Kanton Glarus

 

Obergericht

 

 

 

 

 

Beschluss vom 26. Juni 2019

 

 

Verfahren OG.2019.00049

 

 

 

A.______

 

Beschuldigter und

Beschwerdeführer

 

verteidigt durch B.______

 

 

 

gegen

 

 

 

Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

 

Anklägerin und

Beschwerdegegnerin

 

vertreten durch die Staatsanwältin

 

 

 

betreffend

 

Anordnung von Untersuchungshaft

 

 

Anträge des Beschwerdeführers (gemäss Eingabe vom 5. Juni 2019, act. 16):

 

1.

Die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts vom 1. Juni 2019 sei aufzuheben.

 

 

2.

Der Beschwerdeführer sei umgehend aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

 

 

3.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.

 

Anträge der Beschwerdegegnerin (gemäss Eingabe vom 12. Juni 2019, act. 21):

 

1.

Es sei die Beschwerde vom 5. Juni 2019 vollumfänglich abzuweisen und die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts vom 1. Juni 2019 sei zu bestätigen.

 

 

2.

Die Akten des Verfahrens des Zwangsmassnahmengerichts (SG.2019.00064) seien beizuziehen.

 

 

3.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers.

 

 

____________________

 

 

Das Gericht zieht in Betracht:

 

I.

1. Die Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend Staatsanwaltschaft) verdächtigt A.______ (nachfolgend Beschuldigter), sich des versuchten Mordes (i.S.v. Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) zum Nachteil von F.______ (nachfolgend Geschädigter) vom 3. Oktober 2018  schuldig gemacht zu haben, sei es als Mittäter, Anstifter oder Gehilfe (act. 1 S. 2). Der Beschuldigte wurde am 29. Mai 2019 festgenommen (act. 1 S. 1 und act. 2/4).

 

2. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete das Zwangsmassnahmengericht am 1. Juni 2019 für den Beschuldigten Untersuchungshaft bis am 1. September 2019 an (act. 9 Disp.-Ziff. 1). Dagegen erhob der Beschuldigte am 5. Juni 2019 Beschwerde (act. 16). Die Staatsanwaltschaft beantragt Abweisung der Beschwerde und informierte das Obergericht, dass der Beschuldigte einen neuen Verteidiger gewählt habe (act. 20). Der (neue) Verteidiger des Beschuldigten replizierte innert Frist nicht (act. 24) und die Vorinstanz verzichtete auf eine Stellungnahme (act. 26).

 

II.

1. Der angefochtene Haftentscheid ist der Beschwerde zugänglich (Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO i.V.m. Art. 222 StPO). Der durch die Haft unmittelbar betroffene Beschuldigte ist beschwerdelegitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO); die Anfechtungsfrist ist eingehalten (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die übrigen Rechtsmittelvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die Beschwerde des Beschuldigten ist einzutreten. Mit Beschwerde an das Obergericht können in Bezug auf den angefochtenen Entscheid Rechtsverletzungen und eine unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO).

 

2. Die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens (act. 1-15 SG.2019.00064) bilden integrierenden Bestandteil des vorliegenden Beschwerdeverfahrens OG.2019.00049. Die Aktenführung des vorinstanzlichen Verfahrens erfolgt unter dem Aktenzeichen des Beschwerdeverfahrens OG.2019.00049.

 

III.

1. Gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO ist Untersuchungshaft zulässig, wenn die beschuldigte Person eines Verbrechens oder Vergehens dringend verdächtig ist und zudem ernsthaft zu befürchten ist, dass sie sich entweder durch Flucht dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (Fluchtgefahr; lit. a), dass sie Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Kollusionsgefahr; lit. b), oder dass sie durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich gefährdet, nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten begangen hat (Wiederholungsgefahr; lit. c).

 

2.

2.1. Der Haftgrund des dringenden Tatverdachts setzt voraus, dass genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat und eine Beteiligung des Beschuldigten daran vorliegen und die Untersuchungsbehörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durften. Im Haftprüfungsverfahren genügt der Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das inkriminierte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen könnte. Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt keinen Raum für ausgedehnte Beweismassnahmen (BGE 137 IV 122 E. 3.2.).

 

2.2. Die Vorinstanz erwog hinsichtlich des dringenden Tatverdachtes, der Geschädigte sei namentlich von G.______ und H.______ angegriffen und dabei schwer verletzt worden (act. 1 S. 2, act. 2/1). Zwar sei der Beschuldigte nicht geständig (act. 2/3 S. 5), jedoch liessen einige seiner Aussagen vermuten, dass auch er an der Straftat gegen den Geschädigten beteiligt gewesen sei. Er habe angegeben, mit I.______, der Schwester von G.______ und der Cousine von H.______, in keiner Liebesbeziehung zu stehen (act. 2/3 Frage 26), was aber gemäss den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht stimme. So hätten der Beschuldigte und I.______ gemeinsam eine Wohnung gesucht (act. 1 S. 3). Der Beschuldigte habe bestritten, dass das bei I.______ sichergestellte Handy ihm gehöre (act. 2/3 Frage 27), was jedoch auch nicht stimme. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass dieses Mobiltelefon sehr wohl ihm gehöre, weil die sich darauf befindenden Accounts auf ihn lauteten. Zudem seien Fotos von ihm sowie von seinem AHV-Ausweis darauf gefunden worden (act. 2/5). Der Beschuldigte habe auch bestritten, die mutmasslichen Tatbeteiligten H.______ und G.______ zu kennen (act. 2/3 Fragen 32 und 34). Auf dem sichergestellten Mobiltelefon des Beschuldigten sei jedoch ein Foto gefunden worden, welches ihn zusammen mit H.______ am Strand zeige (act. 2/6) und es sei festgestellt worden, dass sich G.______ schon einmal in den Hotspot des Handys des Beschuldigten eingeloggt habe (act. 1 S. 3).

Der Beschuldigte habe somit Kontakt zu den mutmasslichen Tätern gehabt, welche ihn mit ihren Aussagen schwer belasteten (act. 1 S. 2). Dazu komme, dass I.______ aus der Untersuchungshaft heraus mit einem Schreiben vom 6. März 2019 die Anweisung erteilt habe, ein Tagebuch, welches sich oberhalb des Kühlschranks befinde, zu vernichten (act. 2/7). Ein solches Tagebuch habe in der Wohnung des Beschuldigten an der von I.______ bezeichneten Stelle sichergestellt werden können (act. 1 S. 3, act. 2/3 Frage 2). Gemäss der Aussage von K.______ solle sich die Gruppe «L.______» mit dem Angriff auf den Geschädigten gerächt haben, weil dieser zuvor eine Person mit einem Baseballschläger geschlagen haben soll (act. 2/2 Fragen 43 und 44). Der Beschuldigte nenne sich L.______ (act. 2/3 Frage 22) und auch seine Accounts würden auf diesen Namen lauten (act. 2/5). Überdies habe der Beschuldigte eine ältere Kopfverletzung, angeblich von einem Fahrradunfall (act. 2/3 Frage 15). Dies bekräftige den dringenden Tatverdacht. Es lägen somit genügend konkrete Verdachtsmomente vor, welche eine Tatbeteiligung des Beschuldigten vermuten liessen. Der dringende Tatverdacht im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StPO sei damit zu bejahen (act. 9 S. 3 ff. Erw. 5).

 

2.3. Der Beschuldigte ist der Auffassung, dass weder aus der vorinstanzlichen Begründung noch aus dem Untersuchungshaftantrag ersichtlich sei, weshalb die fraglichen Feststellungen seine Tatbeteiligung begründen sollten. Eine Liebesbeziehung oder eine Bekanntschaft würden für sich alleine betrachtet noch keinen dringenden Verdacht einer strafbaren Handlung erfüllen (act. 16 S. 5).

Die Staatsanwaltschaft bringe für ihre Behauptung, die Aussagen der weiteren Mitbeschuldigten würden ihn schwer belasten, keine Beweise bei. Der Umstand, dass das bei I.______ sichergestellte und ausgewertete iPhone ihm gehöre, er die beiden anderen beschuldigten Personen kenne und sein Account auf den Namen L.______ laute, stehe nicht im Zusammenhang mit der Tat. Das Schreiben von I.______ vom 6. März 2019 stehe in keinem Zusammenhang mit ihm. Dieses Schreiben sei an "Neta", was Schwester bedeute, gerichtet und darin habe I.______ "Neta" angewiesen, "Lule" etwas auszurichten. Bei "Lule" handle es sich um eine weibliche Person und damit sei offensichtlich nicht er gemeint. Er werde in diesem Schreiben nicht einmal erwähnt. Das Argument, wonach I.______ die Anweisung erteilt habe, ein Tagebuch zu vernichten, könne zur Begründung des dringenden Tatverdachtes keine Geltung beanspruchen. Ein dringender Tatverdacht lasse sich auch nicht mit der Aussage von K.______ begründen. Diese Aussage datiere vom 7. November 2018, womit aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse erhöhte Anforderungen an den dringenden Tatverdacht zu stellen seien als nur die Behauptung eines Gerüchtes, welches sich nicht bestätigt habe (act. 2/2). Weiter sei zu berücksichtigen, dass K.______ ihn nicht konkret belastet habe. Es sei auch nicht ersichtlich, inwiefern seine Kopfverletzung, die er sich vor etwa zwei Jahren zugezogen habe, mit dem Vorfall vom 3. Oktober 2018 im Zusammenhang stehe. Ebensowenig rechtfertige eine Namensnennung oder eine Mitgliedschaft in einer Gruppierung allein eine Untersuchungshaft (act. 16 S. 6 f.).

 

2.4. Die Staatsanwaltschaft verweist in ihrer Stellungnahme auf ihre Ausführungen im vorinstanzlichen Verfahren (vgl. dazu Erw. III.2.2. vorstehend). Laut den übereinstimmenden Aussagen von I.______ und K.______ gehöre der Beschuldigte zur Gruppierung L.______ und der Geschädigte habe sich mit dieser Gruppierung zerstritten. Gemäss den Aussagen von K.______ sei bei der Tat vom 3. Oktober 2018 von einer Racheaktion der Gruppierung L.______ auszugehen. Der Geschädigte habe mit einem Baseballschlager auf ein Mitglied der Gruppe L.______ eingeschlagen. Gemäss eigenen Angaben des Beschuldigten verfüge dieser über eine ältere Kopfverletzung, welche ihm Schmerzen bereite (act. 21 S. 2 f).

 

2.5.

2.5.1. Der dringende Tatverdacht stützt sich aufgrund der Akten auf folgende Umstände: Am Abend des 3. Oktober 2018 wurde an der [...] in [...] der Geschädigte M.______ angegriffen und mit Werkzeugstielen niedergeschlagen. Bei diesem Angriff erlitt der Geschädigte schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen und zahlreiche Knochenbrüche (act. 2/1). Unmittelbar nach der Tat flüchteten drei Verdächtige von der Avia Tankstelle in [...] mit dem Fahrzeug Peugeot 308, Kennnummer ZH [...]. Das Fahrzeug konnte später in Zürich an der Überlandstrasse angehalten werden und ein Tatverdächtiger wurde verhaftet (act. 1). Die zwei unbekannten flüchtigen Täter konnten als G.______ und H.______ identifiziert und verhaftet werden (Anordnung Untersuchungshaft H.______ SG.2019.00037, Anordnung Untersuchungshaft G.______ SG.2019.00036). Im Weiteren konnte auch I.______ [Schwester von G.______ und Cousine von H.______] verhaftet werden (Anordnung Untersuchungshaft SG.2019.00022, Verlängerung Untersuchungshaft SG.2019.00034, SG.2019.00054).

Am 7. November 2018 wurde K.______ als beschuldigte Person von der Polizei einvernommen (act. 2/2). Er wurde verdächtigt, ebenfalls in das eingangs beschriebene Gewaltdelikt involviert zu sein. Anlässlich dieser Einvernahme sagte K.______ aus, dass er den Geschädigten kenne (Fragen 2 f.) und weiter, dass der Geschädigte in [...] ein Livemusik-Lokal betrieben habe. Halb Zürich habe erzählt, dass der Geschädigte dort jemanden mit einem Baseballschläger geschlagen habe. Bei diesem Geschlagenen handle es sich um eine Person aus einer Gruppierung aus Winterthur und man sage jetzt, dass dies [der Angriff auf den Geschädigten vom 3. Oktober 2018] die Rache dafür gewesen sei (Frage 43). Bei der Gruppierung handle es sich um die "L.______" aus Winterthur. Die würden alles machen, was nicht legal sei: Sportwetten, Kreditvergaben, das seien Geldhaie (Frage 45). Er habe gehört, dass sich der Geschädigte mit denen angelegt habe (Frage 46).

Im Schreiben vom 6. März 2019 von I.______ an Neta erteilte Erstere an eine Person genannt "Lule" den Auftrag, das Tagebuch, welches sich offenbar auf dem Kühlschrank befindet, wegzuwerfen! (act. 2/7 S. 2).

Weiter geht aus dem Bericht der Kantonspolizei Glarus hervor, dass I.______ am 16. Februar 2019 von der Kantonspolizei Zürich einer Personenkontrolle unterzogen wurde und sich die Genannte rechtswidrig in der Schweiz aufhielt. Eines der zwei bei I.______ sichergestellten Mobiltelefone gehört dem Beschuldigten. Es wurden darauf eine Foto des AHV-Ausweises sowie mehrere Fotos des Beschuldigten gefunden. Schliesslich gab I.______ in ihrer Einvernahme vom 12. April 2019 zu, dass dieses iPhone XR dem Beschuldigten gehört (act. 2/5). Zudem lautet die Apple-ID auf [...]. Die letzte Seite dieses Berichts zeigt ein Foto, auf welchem zwei Männer an einem Strand liegen (act. 2/6).

Anlässlich der Befragung des Beschuldigten vom 30. Mai 2019 beantwortete dieser konkrete Fragen zum Geschädigten und Delikt nicht; entweder wollte der Beschuldigte nichts dazu zu sagen oder er gibt an, die Antwort nicht zu wissen (act. 2/3 Fragen 9 ff.). Bezüglich I.______ gibt er an, diese zu kennen, aber er führe keine Liebesbeziehung mit ihr. Weiter bestreitet er, H.______ und G.______ zu kennen. Zudem bestreitet der Beschuldigte, sich L.______ zu nennen, gibt jedoch an, aus der Ortschaft "L" zu kommen (act. 2/3 Fragen 32-35, 47 f.). Am Wohnort des Beschuldigten in Winterthur wurde am 24. Mai 2019 eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Dabei wurde u.a. in der Küche ein Heft sichergestellt, welches sich gemäss Ausführungen der Staatsanwaltschaft an dem von I.______ bezeichneten Ort gelegen hatte. Der Beschuldigte wollte sich auch dazu nicht äussern (act. 2/3 S. 3).

 

2.5.2. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte und I.______ nicht einfach "nur" kennen. Dafür spricht der Umstand, dass I.______ im Besitze des iPhones des Beschuldigten gewesen war und sie es offenbar für notwendig hielt, während ihrer Untersuchungshaft (vgl. Verfahren SG.2019.00022) ein bestimmtes Heft aus der Wohnung des Beschuldigten verschwinden zu lassen. Vor diesem Hintergrund ist sehr wahrscheinlich, dass der Beschuldigte, entgegen seinen Aussagen, auch den Bruder von I.______, G.______, sowie deren Cousin, H.______, kennt. Bei diesen beiden Männern ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass sie am Angriff auf den Geschädigten beteiligt waren. Auch scheint die Aussage von K.______, wonach der Angriff auf den Geschädigten im Zusammenhang mit einer Racheaktion der Gruppe L.______ steht, nicht ganz abwegig, wenn "halb" Zürich davon spricht, die Apple-ID des Beschuldigten auf "L" lautet und der Beschuldigte in der Vergangenheit eine Verletzung am Kopf erlitten hatte, die ihm immer noch oft Schmerzen bereitet. Ob er sich diese Verletzung tatsächlich bei einem Fahrradunfall zugezogen hatte, ist Gegenstand der laufenden Untersuchung.

 

2.5.3. Im Haftverfahren ist nicht eine isolierte Betrachtung von einzelnen Umständen (wie z.B. Mitgliedschaft in einer Gruppierung, iPhone des Beschuldigten wurde bei I.______ sichergestellt) vorzunehmen, sondern es ist aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse zu prüfen, ob genügend konkrete Anhaltspunkte für ein Verbrechen und eine Beteiligung des Beschuldigten an dieser Tat vorliegen und die Strafbehörden somit das Bestehen eines dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gründen bejahen durfte (BGer 1B_197/2019  E. 2.1. Urteil vom 27. Mai 2019). Der Beschuldigte vermag mit seinen Vorbringen (vgl. Erw. III.2.3.) nicht darzulegen, inwiefern die Vorinstanz hinsichtlich des von ihr zutreffend bejahten dringenden Tatverdachts den Sachverhalt unrichtig festgestellt oder das Recht unrichtig angewendet hätte. Insbesondere lässt sich aus heutiger Sicht und aufgrund der Akten nicht von der Hand weisen, dass der Angriff auf den Geschädigten möglicherweise  eine Racheaktion der Gruppe L.______ (also des Beschuldigten) war.

 

2.5.4. Insgesamt betrachtet liegen aus heutiger Sicht genügend Verdachtsmomente vor, dass der Beschuldigte in den Angriff auf den Geschädigten vom 3. Oktober 2018 involviert ist, sei es als Mittäter, Anstifter oder Gehilfe. Der dringende Tatverdacht im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StPO ist damit zu bejahen.

 

3. Der Geschädigte wurde mit schweren Gesichtsverletzungen und diversen Knochenbrüchen an den Extremitäten (act. 2/1) mit der REGA ins Kantonsspital St. Gallen geflogen und dort in der Notfall- und Intensivstation betreut. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in Hinsicht auf das beschriebene Gewaltdelikt vom 3. Oktober 2018 wegen versuchten Mordes im Sinne von Art. 112 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (act. 1). Gemäss dem bisher bekannten Tatablauf und den Verletzungen des Geschädigten könnte die präsumtive Subsumtion des Geschehens unter den Tatbestand des versuchten Mordes (Art. 112 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) gerechtfertigt sein. Entgegen der Ansicht des Beschuldigten (act. 16 S. 6 f.) änderte sich für das vorliegende Haftverfahren auch nichts, wenn der fragliche Angriff auf den Geschädigten nur als schwere Körperverletzung qualifiziert würde. Auch bei dieser Qualifikation handelte es sich um ein Verbrechen (i.S.v. Art. 10 Abs. 2 StGB) und damit um eine Anlasstat zur Anordnung von Untersuchungshaft.

 

4.

4.1. Die Vorinstanz erwog hinsichtlich der Fluchtgefahr, dass der Beschuldigte belgischer und kosovarischer Staatsangehöriger sei, seine Frau und Kinder in Belgien wohnten und er auch familiäre Beziehungen zum Kosovo habe, wo er aufgewachsen sei. Eine Arbeitsstelle in der Schweiz habe der Beschuldigte nicht mehr. Ein Grossteil seines Umfeldes befinde sich im Ausland. Damit lägen konkrete Anzeichen vor, dass Fluchtgefahr bestehe. Nur weil er bis jetzt nicht geflüchtet sei, heisse nicht, dass keine Fluchtgefahr bestehe. Der Beschuldigte wisse erst seit seiner Verhaftung, dass gegen ihn ermittelt werde. Es sei daher mit der Staatsanwaltschaft ernsthaft zu befürchten, dass der Beschuldigte sich, wenn er in Freiheit wäre, ins Ausland absetzen und sich damit dem Strafverfahren durch Flucht entziehen würde. Folglich liege Fluchtgefahr im Sinne von Art. 221 Abs. 1 lit. a StPO vor. Diese könne mit den von der Verteidigung angeführten Ersatzmassnahmen (act. 7 S. 4) nicht wirksam gebannt werden (act. 9 S. 5 f. Erw. 6).

 

4.2. Der Beschuldigte lässt in seiner Beschwerde ausführen, dass er schon längst geflüchtet wäre, wenn er dies gewollt hätte. Der Umstand, dass er Beziehungen zum Ausland pflege und erst seit seiner Verhaftung wisse, dass gegen ihn ermittelt werde, bedeute nicht, dass er flüchten werde. Zudem sei zu berücksichtigen, dass das Risiko einer Flucht beim Tatbestand der schweren Körperverletzung deutlich geringer eingestuft würde, somit auch geeignete Ersatzmassnahmen zum Zuge kämen (act. 16 S. 7).

 

4.3. Zunächst gilt festzustellen, dass sich der Beschuldigte bezüglich der vor-instanzlich bejahten Fluchtgefahr nicht mit den zutreffenden Erwägungen des Zwangsmassnahmengerichts auseinandersetzt, sondern lediglich sehr pauschale Behauptungen vorträgt und dabei völlig ausblendet, dass er in Belgien Frau und Kinder hat und diese so oft wie möglich sieht (act. 2/3 S. 8 Frage 6 ff.). Weiter verfügt er im Kosovo über familiäre Beziehungen (act. 2/3 S. 9 Frage 14). Verhaftet wurde der Beschuldigte bei seiner Einreise in die Schweiz am Flughafen Zürich (act. 2/4). In der Wohnung des Beschuldigten wurde auch ein Flugticket vom 15. Mai 2019 sichergestellt. Gemäss Angaben des Beschuldigten könne dieses ihm gehören; er sei nach Kosovo geflogen (act. 2/4 S 4 oben). In der Schweiz verfügt er über eine Wohnung in Winterthur. Der Beschuldigte ist arbeitslos (act. 2/4 S. 8 Frage 5). Aufgrund seiner familiären Beziehungen im Ausland (Belgien und Kosovo), seiner offensichtlichen Reisetätigkeit (er geht so oft wie möglich nach Belgien und war im Kosovo in den Ferien) und der Schwere der drohenden Strafe, besteht die konkrete Gefahr, dass sich der arbeitslose Beschuldigte, wenn er in Freiheit wäre, ins Ausland absetzen würde und sich so dem Strafverfahren oder der zu erwartenden Sanktion entzieht (so auch die Staatsanwaltschaft in act. 21 S. 3 f.). Der Beschuldigte verweist in seiner Beschwerde auf Ersatzmassnahmen, ohne jedoch darzulegen, welche Ersatzmassnahmen geeignet wären, die konkrete Fluchtgefahr zu bannen. Es sind keine geeigneten Ersatzmassnahmen ersichtlich, welche die sehr konkrete Fluchtgefahr beim Beschuldigten wirksam bannen könnten.

 

5.

5.1. Die Vorinstanz bejahte auch das Vorliegen der Kollusionsgefahr (act. 9 S. 6 Erw. 7) mit der Begründung, dass der genaue Tathergang sowie die genaue Rollenverteilung noch nicht geklärt seien. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass noch weitere, bisher unbekannte, Personen an der Tat beteiligt sein könnten (act. 1 S. 4 f.). Es spiele keine Rolle, dass die Tat bereits sieben Monate zurückliege. Schliesslich habe auch I.______ aus der Untersuchungshaft heraus versucht, mit dem Beschuldigten in Kontakt zu treten (act. 2/7), was eine Kollusionsgefahr zu ihr zeige. Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass der Beschuldigte noch über weitere elektronische Geräte oder Accounts verfüge, auf welche er einwirken könne. In Würdigung dieser Umstände sei mit der Staatsanwaltschaft von Kollusionsgefahr i.S.v. Art. 221 Abs. 1 lit. b StPO auszugehen.

 

5.2. Die geltend gemachte Kollusionsgefahr muss Beweismittel in der Strafuntersuchung der beschuldigten Person betreffen. Die befürchteten Kollusionshandlungen müssen sich also auf die Strafuntersuchung des vorliegenden konkreten dringenden Tatverdachts beziehen, um Haft oder Ersatzmassnahmen begründen zu können (Gfeller/Bigler/Bonin, Untersuchungshaft, Zürich 2017, N 318 f.). Im Übrigen liegt Kollusionsgefahr vor, wenn ernsthaft zu befürchten ist, dass der Beschuldigte Personen beeinflusst oder auf Beweismittel einwirkt, um so die Wahrheitsfindung zu beeinträchtigen (Art. 221 Abs. 1 lit. b StPO).

 

5.3. Gegen die Einschätzung der Vorinstanz trägt der Beschuldigte in seiner Beschwerde vor, dass I.______ nicht versucht habe, mit ihm in Kontakt zu treten; sie habe via "Neta" mit "Lule" versucht, in Kontakt zu treten. Damit liege der Begründung des Zwangsmassnahmengerichts ein falscher Sachverhalt zu Grunde. Weiter könne die Kollusionsgefahr zu den anderen mitbeschuldigten Personen ausgeschlossen werden, da sich diese Personen (namentlich I.______, G.______ und H.______) bereits seit längerem in Untersuchungshaft befänden. Weitere verdächtige Personen seien nicht bekannt. Würde eine Kollusionsgefahr vorliegen, so hätte sich diese in den letzten sieben Monaten längst verwirklicht und entsprechend ausgewirkt (act. 16 S. 8 f.).

 

5.4. Das Argument des Beschuldigten, I.______ habe versucht, via "Neta" mit "Lule" in Kontakt zu treten, um ein Heft wegwerfen zu lassen, ist nicht stichhaltig. Immerhin wurde ein solches Heft an der von I.______ bezeichneten Stelle in der Wohnung des Beschuldigten sichergestellt. Gegenstand der laufenden Untersuchung ist u.a. auch, den Tatbeitrag des Beschuldigten zu eruieren. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, ob es sich beim Beschuldigten um diejenige Person handelt, welche allenfalls vor einiger Zeit vom Geschädigten mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen wurde (und insofern dann möglicherweise ein Rachemotiv hätte), wobei der Beschuldigte tatsächlich eine ältere Kopfverletzung aufweist, er dazu aber vorgibt, sie stamme von einem Fahrradunfall. Auch ist über den Inhalt des in der Wohnung des Beschuldigten sichergestellten Heftes noch nichts bekannt. Überdies müssen noch weitere mögliche Tatbeteiligten eruiert und identifiziert werden.

Der Beschuldigte verweigerte bisher seine Aussagen bezüglich der ihm vorgeworfenen Tat und tätigte nachweislich auch falsche Aussagen. Dass im vorliegenden Untersuchungsgegenstand, wo nicht nur die einzelnen Tatbeteiligungen, sondern auch die Hintergründe der Tat im Dunkeln sind, noch erhebliches Kollusionspotential steckt, hat sich nicht zuletzt auch in der versuchten Kollusionshandlung von I.______ gezeigt. Damit besteht beim Beschuldigten die konkrete Gefahr, dass er sich mit den weiteren noch nicht identifizierten Tatbeteiligten absprechen oder auf Beweismittel einwirken könnte. Es ist beim Beschuldigten zweifelsfrei auch von konkreter Kollusionsgefahr auszugehen.

 

6.

6.1. Nachdem der konkrete dringende Tatverdacht gegen den Beschuldigten vorliegt und auch die Haftgründe der Flucht- und der Kollusionsgefahr zu bejahen sind, gilt zu prüfen, ob die Untersuchungshaft verhältnismässig ist (Art. 197 Abs. 1 lit. c und d StPO) oder ob an Stelle der Untersuchungshaft eine oder mehrere mildere Massnahmen (Ersatzmassnahmen) treten können, die den gleichen Zweck wie die Haft erfüllen (Art. 237 Abs. 1 StPO; BGE 140 IV 19 E. 2.1.2).

 

6.2. Hinsichtlich der Verhältnismässigkeit der Untersuchungshaft erwog die Vor-instanz, es seien die Mobiltelefone und Laptops des Beschuldigten auszuwerten und sei dieser mit den Ermittlungserkenntnissen zu konfrontieren. Auch müssten weitere Einvernahmen mit Tatbeteiligten durchgeführt werden. Zudem rechtfertige die Tragweite der vorgeworfenen Straftat die Zwangsmassnahme. Es sei nicht
voraussehbar, wie lange die Ermittlungen dauern würden und auf welche weiteren Personen diese auszudehnen seien. Mildere Ersatzmassnahmen seien nicht ersichtlich. Es sei der Staatsanwaltschaft genügend Zeit zu gewähren, die nötigen Ermittlungen beförderlich und ohne das Risiko einer Flucht oder der Kollusion zum Abschluss zu bringen. Unter diesen Umständen sei die beantragte Untersuchungshaft von drei Monaten aus heutiger Sicht verhältnismässig (act. 9 S. 7 Erw. 8).

 

6.3. Der Beschuldigte vertritt die Auffassung, dass für die Auswertung der Mobiltelefone und Laptops keine Untersuchungshaft notwendig sei. Anstelle von Untersuchungshaft könnten auch Ersatzmassnahmen angeordnet werden. Das Zwangsmassnahmengericht habe eine ernsthafte Prüfung von Ersatzmassnahmen unterlassen, da seiner Ansicht nach schon die Bedeutung der vorgeworfenen Straftat die Untersuchungshaft rechtfertige. Die Verhältnismässigkeit sei nicht nachgewiesen, womit der Eingriff in seine persönliche Freiheit nicht gerechtfertigt sei (act. 16 S. 10).

 

6.4. Die Ergebnisse der Auswertungen der Mobiltelefone und Laptops liegen noch nicht vor. Die Strafuntersuchung hinsichtlich des Tatbeitrages des Beschuldigten ist noch nicht fortgeschritten und wie die Vorinstanz zutreffend erwog, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden, was die Auswertung der Mobiltelefone und Laptops des Beschuldigten ergeben wird und ob die umfassende Strafuntersuchung auf weitere Personen auszudehnen ist. Vor diesem Hintergrund ist die Anordnung von Untersuchungshaft für den Beschuldigten für maximal drei Monate verhältnismässig, zumal auch keinerlei Ersatzmassnahmen ersichtlich sind, welche geeignet wären, um der nachweislich bestehenden Flucht- und Kollusionsgefahr wirksam zu begegnen.

Damit ist die Beschwerde des Beschuldigten gegen die Anordnung von Untersuchungshaft des Zwangsmassnahmengerichts vom 1. Juni 2019 (act. 9) abzuweisen. Die vorinstanzlich angeordnete Untersuchungshaft für maximal drei Monate ist rechtskonform und nach heutigem Kenntnisstand sowie aufgrund der dargelegten Umstände ist diese auch sachgerecht. Im Übrigen kann der Beschuldigte jederzeit bei der Staatsanwaltschaft ein Entlassungsgesuch stellen (Art. 228 Abs. 1 StPO).

 

IV.

Die Regelung der Kostenfolgen hat im Endentscheid zu erfolgen (Art. 421 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren ist zuhanden der das Strafverfahren abschliessenden Behörde auf CHF 600.— festzulegen (Art. 8 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 6 der Zivil- und Strafprozesskostenverordnung [GS III A/5]) und zu den Untersuchungskosten im Sinne von Art. 326 Abs. 1 lit. d StPO zu schlagen. Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen (Art. 423 Abs. 1 StPO).

Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten für seine im Beschwerdeverfahren getätigten Aufwendungen wird durch die Staatsanwaltschaft
oder das urteilende Gericht bei Abschluss des Strafverfahrens festzusetzen sein (Art. 135 Abs. 2 StPO).

____________________

 

Das Gericht beschliesst:

 

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

 

 

2.

Die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren wird zuhanden der das Strafverfahren abschliessenden Behörde auf CHF 600.— festgelegt.

 

 

3.

Schriftliche Mitteilung an:

 

[...]