VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

 

 

 

Urteil vom 25. Januar 2018

 

 

I. Kammer

 

 

in Sachen

VG.2017.00105

 

 

 

 

A.______

Beschwerdeführer

 

vertreten durch Rechtsanwalt B.______

 

 

 

gegen

 

 

 

1.

Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Glarus

Beschwerdegegner

 

2.

Departement Bau und Umwelt des Kantons Glarus

 

 

betreffend

 

 

Entzug der Jagdberechtigung

 

Die Kammer zieht in Erwägung:

I.

1.

A.______ wurde durch die Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus mit Strafbefehl vom 26. Februar 2013 zur Zahlung einer Busse von Fr. 1'480.- verpflichtet, da er in verschiedener Hinsicht gegen das kantonale Jagdrecht verstossen hatte. Dagegen erhob er Einsprache. In der Folge sprach ihn das Kantonsgericht Glarus am 6. Januar 2014 des verbotenen Betretens des Jagdgebietes gemäss Art. 11 des Gesetzes über den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel vom 6. Mai 1979 (kantonales Jagdgesetz, JagdG) i.V.m. Art. 15 Abs. 3 der Verordnung zum kantonalen Jagdgesetz vom 27. Juni 1990 (kantonale Jagdverordnung, JagdV) i.V.m. Ziff. 4.1.3 der Vorschriften über die Ausübung der Jagd im Jahre 2012 (Jagdvorschriften 2012) schuldig und verurteilte ihn zu einer Busse von Fr. 760.-. Das Urteil des Kantonsgerichts erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Daraufhin entzog die kantonale Jagdbehörde A.______ die Jagdberechtigung für ein Jahr, wogegen dieser erfolglos Beschwerde beim Departement Bau und Umwelt (DBU) führte. Eine gegen den Beschwerdeentscheid des DBU vom 1. April 2016 erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht am 15. September 2016 ab (vgl. zum Ganzen VGer-Urteil VG.2016.00051). Das Urteil des Verwaltungsgerichts wurde von A.______ nicht beim Bundesgericht angefochten.

 

2.

2.1 Der Wildhüter entzog A.______ am 3. Oktober 2015 vorsorglich das Jagdpatent aufgrund eines gleichentags begangenen Verstosses gegen die Deklarations- und Meldepflicht. Die Abteilung Jagd und Fischerei bestätigte am 22. Oktober 2015 den vorsorglichen Patententzug bis zum Ende der Jagdsaison 2015/2016. Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Strafbefehl vom 15. Dezember 2015 wurde A.______ der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel im Sinne von Art. 11 JagdG i.V.m. Art. 21 und 25 JagdV i.V.m. Ziffn. 8.1.2, 8.2.1 und 8.6 der Vorschriften über die Ausübung der Jagd im Jahre 2015 (Jagdvorschriften 2015) schuldig gesprochen und mit einer Busse von Fr. 1'000.- bestraft.

 

2.2 In der Folge entzog ihm die Abteilung Jagd und Fischerei am 24. April 2017 die Jagdberechtigung für zwei Jahre (Disp.-Ziff. 1), wobei die Zeitdauer des vorsorglichen Patententzugs vom 3. Oktober 2015 anzurechnen sei (Disp.-Ziff. 2). Die Zeitdauer des Entzugs setzte sie frühestens auf den Ablauf des Entzugs der Jagdberechtigung von einem Jahr aufgrund des Verwaltungsgerichtsurteils VG.2016.00051 fest (Disp.-Ziff. 3). Der Entzug gelte sodann für den Kanton Glarus (Disp.-Ziff. 4). Ferner verfügte sie einen Wertersatz von Fr. 220.- für den widerrechtlich erlegten und behändigten Rehbock (Disp.-Ziff. 5). In der Begründung der Verfügung führte sie unter anderem aus, dass A.______ nach Art. 46 Abs. 2 JagdV das Jagdpatent erst wieder abgegeben werden könne, nachdem er erneut den Jagdlehrgang und die Eignungsprüfung für die Jäger des Kantons Glarus bestanden habe.

 

2.3 Dagegen erhob A.______ am 22. Mai 2017 Beschwerde beim DBU und beantragte die Aufhebung von Disp.-Ziff. 1 der Verfügung der Abteilung Jagd und Fischerei. Ihm sei die Jagdberechtigung für maximal zehn Monate zu entziehen. Ferner sei festzustellen, dass ihm das Jagdpatent auszuhändigen sei, ohne dass er erneut den Jagdlehrgang absolviere und die Eignungsprüfung für die Jäger des Kantons Glarus bestehe. Das DBU wies die Beschwerde am 9. Oktober 2017 ab und stellte fest, dass der Beschwerdeführer nach Vollzug des Patententzugs aus dem Urteil VG.2016.00051 und des mit vorliegendem Entscheid zu beurteilenden Patententzugs vor einer Erteilung des Jagdpatents erneut den Jagdlehrgang und die Jagdprüfung im Sinne von Art. 46 Abs. 2 JagdV zu absolvieren habe.

 

3.

A.______ gelangte am 7. November 2017 mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des Entscheids des DBU vom 9. Oktober 2017. Es sei festzustellen, dass ihm das Jagdpatent während zehn Monaten entzogen worden und damit der Entzug als administrative Massnahme vollzogen sei; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des DBU bzw. der Abteilung Jagd und Fischerei.

 

Das DBU und die Abteilung Jagd und Fischerei schlossen am 30. November 2017 bzw. 6. Dezember 2017 auf Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge zu Lasten von A.______.

 

II.

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 10a Abs. 1 JagdG i.V.m. Art. 105 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten.

 

1.2 Der Beschwerdeführer beantragt die Feststellung, dass ihm das Jagdpatent während zehn Monaten entzogen worden und damit der Entzug als administrative Massnahme vollzogen sei. Kann die Beschwerde führende Partei ein Gestaltungsurteil erwirken, besteht kein Feststellungsinteresse; in diesem Sinne ist der Feststellungsanspruch subsidiär (BGE 137 II 199 E. 6.5, 126 II 300 E. 2c; Jürg Bosshart/Martin Bertschi, in Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2014, § 19 N. 26; Regina Kiener et al., Öffentliches Prozessrecht, 2. A., Zürich/St. Gallen 2015, Rz. 395).

 

Vorliegend bezweckt der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde zweierlei: Einerseits soll die Dauer des Entzugs der Jagdberechtigung auf zehn Monate reduziert werden. Andererseits soll er von der Verpflichtung der Wiederholung des Jagdlehrgangs und der Eignungsprüfung für Jäger des Kantons Glarus befreit werden. Beides kann er mit einem Gestaltungsurteil erwirken, weshalb er kein Feststellungsinteresse hat. Demgemäss ist auf sein Feststellungsbegehren nicht einzutreten.

 

1.3 Da sich der rechtserhebliche Sachverhalt aus den Akten ergibt, ist auf die vom Beschwerdeführer beantragten Zeugenbefragungen zu verzichten.

 

2.

2.1 Gemäss Art. 20 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel vom 20. Juni 1986 (JSG) wird die Jagdberechtigung vom Richter für mindestens ein Jahr und höchstens zehn Jahre entzogen, wenn der Träger der Berechtigung vorsätzlich oder fahrlässig eine Person auf der Jagd tötet oder erheblich verletzt (lit. a) oder eine Widerhandlung nach Art. 17 JSG als Täter, Anstifter oder Gehilfe vorsätzlich begangen oder versucht hat. Wird die Jagdberechtigung gestützt auf Art. 20 Abs. 1 JSG entzogen, gilt der Entzug für die ganze Schweiz (Art. 20 Abs. 2 JSG). Die Kantone können gemäss Art. 20 Abs. 3 JSG weitere Entzugsgründe festlegen. Die gestützt darauf erlassenen administrativen Verfügungen gelten nur für den betreffenden Kanton.

 

2.2 Nach Art. 5 Abs. 2 lit. b JagdG erlässt der Landrat unter anderem Bestimmungen über die Voraussetzungen für den Entzug der Patente. Dies hat er mit Art. 46 Abs. 2 JagdV getan, wonach die kantonale Jagdbehörde bei schweren oder wiederholten Verstössen gegen kantonale jagdgesetzliche Bestimmungen dem Fehlbaren die Jagdberechtigung bis zu fünf Jahren entziehen kann. Wird dem Berechtigten das Jagdpatent innerhalb von zehn Jahren nach Ablauf eines Entzugs ein weiteres Mal entzogen, wird ihm das Jagdpatent erst wieder abgegeben, wenn er erneut den Jagdlehrgang absolviert und die Eignungsprüfung für Jäger des Kantons Glarus bestanden hat.

 

2.3 Gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. c JagdG i.V.m. Ziff. 8.1.2 der Jagdvorschriften 2015 sind alle erlegten Tiere und die entsprechenden Angaben vom Erleger vor dem Behändigen (Aufbrechen und Abtransport) vollständig, wahrheitsgetreu, in Blockschrift und gut leserlich mit Kugelschreiber ins amtliche Abschusskontrollbuch im Doppel einzutragen. Nach Art. 7 Abs. 1 lit. c JagdG i.V.m. Ziff. 8.2.1 der Jagdvorschriften 2015 erhält jeder Jäger dem Abschusskontingent entsprechende Wildkontrollmarken für Rehwild und Gamswild. Vor dem Behändigen von erlegten Rehen und Gämsen ist die entsprechende Wildkontrollmarke zu entwerten (Herausschneiden des Abschussdatums) und am Hinterlauf anzubringen.

 

2.4 Laut Art. 46 Abs. 2 und 3 JagdV i.V.m. Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften 2015 haben Widerhandlungen gegen die Deklarationspflicht, Markierungspflicht, Auskunftspflicht, Vorzeigepflicht oder Meldepflicht eine Verzeigung bei der zuständigen Instanz zur Folge. Zusätzlich kann die Jagdberechtigung für mindestens ein Jahr entzogen werden. Der sofortige Patentenzug wird vollzogen bei Vergehen gemäss Art. 17 JSG, bei Verheimlichung von erlegten Tieren (Nichtdeklaration), schwerwiegender Falschdeklaration (falsche Geschlechtsangabe bei Schalenwild) und bei Jagen ausserhalb der Jagdzeit oder Abschüssen ausserhalb der Schusszeiten.

 

3.

3.1

3.1.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er wegen eines Verstosses gegen die Deklarations- und Markierungspflicht gebüsst worden sei. Den Strafbefehl habe er anerkannt. Nicht Gegenstand des Strafverfahrens gebildet habe der unhaltbare Vorwurf der Vorinstanz, dass er den Abschuss habe verheimlichen wollen. An die Beurteilung des Strafrichters sei das Verwaltungsgericht nicht zwingend gebunden. Es sei aber nicht ohne Not von dieser strafrechtlichen Beurteilung abzuweichen. Wie aus der Darstellung des Sachverhalts ersichtlich sei, bestünden keine Anhaltspunkte, eine andere rechtliche Beurteilung vorzunehmen, als dies im Strafverfahren bereits gemacht worden sei. Der Verstoss gegen die Deklarations- und Markierungspflicht sei lediglich als Unterlassung von administrativen Pflichten, nicht als schwerer Verstoss gegen die Jagdvorschriften zu werten. Er beantrage daher einen Entzug der Jagdberechtigung für zehn Monate, wobei der Patententzug im Rahmen der vorsorglichen Massnahme anzurechnen sei. Dabei komme der Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin 1 ihm unaufgefordert und freiwillig für die Jagdsaison 2016/2017 ein Gratispatent erteilt habe, erhebliche Bedeutung zu. Damit habe sie nämlich mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht, dass der Vorfall vom 3. Oktober 2015 keinen schweren Verstoss darstelle. Indem er den vorsorglichen Entzug des Jagdpatents nicht angefochten habe, habe er den Vorwurf des schweren Verstosses gegen die Jagdvorschriften nicht anerkannt.

 

3.1.2 Der Beschwerdegegner 2 führt im Wesentlichen aus, es könne kein anderer Schluss gezogen werden, als dass der Beschwerdeführer den Abschuss des Rehbocks habe verheimlichen wollen. Der Beschwerdeführer sei denn auch im Strafbefehl nicht nur wegen Verletzung von Ziffn. 8.1.2 und 8.2.1 der Jagdvorschriften 2015, sondern auch von Ziff. 8.6 derselben verurteilt worden. Nur deshalb habe ihm gestützt auf Art. 46 Abs. 3 JagdV i.V.m. Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften 2015 das Patent vorsorglich entzogen werden können. Dies sei nur bei einem Verstoss gegen das Jagdgesetz des Bundes und bei Verheimlichung von erlegten Tieren (Nichtdeklaration) zulässig. Es sei Fakt, dass der Beschwerdeführer die Verfügung betreffend vorsorglichen Patententzug nicht angefochten habe und sich auch gegen die mit diesem erfolgte rechtliche Qualifikation seines Verhaltens nicht gewehrt habe. Sodann könne er aus der Erteilung des Gratispatents nichts zu seinen Gunsten ableiten. Schliesslich erweise sich die Dauer des Patententzugs von zwei Jahren als verhältnismässig.

 

3.2

3.2.1 Die Verwaltungsbehörde, welche über den Entzug der Jagdberechtigung zu befinden hat, ist wie auch die nachfolgenden Rechtsmittelinstanzen grundsätzlich an die Feststellung des Sachverhalts durch den Strafrichter gebunden. Eine Abweichung ist nur dann zulässig, wenn die Behörde ihrem Entscheid Tatsachen zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren, sich die Erhebung zusätzlicher Beweise aufdrängt, die Beweiswürdigung des Strafrichters eindeutig im Widerspruch zur Tatsachenlage stand oder wenn der Strafrichter nicht alle sich mit dem Sachverhalt stellenden Rechtsfragen abklärte (BGE 136 II 447 E. 3.1, 124 II 103 E. 1c/aa, 123 II 97 E. 3c/aa, 121 II 127 E. 5). Die Verwaltungsbehörde ist unter bestimmten Umständen auch an einen Strafentscheid gebunden, der in einem summarischen Verfahren ergangen ist, selbst wenn er ausschliesslich auf einem Polizeirapport beruht. Dies gilt namentlich, wenn der Beschuldigte wusste oder davon ausgehen musste, dass neben dem Strafverfahren ein Administrativverfahren eröffnet wird (BGE 123 II 97 E. 3c/aa; BGer-Urteil 6A.86/2006 vom 28. März 2007 E. 2).

 

3.2.2 Der Beschwerdeführer wurde mit Strafbefehl der Verletzung der Ziffn. 8.1.2, 8.2.1 und 8.6 der Jagdvorschriften 2015 schuldig gesprochen. In Ziff. 8.1.2 wird die Deklarations- und in Ziff. 8.2.1 die Markierungspflicht geregelt. Ziff. 8.6 enthält die Strafbestimmungen. Darin wird unter anderem festgehalten, dass Widerhandlungen gegen die Deklarations- und die Markierungspflicht eine Verzeigung und allenfalls einen Entzug des Jagdpatents zur Folge haben. Sodann wird auch ausgeführt, in welchen Fällen der vorsorgliche Patententzug erfolgt, wobei als ein Anwendungsfall die Verheimlichung von erlegten Tieren genannt wird. Alleine gestützt auf das Dispositiv des Strafbefehls lässt sich nicht erkennen, ob die Strafverfolgungsbehörde von einer Verheimlichung des erlegten Rehbocks ausgegangen ist, da die Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften sowohl die Deklarations- und die Markierungspflicht als auch das Verheimlichen von erlegten Tieren beschlägt. Die Begründung des Strafbefehls ist äusserst knapp gehalten. Indessen lässt sich aus der Höhe der Busse von Fr. 1'000.- ableiten, dass die Strafverfolgungsbehörde nicht lediglich von einem als gering zu wertenden Verstoss gegen administrative Verpflichtungen ausging.

 

3.2.3 Entgegen der Auffassung des Beschwerdegegners 2 anerkannte der Beschwerdeführer die Verheimlichung des erlegten Rehbockes nicht, indem er den vorsorglichen Patententzug nicht angefochten hatte. Es trifft zwar zu, dass bereits aus dem Umstand, dass das Jagdpatent vorsorglich entzogen wurde, ersichtlich ist, dass die Beschwerdegegnerin 1 dem Beschwerdeführer eine Verheimlichungsabsicht vorwarf, da ansonsten der vorsorgliche Patententzug gestützt auf Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften 2015 nicht zulässig gewesen wäre. Indessen handelt es sich beim vorsorglichen Patententzug um einen Zwischenentscheid. Indem nun der Beschwerdeführer den vorsorglichen Patententzug nicht angefochten hat, darf daraus nicht abgeleitet werden, er habe den dem Zwischenentscheid zugrunde liegenden Sachverhalt anerkannt. Vielmehr stand es ihm offen, sich erst gegen den Endentscheid zu wehren.

 

3.2.4 Aus dem Strafbefehl und den polizeilichen Berichten lässt sich immerhin folgender (unbestrittener) Sachverhalt erstellen: Der Beschwerdeführer erlegte am 3. Oktober 2015, um ca. 09.00 Uhr, mittels Schrotschuss einen Rehbock. Nach dem Ausweiden hängte er diesen in einen nahegelegenen Stall, dessen Eigentümer er nicht kannte. Den Stall verdunkelte er mit Eternitplatten. Anschliessend begab er sich zum Sammelplatz seiner Jagdgruppe, wo er das Mittagessen einnahm. Danach setzte er die Jagd fort. Um 18.44 Uhr kam er zum Stall zurück, um den Rehbock zu holen. Bis dahin hatte er den Rehbock weder markiert noch den Abschuss ins Kontrollbuch eingetragen. Die Marke, das Abschusskontrollbuch und das Jagdpatent wurden anlässlich der durchgeführten polizeilichen Kontrolle in seinem Auto gefunden.

 

3.3

3.3.1 Die Jagd ist im Kanton Glarus gemäss Art. 1 JagdG ein Regal des Staates. Mit dem Jagdpatent erteilt der Kanton dem Jäger das Recht zur Ausübung der Jagd (Art. 2 Abs. 2 JagdG). Im Gegensatz dazu darf er aber verlangen, dass der Jäger das mit der Erteilung des Jagdpatents in ihn gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht. Dabei kommt der Selbstkontrolle des Wildes durch den Jäger eine wesentliche Bedeutung zu und erfordert von ihm eine hohe Verantwortung und Gewissenhaftigkeit. Die administrativen Vorschriften, namentlich die Deklarations- und die Markierungspflicht, sollen dabei einerseits sicherstellen, dass ein einzelner Jäger sein Jagdkontingent nicht überschreitet, dienen aber andererseits auch der Kontrolle über den geschossenen Tierbestand.

 

3.3.2 Der Wichtigkeit der Deklarations- und Markierungspflicht entspricht es, dass Ziff. 8.6 der Jagdvorschriften 2015 vorsieht, dass bei einer Widerhandlung gegen diese Pflichten die Jagdberechtigung entzogen werden kann. Es kann zwar vorkommen, dass ein Jäger beim Erlegen eines Wildtiers die Wildkontrollmarken und das Abschusskontrollbuch nicht dabei hat. In einem solchen Fall ist es zulässig, mit einem Jagdkollegen die Marke zu tauschen (vgl. Ziff. 8.2.2 der Jagdvorschriften 2015). Sollte dies nicht möglich oder gewollt sein, kann die Erlegung des Wilds dem Wildhüter telefonisch gemeldet werden. Unterbleibt aber die Deklaration und Markierung und wird der Wildhüter nicht informiert, besteht ein starkes Indiz dafür, dass der Jäger das erlegte Tier verheimlichen wollte.

 

3.3.3 So verhält es sich auch vorliegend. Dem Beschwerdeführer, welcher ein erfahrener Jäger ist, musste bekannt sein, wie vorzugehen ist, wenn er ein Tier erlegt, ohne dass er die Wildkontrollmarken und das Abschusskontrollbuch zur Hand hat. Schon alleine, weil er keine dieser Möglichkeiten ergriff, ist eine Verheimlichungsabsicht zu vermuten. Diese Vermutung wird durch sein Verhalten nicht widerlegt. So betrat er unbefugt einen fremden Stall, welchen er verdunkelte und wo er den Rehbock aufhängte. Bei der Polizeikontrolle wurden sodann die Wildkontrollmarke, das Abschusskontrollbuch und das Jagdpatent in seinem Auto gefunden. Dies alles lässt eine Verheimlichungsabsicht als naheliegend erscheinen.

 

Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, vermag hingegen nicht zu überzeugen. Hätte er für eine ordnungsgemässe Deklaration und Meldung sorgen wollen, hätte er die Wildkontrollmarken mit einem Jagdkollegen tauschen oder zumindest dem Wildhüter telefonieren können. Dass ihm keine dieser Möglichkeiten in den Sinn kam, ist nicht glaubwürdig. Sodann vermag er nicht schlüssig zu erklären, weshalb er den erlegten Rehbock in einen fremden Stall hängte. Auch erscheint die Darlegung, dass er den Stall wegen des Schutzes vor Fliegen mit Eternitplatten verdunkelte, als reine Schutzbehauptung. Dass die Wildkontrollmarken und das Abschussbuch in seinem Auto gefunden wurden, passt ins Bild der Verheimlichungsabsicht, wobei es aufgrund seines übrigen Verhaltens offen gelassen werden kann, ob er sich tatsächlich nicht bewusst war, dass er die entsprechenden Dokumente dabei hatte.

 

3.3.4 Insgesamt ergibt sich damit, dass der Beschwerdeführer die Deklarations- und Meldepflicht verletzte und den Abschuss eines Rehbocks verheimlichen wollte. Dies wurde durch die Vorinstanzen zutreffend als schweren Verstoss gegen die Jagdvorschriften gewürdigt. Daran ändert sich entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nichts, dass ihm für die Jagdsaison 2016/2017 ein Gratispatent erteilt wurde. Dabei handelt es sich nämlich um einen standardisierten Vorgang, von welchem sämtliche Jäger bei Lösung des 45. Jagdpatents profitieren. Im Zeitpunkt der Erteilung des Gratispatents war dem Beschwerdeführer zudem die Jagdberechtigung nicht rechtskräftig entzogen, weshalb keine Gründe für die Verweigerung des (Gratis-)Patents bestanden.

 

3.4

3.4.1 Der Beschwerdeführer erachtet die Dauer des Patententzugs unter Hinweis auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts vom 17. März 2016 (VG.2015.00136) als unverhältnismässig. In jenem Fall verheimlichte ein Jäger ebenfalls den Abschuss eines Rehbocks, wobei er – anders als der Beschwerdeführer – kein Abschusskontingent mehr hatte.

 

3.4.2 Der Beschwerdeführer übersieht in seiner Argumentation, dass das Verwaltungsgericht in jenem Fall den Entzug des Jagdpatents für drei Jahre als zulässig erachtete (E. II/7), die Entzugsdauer aber alleine deshalb auf ein Jahr reduzierte, weil das Verwaltungsverfahren deutlich zu lange gedauert hatte, welchem Umstand Rechnung zu tragen war (E. II/8).

 

Der Unrechtsgehalt des vorliegend zu beurteilenden Falls ist insofern etwas geringer, als der Beschwerdeführer noch über ein Abschusskontingent verfügte. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Fälle nicht erheblich. Namentlich weisen beide Jäger keinen jagdrechtlich ungetrübten Leumund auf. Unter Berücksichtigung dieser Umstände hat die Beschwerdegegnerin 1 durch den Entzug des Jagdpatents für zwei Jahre ihr Ermessen nicht verletzt.

 

3.4.3 Schliesslich erweist sich der Patententzug für zwei Jahre auch als angemessen, wenn man den Vorfall vom 3. November 2012 berücksichtigt, welcher einen Entzug des Jagdpatents für ein Jahr zur Folge hatte. Der Beschwerdeführer hat innert eines Zeitraums von nur gerade drei Jahren zweimal in einer erheblichen Weise gegen die jagdgesetzlichen Bestimmungen verstossen. Dass ihm deshalb für insgesamt drei Jahre das Jagdpatent entzogen bleibt, ist nicht unverhältnismässig.

 

4.

Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegner zu Recht davon ausgehen, dass dem Beschwerdeführer das Jagdpatent erst wieder auszuhändigen ist, wenn er erneut den Jagdlehrgang absolviert und die Eignungsprüfung für die Jäger des Kantons Glarus besteht.

 

4.1

4.1.1 Der Beschwerdeführer macht dazu geltend, beim Entzug des Jagdpatents handle es sich nicht um eine Strafe, sondern um eine Massnahme, welche dazu diene, den Fehlbaren zu "erziehen". Dieser Zweck könne erst erreicht werden, wenn die Massnahme durchgeführt werde. Die verschärfende Bestimmung der Wiederholung der Jagdprüfung könne daher erst greifen, wenn der erste Entzug durchgeführt worden sei. Dies stimme auch mit dem Massnahmenkatalog des Strassenverkehrsrechts überein. Es bestehe daher kein Raum dafür, vom klaren Wortlaut von Art. 46 Abs. 2 JagdV abzuweichen.

 

4.1.2 Der Beschwerdegegner 2 vertritt hingegen die Auffassung, es dürfe nicht einzig auf den Wortlaut von Art. 46 Abs. 2 JagdV abgestellt werden. Bei einer Auslegung nach dem Sinn und Zweck der Bestimmung würden sich triftige Gründe dafür ergeben, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergebe. Es sei daher zulässig, von diesem abzuweichen.

 

4.2

4.2.1 Das Verwaltungsgericht hatte bisher keinen Anlass dazu, sich zur Frage zu äussern, wann die Bewährungsfrist von zehn Jahren im Sinne von Art. 46 Abs. 2 JagdV zu laufen beginnt. Indem der Beschwerdegegner 2 in seinem Entscheid ausdrücklich festhielt, dass der Beschwerdeführer den Jagdlehrgang und die Eignungsprüfung vor der Wiedererteilung des Jagdpatents zu wiederholen habe, bedarf diese Frage nun einer Klärung.

 

4.2.2 Nach den üblichen Regeln der Gesetzesauslegung ist eine Bestimmung in erster Linie nach ihrem Wortlaut auszulegen. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente, namentlich von Sinn und Zweck sowie der dem Text zugrunde liegenden Wertung. Vom klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, unter anderem dann, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Grund und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit anderen Vorschriften ergeben (BGE 141 V 674 E.2.2, 139 V 148 E. 5.1, je mit Hinweisen).

 

4.2.3 Art. 46 Abs. 2 Satz 2 JagdV lautet wie folgt: "Wird dem Berechtigten das Jagdpatent innerhalb von zehn Jahren nach Ablauf eines Entzuges ein weiteres Mal entzogen, wird ihm das Jagdpatent erst wieder abgegeben, wenn er erneut den Jagdlehrgang absolviert und die Eignungsprüfung für Jäger des Kantons Glarus bestanden hat." Der Wortlaut der Bestimmung ist unmissverständlich. Die Bewährungsfrist von zehn Jahren beginnt erst mit dem Ablauf des ersten Entzugs des Jagdpatents zu laufen. Wie der Beschwerdegegner 2 im angefochtenen Entscheid (E. 4.2.3.5) selber ausführt, lässt sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung nicht ableiten, dass der Verordnungsgeber eine andere Regel treffen wollte, als er sie dem Wortlaut entsprechend tatsächlich getroffen hat.

 

Der Beschwerdegegner 2 argumentiert weiter, der Beginn der Bewährungsfrist dürfe nicht davon abhängen, ob der fehlbare Jäger den Patententzug akzeptiere oder dagegen ein Rechtsmittel ergreife, weshalb die Bestimmung ihrem Sinn nach nur so verstanden werden könne, dass die Bewährungsfrist mit dem erstinstanzlich verfügten Patententzug zu laufen beginne. Dies überzeugt jedoch nur auf den ersten Blick. Bei der Pflicht zur Wiederholung des Jagdlehrgangs und der Eignungsprüfung handelt es sich um eine wesentliche Verschärfung der Massnahme. Eine solche ist dann angezeigt, wenn der fehlbare Jäger einen Patententzug überstanden hat und danach wiederum in einer solchen Weise gegen die jagdgesetzlichen Bestimmungen verstösst, dass ihm erneut das Jagdpatent zu entziehen ist. Erst in einem solchen Fall kann davon ausgegangen werden, dass der Patententzug auf den Betroffenen nicht die gewünschte erzieherische Wirkung hatte.

 

Sodann ist darauf hinzuweisen, dass sich das Verwaltungsgericht in seiner Rechtsprechung zum Entzug der Jagdpatente an die Rechtsprechung zum Warnungsentzug der Führerausweise anlehnt (vgl. etwa VGer-Urteil VG.2016.00051 vom 15. September 2016 E. II/3.2 f., in welchem das Verwaltungsgericht zur Frage, ob für zwei Verstösse gegen die jagdgesetzlichen Bestimmungen eine Gesamtmassnahme auszusprechen ist, auf die strassenverkehrsrechtliche Rechtsprechung zurückgriff). Das Strassenverkehrsrecht kennt ebenfalls Rückfall- bzw. Bewährungsfristen, innert welcher ein erneuter Verstoss gegen das Strassenverkehrsrecht eine verschärfte Massnahme zur Folge hat. Obwohl dies aus dem Wortlaut der aktuellen – im Gegensatz zu den früheren – Bestimmungen nicht deutlich hervorgeht, hält das Bundesgericht fest, dass die Bewährungsfrist erst dann zu laufen beginnen könne, wenn die Dauer des ersten Führerausweisentzugs abgelaufen sei (BGer-Urteil 1C_520/2016 vom 16. Februar 2017 E. 4.3, 1C_180/2010 vom 22. September 2010 E. 2.3). Auch dies spricht gegen die Auffassung des Beschwerdegegners 2.

 

4.2.4 Zusammenfassend bestehen keine überzeugenden Gründe, welche ein Abweichen vom eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut von Art. 46 Abs. 2 JagdV rechtfertigen würden. Damit beginnt die Bewährungsfrist von zehn Jahren erst nach Ablauf des Entzugs des Jagdpatents zu laufen. Da der erste Patententzug im Zeitpunkt des vorliegend zu beurteilenden Verstosses gegen die jagdgesetzlichen Bestimmungen noch nicht vollzogen worden war, kommt die verschärfte Rückfallregel von Art. 46 Abs. 2 JagdV nicht zum Tragen.

 

5.

Damit erweist sich die Beschwerde insofern als begründet, als der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verpflichtung zur Wiederholung des Jagdlehrgangs und der Eignungsprüfung beanstandet. Demgemäss ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist. Disp.-Ziff. 2 des Entscheids des Beschwerdegegners 2 vom 9. Oktober 2017 ist aufzuheben. Dabei drängt sich eine Änderung der Kosten- und Entschädigungsfolgen im vorinstanzlichen Verfahren nicht auf, da die Beschwerdegegnerin 1 lediglich den Patententzug für zwei Jahre verbindlich verfügt hatte, was der Beschwerdegegner 2 zu Recht bestätigte. Dass der Beschwerdegegner 2 zu Unrecht – faktisch als erste Instanz – im Dispositiv festgehalten hat, der Beschwerdeführer habe vor Wiedererteilung des Jagdpatents den Jagdlehrgang und die Eignungsprüfung zu wiederholen, kann hinsichtlich der Kosten und der Entschädigung nur für das vorliegende Verfahren Folgen haben (vgl. dazu nachfolgend E. III).

 

III.

1.

Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten von pauschal Fr. 1'500.- zur Hälfte dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und zur Hälfte auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG i.V.m. Art. 135 Abs. 1 VRG). Vom bereits geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 1'500.- sind dem Beschwerdeführer Fr. 750.- zurückzuerstatten.

 

2.

Dem teilweise obsiegenden Beschwerdeführer ist zu Lasten des Beschwerdegegners 2 eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'200.- (inkl. Mehrwertsteuer) zuzusprechen.

Demgemäss erkennt die Kammer:

1.

Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. Disp.-Ziff. 2 des Entscheids des Beschwerdegegners 2 vom 9. Oktober 2017 wird aufgehoben.

2.

Die Gerichtskosten von Fr. 1'500.- werden je zur Hälfte dem Beschwerdeführer auferlegt und auf die Staatskasse genommen. Vom bereits geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1'500.- werden dem Beschwerdeführer Fr. 750.- zurückerstattet.

3.

Der Beschwerdegegner 2 wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung von Fr. 1'200.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

4.

Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

 

[…]