VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

 

 

 

Urteil vom 15. September 2016

 

 

I. Kammer

 

 

in Sachen

VG.2016.00051

 

 

 

A.______

Beschwerdeführer

 

vertreten durch Rechtsanwalt B.______

 

 

 

gegen

 

 

 

1.

Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Glarus

Beschwerdegegner

 

2.

Departement Bau und Umwelt des Kantons Glarus

 

 

betreffend

 

 

Entzug der Jagdberechtigung

Die Kammer zieht in Erwägung:

I.

1.

1.1 Die Abteilung Jagd und Fischerei verzeigte A.______ am 7. Februar 2013 bei der Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus, da er am 3. November 2012 in verschiedener Hinsicht gegen das kantonale Jagdrecht verstossen habe. Die Staats- und Jugendanwaltschaft verpflichtete A.______ mit Strafbefehl vom 26. Februar 2013 zur Zahlung einer Busse von Fr. 1'480.-. Dagegen erhob A.______ Einsprache. In der Folge sprach ihn das Kantonsgericht Glarus am 6. Januar 2014 des verbotenen Betretens des Jagdgebietes gemäss Art. 11 des Gesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel vom 6. Mai 1979 (kantonales Jagdgesetz, JagdG) i.V.m. Art. 15 Abs. 3 der Verordnung zum kantonalen Jagdgesetz vom 27. Juni 1990 (kantonale Jagdverordnung, JagdV) i.V.m. Ziff. 4.1.3 der Vorschriften für die Ausübung der Jagd im Jahre 2012 (Jagdvorschriften 2012) schuldig und verurteilte ihn zu einer Busse von Fr. 760.-. Das Urteil des Kantonsgerichts erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

 

1.2 Mit Verfügung vom 22. August 2014 entzog die kantonale Jagdbehörde A.______ die Jagdberechtigung für ein Jahr und verpflichtete ihn, einen Wertersatz von Fr. 1'000.- für das erlegte Rotwild (Schmaltier) zu bezahlen. Dagegen erhob A.______ am 19. September 2014 beim Departement Bau und Umwelt (DBU) Beschwerde und beantragte die vollständige Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Am 6. Februar 2015 zog die kantonale Jagdbehörde ihre Verfügung vom 22. August 2014 in Wiedererwägung, wobei sie lediglich die Begründung, nicht aber das Dispositiv der ursprünglichen Verfügung änderte. Das DBU schrieb danach am 11. Februar 2015 die gegen die ursprüngliche Verfügung vom 22. August 2014 gerichtete Beschwerde als gegenstandlos geworden ab.

 

1.3 A.______ erhob am 24. Februar 2015 beim DBU Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Februar 2015 und beantragte deren Aufhebung.

 

1.4 Am 3. Oktober 2015 wurde A.______ vorsorglich das Jagdpatent entzogen, da er gleichentags gegen die Deklarations- und Meldepflicht verstossen habe. Die Abteilung Jagd und Fischerei bestätigte am 22. Oktober 2015 den vorsorglichen Jagdpatententzug bis zum Ende der Jagdsaison 2015/2016. Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Strafbefehl vom 15. Dezember 2015 wurde A.______ der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel im Sinne von Art. 11 Abs. 1 JagdG i.V.m. Art. 21 und 25 JagdV sowie Ziffn. 8.1.2, 8.2.1 und 8.6 der Jagdvorschriften 2015 schuldig gesprochen und mit einer Busse von Fr. 1'000.- bestraft.

 

1.5 Das DBU wies die Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Februar 2015 am 1. April 2016 ab.

 

2.

2.1 In der Folge gelangte A.______ mit Beschwerde vom 26. April 2016 ans Verwaltungsgericht und beantragte, dass die Sache zur Neubeurteilung an die Abteilung Jagd und Fischerei, eventuell an das DBU, zurückzuweisen sei, mit der Auflage, eine Massnahme betreffend den Vorfall, welcher dem Urteil des Kantonsgerichts vom 6. Januar 2014 zugrunde lag, sowie betreffend den Vorfall, welcher dem Strafbefehl vom 15. Dezember 2015 zugrunde lag, zu fällen. Eventualiter sei der mit Verfügung vom 6. Februar 2015 angeordnete Entzug der Jagdberechtigung aufzuheben und für den Vorfall, welcher dem Urteil des Kantonsgerichts vom 6. Januar 2014 zugrunde lag, keine Massnahme auszufällen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des DBU bzw. der Abteilung Jagd und Fischerei.

 

2.2 Das DBU schloss am 11. Mai 2016 auf Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge. Den gleichen Antrag stellte die Abteilung Jagd und Fischerei am 13. Mai 2016.

 

2.3 A.______ ergänzte am 18. Mai 2016 seinen Rückweisungsantrag in dem Sinne, als festzuhalten sei, dass ihm bis zum definitiven Entscheid über den Jagdpatententzug für die Jagdsaison ab 2016/2017 das Jagdpatent zu erteilen sei. Das DBU verzichtete am 20. Mai 2016 auf eine Stellungnahme zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 18. Mai 2016, während die Abteilung Jagd und Fischerei sich innert Frist nicht mehr vernehmen liess.

 

II.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 10a Abs. 1 JagdG i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvor-aussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

 

1.2 Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können gemäss Art. 107 Abs. 1 VRG die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) und die unrichtige Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens (lit. b) geltend gemacht werden. Hingegen ist dem Verwaltungsgericht gemäss Art. 107 Abs. 2 VRG die Prüfung der Angemessenheit eines Entscheids abgesehen von Ausnahmefällen verwehrt. Ein solcher Ausnahmefall liegt nicht vor.

 

2.

2.1 Gemäss Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel vom 20. Juni 1986 (JSG) wird die Jagdberechtigung vom Richter für mindestens ein Jahr und höchstens zehn Jahre entzogen, wenn der Träger der Berechtigung vorsätzlich oder fahrlässig eine Person auf der Jagd tötet oder erheblich verletzt (lit. a) oder eine Widerhandlung nach Art. 17 JSG als Täter, Anstifter oder Gehilfe vorsätzlich begangen oder versucht hat. Wird die Jagdberechtigung gestützt auf Art. 20 Abs. 1 JSG entzogen, gilt der Entzug für die ganze Schweiz (Art. 20 Abs. 2 JSG). Die Kantone können gemäss Art. 20 Abs. 3 JSG weitere Entzugsgründe festlegen. Die gestützt darauf erlassenen administrativen Verfügungen gelten nur für den betreffenden Kanton.

 

2.2 Gemäss Art. 5 Abs. 2 lit. b JagdG erlässt der Landrat unter anderem Bestimmungen über die Voraussetzungen für den Entzug der Patente. Dies hat er mit Art. 46 Abs. 2 JagdV getan, wonach die kantonale Jagdbehörde bei schweren oder wiederholten Verstössen gegen kantonale jagdgesetzliche Bestimmungen dem Fehlbaren die Jagdberechtigung bis zu fünf Jahren entziehen kann. Wird dem Berechtigten das Jagdpatent innerhalb von zehn Jahren nach Ablauf eines Entzugs ein weiteres Mal entzogen, wird ihm das Jagdpatent erst wieder abgegeben, wenn er erneut den Jagdlehrgang absolviert und die Eignungsprüfung für Jäger des Kantons Glarus bestanden hat.

 

2.3 Gemäss Art. 17 Abs. 1 JagdV sind bei der Ausübung der Jagd die anerkannten Grundsätze weidgerechten Verhaltens zu befolgen. Das Jagen zur Nachtzeit, d.h. eine Stunde nach kalendarischem Sonnenuntergang bis eine Stunde vor kalendarischem Sonnenaufgang, ist verboten, ausgenommen während der Nacht- und Passjagd auf Haarraubwild gemäss Art. 13 Abs. 6 JagdV (Art. 16 JagdV). Das Betreten des offenen Jagdgebiets mit der Schusswaffe ist nach Art. 15 Abs. 3 JagdV i.V.m. Ziff. 4.1.3 der Jagdvorschriften 2012 bei einer anberaumten Herbstjagd am Jagdtag ab 07.30 Uhr erlaubt.

 

Gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. c JagdG i.V.m. Ziff. 8.1.2 der Jagdvorschriften 2012 sind alle erlegten Tiere und die entsprechenden Angaben vom Erleger vor dem Behändigen vollständig, wahrheitsgetreu, in Blockschrift und gut leserlich mit Kugelschreiber ins amtliche Abschusskontrollbuch im Doppel einzutragen. Strafbar macht sich, wer bezüglich Abschussort und -zeit von erlegtem Wild gegenüber den Kontrollorganen falsche Angaben macht (Art. 26 Abs. 4 JagdV). Widerrechtlich erlegtes Wild ist gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. c JagdG i.V.m. Ziff. 8.3.2 Abs. 1 der Jagdvorschriften 2012 in jedem Fall unverzüglich und vollständig einem Wildhüter oder der Jagdverwaltung vorzuweisen. Bei grobfahrlässigen Abschüssen oder nicht vorgewiesenen widerrechtlich erlegtem Wild ist nach Art. 37 Abs. 3 JagdV i.V.m. Ziff. 8.3.2 Abs. 5 der Jagdvorschriften ein Wertersatz zu leisten, welcher sich nach der am 1. Juli 2007 erlassenen Verfügung des DBU richtet. Widerhandlungen gegen die Deklarationspflicht, Markierungspflicht, Vorweisungspflicht oder Meldepflicht haben nach Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften eine Verzeigung bei der zuständigen Instanz zur Folge. Zusätzlich kann gestützt auf Art. 46 JagdV die Jagdberechtigung für mindestens ein Jahr entzogen werden.

 

3.

3.1

3.1.1 Der Beschwerdeführer macht in erster Linie geltend, dass der Vorfall aus dem Jahr 2012 zusammen mit demjenigen aus dem Jahr 2015 zu beurteilen sei. Beim Patententzug handle es sich um eine Nebenstrafe. Nach den allgemeinen Regeln des Strafrechts seien beim Erlass einer Strafe alle im Zeitpunkt der Ausfällung der Strafe bekannten Straftatbestände in einem gemeinsamen Verfahren zu beurteilen. Das Gleiche gelte aber auch, wenn der Patententzug als Massnahme qualifiziert werde. Dies ergebe sich bereits aus den allgemeinen Regeln des Massnahmerechts. Eine erzieherische Wirkung könne die Massnahme nur haben, wenn sie rechtskräftig ausgesprochen sei. Mit der Aussprechung der Massnahme müssten deshalb sämtliche bis zum Zeitpunkt des Massnahmeentscheids bekannten Verstösse erledigt werden. Dies ergebe sich auch aus Art. 46 Abs. 2 JagdV, welcher vorsehe, dass das Jagdpatent dem Berechtigten bei einem zweiten Entzug innerhalb von zehn Jahren erst dann wieder abgegeben werde, wenn er erneut den Jagdlehrgang absolviert und die Eignungsprüfung bestanden habe. Schliesslich stimme die Rechtslage mit dem Administrativverfahren im Strassenverkehrsrecht überein. Auch hier seien sämtliche Verstösse bis zum Zeitpunkt des Erlasses der Administrativmassnahme zu beurteilen und zu behandeln. Insgesamt hätten die Beschwerdegegner gegen rechtsstaatliche Grundsätze verstossen. Sie hätten sich nämlich intern absprechen müssen, um einen einheitlichen Entscheid zu erzielen.

 

3.1.2 Die Beschwerdegegner sind der Auffassung, die beiden administrativen Verfahren seien unabhängig voneinander durchzuführen, da zwei unabhängige und von ihrer Art unterschiedliche Verstösse gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen vorliegen würden. Beim kantonalen Entzug des Jagdpatents handle es sich um eine administrative Massnahme, weshalb die strafrechtlichen Bestimmungen weder direkt noch analog anwendbar seien. Der erneute Verstoss gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen sei zudem erst in einem Zeitpunkt erfolgt, als die administrativrechtliche Beurteilung der Verstösse vom 3. November 2012 bereits beim Beschwerdegegner 2 anhängig gewesen sei.

 

3.2 Im Gegensatz zum bundesrechtlichen vorgesehenen Entzug der Jagdberechtigung, welcher eine Nebenstrafe ist (BGE 129 IV 296 E. 2.1), handelt es sich bei einem kantonalen Entzug um eine administrative Massnahme, was sich bereits aus dem Wortlaut von Art. 20 Abs. 3 JSG ergibt (VGer-Urteil VG.2015.00136 vom 17. März 2016 E. 5.2.1; vgl. auch Botschaft des Bundesrats zu einem Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel vom 27. April 1983, BBl 1983 II 1197 ff., 1217). Dies steht einer analogen Anwendung von Art. 49 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB) indessen nicht entgegen, da für die strafrechtliche und die administrative Sanktion nicht ohne Not unterschiedliche Lösungen getroffen werden sollten. Art. 49 StGB bezweckt, dass ein Täter, der mehrere Freiheitsstrafen verwirkt hat, nach einem einheitlichen, für ihn relativ günstigen Prinzip beurteilt werden soll (Abs. 1), unabhängig davon, ob die Verfahren getrennt durchgeführt werden oder nicht (Abs. 2). In den Genuss dieser in der Regel vorteilhaften Zusatzstrafe soll derjenige kommen, bei dem der erstinstanzliche Richter die mehreren Straftaten gleichzeitig hätte aburteilen können, nicht aber derjenige, der erneut delinquiert, nachdem er wegen anderer Delikte (zu Freiheitsstrafe oder Administrativmassnahmen) erstinstanzlich verurteilt und mithin eindringlich gewarnt worden ist. Es stellt sich somit bloss die Frage, ob die im zweiten Verfahren zu beurteilenden Straftaten vor der Eröffnung bzw. vor der Fällung (vgl. BGE 129 IV 113 E. 1.2) des Urteils begangen wurden. Trifft dies zu, ist Art. 49 Abs. 2 StGB anwendbar, andernfalls nicht (BGE 124 II 39 E. 3c).

 

3.3 Die Beschwerdegegnerin 1 entzog dem Beschwerdeführer aufgrund der Vorkommnisse vom 3. November 2012 mit Verfügung vom 22. August 2014 die Jagdberechtigung für ein Jahr. Allerdings zog sie diese Verfügung am 6. Februar 2015 in Wiedererwägung, wobei es beim Entzug der Jagdberechtigung für ein Jahr blieb. Am 3. Oktober 2015 ereignete sich ein weiterer Vorfall, dessen administrativrechtliche Beurteilung bei der Beschwerdegegnerin 1 hängig ist.

 

Wendet man die oben dargestellte Rechtsprechung auf das vorliegende Administrativverfahren an, ist massgebend, dass die erstinstanzliche Verfügung vom 6. Februar 2015 ergangen war, bevor der Beschwerdeführer am 3. Oktober 2015 erneut gegen jagdgesetzliche Bestimmungen verstiess. Damit war die Beschwerdegegnerin 1 nicht in der Lage, beide Vorfälle gleichzeitig zu beurteilen. Unter diesen Umständen erweisen sich zwei separate administrativrechtliche Entscheide als unumgänglich, wobei der wünschenswerten Gesamtbetrachtung bei den Administrativmassnahmen immerhin im zweiten Verfahren im Rahmen der Verhältnismässigkeit Rechnung zu tragen ist (BGE 124 II 39 E. 3c).

 

Damit ist im vorliegenden Verfahren über die Rechtmässigkeit des Entzugs der Jagdberechtigung für ein Jahr aufgrund des Vorfalls vom 3. November 2012 zu entscheiden und von einer Rückweisung der Sache zur gemeinsamen Beurteilung dieses Vorfalls und desjenigen vom 3. Oktober 2015 abzusehen.

 

4.

4.1

4.1.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, dass ihm zu Unrecht ein schwerer Verstoss gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen vorgeworfen werde. Er sei durch das Kantonsgericht einzig wegen des verbotenen Betretens des Jagdgebiets bestraft worden. Dies könne kein schwerer Verstoss gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen darstellen, was sich auch aus dem Strafmass des Kantonsgerichts ergebe, welches lediglich eine Busse von Fr. 760.- ausgesprochen habe. Auch wenn die Administrativbehörde an die Beurteilung des Strafrichters nicht gebunden sei, so bilde ein strafgerichtliches Urteil doch stets die Grundlage für die nachfolgenden Administrativmassnahmen. Von diesem Strafurteil könne nur dann abgewichen werden, wenn zwingende Gründe vorliegen würden. Die Beschwerdegegner würden ihm jedoch, ohne solche Gründe vorzubringen, auch Tatbestände vorwerfen, von denen er im kantonsgerichtlichen Verfahren freigesprochen worden sei. Sodann müsse bei der Auslegung des Begriffs des schweren Verstosses auch auf die eidgenössische Jagdgesetzgebung Bezug genommen werden. Im Vergleich zu den in Art. 17 JSG aufgeführten Vergehen handle es sich vorliegend um ein Bagatellverfahren. Entscheidend sei, dass das geschossene Wild jagdbar gewesen sei und er das Jagdgebiet lediglich etwas zu früh betreten habe. Der Vorwurf, er habe sich durch das zu frühe Betreten des Jagdgebiets einen unberechtigten Vorteil verschafft und den späteren Jagdbetrieb gestört, sei aktenwidrig.

 

4.1.2 Die Beschwerdegegner vertreten hingegen in ihren Beschwerdeantworten und im angefochtenen Entscheid die Auffassung, dass danach zu unterscheiden sei, ob ein Täter von einem Tatbestandsvorwurf freigesprochen worden sei, weil die Tatbestandsmerkmale als nicht erfüllt beurteilt worden seien, oder ob zwar die Tatbestandsmerkmale als erfüllt gelten würden, jedoch aufgrund der strafrechtlichen Konkurrenzlehre von einer mitbestraften Nachtat auszugehen sei. Sie seien an die Feststellung des Sachverhalts durch den Strafrichter gebunden. Dass eine Schussabgabe das Verhalten der Wildtiere beeinflusse, sei naheliegend. Die nachfolgende Jagd für andere Jäger sei dadurch zumindest gestört worden, was durchaus als unweidmännisches Verhalten bezeichnet werden könne. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass für die Auslegung des schweren Verstosses nicht auf die Bundesgesetzgebung Bezug genommen werden müsse.

 

4.2

4.2.1 Die Beschwerdegegnerin 1, welche erstinstanzlich über den Entzug der Jagdberechtigung zu befinden hat, ist – wie auch die nachfolgenden Rechtsmittelinstanzen – grundsätzlich an die Feststellung des Sachverhalts durch den Strafrichter gebunden. Eine Abweichung ist nur dann zulässig, wenn die Behörde ihrem Entscheid Tatsachen zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, sich die Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt, die Beweiswürdigung des Strafrichters eindeutig im Widerspruch zur Tatsachenlage stand oder wenn der Strafrichter nicht alle sich mit dem Sachverhalt stellenden Rechtsfragen abklärte (BGE 136 II 447 E. 3.1, 124 II 103 E. 1c/aa; Kaspar Plüss, in Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum erwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2014, § 7 N. 23 f.). Hingegen kommt der rechtlichen Würdigung durch den Strafrichter keine derartige Bindungswirkung zu. So ist es für die Frage des Entzugs der Jagdberechtigung namentlich nicht relevant, ob ein verpöntes Verhalten strafrechtlich als mitbestrafte Nachtat zu gelten hat. Soweit der Beschwerdeführer der Auffassung ist, da er nur wegen des zu frühen Betretens des Jagdgebiets gebüsst worden sei, liege von vornherein kein schwerer Verstoss gegen die Jagdvorschriften vor, ist ihm daher nicht zu folgen, sondern es sind die Vorkommnisse vom 3. November 2012 gesamthaft zu würdigen.

 

4.2.2 Aus dem rechtskräftigen Urteil ergibt sich folgender Sachverhalt: Der Beschwerdeführer schoss am 3. November 2012 in […] um ca. 06.30 Uhr, frühestens um 06.15 Uhr, ein Stück Rotwild. Die Abschussmeldung füllte er zwar vollständig, jedoch nicht wahrheitsgetreu aus, indem er als Abschusszeit 08.00 Uhr angab, obwohl er das Tier früher erledigt hatte. Das Tier wies er weder einem Wildhüter noch der Jagdverwaltung vor.

 

4.3

4.3.1 Der Entzug der Jagdberechtigung kommt gemäss Art. 46 Abs. 2 JagdV nur bei schweren oder wiederholten Verstössen gegen kantonale jagdgesetzliche Bestimmungen in Betracht. Beim "schweren Verstoss" gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, der ausgelegt werden muss. Dies obliegt in erster Linie der mit dem Vollzug des Jagdrechts betrauten Beschwerdegegnerin 1. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kommt dabei der Höhe der im Strafverfahren ausgesprochenen Busse keine entscheidwesentliche Bedeutung zu. Massgebend ist einzig, ob ein derart schwerer Verstoss gegen die Jagdvorschriften vorliegt, dass ein Entzug der Jagdberechtigung gerechtfertigt ist (VGer-Urteil VG.2015.00136 vom 17. März 2016 E. II/6.1, VG.2014.00082 vom 27. November 2014 E. II/5.2.4).

 

4.3.2 Neben den Bestimmungen des kantonalen Jagdgesetzes und der kantonalen Jagdverordnung gelten auch die Jagdvorschriften als kantonale gesetzliche Bestimmungen. Zu deren Einhaltung sind die Jäger verpflichtet, wenn sie sich auf eine genügende Gesetzesdelegation stützen können. So verhält es sich bei der Deklarationspflicht und Meldepflicht, deren detaillierte Regelung durch Art. 7 Abs. 1 lit. c JagdG dem Regierungsrat überlassen wird. Soweit der Regierungsrat in Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften 2012 davon ausgeht, dass die Verletzung der Deklarationspflicht, Markierungspflicht, Vorweisungspflicht, Auskunftspflicht, Vorzeigepflicht oder Meldepflicht gestützt auf Art. 46 JagdV den Entzug der Jagdberechtigung zur Folge haben könne, zeigt er auf, dass diese Vergehen einen schweren Verstoss gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen darstellen können. Bei Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften 2012 handelt es sich um eine interne Dienstanweisung, welche in erster Linie den rechtsgleichen Vollzug der Jagdgesetzgebung sicherstellen soll, für die Rechtsunterworfenen aber keine direkte Wirkung zu entfalten hat. Wie sich bereits aus der Formulierung der Bestimmung ergibt, ist stets im konkreten Einzelfall zu prüfen, ob ein schwerer Verstoss vorliegt (vgl. VGer-Urteil VG.2014.00082 vom 27. November 2014 E. 5.2.4).

 

4.4

4.4.1 Dem Beschwerdeführer ist vorzuwerfen, dass er am 3. November 2012, um ca. 06.30 Uhr, ein Stück Rotwild schoss. Sodann kommt im vorliegenden administrativrechtlichen Verfahren dem Umstand Bedeutung zu, dass er im Abschusskontrollbuch eine falsche Abschusszeit von 08.00 Uhr eintrug und das erlegte Rotwild weder einem Wildhüter noch der Jagdverwaltung vorwies.

 

4.4.2 Wie im Urteil des Kantonsgerichts zutreffend ausgeführt wird, kommt dem allgemeinen Nacht-Jagdverbot, das gemäss Art. 16 JagdV die Jagd eine Stunde nach kalendarischem Sonnenuntergang bis eine Stunde vor kalendarischem Sonnenaufgang verbietet, bei der Herbstjagd keine eigenständige Bedeutung zu. Der Regierungsrat hat gestützt auf Art. 15 Abs. 3 JagdV in Ziff. 4.1.3 der Jagdvorschriften 2012 geregelt, dass bei einer anberaumten Herbstjagd das Betreten des Jagdgebiets vor 07.30 Uhr nicht erlaubt ist. Dies impliziert ohne Weiteres, dass vor 07.30 Uhr auch die Schussabgabe verboten ist.

 

Bei der Frage, ob ein schwerer Verstoss gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Be-stimmungen im Sinne von Art. 46 Abs. 2 JagdV vorliegt, ist danach zu differenzieren, ob ein Jäger lediglich vor 07.30 Uhr das Jagdgebiet betreten und sich so allenfalls einen unrechtmässigen Vorteil gegenüber anderen Jägern verschafft hat oder ob er vor 07.30 Uhr bereits ein Wildtier erlegt hat. Im zweiten Fall kommt zum unrechtmässigen Vorteil nämlich hinzu, dass der Jagdbetrieb gestört wird. So führt die fachlich kompetente Beschwerdegegnerin 1 nachvollziehbar aus, dass durch eine verfrühte Schussabgabe das Verhalten der Wildtiere beeinflusst werde, wobei insbesondere das auf Störungen empfindliche Rotwild nach Schussabgaben seinen Aufenthaltsort rasch und in der Regel weiträumig wechsle.

 

Der Beschwerdeführer betrat nicht nur vor 07.30 Uhr das Jagdgebiet […], sondern erlegte bereits um ca. 06.30 Uhr ein Stück Rotwild. Damit verstiess er in qualifizierter Weise gegen die Bestimmung von Art. 15 Abs. 3 JagdV i.V.m. Ziff. 4.1.3 der Jagdvorschriften 2012.

 

4.4.3 Hinsichtlich der unwahren Angaben im Abschusskontrollbuch ist zunächst in Erinnerung zu rufen, dass die Jagd im Kanton Glarus gemäss Art. 1 JagdG ein Regal des Staates ist. Mit dem Jagdpatent erteilt der Kanton das Recht zur Ausübung der Jagd (Art. 2 Abs. 2 JagdG). Im Gegensatz dazu darf er aber verlangen, dass der Jäger das mit der Erteilung des Jagdpatents in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht. Ein weidgerechtes Verhalten im weiteren Sinne umfasst auch eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden (VGer ZH-Urteil VB.2009.00575 vom 5. Mai 2010 E. 4.2.2, www.vgr.zh.ch).

 

Der Beschwerdeführer, welcher sich bewusst war, dass er durch die verfrühte Schussabgabe gegen Art. 15 Abs. 3 JagdV i.V.m. Ziff. 4.1.3 der Jagdvorschriften 2012 verstossen hatte, trug im Abschusskontrollbuch als Abschusszeit 08.00 Uhr statt 06.30 Uhr ein. Anstatt zu seinem Fehlverhalten zu stehen, versuchte er es durch die falsche Zeitangabe zu vertuschen. Damit missbrauchte er das in ihn gesetzte Vertrauen in grober Weise.

 

4.4.4 Unter den gegebenen Umständen erweist es sich – ohne dass eine Verletzung der Vorweisungspflicht geprüft werden müsste (vgl. dazu aber E. II/5) – nicht als rechtsverletzend, dass die Beschwerdegegnerin 1 die Vorfälle vom 3. November 2012 als schweren Verstoss gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen wertete und dem Beschwerdeführer die Jagdberechtigung für die Mindestdauer von einem Jahr entzog.

 

4.5 Ergibt sich, dass ein schwerer Verstoss gegen die kantonalen jagdgesetzlichen Bestimmungen vorliegt, muss nicht näher geprüft werden, ob auch von einem wiederholten Verstoss auszugehen ist. Immerhin ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin 1 diesbezüglich offenbar der zeitlichen Komponente keine weitere Bedeutung zumisst. Dies ist indessen unzutreffend. Bei der Beurteilung, ob sich ein Entzug der Jagdberechtigung wegen eines wiederholten Verstosses gegen die einschlägigen Vorschriften rechtfertigt, ist einerseits der Schwere der früheren Vergehen Rechnung zu tragen und anderseits dem Zeitablauf. Mit anderen Worten muss das frühere Vergehen desto schwerer sein, je weiter es zeitlich zurückliegt, um einen Entzug der Jagdberechtigung wegen eines wiederholten Verstosses gegen die kantonalen jagdrechtlichen Bestimmungen zu rechtfertigen.

 

5.

Zu prüfen bleibt die Verpflichtung des Beschwerdeführers zum Wertersatz. Solcher ist gemäss Art. 37 Abs. 3 JagdV i.V.m. Ziff. 8.3.2 Abs. 5 der Jagdvorschriften 2012 unter anderem zu leisten bei grobfahrlässigen Abschüssen oder nicht vorgewiesenen widerrechtlich erlegtem Wild. Widerrechtlich ist in diesem Zusammenhang umfassend zu verstehen. Die Verpflichtung zum Wertersatz kommt nicht nur dann zum Tragen, wenn ein am Jagdtag nicht jagdbares Wild erlegt wird oder der Jäger keine Berechtigung zum Erlegen des Tiers (mehr) hat, sondern auch wenn es zwar am richtigen Tag, aber zu einem falschen Zeitpunkt, namentlich in der Nacht, erlegt wird. So handelt es sich auch beim letzten Fall um eine unbefugte Jagd auf Wild.

 

Der Beschwerdeführer war nach dem Dargelegten anlässlich der Herbstwildjagd vom 3. November 2012 nicht befugt, vor 07.30 Uhr Rotwild zu erlegen. Das um ca. 06.30 Uhr geschossene Stück Rotwild hat daher als widerrechtlich erlegt zu gelten. Der Beschwerdeführer hätte dieses unverzüglich und vollständig einem Wildhüter oder der Jagdverwaltung vorweisen müssen (Art. 7 Abs. 1 lit. c JagdG i.V.m. Ziff. 8.3.2 Abs. 1 der Jagdvorschriften 2012). Da er dies unterliess, ist es nicht zu beanstanden, dass er verpflichtet wurde, Wertersatz nach Art. 37 Abs. 3 JagdV i.V.m. Ziff. 8.3.2 Abs. 5 der Jagdvorschriften 2012 zu leisten. Dass der Wertersatz in der Höhe falsch festgesetzt worden sei, macht er dabei zu Recht nicht geltend.

 

III.

Nach Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG hat die Partei, welche im Beschwerde-, Klage- oder Revisionsverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Die pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.- ist demnach dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen und mit dem von ihm in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausgangsgemäss steht ihm keine Parteientschädigung zu (Art. 138 Abs. 3 VRG e contrario).

Demgemäss erkennt die Kammer:

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Dem Beschwerdeführer wird eine pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.- auferlegt und mit dem von ihm bereits geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.

3.

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.

Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

 

[…]