VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

 

 

Urteil vom 12. Februar 2014

 

 

II. Kammer

 

 

in Sachen

VG.2013.00126

 

 

 

A.______

Beschwerdeführer

 

vertreten durch Rechtsanwalt B.______

 

 

 

gegen

 

 

 

IV-Stelle Glarus

Beschwerdegegnerin

 

 

betreffend

 

 

 

Invalidenrente

Die Kammer zieht in Erwägung:

I.

1.

Am 10. März 2005 meldete sich A.______, geboren am [...], zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Nach durchgeführtem Abklärungsverfahren sprach ihm die IV-Stelle am 1. März 2006 rückwirkend ab 1. November 2004 eine halbe Invalidenrente zu. Die am 3. April 2006 dagegen erhobene Einsprache wies die IV-Stelle mit Entscheid vom 13. März 2007 ab. Am 13. April 2007 gelangte A.______ mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids sowie die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente. Das Verwaltungsgericht wies die Beschwerde am 27. Februar 2008 (VGer-Urteil VG.2007.00044) ab.

 

2.

Am 18. März 2010 stellte A.______ bei der IV-Stelle ein Gesuch um Revision der ursprünglich zugesprochenen halben Invalidenrente, da sich sein Gesundheitszustand ständig verschlechtere. Die IV-Stelle schloss das Revisionsverfahren am 28. März 2011 mit der Mitteilung ab, dass sie keine rentenwirksamen Änderungen festgestellt habe, weshalb weiterhin Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bestehe.

 

3.

3.1 Mit Schreiben vom 31. Juli 2013 stellte A.______ erneut ein Gesuch um revisionsweise Erhöhung der halben Invalidenrente, welches die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. November 2013 abwies.

 

3.2 Dagegen erhob A.______ am 11. Dezember 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 8. November 2013 sowie die Rückweisung der Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung und zur Neuentscheidung. Ferner begehrte er die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle.

 

Die IV-Stelle schloss am 15. Januar 2014 auf Abweisung der Beschwerde.

 

3.3 Am 27. Januar 2014 legte der Beschwerdeführer nachträglich das amtliche Formular betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege vom 16. Januar 2014 sowie weitere Belege für den Nachweis seiner Mittellosigkeit ins Recht.

 

II.

1.

Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

 

2.

2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung sowie Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

 

2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem solchen von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab mindestens 70 % auf eine ganze Rente. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zum Erwerbseinkommen gesetzt, welches sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).

 

3.

3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ist eine Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben, wenn sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich ändert. Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, so ist darin glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität des Versicherten in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV]).

 

3.2 Ein Revisionsgrund, d.h. eine für den Rentenanspruch massgebliche Veränderung der Verhältnisse, ist unter anderem bei einer Besserung oder Verschlechterung des Gesundheitszustands gegeben, aber auch bei einer Erhöhung oder Verminderung des massgeblichen Validen- oder Invalideneinkommens sowie bei einer Änderung der spezifischen Arbeitsfähigkeit, insbesondere der Betätigungsfähigkeit im Aufgabenbereich. Keinen Revisionsgrund stellen hingegen eine nur vorübergehende Änderung des Gesundheitszustands oder die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten (medizinischen) Sachverhalts dar (BGer-Urteil 9C_767/2008 vom 3. Oktober 2008 E. 1.2, mit Hinweis).

 

3.3 Zur Ermittlung der Revisionsvoraussetzungen ist grundsätzlich der Sachverhalt der ursprünglichen Rentenverfügung mit den aktuellen Verhältnissen im Zeitpunkt der Neubeurteilung zu vergleichen. Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung bildet rechtssprechungsgemäss die letzte, der versicherten Person eröffnete, rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4).

 

4.

4.1 Nach dem für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).

 

4.2 Es ist Aufgabe des Arztes, sämtliche Auswirkungen einer Krankheit oder eines Un­falls auf den Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang sie arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person im Hinblick auf ihre persönlichen Verhältnisse noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4).

 

4.3 Hinsichtlich des Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinanderset­zung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, sowie ob der Experte nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche ihm die Beantwortung der Fragen erschweren, gegebenenfalls deutlich macht. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).

 

4.4 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4). Dagegen entspricht es einer allgemeinen Erfahrung, dass Hausärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 2. A., Zürich/Basel/Genf 2010, S. 353).

 

4.5 Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – der Richter dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat der Richter dabei seinen Entscheid – sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht – nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter hat viel­mehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die er von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 119 V 7 E. 3c/aa, mit Hinweisen).

 

5.

5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beschwerdegegnerin habe ihre Untersuchungspflicht verletzt, indem sie Berichte ignorierte, welche einen hinreichenden Beweis für eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands liefern würden. So sei der Bericht von Dr. med. C.______ vom 23. Oktober 2013 in keiner Weise gewürdigt worden, obschon dieser von einer Arbeitsfähigkeit von allerhöchstens 30 % ausgegangen sei. Zudem habe es die Beschwerdegegnerin versäumt, eine medizinische Gegenmeinung einzuholen. Es treffe zwar zu, dass Dr. C.______ sein Hausarzt sei, hingegen seien auch solche Berichte zu beachten, da diesen ebenfalls Beweiskraft zukomme. Ferner sei die Verschlechterung des Gesundheitszustands nicht nur auf die Folgen des Herzinfarktes zurückzuführen, sondern gemäss dem Bericht von Dr. med. D.______ vom 19. Juni 2013 grösstenteils auf die zunehmenden Knieprobleme. Daraus ergebe sich, dass die Beschwerdegegnerin seinen Gesundheitszustand nur ungenügend abgeklärt habe.

 

5.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass gestützt auf die Stellungnahme von Dr. med. E.______ vom regionalen ärztlichen Dienst (RAD) keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen sei. Insbesondere enthalte der Bericht von Dr. C.______ vom 23. Oktober 2013 keine versicherungsrechtlich verwertbaren Angaben. Seine Einschätzung beruhe ausschliesslich auf den Angaben des Beschwerdeführers, weshalb dieser Ansicht nicht zu folgen sei. Ferner seien allfällige Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch den am 5. Dezember 2011 erlittenen Herzinfarkt vom medizinischen Standpunkt aus betrachtet sehr unwahrscheinlich. Im Übrigen gelte der rechtserhebliche (medizinische) Sachverhalt als hinreichend erstellt, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung auf die Einholung weiterer medizinischer Berichte verzichtet werden könne.

 

6.

Indem die Beschwerdegegnerin mit Verfügung an der halben Invalidenrente festhielt, trat sie auf das Revisionsgesuch des Beschwerdeführers ein, womit dieser eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands zumindest glaubhaft machen konnte. Es gilt somit zu prüfen, ob sich die medizinischen Verhältnisse des Beschwerdeführers bis zur Verfügung vom 8. November 2013 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in rentenbeeinflussender Weise geändert haben und die Beschwerdegegnerin zu Unrecht an der ursprünglich zugesprochenen halben Invalidenrente festhielt. Dabei stellt sich die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachverhalt genügend abgeklärt hat.

 

6.1 Als zeitlicher Ausgangspunkt fällt die Mitteilung vom 28. März 2011 vorliegend ausser Betracht. Mit dieser schloss die Beschwerdegegnerin zwar das vom Beschwerdeführer auf Gesuch hin eingeleitete Revisionsverfahren unter Hinweis auf den gleichbleibenden Invaliditätsgrad ab. Jedoch kann den Akten nicht entnommen werden, dass die Beschwerdegegnerin speziell auf die revisionsrechtlich relevante Frage einer Veränderung des Gesundheitszustands im massgebenden Vergleichszeitraum ausgerichtete medizinische Unterlagen eingeholt hätte. Damit mangelt es an einer umfassenden Überprüfung der gesundheitlichen Verhältnisse mit Blick auf die Revisionsvoraussetzungen im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG. Damit bildet der Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung vom 1. März 2006 Ausgangspunkt und ist mit demjenigen der vorliegend angefochtenen Verfügung zu vergleichen (vgl. zum Ganzen BGer-Urteil 8C_3/2012 vom 25. April 2012 E. 3.3).

 

6.2 Der Beschwerdeführer erlitt am [...] infolge eines Auffahrunfalles mit seinem Personenwagen ein Schleudertrauma, wobei er aufgrund seiner jahrelangen Tätigkeit als [...] bereits zuvor Rückenbeschwerden zu beklagen hatte.

 

Die Beschwerdegegnerin stützte ihre rentenbegründende Verfügung sowie ihren Einspracheentscheid vom 13. März 2007 vorwiegend auf die medizinischen Berichte von Dr. med. F.______, FMH Innere Medizin und Rheumatologie, vom 28. Januar 2005 sowie vom 7. November 2006, welchen das Verwaltungsgericht im Übrigen volle Beweiskraft zuerkannte (VGer-Urteil VG.2007.00044 vom 27. Februar 2008 E. III/6b).

 

Darin kam Dr. F.______ übereinstimmend mit früheren medizinischen Berichten zur Diagnose eines chronischen cervikocephalen und cervikobrachialen Syndrom rechts bei Status nach Auffahrkollision mit HWS-Distorsion und mässig ausgeprägten degenerativen Veränderungen, eines chronischen Lumbovertebralsyndrom bei geringen degenerativen Veränderungen L4 bis S1, einer diffusen idiopathischen, skelettalen Hyperostose (DISH) mit überbrückenden Spondylophyten der gesamten Brustwirbelsäule sowie einer Einschränkung der Schulterbeweglichkeit rechts und Knieschmerzen links ohne fassbares somatisches Korrelat. Der Beschwerdeführer sei für körperlich mittelschwere und schwere Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig. Dagegen sei eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne häufige Arbeiten über Kopf, ohne länger dauernde Zwangshaltungen und ohne repetitives Tragen oder Heben von Lasten über 8 kg bzw. Einzellasten über 20 kg noch zu 50 % zumutbar.

 

6.3 Es gilt folglich festzustellen, ob neuere medizinische Berichte eine massgebliche Verschlechterung gegenüber dem durch Dr. F.______ Festgestellten ausweisen.

 

6.3.1 Dr. C.______ kam in seinem Bericht vom 14. April 2010 ebenfalls zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter zu 100 % arbeitsunfähig sei. Er leide nach wie vor unter zeitweise immobilisierenden Schmerzen von Seiten des Bewegungsapparates. Die Prognose sei ungünstig und es könne nicht mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden.

 

Dr. E.______ äusserte sich am 11. März 2011 dahingehend, der vorgenannte Bericht von Dr. C.______ enthalte keine Anhaltspunkte dafür, dass ein massgeblich veränderter Gesundheitszustand des Beschwerdeführers vorliege. Aufgrund von polytopen degenerativen Veränderungen am Bewegungsapparat sei in angestammter Tätigkeit weiterhin von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auszugehen. In Anlehnung an das Gutachten von Dr. F.______ vom 7. November 2006 sei ihm eine leichte Tätigkeit weiterhin zu 50 % zumutbar. Eine vorzeitige medizinische Reevaluation sei nicht zu empfehlen, da kein Potential für eine wesentliche Verbesserung vorhanden sei.

 

6.3.2 Dr. C.______ ergänzte seine Diagnosen gemäss Schreiben vom 5. Dezember 2011 mit einem akuten Vorderwandinfarkt. Der Beschwerdeführer habe plötzlich nach dem Mittagessen beim Kaffeetrinken Schmerzen präkordial von vernichtendem Charakter verspürt, worauf er nach einer notfallmässigen Konsultation direkt ans Spital G.______ zur Koronarangiografie überwiesen worden sei. Die Ärzte des Spitals G.______ stellten gemäss Austrittsbericht vom 6. Dezember 2011 fest, dass es sich dabei um einen STEMI (segment elevation myocardial infarction) gehandelt habe.

 

Aufgrund des erlittenen Herzinfarkts wurde der Beschwerdeführer im Spital H.______ sowie im Rehabilitationszentrum [...] nachbehandelt. Am 12. Juni 2012 erfolgte schliesslich eine transthorakale Echokardiographie im Spital H.______. Dr. med. I.______, Oberarzt im Spital H.______, bemerkte in seinem Bericht vom 12. Juni 2012, dass die Echokardiographie (bis auf eine minime anteroapikale Hypokinesie) eine vollständige Erholung der linksventrikulären Ejektionsfraktion aufgezeigt habe. Die Vorderhöfe, der rechte Ventrikel sowie der übrige Klappenapparat würden keine relevanten Pathologien aufweisen und der Druck im kleinen Kreislauf sei normal. Es seien diesbezüglich keine weiteren Massnahmen angezeigt.

 

6.3.3 Gemäss den Berichten von J.______, Dipl. Physiotherapeut FH, vom 8. Februar 2013 und vom 16. April 2013 hätten die Leiden des Beschwerdeführers durch die verordnete Physiotherapie positiv beeinflusst werden können. Er verspüre zwar immer noch ein blockierendes Gefühl im thorakolumbalen Übergang. Jedoch hätten die Beschwerden im Schulter-, Nacken- sowie im unteren Rückenbereich ebenfalls leicht verbessert werden können. Aufgrund der Blutverdünnung sei der Beschwerdeführer nicht manipuliert worden.

 

6.3.4 Im Bericht vom 22. Mai 2013 führte Dr. C.______ weiter aus, dass der Beschwerdeführer über wechselnde belastungsabhängige Schmerzen in beiden Knien berichtet habe. Bei stärkeren Belastungen seien wiederholt Schwellungen der Kniegelenke aufgetreten. Der Beschwerdeführer wünsche diesbezüglich eine weitere fachärztliche Beurteilung.

 

6.3.5 Dr. med. D.______, FMH für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vermutete aufgrund der Symptomatik und der Lokalisation der Schmerzen im Knie gemäss seinem Schreiben vom 19. Juni 2013 eine Progredienz der bereits vor fünf Jahren festgestellten chondralen Läsion medial.

 

6.3.6 Dr. E.______ betonte in seiner Stellungnahme vom 8. August 2013, dass anhand der zur Verfügung stehenden, aufgelaufenen medizinischen Akten keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen sei. Die intermittierende kardiale Erkrankung sei behoben worden und habe somit keine IV‑Relevanz.

 

6.3.7 Dr. C.______ gelangte am 23. Oktober 2013 schliesslich zur Ansicht, dass der Beschwerdeführer aus hausärztlicher Sicht in der angestammten Tätigkeit nach wie vor zu 100 % arbeitsunfähig sei. Bei einer leichteren Erwerbstätigkeit sei er entgegen früheren Meinungen aber nur noch zu 20 % bis allerhöchstens 30 % arbeitsfähig.

 

6.3.8 Dr. E.______ bemerkte am 5. November 2013 hingegen, dass das Arztzeugnis von Dr. C.______ keine versicherungsmedizinisch verwertbaren Angaben enthalte, womit an seiner Stellungnahme vom 30. August 2013 (recte wohl: 8. August 2013) festzuhalten sei.

 

7.

7.1 Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, ist aufgrund des am 5. Dezember 2011 erlittenen Herzinfarkts aktuell keine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers mehr ausgewiesen. Gestützt auf den Bericht von Dr. I.______ ist vielmehr davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer davon vollständig erholen konnte, nicht zuletzt da Dr. I.______ keine weiteren Massnahmen als angezeigt sah. Zudem bemerkte Dr. E.______, dass die intermittierende kardiale Erkrankung behoben worden sei und somit keine IV‑Relevanz mehr habe. Die Beschwerdegegnerin war in Bezug auf die kardiale Erkrankung somit nicht dazu angehalten, weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen.

 

7.2 Soweit der Beschwerdeführer gestützt auf den Bericht von Dr. C.______ eine Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend machen will, gilt es vorab zu bemerken, dass es sich dabei um den behandelnden Hausarzt handelt. Dabei ist in Bezug auf Berichte behandelnder Ärzte zu berücksichtigen, dass deren Beurteilung im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten der Patienten ausfällt (statt vieler: BGer-Urteil 9C_204/2009 vom 6. Juli 2009 E. 4.4.1). Dennoch ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass auch ein Hausarztbericht unter Umständen eine revisionsrechtlich relevante Änderung des Gesundheitszustands aufzeigen kann. In Bezug auf den Bericht von Dr. C.______ muss dies vorliegend jedoch verneint werden. Einerseits zeigte Dr. C.______ gegenüber Dr. F.______ ein weitgehend unverändertes Beschwerdebild auf, andererseits verwies er nur global auf eine angeblich erhöhte Arbeitsunfähigkeit in einer leichteren, adaptierten Tätigkeit. Er legte damit insbesondere nicht dar, worauf er seine neue Ansicht stützt, zumal die von ihm ebenfalls erwähnte kardiale Erkrankung gemäss Dr. I.______ als weitgehend geheilt gilt und keiner weiteren Massnahme bedarf (vgl. vorstehende E. II/7.1). Insofern ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass Dr. C.______ durch seine Einschätzung nur eine andere Beurteilung der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit vornahm.

 

7.3 Auch der Bericht von Dr. D.______ deutet nicht darauf hin, dass eine revisionsrechtlich relevante Änderung des Gesundheitszustands besteht. Zwar erwähnte Dr. D.______ eine Progredienz der bereits vor fünf Jahren festgestellten chondralen Läsion medial. Er äusserte dies aber nur vermutungsweise und nicht, inwiefern sich die Progredienz auf die Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit auswirkt. Zudem ist dem Bericht von Dr. C.______ nichts mehr zu entnehmen, was auf anhaltende Knieschmerzen hindeuten würde. Damit muss höchstens auf eine vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustands geschlossen werden. Schliesslich erwähnte Dr. E.______ in seiner Stellungnahme, dass durch die aufgelaufenen medizinischen Akten keine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgewiesen sei. Damit setzte sich Dr. E.______ entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers einerseits – wenn auch nur durch eine kurze Stellungnahme dokumentiert – mit den Berichten von Dr. C.______ und Dr. D.______ auseinander, andererseits sah er keine zureichenden Gründe als gegeben, weitere medizinische Abklärungen zu veranlassen, nicht zuletzt weil bereits Dr. F.______ kein somatisches Korrelat in Bezug auf die Knieschmerzen ausmachen konnte.

 

7.4 Sowohl die von Dr. D.______ vorgebrachte, höchstens vorübergehende und vermutungsweise geäusserte Änderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers als auch die unterschiedliche Beurteilung des im Wesentlichen unveränderten Sachverhalts durch Dr. C.______ stellen keine revisionsrechtlich relevanten Gründe dar. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist nicht davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Schliesslich verletzte die Beschwerdegegnerin kein Bundesrecht, indem sie wegen der nicht ausgewiesenen Verschlechterung des Gesundheitszustands in antizipierter Beweiswürdigung von weiteren medizinischen Abklärungen absah und an der ursprünglich zugesprochenen halben Invalidenrente festhielt.

 

Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.

 

III.

1.

1.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 VRG befreit die Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen, um neben dem Lebensunterhalt für sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin ganz oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das Verfahren nicht aussichtslos ist. Unter denselben Voraussetzungen weist sie der Partei auf Gesuch hin oder von Amtes wegen einen Anwalt als Rechtsbeistand zu, sofern ein solcher für die gehörige Interessenwahrung erforderlich ist (Art. 61 lit. f ATSG und Art. 139 Abs. 2 VRG). Der Nachweis der Bedürftigkeit obliegt nach Art. 139 Abs. 3 VRG der gesuchstellenden Partei.

 

1.2 Aufgrund der Aktenlage erscheint die Mittellosigkeit der gesuchstellenden Partei als offensichtlich. Der Beschwerdeführer hat daher als bedürftig im Sinne von Art. 139 Abs. 1 VRG zu gelten. Zudem kann das vorliegende Verfahren nicht als aussichtslos bezeichnet werden, weshalb das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutzuheissen ist. Da der Beschwerdeführer für das Verfahren auf eine rechtliche Vertretung angewiesen war, ist auch das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung in der Person von Rechtsanwalt B.______ gutzuheissen. Letzterer ist mit pauschal Fr. 1'800.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

 

2.

Nach Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist dem Beschwerdeführer eine Gerichtsgebühr von pauschal Fr. 600.- aufzuerlegen. Auf deren Erhebung ist indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen zu verzichten. Der Beschwerdeführer ist darauf hinzuweisen, dass eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, für den Fall, dass sie später in günstige wirtschaftliche Verhältnisse gelangt, zur Nachzahlung der Verfahrenskosten verpflichtet werden kann (Art. 139a VRG). Ausgangsgemäss ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

Demgemäss beschliesst die Kammer:

1.

Die Gesuche des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung werden gutgeheissen. Ihm wird in der Person von Rechtsanwalt B.______ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.

2.

Der Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse mit Fr. 1'800.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt.

3.

Die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 139a VRG bleibt vorbehalten.

4.

Die Gerichtskasse wird beauftragt, spätestens im Februar 2019 zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Nachzahlung erfüllt sind.

und erkennt sodann:

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Dem Beschwerdeführer wird eine pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 600.- auferlegt, auf deren Erhebung einstweilen verzichtet wird.

3.

Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.

Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

 

[…]