbereich hingegen ist V.______ recht geschlossen bebaut (vgl. zum Ganzen illustrativ z.B. auch act. 47 S. 10-12, 14).

b)

Infolge dieser Feststellungen gelangen im vorliegenden Fall nicht die für bewohnte Gebiete massgebenden Notwegrechts-Kriterien (Anspruch auf eine allgemeine Zufahrt zum Grundstück mit einem Motorfahrzeug; vgl. vorne, E. IV.4b), sondern jene für Grundstücke ausserhalb von Ortschaften, wonach neben einem Not-Fusswegrecht eine Befahrungsmöglichkeit bzw. Fahrberechtigung für ausserordentliche Transporte genügen kann (vgl. wiederum vorne, E. IV.4b), zur Anwendung. Ebenfalls folgt aus dem Gesagten, dass die vom Kläger in seiner Berufungsschrift (act. 34 Rz. 45 ff.) zitierten Gerichtsentscheide allesamt nicht einschlägig sind: Im Gegensatz zum Sachverhalt, auf dem der Entscheid BGer 5C.142/2003 vom 28. August 2003 basiert, liegen die lediglich vier im U.______ stehenden Wohnhäuser abgeschieden und vereinzelt. Ähnliches gilt in Bezug auf die weiteren vom Kläger ins Feld geführten Bundesgerichtsentscheide BGE 93 II 167 und BGer 5A_500/2009 vom 19. November 2009 (= BGE 136 III 130) sowie den Obergerichtsentscheid OG.2002.00040 vom 5. Dezember 2003. In allen diesen Fällen lagen die betroffenen Liegenschaften in Bauzonen, wohingegen die hier betroffene Liegenschaft Nr. xxx in der Landwirtschaftszone steht. Ausserdem bestand in diesen drei Fällen die bestimmungsgemässe Nutzung der klagenden Liegenschaft in einer Nutzung zum ständigen Bewohnen wohingegen in casu die bestimmungsgemässe Nutzung der klägerischen Liegenschaften – wie sogleich dargelegt wird (E. IV.6b f.) – in der Nutzung als Ferien-/Wochenendhaus bzw. in einer kleinlandwirtschaftlichen und kleinforstwirtschaftlichen Nutzung liegt. Im Übrigen ist zum vom Kläger getätigten Beizug (bundes-)gerichtlicher Präjudizien zu bemerken, dass – wie gerade im von ihm zitierten Entscheid BGer 5A_500/2009 (= BGE 136 III 130), E. 3.3.3, betont wird – bei der Beurteilung von Notwegrechtsklagen ohnehin jeweils die Umstände des konkreten Einzelfalles entscheidend sind.

6. a)

Sodann ist zu prüfen, welches die bestimmungsgemässe Nutzung bzw. Bewirtschaftung der Liegenschaften des Klägers ist. Wie erwogen, ergibt sich diese insbesondere aus der Beschaffenheit, Lage und Umgebung der Grundstücke, sowie aus der Rechtsordnung (vgl. vorne, E. IV.4a).

b)

Was die Liegenschaft Nr. xxx anbelangt, ist – wie bereits erwähnt (E. III.1b) – im Kaufvertrag vom 2. August 1993 (Käufer: Kläger; Verkäufer: Q.______) festgehalten, dass es sich bei dieser Liegenschaft um ein „Ferien-/Wochenendhaus“ mit Umschwung handelt (act. 3/8; unstrittig: act. 34 Rz. 11; act. 41 Rz. 11). Nach eigenen Angaben baute der Kläger diese Liegenschaft nach dem Erwerb fortlaufend um sowie aus und nutzte sie seit dem Kauf als Wohnhaus für sich und seine Familie (act. 2 Rz. 26; act. 34 Rz. 11 f.). Somit fand im Zeitpunkt des Erwerbs der Liegenschaft Nr. xxx durch den Kläger, d.h. im Herbst des Jahres 1993, eine Änderung der Nutzung dieser Liegenschaft statt: Vor diesem Zeitpunkt war sie als Ferien- bzw. Wochenendhaus beschaffen und wurde – wovon mangels anderslautender Parteivorbringen auszugehen ist – auch so genutzt, wohingegen sie seit dem Herbst des Jahres 1993 einer ganzen Familie als Dauerwohnsitz dient und ausgebaut wurde. Aufgrund ihrer ursprünglichen Beschaffenheit sowie Nutzung als Ferien- bzw. Wochenendhaus und ihrer peripheren Lage (vgl. soeben, E. IV.5a) in der Landwirtschaftszone samt entsprechender Umgebung liegt die bestimmungsgemässe Nutzung dieser Liegenschaft Nr. xxx somit in der Nutzung als Ferien- bzw. Wochenendhaus. Dass drei andere Häuser im Gebiet U.______ dauerhaft bewohnt sind, vermag an dieser Qualifikation entgegen der Auffassung des Klägers (act. 34 Rz. 56) nichts zu ändern. Die stattgefundene Änderung der Art der Benutzung hin zu einer Nutzung als Dauerwohnsitz beruht nicht auf objektiven Gründen bzw. auf einer Anpassung an veränderte örtliche Verhältnisse oder an eine allgemeine Entwicklung, sondern einzig und allein auf persönlichen Wünschen des Klägers und dessen Familie. Wie vorne ausgeführt (E. IV.4c), besteht in einer solchen Situation kein Anspruch auf ein umfassendes Not(fahr)wegrecht, sondern lediglich ein Anspruch auf ein solches Not(fahr)wegrecht für ausserordentliche Transporte.

c)

Die Liegenschaft Nr. www erwarb der Kläger mit Kaufvertrag vom 3. März 2008 (act. 3/9). Zuvor, seit 1. Januar 2002, hatte er diese Liegenschaft bereits gepachtet (act. 2 Rz. 10, 27; act. 3/25). Vorab ist zu bemerken, dass entgegen der Vorinstanz (act. 31 E. III.3.5.2.) im Kaufvertrag vom 3. März 2008 (act. 3/9) nicht festgehalten wird, dass es sich bei der Liegenschaft Nr. www nicht um ein landwirtschaftliches Gewerbe im Sinne des Bundesgesetzes über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) handelt. Vielmehr heisst es dort lediglich, dass es für die Veräusserung dieser Parzelle der Feststellung, dass diese Liegenschaft nicht zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe im Sinne des BGBB gehört, bedarf (act. 3/9 S. 2 unten). Dass diese Feststellung tatsächlich je getätigt wurde, mag zwar aufgrund der geschehenen Eigentumsübertragung (vgl. act. 3/3) wahrscheinlich sein, ist aber in den Akten nirgends eindeutig belegt. Folglich lässt sich aus der genannten Vertragsklausel im Hinblick auf die Ermittlung der bestimmungsgemässen Nutzung der Liegenschaft nichts Verlässliches ableiten. Dies, zumal hierfür wie erwähnt (E. IV.4a) nicht primär die BGBB-rechtlichen Qualifikation, sondern vor allem die Beschaffenheit, die Lage und die Umgebung der Liegenschaft sowie das Raumplanungsrecht massgebend sind.

Im – nur in nicht unterzeichneter und undatierter Form vorliegenden – Pachtvertrag zur Liegenschaft Nr. www ist u.a. Folgendes festgehalten: „Bodennutzung im Zeitpunkt des Pachtantrittes: Weidefläche“ (act. 3/25). Im Kaufvertrag vom 3. März 2008 (act. 3/9) wird die insgesamt rund 20‘600 m2 grosse (act. 3/3) Liegenschaft Nr. www beschrieben als „Gebäude […] (Stall, Scheune)“ und „Acker, Wiese, geschlossener Wald, Fussweg/Radweg/Trottoir“. Ferner stellte das Gericht anlässlich des Augenscheins fest, dass das Gelände der sich in der Landwirtschaftszone befindenden Liegenschaft Nr. www vielerorts mit grösseren und kleineren Steinbrocken durchsetzt ist sowie abfallend verläuft (vgl. act. 47 Abb.5-8 sowie S. 6 unten). Nach dem Gesagten liegt die bestimmungsgemässe Nutzung des Grundstücks Nr. www in einer Nutzung erstens als Weidefläche und für vergleichbare klein-landwirtschaftliche Zwecke und zweitens – soweit es mit Wald bewachsen ist (5‘357 m2; act. 3/3) – für kleinere forstliche Zwecke. Der vom Kläger getätigte Ausbau der Tierhaltung und des Stalles hin zu dem Umfang, wie er sich heute präsentiert (Tierbestand in den Jahren 2015 und 2016 gemäss nicht bestrittener [act. 14 Rz. 25; act. 41 Rz. 17-20] Darstellung des Klägers: 12 Lamas, 2 Minipig, 10 Hühner, 1 Hahn, 2 Hunde und 4 Katzen, vgl. act. 2 Rz. 30 und act. 34 Rz. 20), entspricht durchaus noch der bestimmungsgemässen Nutzung des Grundstücks. Insofern besteht ein Anspruch auf Einräumung eines Notwegrechts (auch) im Sinne eines Fahrwegrechts zugunsten des Grundstücks Nr. www (zu dessen konkretem Umfang vgl. hinten, E. IV.8a-g).

7. a)

Für die genannten bestimmungsgemässen Nutzungen (Ferien- bzw. Wochenendhaus respektive kleinlandwirtschaftliche und kleinere forstliche Zwecke) verfügen die Liegenschaften Nr. xxx und Nr. www unstrittig weder über direkte Zufahrtswege zu einer öffentlichen Strasse noch über irgendwelche Zufahrtsrechte zu einer solchen via andere benachbarte Liegenschaften (vgl. act. 3/2-5; act. 2 Rz. 5; act. 14 Rz. 9 f.). Strittig ist zwischen den Parteien hingegen, ob der Kläger alles ihm Mögliche und Zumutbare tat, um mit öffentlich-rechtlichen Mitteln einen solchen Zugang von einer öffentlichen Strasse zu seinen Grundstücken zu erwirken.

b)

Q.______, der frühere Eigentümer der Liegenschaft Nr. xxx reichte am 6. Juli 1993 ein Baugesuch gemäss Art. 32 aRBG/GL für die Erstellung eines Maschinenwegs ab der westlich der Liegenschaften Nr. xxx und www auf der Liegenschaft Nr. zzz verlaufenden […]-strasse (vgl. z.B. act. 3/5) ein (act. 3/12). Im Kaufvertrag vom 2. August 1993 betreffend die Liegenschaft Nr. xxx vereinbarten Q.______ und der Kläger, dass es Sache des Letzteren sei, sich inskünftig beim Gemeinderat V.______ um den Anschluss an die […]-strasse zu bemühen (act. 3/8 S. 5; vgl. auch die Vollmacht in act. 3/12). Am 29. November 1993 wies der Gemeinderat V.______ das Baugesuch gestützt auf Stellungnahmen des Kantonsforstamts, des kantonalen Amts für Umweltschutz sowie des kantonalen Meliorationsamtes (act. 3/13-18) ab mit der Begründung, dass die vorgesehene Waldrodung für den Bau des Maschinenwegs unverhältnismässig sei (act. 3/19). Gegen diesen Entscheid erhob der Kläger zunächst beim Regierungsrat und hernach beim Verwaltungsgericht Rechtsmittel. Letzteres wies die Sache zur Neubeurteilung an den Regierungsrat zurück. Daraufhin stellte der damalige Vorsteher der kantonalen Direktion für Landwirtschaft, Wald und Umwelt, mit ausführlichem Schreiben vom 18. Juli 1997 eine Ablehnung des im Zuge des Baugesuches eingereichten Rodungsgesuchs in Aussicht (act. 3/20). Der Kläger nahm in der Folge Abstand vom fraglichen Bau- und Rodungsgesuch, bis er im Jahr 2010 das Ingenieurbüro S.______ beauftragte, Abklärungen im Hinblick auf eine erneute Baueingabe für einen Bewirtschaftungsweg bzw. eine Hofzufahrt zu seinen Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx zu tätigen (vgl. act. 3/22-23). Im Zuge dieser Abklärungen ersuchte R.______ von der kantonalen Abteilung Wald das Ingenieurbüro S.______ bzw. den Kläger mit E-Mail vom 15. März 2010 (act. 3/21), von einem solchen erneuten Projekt abzusehen, insbesondere da sich die Rechtslage bezüglich Rodungsbewilligungen seit dem früheren Rodungsgesuch nicht verändert habe (zum Ganzen: act. 2 Rz. 12-24; unstrittig, vgl. act. 14 Rz. 14-21).

c)

Die Beklagte macht geltend, der Kläger habe nicht alles ihm Mögliche unternommen, um eine anderweitige Erschliessung seiner Liegenschaften zu erwirken. Insbesondere habe er erstens auf öffentlich-rechtlichem Weg nicht den gesamten Instanzenzug ausgeschöpft und es seien zweitens keine Bemühungen dazu belegt, dass er jemals versucht hätte, über die dritte Zugangsachse neben ihrer Privatstrasse (Beklagte)  und der […]-strasse (Genossame V.______), nämlich den u.a. über die Liegenschaften Nr. 112, Nr. 589 und Nr. 113 führenden Landesfussweg (vgl. u.a. act. 3/5 und act. 47 S. 2 unten), eine Erschliessung seiner Liegenschaften zu erwirken (act. 41 Rz. 15). Insbesondere habe der Kläger nicht dargelegt, weshalb er nach dem Schreiben von Regierungsrat […] vom 18. Juli 1997 das Baubewilligungsverfahren nicht weiterführte und sich nicht bemühte, einen der in diesem Schreiben vorgeschlagenen Lösungswege zu beschreiten. Der Kläger habe es sich selber anzulasten, dass er im damaligen Baubewilligungsverfahren einfach aufgegeben habe (act. 14 Rz. 19 f.).

d)

Entgegen der Beklagten ist die Erwägung der Vorinstanz, dass der Kläger alles Zumutbare unternommen hat, um die motorfahrzeugmässige Erschliessung mit öffentlich-rechtlichen Mitteln zu bewirken (act. 31 E. II.2.), nicht zu beanstanden: Wie die vorstehende Chronologie (vgl. E. IV.7b) zeigt, beschritt der Kläger im Zusammenhang mit seinem Baugesuch vom 6. Juli 1993 über mehrere Instanzen (Gemeinderat, Regierungsrat, Verwaltungsgericht) den Rechtsweg. Er verzichtete – vier Jahre nach Gesuchseinreichung – erst auf eine Weiterverfolgung dieses Gesuchs, nachdem ihm nach Rückweisung der Sache durch das Verwaltungsgericht der zuständige Regierungsrat mit ausführlichem Schreiben vom 18. Juli 1997 klar vor Augen führte, dass er dem Gesamtregierungsrat gleich aus mehreren Gründen (fehlende Standortgebundenheit, fehlendes öffentliches Interesse, Zweckentfremdung der Waldstrasse) erneut einen Antrag auf Ablehnung des Rodungsgesuchs stellen werde. Angesichts dieser deutlichen und schlüssigen abschlägigen Beurteilung der für die Bearbeitung des Rodungsgesuchs zuständigen, an den Regierungsrat antragstellenden Behörde kann vom Kläger entgegen der Auffassung der Beklagten nicht verlangt werden, dass er damals den Rechtsweg (noch) weiter – und mit hoher Wahrscheinlichkeit chancenlos – hätte beschreiten müssen.

Unzutreffend ist ferner der Einwand der Beklagten, die damals involvierten Behörden seien sich im Zeitpunkt ihrer Stellungnahmen im Baubewilligungsverfahren nicht bewusst gewesen, dass der Kläger keinerlei dingliche Zufahrtsrechte auf dem über die Liegenschaften Nr. zzz und Nr. yyy führenden Zugangsweg besass (act. 14 Rz. 18). Jedenfalls aus der jüngsten (und entscheidenden) in jenem Verfahren ergangenen behördlichen Stellungnahme, d.h. dem Schreiben von Regierungsrat [...] vom 18. Juli 1997, geht nämlich klar das Gegenteil hervor, heisst es doch dort (act. 3/20 S. 2 Mitte): „Die vorgesehene Zufahrt ist aus unserer Sicht eindeutig nicht standortgebunden. Es ist so, dass rein technisch und kostenmässig günstigere Lösungen, wie der bestehende Weg über die Liegenschaft […] [= Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten] möglich sind. Aus den privatrechtlichen Hindernissen dieser Erschliessung lässt sich keine Standortgebundenheit ableiten.“. Indem Regierungsrat [...] auf die „privatrechtlichen Hindernisse dieser Erschliessung“ ausdrücklich Bezug nimmt, ist offenkundig, dass auch dieser Aspekt in die Beurteilung des Bau- bzw. Rodungsgesuchs durch die kantonale Direktion für Landwirtschaft, Wald und Umwelt einfloss.

Sodann behauptete die Beklagte (act. 14 Rz. 17), gegenüber diesem ersten Baubewilligungsverfahren in den Jahren 1993 bis 1997 habe sich die Sach- und Rechtslage inzwischen wesentlich verändert. Indes beliess sie es dabei auch nach erfolgter Bestreitung durch die Gegenpartei (vgl. act. 22 Rz. 9) bei dieser unsubstantiierten blossen Behauptung (vgl. act. 21 S. 4 oben). Mangels gehöriger Substantiierung ist daher auf dieses Vorbringen nicht weiter einzugehen (zu den Anforderungen an die Substantiierung vgl. z.B. BGer 4A_155/2014 vom 5. August 2014, E. 7.3. m.w.H.). Immerhin ist aber auf die bereits erwähnte E-Mail von R.______ von der kantonalen Abteilung Wald vom 15. März 2010 (act. 3/21) hinzuweisen, wonach die gesetzlichen Grundlagen bezüglich Rodungsbewilligungen seither nicht geändert haben und auch „die Fakten heute dieselben wie dazumals“ sind. Weiter ist dem Kläger (act. 22 Rz. 9) darin beizupflichten, dass die raumplanungsrechtlichen Anforderungen an ein Erschliessungsprojekt wie das von ihm angedachte heute tendenziell strenger, jedenfalls aber nicht geringer sind als in den 1990er-Jahren (vgl. Art. 16 ff. RPG; vgl. auch die eigenen Ausführungen der Beklagten in act. 41 Rz. 44). Ausserdem ist heute im Vergleich zur Situation in den 1990er-Jahren noch die Problematik hinzugetreten, dass das für den Bau eines Zufahrtswegs von der […]-strasse zu den Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx des Klägers beanspruchte Gebiet unstrittig (act. 22 Rz. 9; act. 21 S. 4; act. 23/56) nunmehr in der Gefahrenzone 1 (rot) bzw. 2 (blau) liegt, was einer entsprechenden Baubewilligung zusätzliche Grenzen setzt (vgl. act. 23/57 v.a. S. 7-10). Aus diesen Gründen und ungeachtet dessen, ob man in der E-Mail von R.______ vom 15. März 2010 ein Präjudiz erblickt (so der Kläger: act. 22 Rz. 9) oder aber diese für eine irrelevante persönliche Meinung eines Sachbearbeiters hält (so die Beklagte: act. 14 Rz. 21; act. 21 S. 4 oben), ist auch nicht zu bemängeln, dass der Kläger nach der abschlägigen E-Mail von R.______ vom 15. März 2010 die Idee eines erneuten Erschliessungsprojekts bezüglich seiner Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx nicht weiterverfolgte. Zusammenfassend kann dem Kläger nicht entgegenhalten werden, er hätte bezüglich Erschliessung seiner Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx ab der […]-strasse auf öffentlich-rechtlichem Weg zusätzliche Bemühungen tätigen bzw. den Rechtsmittelweg bis zur letzten Instanz vollständig beschreiten müssen. Er hat sich um eine derartige Erschliessung seiner Liegenschaften soweit ihm zumutbar gekümmert, musste aber feststellen, dass diese offenkundig nicht bewilligungsfähig ist. Alternative realistische öffentlich-rechtliche Erschliessungsvarianten bestehen entgegen der Auffassung der Beklagten (act. 14 Rz. 19 f.) keine. Insbesondere würden die im Schreiben des damaligen Regierungsrats [...] vom 18. Juli 1997 (act. 3/20 S. 3) genannten Varianten Quartierplanverfahren sowie Öffentlicherklärung bestehender Wege ebenfalls ein öffentliches Interesse voraussetzen, das aber vorliegend wie ausgeführt (vgl. E. IV.7d Abs. 2 sowie act. 3/20 S. 2) nicht vorhanden ist (vgl. auch die eigenen Ausführungen der Beklagten in act. 41 Rz. 47, wonach bezüglich Erschliessung der Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx einzig [private] Bequemlichkeitsinteressen des Klägers vorliegen). Bei der in demselben Schreiben ebenfalls vorgeschlagenen Variante einer „Erschliessung ab […]“ besteht sodann unter anderem dieselbe rodungsrechtliche Problematik wie bei einer Erschliessung ab der […]-strasse (vgl. act. 3/20 S. 3), sodass auch dies keine Alternative zu Letzterem darstellt.

e)

Schliesslich ist zum Einwand der Beklagten (act. 41 Rz. 15), der Kläger hätte versuchen müssen, via den über die Liegenschaften Nr. ttt führenden Landesfussweg (vgl. u.a. act. 3/5 und act. 47 S. 2 unten) eine Erschliessung seiner Liegenschaften zu erwirken, Folgendes zu bemerken: Bei einer derartigen Erschliessung müssten andere Grundstücke, insbesondere zumindest die Liegenschaft Nr. ttt mit einem Wegrecht belastet werden (vgl. act. 3/5). In Situationen, bei denen mehrere Grundstücke für eine Belastung mit einem Wegrecht in Frage kommen und bis anhin keine genügende Zu- oder Wegfahrt zu einem Grundstück bestand, ist der Notwegrechtsanspruch zunächst gegenüber demjenigen Grundeigentümer geltend zu machen, der durch die Belastung am wenigsten beeinträchtigt wird (Art. 694 Abs. 2 ZGB; Rey/Strebel, BSK ZGB II, Art. 694 N 15). Vorliegend existiert auf den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. yyy ein mit Motorfahrzeugen befahrbarer Zufahrtsweg hin zu den Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx des Klägers, wohingegen zur Schaffung einer Notwegverbindung via den Landesfussweg auf der Liegenschaft Nr. ttt ein Fahrweganschluss zu den Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx erst baulich erschaffen werden müsste (vgl. act. 3/5). Demnach wird die Eigentümerin der Liegenschaft Nr. yyy durch eine Belastung mit einem Notfahrwegrecht in deutlich geringerem Mass beeinträchtigt als die Eigentümer der Liegenschaften Nr. ttt. Der Kläger hat also auch insofern bezüglich der Notfahrwegrechte zu Recht die Beklagte eingeklagt.

f)

Nach dem Gesagten lässt sich als Zwischenfazit festhalten, dass zugunsten der Liegenschaften Nr. xxx und Nr. www des Klägers und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten Ansprüche auf Not(fahr-)wegrechte bestehen. Nachfolgend ist deren Umfang zu bestimmen. Dies hat – wie erwogen (vorne, E. IV.4d) – unter Würdigung der konkreten Umstände sowie Abwägung der involvierten Interessen zu geschehen. Nicht relevant ist hierfür demgegenüber entgegen der Auffassung des Klägers (act. 34 Rz. 37 ff.), dass die Beklagte bzw. deren Vater früher mit Fahrten des Klägers und seiner Familie über den Zufahrtsweg einverstanden waren. Unstrittig bestanden zugunsten der Liegenschaften des Klägers gerade keine dinglichen oder obligatorischen Zufahrtsrechte, sodass allfällige frühere Zustimmungserklärungen zum Befahren des Zufahrtswegs lediglich als ein Dulden auf Zusehen hin und nicht als eine generelle Einwilligung zu unbeschränktem Befahren ausgelegt werden können (zutreffend insofern die Beklagte in act. 41 Rz. 28 ff.). Ebenfalls nicht relevant ist (entgegen dem Kläger, act. 34 Rz. 25 ff.) für die Bemessung des Umfangs der Notfahrwegrechte, aus welchen Gründen bzw. mit welchen Hintergedanken der Vater der Beklagten im Jahr 2012 dem Kläger sein Einverständnis gab, den fraglichen Zufahrtsweg auf der Liegenschaft Nr. yyy ab dem Wasserschieber südlich des Wohnhauses (vgl. act. 47 Abb. 4 sowie S. 9, südlich von Punkt 5) mit Kies zu bedecken.

8. a)

In Bezug auf die Liegenschaft Nr. www vertritt der Kläger die Ansicht, deren landwirtschaftliche Bewirtschaftung mache eine unbeschränkte Zufahrt mit Motorfahrzeugen unabdingbar, so z.B. für Futtertransporte, Tierarztvisiten oder Maschinenwartungen (vgl. z.B. act. 22 S. 9 Mitte).

b)

Wie bereits erwogen (E. IV.6c) liegt die bestimmungsgemässe Nutzung des mit rund 20‘600 m2 zwar beachtlichen, aber nicht überaus grossen, mit zahlreichen grösseren und kleineren Steinbrocken durchsetzten und abfallenden Grundstücks Nr. www (act. 47 v.a. S. 6) in einer Nutzung als Weidefläche und für vergleichbare klein-landwirtschaftliche Zwecke sowie für kleinere forstliche Zwecke. Bei der von der Familie des Klägers betriebenen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung dieser Liegenschaft handelt es sich denn auch um eine gleichsam hobbymässige Nebenbetätigung und nicht um einen auf Erwerb ausgelegten, umfassenden landwirtschaftlichen Betrieb. So verfügt die Familie des Klägers wie erwähnt (E. IV.6c) gegenwärtig über einen überschaubaren Tierbestand von 12 Lamas, 2 Minipig, 10 Hühner, 1 Hahn, 2 Hunde und 4 Katzen. Mit zwei Transportern plus Zusatzgeräten und einem Balkenmäher (act. 2 Rz. 28 f.; unstrittig: act. 14 Rz. 25) sind sodann nicht zahlreiche Bewirtschaftungsfahrzeuge vorhanden. Ausserdem arbeitet der Kläger nach eigenen Aussagen tagsüber auswärts (act. 34 Rz. 77) und seine Ehefrau wird neben der landwirtschaftlichen Tätigkeit zumindest noch den Haushalt zu führen haben. Soweit sodann auf der Liegenschaft Nr. www Heu anfällt, lässt sich dieses in erster Linie als Futter für die gehaltenen Tiere verwenden, es braucht also grundsätzlich nicht über die Liegenschaften Nr. yyy und Nr. zzz hin zur öffentlichen Strasse ([...]) abgeführt zu werden. Da der Kläger seine Liegenschaft Nr. xxx mit Holz beheizt (act. 22 Rz. 15), vermag er auf der Liegenschaft Nr. www anfallendes Holz primär für erstere Liegenschaft zu verwenden, sodass auch in dieser Hinsicht nur wenige Fahrten über den hier strittigen Zufahrtsweg erforderlich sind.

c)

Im Wesentlichen fallen somit zur bestimmungsgemässen Nutzung der Liegenschaft Nr. www auf dem Zufahrtsweg Fahrten für die Zuführung von Futtermittel (soweit nicht auf der Liegenschaft geerntetes Heu verfüttert wird bzw. die gehaltenen Tiere nicht die Weideflächen abgrasen, vgl. act. 34 Rz. 22), für den Abtransport von Laub und Mist (Letzteres nur soweit dieser nicht auf der Liegenschaft ausgetragen werden kann) sowie für Tierarztbesuche und Maschinenwartungen an (andere Transportzwecke macht der Kläger hinsichtlich der Liegenschaft Nr. www nicht substantiiert geltend, vgl. act. 2 Rz. 38 f.; act. 22 Rz. 15; act. 34 Rz. 39 f.). Solche Fahrten fallen aber – wie der Kläger selber ausführte (act. 22 Rz. 16 S. 10 unten) – nicht täglich an. Aus all diesen Umständen ergibt sich, dass die bestimmungsgemässe Nutzung der Liegenschaft Nr. www nur vereinzelte Fahrten pro Woche über die Liegenschaft Nr. yyy (und Nr. zzz) hin zur öffentlichen Strasse (Hoh-rainstrasse) notwendig macht.

d)

Zu berücksichtigen ist im Rahmen der Interessenabwägung bei der Festlegung des Umfangs des Notfahrwegrechts zugunsten der Liegenschaft Nr. www und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy ferner, dass der fragliche Zufahrtsweg sehr nahe am auf letzterer Liegenschaft stehenden, von den Eltern der Beklagten bewohnten Wohnhaus entlangführt (vgl. u.a. act. 9 Fotos 6-7; act. 47 Abb. 3). Bei diesem Wohnhaus handelt es sich um ein älteres Holzhaus (vgl. act. 9 Foto 7; act. 47 Abb. 3). Daher und aufgrund des anlässlich des Augenscheins gewonnenen Eindrucks ist für das Obergericht beweismässig erstellt, dass in diesem Wohnhaus anlässlich von Vorbeifahrten mit Motorfahrzeugen, insbesondere mit grösseren landwirtschaftlichen Fahrzeugen, erhebliche Immissionen zu verzeichnen sind (zu den diesbezüglichen Parteistandpunkten vgl. z.B. act. 14 Rz. 57, act. 22 Rz. 16 f. und act. 34 Rz. 73). Irrelevant ist dabei, ob die bereits bestehenden, aufgrund der rund 200 Höhenmeter unterhalb der beklagtischen Liegenschaft Nr. yyy verlaufenden Autobahn A3 (vgl. z.B. act. 47 S. 11) auf diese Liegenschaft einwirkenden Lärmimmissionen stärker bzw. störender (so der Kläger, act. 22 Rz. 16 f. und act. 34 Rz. 78) oder geringer bzw. weniger störend ausfallen (so die Beklagte, act. 21 S. 5 unten; vgl. zur Thematik auch act. 47 S. 3 Mitte). Denn so oder anders handelt es sich bei den infolge der genannten Vorbeifahrten entstehenden Immissionen um eine zusätzliche Belastung, die im Rahmen der Interessenabwägung zu berücksichtigen ist. Aus dem gleichen Grund ist – entgegen der Auffassung des Klägers (act. 34 Rz. 73) – auch unerheblich, dass die Liegenschaft der Beklagten bereits durch andere Wegrechte belastet ist (vgl. hierzu act. 3/4-5).

e)

Aufgrund dieser Erwägungen, unter Berücksichtigung aller Umstände sowie in Abwägung der Interessen der Parteien erscheint es angemessen, das Not(fahr)wegrecht zu Gunsten der Liegenschaft Nr. www und zu Lasten der Liegenschaft Nr. yyy wie folgt auszugestalten: Einzuräumen ist ein Notfahrwegrecht im Sinne eines beschränkten Fahrwegrechts für landwirtschaftliche Zwecke, das maximal sechs Einzelfahrten bzw. drei Hin- und Zurückfahrten pro Woche zuzüglich Notfallfahrten wie notfallmässige Tierarztvisiten oder Feuerwehreinsätze umfasst, wobei in einer Woche nicht benützte Fahrberechtigungen nicht auf kommende Wochen übertragen werden dürfen. Dies entspricht im Durchschnitt zirka einer Hin- und Zurückfahrt pro zwei Arbeitstage. Dieses Notfahrwegrecht ist auf dem bestehenden Weg zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www auszuüben. Angesichts dessen, dass wie erwogen (E. IV.6b-c; E. IV.8e; vgl. auch nachfolgend, E. IV.9.) lediglich ein Anspruch auf eine begrenzte Anzahl Fahrten besteht, ist eine Versetzung dieses bestehenden Wegs, wie sie vom Kläger ins Spiel gebracht wurde (vgl. u.a. act. 2 Rz. 64; act. 22 Rz. 16 f.; act. 34 Rz. 79), nicht verhältnismässig.

f)

Ferner ist dieses Notfahrwegrecht aufgrund von dessen landwirtschaftlichem Zweck auf motorisierte landwirtschaftliche Fahrzeuge zu beschränken. Auszunehmen sind Traktoren, da für die bestimmungsgemässe Nutzung der Liegenschaft Nr. www (Nutzung als Weidefläche und für vergleichbare klein-landwirtschaftliche Zwecke sowie für kleinere forstliche Zwecke, vgl. vorne, E. IV.6c) eine Zufahrt mit Traktoren nicht erforderlich ist und solche bekanntlich besonders grossen Lärm erzeugen (vgl. auch act. 2 Rz. 36, wo der Kläger selber vorbrachte, dass der frühere Eigentümer der Liegenschaft Nr. www diese stets [lediglich] mit einem Einachser bewirtschaftete).

g)

Schliesslich ist anzuordnen, dass dieses Notfahrwegrecht mit Ausnahme von Notfallfahrten (insbesondere notfallmässige Tierarztvisiten oder Feuerwehr-einsätze) nur zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr ausgeübt werden darf. Der Kläger hat zu dieser bereits von der Vorinstanz (act. 31 E. III.4.2. f.) vorgesehenen Einschränkung nur in unsubstantiierter Weise vorgebracht, er sei darauf angewiesen, vor und nach seiner tagsüber auswärts ausgeübten Arbeit die nötigen Fahrten zu seinen Liegenschaften durchzuführen, um sein Land bestimmungsgemäss bewirtschaften zu können (act. 34 Rz. 77). Ausführungen dazu, welche Arten von Fahrten er denn zwingend zwischen 20:00 Uhr und 07:00 Uhr zu erledigen hätte und nicht etwa auf Samstage verlegen oder z.B. mittels Einsatzes seiner Ehefrau durchführen könnte, finden sich hingegen in der Berufungsschrift keine. Für diese Abend- bzw. Nachtzeit ist der Kläger im Übrigen auf das in Rechtskraft erwachsene unbeschränkte Fuss- und Viehfahrwegrecht zu verweisen, das auch das Benutzen des Wegs mit einachsigen Schub- und Handkarren sowie motorlosen Fahrzeugen beinhaltet (vgl. vorne, E. II.1b).

9. a)

Ausgangspunkt für die Festlegung des Umfangs des zu Gunsten der Liegenschaft Nr. xxx einzuräumenden Notfahrwegrechts über die Liegenschaft Nr. yyy sind die vorne angestellten Erwägungen (E. IV.6b), dass sich dieses Notfahrwegrecht auf ausserordentliche Transporte sowie Notfallfahrten zu beschränken hat. Dies umso mehr, da seitens der zu belastenden Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten die erwähnte (E. IV.8d) Immissionsproblematik besteht.

b)

Aus diesen Gründen fällt in Bezug auf die Liegenschaft Nr. xxx ein Notfahrwegrecht für landwirtschaftliche Fahrzeuge, Quads, Motorräder, Motorfahrräder und dergleichen ausser Betracht (bezüglich 50 ccm-Kleinmotorrädern hält der Kläger selbst dafür, dass diese einen „nervenden Ton“ erzeugen, vgl. act. 22 Rz. 15 S. 10) und es kann auch kein unbeschränktes Notfahrwegrecht für Elektrofahrzeuge eingeräumt werden, wie dies der Kläger im Eventualstandpunkt beantragt (act. 34 Rz. 81). Dies, zumal der Zufahrtsweg im Bereich des von den Eltern der Beklagten bewohnten Wohnhauses nach eigenen Ausführungen des Klägers (act. 47 S. 4; act. 50 Rz. 40) durchaus beträchtlich ansteigt (vgl. auch act. 47 Abb. 3) und es eine offenkundige Tatsache (Art. 151 ZPO) darstellt, dass auch Elektrofahrzeuge beim Befahren von Steigungen durchaus erhebliche Geräusche von sich geben.

c)

Dass der Kläger im Gebiet der Einmündung des Zufahrtswegs in die öffentliche Strasse ([...]) über keinen Unterstand für Motorräder verfügt (act. 34 Rz. 76), mag für ihn einen Nachteil bedeuten, ändert aber am Ergebnis der soeben vorgenommenen Interessenabwägung nichts. Denn Motorradfahrten sind für die bestimmungsgemässe Nutzung der Liegenschaft Nr. xxx (Ferien- bzw. Wochenendhaus) nicht unabdingbar. Im Übrigen ist zu bedenken, dass nach eigener Darstellung des Klägers einzig seine Söhne, nicht aber beispielsweise er selber oder seine Ehefrau Motorrad fahren (vgl. act. 2 Rz. 40; act. 34 Rz. 41), diese Söhne (Jahrgänge 1995 und 1996) aber inzwischen von Zuhause ausgezogen sind oder demnächst ausziehen werden (act. 22 Rz. 16 S. 11 oben; act. 34 Rz. 12, 80).

d)

Aufgrund dieser Erwägungen und dieser Interessenabwägung sowie mit Blick auf die vorne (v.a. E. IV.4b) zitierte Rechtsprechung erscheint es angemessen, das Not(fahr)wegrecht zu Gunsten der Liegenschaft Nr. xxx und zu Lasten der Liegenschaft Nr. yyy wie folgt auszugestalten: Einzuräumen ist ein Notfahrwegrecht im Sinne eines beschränkten Fahrwegrechts für Motorfahrzeuge (wie erwähnt exklusive landwirtschaftliche Fahrzeuge, Quads, Motorräder und Motorfahrräder), das maximal sechs Einzelfahrten bzw. drei Hin- und Zurückfahrten pro Woche zuzüglich Notfallfahrten (Ambulanz, Arzt, Feuerwehr und dergleichen) umfasst, wobei in einer Woche nicht benützte Fahrberechtigungen nicht auf kommende Wochen übertragen werden dürfen. Dieses Notfahrwegrecht ist auf dem bestehenden Weg zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www auszuüben (vgl. hierzu soeben, E. IV.8e) und ist – mit Ausnahme von Notfallfahrten – beschränkt auf die Zeit zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr (vgl. auch hierzu soeben, E. IV.8g).

e)

Mit einem Notfahrwegrecht in diesem Umfang lassen sich die in Bezug auf die Liegenschaft Nr. xxx anfallenden ausserordentlichen Transporte (z.B. Beförderung gehbehinderter Besucher, Anlieferung von Einkäufen, Brennstoffen oder Möbeln, Unterhaltsarbeiten an der Liegenschaft, Entsorgung; vgl. z.B. act. 22 Rz. 15 S. 9, act. 34 Rz. 71) bewältigen. Daneben verfügt der Kläger wie erwähnt (E. II.1b) über ein unbeschränktes Fuss- und Viehfahrwegrecht, das auch das Benutzen des Wegs mit einachsigen Schub- und Handkarren sowie motorlosen Fahrzeugen beinhaltet. Auf dieses kann der Kläger – sollte die eingeräumte Fahrtenzahl nicht ausreichen – beispielsweise zurückgreifen, um täglich benötigte Güter (Lebensmittel, Getränke, etc.) mit einer Schubkarre von der [...] zu seinem Wohnhaus zu schaffen, so wie er dies gemäss eigenen Angaben auch in der Vergangenheit während 22 Jahren stets tat (vgl. act. 2 Rz. 37; act. 34 Rz. 38; widersprüchlich insofern die Ausführungen des Klägers in act. 22 Rz. 15 S. 9 unten).

10.a)

Der Kläger hat in seiner Berufungsschrift beanstandet, eine Notfahrwegrechts-Regelung, bei der eine bestimmte Maximalzahl Fahrten festgelegt werde, sei nicht praktikabel bzw. nicht kontrollier- und vollstreckbar (act. 34 Rz. 75; vgl. auch act. 50 Rz. 46). Dem kann nicht gefolgt werden. Es ist eine allgemein kundige Tatsache (Art. 151 ZPO; vgl. nur die behördlichen Verkehrszählungen mittels am Strassenrand postierter Zählgeräte oder die beispielsweise bei der Projektierung von Einkaufszentren verlangten Fahrtenmodelle), dass heutzutage entsprechende technische, datenschutzkonforme Möglichkeiten bestehen, um auf einer Strecke die getätigte Anzahl Fahrten zu registrieren und dokumentieren (so auch die Beklagte in act. 41 Rz. 51). Selbst wenn solche Aufzeichnungsgeräte nicht erkennen können sollten, wann es sich um Notfallfahrten handelt (so der Kläger in act. 50 Rz. 46), wird es aufgrund der Geräte möglich sein, festzustellen, ob in einer bestimmten Woche die Anzahl getätigter Fahrten die oben (E. IV.8e und IV.9d) festgelegten Maxima übersteigt und anschliessend obliegt es dem Kläger nachzuweisen, dass und welche Fahrten davon Notfallfahrten waren. Im Übrigen liegt es in erster Linie an der Beklagten und nicht am Kläger, die angeordnete Notfahrwegrechts-Regelung auf deren Einhaltung zu kontrollieren und diese zu vollstrecken. Sollten also bezüglich Kontrollierbarkeit der mit dem vorliegenden Entscheid getroffenen Notfahrwegrechtsregelungen wider Erwarten Probleme auftreten, so gereicht dies dem Kläger nicht etwa zum Nachteil, sondern zum Vorteil.

b)

Aus einer in den Akten dokumentierten Abklärung der Vorinstanz (act. 30) geht sodann hervor, dass die vorliegenden, bezüglich Fahrtenanzahl und weiterer Modalitäten beschränkten Notwegrechte entgegen der entsprechenden, unsubstantiiert vorgetragenen Rüge des Klägers (act. 34 Rz. 75) ohne Weiteres im Grundbuch eingetragen werden können.

c)

Nicht weiter eingegangen zu werden braucht auf die Thematik der Stabilität der den Zufahrtsweg auf einem Teilstück abstützenden Stützmauer (vgl. hierzu z.B. act. 31 E. III.3.3.3.). Es wird nämlich implizit auch von der Beklagten anerkannt, dass diese Stützmauer bzw. der Zufahrtsweg ein Befahren mit einer erheblich begrenzten Anzahl Fahrten, wie es mit dem vorliegenden Entscheid festgelegt wird, aushält (act. 14 Rz. 27 e contrario; act. 41 Rz. 23). Dementsprechend ist auch nicht weiter relevant, wie die Beklagte bzw. deren Eltern und der Pächter ihre Liegenschaft Nr. yyy befuhren und befahren (der Kläger machte hierzu Ausführungen u.a. in act. 22 Rz. 15 S. 10 und act. 34 Rz. 33 ff.). Ohnehin könnte erforderlichenfalls die fragliche Stützmauer mittels baulicher Massnahmen verstärkt werden. In diesem Zusammenhang kann auf die zutreffenden und unangefochtenen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden, wonach bezüglich Unterhaltslast Art. 741 ZGB (analog) zur Anwendung gelangt (act. 31 E. III.6.).

11.a)

Zu beurteilen bleibt die Höhe der geschuldeten Entschädigung im Sinne von Art. 694 Abs. 1 ZGB. Wie vorne erwogen (E. II.1c), ist diesbezüglich keine Rechtskraft eingetreten. Eine Neubeurteilung im vorliegenden Berufungsverfahren rechtfertigt sich, nachdem mit dem vorliegenden Entscheid verglichen mit jenem der Vorinstanz zugunsten der Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx des Klägers und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten deutlich umfangreichere Notfahrwegrechte eingeräumt werden (Vorinstanz: je 48 Einzelfahrten pro Liegenschaft und Jahr [act. 31 Dispositiv-Ziff. 2]; Obergericht: je 6 Einzelfahrten pro Liegenschaft und Woche [vorne, E. IV.8e, IV.9d]).

b)

Gemäss Art. 694 Abs. 1 ZGB hat der Notwegberechtigte dem belasteten Grundeigentümer eine volle Entschädigung zu bezahlen. Für die Berechnung der Entschädigung werden die Grundsätze der Enteignung analog angewendet. Mit der Entschädigung soll in erster Linie die Differenz zwischen dem Verkehrswert des unbelasteten und demjenigen des mit dem Notweg belasteten Grundstücks ausgeglichen werden. Der Notwegbelastete soll im Ergebnis gleichgestellt werden, wie wenn sein Grundstück von keinem Notwegbegehren bedroht wäre; für die Berechnung der Entschädigung sind somit ausschliesslich die Nachteile des Notwegbelasteten massgeblich, während die Vorteile des Notwegberechtigten unbeachtlich bleiben (vgl. BGE 120 II 423 E. 7m.w.H.)

c)

Durch die Notwegrechte wird auf der Liegenschaft Nr. yyy eine Fläche von rund 270 m2 beansprucht (vgl. act. 31 E. III.5. [unangefochten]). Die Vorinstanz nahm einen massgeblichen Bodenpreis von CHF 3.–/m2  an, was von keiner Partei beanstandet wurde (act. 34; act. 41). Zu berücksichtigen ist, dass auch die Beklagte selber bzw. deren Eltern und der Pächter der Liegenschaft Nr. yyy den betreffenden Zufahrtsweg benützen. Somit beläuft sich die Verkehrswertdifferenz der vom Notweg beanspruchten konkreten Grundstücksfläche allein schätzungsweise auf wenige hundert Franken. Nicht ausser Acht zu lassen ist aber, dass die gesamte Liegenschaft der Beklagten bzw. insbesondere das Wohnhaus durch die zu gewährenden Notwegrechte eine nicht unerhebliche Entwertung infolge nicht mehr ungestörter Nutzung der Liegenschaft sowie zusätzlicher Immissionen (vgl. hierzu vorne, E. IV.8d) erfährt. Nur geringfügig fällt hingegen umgekehrt ins Gewicht, dass der Kläger den fraglichen Zufahrtsweg auf der Liegenschaft Nr. yyy im Jahr 2012 auf seine Kosten ab dem Wasserschieber südlich des Wohnhauses (vgl. act. 47 Abb. 4 sowie S. 9, südlich von Punkt 5) mit Kies bedeckte (act. 22 Rz. 17), liegt dies doch bereits fünf Jahre zurück und diente dies angesichts der Lage dieser Teilstrecke südlich des Wohnhauses der Beklagten vor allem ihm selbst und nicht der Beklagten. Aufgrund all dieser Aspekte erscheint es angemessen, den Kläger zu verpflichten, der Beklagten für die Notwegrechte (unbeschränkte Fuss- und Viehfahrwegrechte sowie beschränkte Fahrwegrechte) eine Entschädigung von insgesamt CHF 2'000.‑ zu bezahlen. Die Eintragung der Notwegrechtsdienstbarkeiten im Grundbuch ist von der vorgängigen Hinterlegung dieser Entschädigung bei der Gerichtskasse abhängig zu machen (vgl. BGE 101 II 314 E. 5).

 

V.
(Kosten- und Entschädigungsfolgen)

 

1.

Trifft die Berufungsinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3 ZPO). Hat gemäss Entscheid der Berufungsinstanz keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens nach dem Ausgang des Verfahrens bzw. dem Erkenntnis der Berufungsinstanz verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO; Reetz/Hilber, ZK ZPO, Art. 318 N 59).

2.

Die Festsetzung der erstinstanzlichen Gerichtsgebühr auf CHF 3‘000.– durch die Vorinstanz (act. 31 Dispositiv-Ziff. 6) wurde von keiner Partei beanstandet und erscheint angemessen. Was das Berufungsverfahren anbelangt, rechtfertigt es sich, die pauschale Gerichtsgebühr in Anwendung der Art. 1 sowie Art. 3 Abs. 1 lit. a der Zivil- und Strafprozesskostenverordnung vom 22. Dezember 2010 auf CHF 2‘500.– festzusetzen.

3.

Der Kläger verlangte vor Vorinstanz wie auch im Berufungsverfahren die Einräumung allgemeiner unbeschränkter Fuss-, Viehfahrweg- und Fahrwegrechte (Notwegrechte) zugunsten seiner Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx sowie zulasten der Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten (act. 2 S. 2; act. 34 S. 2). Die Beklagte anerkannte von Beginn weg (vgl. bereits act. 1 S. 2) die Klage insoweit, als sie auf die Einräumung allgemeiner unbeschränkter Fuss- und Viehfahrwegrechte (Notwegrechte) abzielt, und beantragte im Übrigen erst- und zweitinstanzlich die Abweisung der Klage (act. 14 S. 2; act. 41 S. 2). Mit dem vorliegenden Berufungsentscheid werden dem Kläger zusätzlich zu den anerkannten, bereits in Rechtskraft erwachsenen allgemeinen unbeschränkten Fuss- und Viehfahrwegrechten (Notwegrechten) zugunsten seiner Liegenschaften Nr. www und Nr. xxx sowie zulasten der Liegenschaft Nr. yyy der Beklagten erheblich beschränkte Notfahrwegrechte eingeräumt, wohingegen die Klage im Übrigen abgewiesen wird. Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, die Kosten des erst- und des zweitinstanzlichen Verfahrens beiden Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und keine Parteientschädigungen zuzusprechen.

4.

Die Gerichtskosten sind mit den vom Kläger für das erst- und für das zweitinstanzliche Verfahren geleisteten Kostenvorschüssen von CHF 3‘000.– (act. 6) und CHF 2‘500.– (act. 37) zu verrechnen, die Beklagte hat dem Kläger jedoch die Gerichtskosten im Umfang von CHF 2‘750.– zu ersetzen (Art. 111 Abs. 1 und 2 ZPO).

____________________

 

Das Gericht beschliesst und erkennt:

 

1.

Es wird vorgemerkt, dass die Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom 22. Juli 2016 im Verfahren ZG.2015.00582 in Rechtskraft erwachsen ist.

 

 

2.

Die Dispositiv-Ziffern 2 bis 8 des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom 22. Juli 2016 im Verfahren ZG.2015.00582 werden aufgehoben.

 

 

3.

In teilweiser Gutheissung der Berufung wird zugunsten der Liegenschaft Nr. www, Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, ein Notwegrecht im Sinne eines beschränkten Fahrwegrechts für landwirtschaftliche Zwecke auf dem bestehenden Weg, zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www, beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy, Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, eingeräumt. Dieses beschränkte Fahrwegrecht umfasst insgesamt maximal 6 Einzelfahrten resp. 3 Hin- und Zurückfahrten pro Woche (nicht kumulier- bzw. übertragbar) mit motorisierten landwirtschaftlichen Fahrzeugen (exklusive Traktoren), zuzüglich Notfallfahrten (Tierarzt, Feuerwehr und dergleichen). Das beschränkte Fahrwegrecht muss mit Ausnahme von Notfallfahrten (Tierarzt, Feuerwehr und dergleichen) zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr ausgeübt werden.

 

 

 

In teilweiser Gutheissung der Berufung wird zugunsten der Liegenschaft Nr. xxx, Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, ein Notwegrecht im Sinne eines beschränkten Fahrwegrechts auf dem bestehenden Weg, zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www, beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, und zulasten der Liegenschaft Nr. yyy, Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, eingeräumt. Dieses beschränkte Fahrwegrecht umfasst insgesamt maximal 6 Einzelfahrten resp. 3 Hin- und Zurückfahrten pro Woche (nicht kumulier- bzw. übertragbar) mit motorisierten Fahrzeugen (exklusive landwirtschaftliche Fahrzeuge, Quads, Motorräder und Motorfahrräder), zuzüglich Notfallfahrten (Ambulanz, Arzt, Feuerwehr und dergleichen). Das beschränkte Fahrwegrecht muss mit Ausnahme von Notfallfahrten (Ambulanz, Arzt, Feuerwehr und dergleichen) zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr ausgeübt werden.

 

 

 

Die von den genannten Notwegrechten belastete Fläche ist auf dem nachstehenden Plan eingezeichnet:  […]

 

 

4.

Der Berufungskläger wird verpflichtet, der Berufungsbeklagten eine Entschädigung für die Notwegrechte gemäss vorstehender Dispositiv-Ziffer 3 und gemäss Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils des Kantonsgerichtspräsidenten vom 22. Juli 2016 im Verfahren ZG.2015.00582 von insgesamt CHF 2‘000.– zu bezahlen. Die Anweisung an das Grundbuchamt durch das Gericht im Sinne der nachfolgenden Dispositiv-Ziffer 5 erfolgt erst nach Hinterlegung von CHF 2‘000.– bei der Gerichtskasse.

 

 

5.

Das Grundbuchamt des Kantons Glarus wird angewiesen, folgende Dienstbarkeiten als dinglich wirkend im Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, einzutragen:

 

Unbeschränktes Fuss- und Viehfahrwegrecht (Notwegrecht) auf dem bestehenden Weg zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www, beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, zugunsten der Liegenschaft Nr. www, derzeit im Alleineigentum von A.______, geboren am […], zulasten der Liegenschaft Nr. yyy, derzeit im Alleineigentum von B.______, geboren am […], beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord. Das unbeschränkte Fuss- und Viehfahrwegrecht (Notwegrecht) beinhaltet auch das Benutzen des bestehenden Weges mit einachsigen Schub- und Handkarren sowie mit motorlosen Fahrzeugen wie Fahrrädern.

 

 

 

Beschränktes Fahrwegrecht (Notwegrecht) für landwirtschaftliche Zwecke für insgesamt maximal 6 Einzelfahrten resp. 3 Hin- und Zurückfahrten pro Woche (nicht kumulier- bzw. übertragbar) mit motorisierten Fahrzeugen (exklusive Traktoren), zuzüglich Notfallfahrten (Tierarzt, Feuerwehr und dergleichen), auf dem bestehenden Weg zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www, beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, zugunsten der Liegenschaft Nr. www, derzeit im Alleineigentum von A.______, geboren am […], zulasten der Liegenschaft Nr. yyy, derzeit im Alleineigentum von B.______, geboren am […], beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord. Das beschränkte Fahrwegrecht muss mit Ausnahme von Notfallfahrten (Tierarzt, Feuerwehr und dergleichen) zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr ausgeübt werden.

 

 

 

Unbeschränktes Fuss- und Viehfahrwegrecht (Notwegrecht) auf dem bestehenden Weg zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www, beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, zugunsten der Liegenschaft Nr. xxx, derzeit im Alleineigentum von A.______, geboren am […], zulasten der Liegenschaft Nr. yyy, derzeit im Alleineigentum von B.______, geboren am […], beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord. Das unbeschränkte Fuss- und Viehfahrwegrecht (Notwegrecht) beinhaltet auch das Benutzen des bestehenden Weges mit einachsigen Schub- und Handkarren sowie mit motorlosen Fahrzeugen wie Fahrrädern.

 

Beschränktes Fahrwegrecht (Notwegrecht) für insgesamt maximal 6 Einzelfahrten resp. 3 Hin- und Zurückfahrten pro Woche (nicht kumulier- bzw. übertragbar) mit motorisierten Fahrzeugen (exklusive landwirtschaftliche Fahrzeuge, Quads, Motorräder und Motorfahrräder), zuzüglich Notfallfahrten (Ambulanz, Arzt, Feuerwehr und dergleichen), auf dem bestehenden Weg zwischen den Liegenschaften Nr. zzz und Nr. www, beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord, zugunsten der Liegenschaft Nr. xxx, derzeit im Alleineigentum von A.______, geboren am […], zulasten der Liegenschaft Nr. yyy, derzeit im Alleineigentum von B.______, geboren am […], beide Grundbuch V.______, Gemeinde Glarus Nord. Das beschränkte Fahrwegrecht muss mit Ausnahme von Notfallfahrten (Ambulanz, Arzt, Feuerwehr und dergleichen) zwischen 07:00 Uhr und 20:00 Uhr ausgeübt werden.

 

 

6.

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

 

 

7.

Die Gerichtsgebühr für das erst- und das zweitinstanzliche Verfahren wird auf insgesamt CHF 5'500.– festgesetzt.

 

 

8.

Die Gerichtskosten für das erst- und das zweitinstanzliche Verfahren werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.

 

 

9.

Die Gerichtskosten für das erst- und das zweitinstanzliche Verfahren werden mit dem vom Berufungskläger im vorinstanzlichen Verfahren geleisteten Kostenvorschuss von CHF 3‘000.– und mit dem vom Berufungskläger im Berufungsverfahren einbezahlten Kostenvorschuss von CHF 2‘500.– verrechnet.

 

Die Berufungsbeklagte hat dem Berufungskläger die verrechneten Gerichtskosten im Umfang von CHF 2‘750.– zu ersetzen.

 

 

10.

Die Kosten des Grundbuchamtes des Kantons Glarus werden dem Berufungskläger auferlegt. Das Grundbuchamt des Kantons Glarus ist berechtigt, einen Kostenvorschuss zu verlangen.

 

 

11.

Für das erst- und das zweitinstanzliche Verfahren werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

 

 

12.

Schriftliche Mitteilung an:

 

[…]