VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

 

 

 

Urteil vom 12. März 2020

 

 

II. Kammer

 

 

in Sachen

VG.2019.00131

 

 

 

A.______

Beschwerdeführerin

 

vertreten durch Rechtsanwalt B.______

 

 

 

gegen

 

 

 

IV-Stelle Glarus

Beschwerdegegnerin

 

 

betreffend

 

 

Invalidenrente

 

Die Kammer zieht in Erwägung:

I.

1.

1.1 A.______, geboren am […], meldete sich am 20. August 2015 unter Hinweis auf eine mittelschwere Depression sowie eine ausgeprägte Angst- und Zwangsstörung bei der IV-Stelle Glarus zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Am 25. Februar 2016 meldete sie sich erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an, nachdem ein Wiedereingliederungsversuch erfolglos geblieben war.

 

1.2 Die IV-Stelle verfügte am 16. Mai 2018, dass A.______ Anspruch auf Integrationsmassnahmen bei ihrem bisherigen Arbeitgeber habe und sprach ihr in diesem Rahmen für den Zeitraum vom 1. Mai 2018 bis zum 31. Oktober 2018 ein Taggeld der Invalidenversicherung zu.

 

1.3 Am 23. Januar 2019 führte die IV-Stelle gegenüber A.______ aus, dass eine psychiatrische Abklärung notwendig sei. Mit der Abklärung beauftragte sie Dr. med. C.______, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (FMH), welcher sein Gutachten am 27. März 2019 erstattete.

 

1.4 Die IV-Stelle stellte A.______ mit Vorbescheid vom 10. Mai 2019 für den Zeitraum vom 1. April 2016 bis zum 31. Juli 2017 die Zusprache einer befristeten ganze Invalidenrente in Aussicht, woran sie trotz dagegen erhobener Einwände mit Verfügung vom 24. Oktober 2019 festhielt.

 

2.

Dagegen gelangte A.______ mit Beschwerde vom 15. November 2019 ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 24. Oktober 2019 und die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle im Sinne der Erwägungen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle sowie unter Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Die IV-Stelle liess sich am 14. Dezember 2019 vernehmen und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

 

II.

1.

Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

 

2.

2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung sowie Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

 

2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem solchen von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab mindestens 70 % auf eine ganze Rente. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zum Erwerbseinkommen gesetzt, welches sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).

 

2.3 Art und Mass dessen, was einer versicherten Person an Erwerbstätigkeit noch zugemutet werden kann, richtet sich nach ihren besonderen persönlichen Verhältnissen einerseits und nach den allgemein herrschenden Anschauungen andererseits. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit ist letztlich insofern eine objektive Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf eine bloss subjektiv ablehnende Bewertung der infrage stehenden Erwerbstätigkeit durch die versicherte Person ankommt (Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, in Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. A., Zürich/Basel/Genf, S. 320).

 

3.

3.1 Nach dem für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).

 

Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – der Richter dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat der Richter dabei seinen Entscheid – sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht – nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Der Richter hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die er von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 119 V 7 E. 3c/aa, mit Hinweisen).

 

3.2 Es ist Aufgabe des Arztes, sämtliche Auswirkungen einer Krankheit oder eines Unfalls auf den Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, bezüglich welcher konkreten Tätigkeiten und in welchem Umfang sie arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person im Hinblick auf ihre persönlichen Verhältnisse noch zugemutet werden können (vgl. BGE 132 V 93 E. 4, mit Hinweisen).

 

3.3 Der Beweiswert des medizinischen Gutachtens für die sozialversicherungsrechtliche Würdigung hängt entscheidend davon ab, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, sowie ob der Experte nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche ihm die Beantwortung der Fragen erschweren, gegebenenfalls deutlich macht. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).

 

3.4 Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4).

 

4.

4.1 Die Beschwerdeführerin bringt gestützt auf die Berichte von med. pract. D.______, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vor, dass ihre psychische Entwicklung wegen einer seit der Kindheit bestehenden Problematik lebenslang massiv beeinträchtigt sei. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei nicht absehbar und die Leistungsgrenze sei mit dem aktuellen Beschäftigungsgrad von 30 % als Putzfrau in einem Fitnessstudio erreicht. Hierfür spreche die Tatsache, dass die Arbeitsfähigkeit durch Integrationsmassnahmen nicht habe gesteigert werden können und die Arbeitsversuche wegen der psychischen Belastung hätten abgebrochen worden müssen. Das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene Gutachten von Dr. C.______ greife demgegenüber zu kurz. So fokussiere sich dieser nämlich zu sehr auf seine psychopathologischen Erkenntnisse und setze sich nur ungenügend mit ihrer Vergangenheit auseinander. Sodann habe er sich nicht gründlich mit den medizinischen Vorakten auseinandergesetzt und die Zusammenhänge nur oberflächlich dargestellt. Er habe darüber hinaus verkannt, dass eine anankastische Persönlichkeitsstörung aus Sicht eines Dritten nicht zwingend aneckend empfunden werden müsse. Des Weiteren habe er die gescheiterten Arbeitsversuche völlig unberücksichtigt gelassen. Ferner reagiere sie in Belastungssituationen sehr sensibel, was aus den Akten deutlich hervorgehe. Hinzu komme, dass jeder, der sie kenne, sich über den schwierigen Umgang mit ihr und ihrem Erschöpfungszustand bewusst sei. Schliesslich entspreche das Gutachten von Dr. C.______ keinem strukturierten Beweisverfahren. Die Beschwerdegegnerin habe es damit unterlassen, ein solches durchzuführen, obschon sie hierzu verpflichtet gewesen wäre. Da die übrigen im Recht liegenden ärztlichen Berichte keine zeitnahen Beurteilungsgrundlagen darstellen würden, sei der medizinische Sachverhalt nur ungenügend abgeklärt.

 

4.2 Die Beschwerdegegnerin führt aus, sie habe den Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt. Die Gutachten von Dr. C.______ und von Dr. med. E.______, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Pharmazeutische Medizin, hätten einen zweifelsfreien Schluss zugelassen, weshalb keine weiteren Beweismassnahmen angezeigt gewesen seien. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin erfülle das Gutachten von Dr. C.______  die Qualitätskriterien. Es setze sich ausreichend mit den anderen medizinischen Meinungen auseinander und er begründe eingehend, weshalb er die entsprechenden Befunde gestellt habe. Gestützt darauf sei ab März 2017 von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % in angestammter und von 100 % in angepassten Tätigkeiten auszugehen. Diese Verbesserung zeige sich auch darin, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2017 von der Arbeitslosenversicherung als zu 100 % vermittlungsfähig eingestuft worden sei. Sodann berichte auch Dr. E.______ von einer Stabilisierung des Gesundheitszustands und davon, dass die depressive Episode sowie die Zwangshandlungen weitgehend remittiert seien. Demgegenüber seien die Berichte der behandelnden Ärzte im Lichte der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zu würdigen, weshalb ihnen nicht derselbe Beweiswert zukomme wie dem Gutachten von Dr. C.______. Ferner sei darauf hinzuweisen, dass die Zwangsstörung, die Zwangsgedanken und die Zwangshandlungen nur geringgradig ausgeprägt seien und sich nur im beruflichen, nicht aber im privaten Umfeld zeigen würden. Von einem grossen Leidensdruck der Beschwerdeführerin sei überdies nicht auszugehen. Insgesamt sei die Invaliditätsbemessung damit nicht zu beanstanden.

 

5.

5.1 Med. pract. D.______ diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin am 9. Oktober 2015 und am 6. November 2015 Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, gemischt (ICD 10: F42.2). Letztere habe im bisherigen Verlauf jedoch gute Fortschritte erzielen können und sei im Rahmen eines Wiedereingliederungsversuchs ab November 2015 wieder als zu 20 % arbeitsfähig einzustufen. Der Verlauf und die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit könnten allerdings noch nicht beurteilt werden. Am 20. Oktober 2016 erweiterte med. pract. D.______ diesen Befund um die Diagnose einer seit Juni 2016 bestehenden ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung. Er führte aus, dass die bisherige Therapie nicht zur Wiedereingliederung geführt habe. Es sei ein längerer therapeutischer Prozess notwendig, wobei alle zwei Wochen eine tiefenpsychologische Psychotherapie und eine regelmässige ärztliche Kontrolle stattzufinden habe. Die laufende Therapie sei fortzusetzen und eventuell sei eine stationäre Therapie in Erwägung zu ziehen. Eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit sei nicht absehbar. Am 16. November 2018 berichtete med. pract. D.______ sodann, dass es im Frühsommer 2018 nach einem Versuch zur Erhöhung des Arbeitspensums zu einer massiven Dekompensation mit schwerer Zwangssymptomatik und depressiver Verstimmung gekommen sei. Neu stelle er die Diagnose einer anankastischen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.5). Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei wegen der psychischen Erkrankung in absehbarer Zeit nicht möglich, wobei die Leistungsdecke mit einem Pensum von 30 % als Allrounderin erreicht sei. Der letzte Versuch zur Erhöhung der Arbeitsfähigkeit habe abgebrochen werden müssen, weil sich die Symptomatik verstärkt habe. Die Beschwerdeführerin leide an einer schwer chronifizierten psychischen Erkrankung und es sei langfristig von einer partiellen Arbeitsunfähigkeit von 70 % auszugehen. Es bestünden massive Funktionseinschränkungen und es sei ein spezielles Setting angezeigt. Die momentane Tätigkeit als Allrounderin in einem Fitnessstudio sei der speziellen Situation angepasst, wobei sie im Haushalt nicht wesentlich eingeschränkt sei.

 

5.2 Lic. phil. F.______, Eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut, attestierte der Beschwerdeführerin anlässlich der Round-Table-Gespräche vom 4. Mai 2016, 31. August 2016 und 5. Dezember 2016 eine volle Arbeitsunfähigkeit. Er wies darauf hin, dass die Eingliederung aus medizinischer Sicht aktuell nicht möglich sei, da weder genügend Stabilität noch Nachhaltigkeit gegeben seien. Im ärztlichen Zeugnis vom 6. Mai 2019 attestierte er der Beschwerdeführerin schliesslich eine volle Arbeitsunfähigkeit für den Monat Mai 2019.

 

5.3 Im Gutachten vom 9. Januar 2017 berichtete Dr. E.______, diagnostisch liege eine mittelgradige depressive Episode vor. Bei einer solchen Erkrankung sei jedoch grundsätzlich anzunehmen, dass sie innerhalb weniger Monate deutlich rückläufig sei. Dies sei vorliegend bereits erkennbar, da die Erkrankung inzwischen nachgelassen habe und nur noch geringgradig ausgeprägt sei. Des Weiteren seien keine Hinweise für eine affektive Erkrankung ersichtlich. Ferner seien die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen mittlerweile weitgehend aktualisiert und von der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nehme er Abstand. Mit Blick auf die Rückfallvorbeugung sei weiterhin eine psychotherapeutische Behandlung, jedoch keine weitergehenden Therapien angezeigt. Ab Mai 2017 sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen, sofern die jeweilige Tätigkeit den beruflichen Kenntnissen und Fähigkeiten der Beschwerdeführerin entspreche.

 

5.4 Dr. C.______ stellte im psychiatrischen Gutachten vom 27. März 2019 keine somatischen Befunde. Er wies daraufhin, dass keine Anzeichen einer Suchterkrankung, jedoch gewisse Inkonsistenzen bei der Befragung der Beschwerdeführerin bestünden. Innerhalb der Untersuchung hätten sich sodann keine Hinweise auf Zwangsgedanken und Zwangshandlungen ergeben und es liege keine depressive Symptomatik mehr vor. Gestützt auf die subjektiven Angaben seien jedoch Kontrollzwänge bei der beruflichen Tätigkeit vorhanden, weshalb eher von einer geringgradig ausgeprägten Zwangsstörung im Sinne von Zwangsgedanken in spezifischen Situationen auszugehen sei. Des Weiteren liessen sich während der Kindheit der Beschwerdeführerin keine Auffälligkeiten auf Verhaltensebene finden und zumindest im privaten Bereich seien keine typischen Merkmale für eine anankastische Persönlichkeitsstörung auszumachen. Potentiell sei eine gewisse Akzentuierung der Persönlichkeitsstruktur in Bezug auf starke Vorsicht möglich, nicht aber im Rahmen einer Persönlichkeitsstörung. Ferner gehe die Beschwerdeführerin selbst davon aus, dass eine rein berufliche Überlastung stattgefunden habe. Im Haushalt, in den sozialen Strukturen und in der Kindererziehung sei sie demgegenüber nicht eingeschränkt. Sie wirke in ihrer Persönlichkeit durchsetzungsfähig und abgrenzungsfähig. Es sei nur ein geringer Leidensdruck bei geringgradig ausgeprägter Symptomatik vorhanden, wobei ihre Kooperationsfähigkeit leicht eingeschränkt sei. Es habe insgesamt eine deutliche Besserung der Symptomatik stattgefunden, wofür auch der Umstand spreche, dass die aktuelle Therapie, welche als adäquat zu qualifizieren sei, ab Januar 2017 nur noch alle zwei Wochen stattgefunden habe. Soweit auf eine schwerwiegende Symptomatik in Bezug auf die Zwangsstörungen hingewiesen worden sei, sei ihm unerklärlich, weshalb nicht eine für solche Störungen zugelassene Medikation verschrieben worden sei. Basierend auf der nur leichtgradig ausgeprägten psychiatrischen Symptomatik könne die Beschwerdeführerin unter Mitberücksichtigung des Verlaufs in angestammter Tätigkeit als Pflegehelferin während sechs Stunden am Tag ohne Einschränkungen arbeiten, was einer Arbeitsfähigkeit von 80 % entspreche. In einer angepassten Tätigkeit sei ihr ein Arbeitspensum von 100 % zumutbar. Dabei handle es sich um eine solche, bei welcher sie keine hohe Verantwortung übernehmen müsse. Es sei eine Tätigkeit in einem Team mit klaren Strukturen denkbar, beispielsweise eine einfache Tätigkeit als Reinigungskraft. Retrospektiv sei von April 2015 bis April 2017 von einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % auszugehen, wobei zwischen April 2017 und März 2019 mit ausreichender diagnostischer Sicherheit keine volle Arbeitsunfähigkeit mehr vorgelegen habe.

 

6.

6.1 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, es sei nicht auf das psychiatrische Gutachten von Dr. C.______ abzustellen, weil es die Anforderungen an den Beweiswert eines Gutachtens nicht erfülle, ist ihr nicht zu folgen. Zwar trifft es zu, dass Dr. C.______ den Wortlaut früherer Berichte in seinem Gutachten kaum wiedergibt. Dieser Umstand alleine spricht jedoch nicht für eine ungenügende Auseinandersetzung mit den medizinischen Vorakten. Vielmehr lässt sich dem Gutachten entnehmen, dass ihm vor der Begutachtung das gesamte IV-Dossier zur Verfügung stand, wodurch er sich einen Überblick über die vorhandenen medizinischen Meinungen verschaffen und in Kenntnis davon eigene Untersuchungen anstellen konnte. In diesem Rahmen setzte er sich denn auch mit divergenten früheren fachlichen Einschätzungen auseinander und begründete, weshalb er zu einem anderen Ergebnis gelangte. Dabei hielt er unter anderem fest, dass entgegen der Einschätzung von med. pract. D.______ keine depressive Symptomatik mehr vorliege. Dies erscheint nachvollziehbar und stimmt überein mit der Ansicht von Dr. E.______, welcher die depressive Symptomatik nur noch als geringgradig ausgeprägt beschrieb. Sodann erscheint auch die Einschätzung von Dr. C.______ plausibel, dass nur eine gewisse Akzentuierung der Persönlichkeitsstruktur in Bezug auf starke Vorsicht möglich sei und mangels typischer Merkmale oder Auffälligkeiten auf der Verhaltensebene keine Persönlichkeitsstörung anzunehmen sei. Davon ging im Übrigen auch Dr. E.______ aus, indem er sich von der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung distanzierte. Soweit die Beschwerdeführerin weiter anmerkt, eine anankastische Persönlichkeitsstörung werde von dritter Seite her nicht zwingend aneckend empfunden, genügt dies nicht, um Zweifel an den Ausführungen der beiden Fachärzte zu wecken. Ferner kann auch der Einschätzung von Dr. C.______ gefolgt werden, dass die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen eher geringgradig und subjektiv als Kontrollzwänge während der beruflichen Tätigkeit ausgeprägt seien. Dies überzeugt einerseits mit Blick auf die von Dr. C.______ erwähnte Medikation der Beschwerdeführerin. Andererseits kam auch Dr. E.______ in seinem Gutachten zum Schluss, dass keine affektive Erkrankung vorhanden sei und die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen mittlerweile weitgehend aktualisiert seien. Hinzu kommt, dass Dr. C.______ entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin die Arbeitsversuche rechtsgenüglich in seinem Gutachten berücksichtigte. So wies er explizit darauf hin, dass diese in einem früheren Zeitpunkt und nicht in der aktuell deutlich gebesserten Symptomlage durchgeführt worden seien. Dies leuchtet ein, da ein früheres Scheitern von Integrationsversuchen einer Verbesserung des Gesundheitszustands nicht entgegensteht. Schliesslich legt Dr. C.______ mit Blick auf das Gutachten von Dr. E.______ sowie der darin attestierten Verbesserung des Gesundheitszustands schlüssig dar, ab welchem Zeitpunkt von einem Abklingen der Symptomatik und von einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit auszugehen ist, wofür insbesondere die Reduktion der Therapiesitzungen sowie die Medikationseinstellung spricht.

 

6.2 Der Meinung von Dr. C.______ und Dr. E.______ stehen die Einschätzungen von med. pract. D.______ und lic. phil. F.______ entgegen. Die Beschwerdeführerin vertritt dabei die Auffassung, es sei auf deren Berichte abzustellen, da diesen ein erhöhter Beweiswert zukomme. Dem ist entgegenzuhalten, dass med. pract. D.______ und lic. phil. F.______ zwar die Diagnosen einer Zwangsstörung, einer depressiven Symptomatik sowie einer Persönlichkeitsstörung stellen. In der Folge weisen sie jedoch lediglich in pauschaler Weise auf eine massive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hin, ohne sich mit den abweichenden ärztlichen Meinungen auseinandersetzen, was den Beweiswert ihrer Berichte bereits erheblich schmälert. Überdies lassen sich ihren Berichten kaum Gründe für die attestierte Einschränkung der Leistungsfähigkeit entnehmen. So begründen sie einerseits nicht, weshalb die Beschwerdeführerin lediglich im beruflichen Bereich, nicht jedoch im Haushalt eingeschränkt ist. Andererseits lässt sich den Berichten von med. pract. D.______ beispielsweise nicht entnehmen, weshalb er zunächst von einem Fortschritt und einer möglichen Wiedereingliederung ausgegangen war und dann rund ein Jahr später eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit deutlich verneinte. Aus dem Gesagten folgt, dass den Berichten der behandelnden Ärzte entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht derselbe Beweiswert zukommt, wie den fachärztlichen Gutachten von Dr. C.______ und Dr. E.______.

 

6.3 Nach dem oben Dargelegten bestehen insgesamt keine Gründe dafür, um dem Gutachten von Dr. C.______ den vollen Beweiswert abzusprechen. Vielmehr erscheint es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, setzt sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich auseinander, ist in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein, worauf im Übrigen auch RAD-Ärztin Dipl. med. G.______, Fachärztin für Innere Medizin/Prävention und Gesundheitswesen, in ihrer Stellungnahme vom 12. April 2019 hinwies. Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bei ihrer Entscheidfindung auf die Einschätzungen von Dr. C.______ und Dr. E.______ abstellte und von weiteren medizinischen Abklärungen absah. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin war sie in diesem Rahmen denn auch nicht dazu verpflichtet, ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen. Ein solches bleibt aus Gründen der Verhältnismässigkeit nämlich dann entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (vgl. dazu BGE 143 V 409 E. 4.5.3), was vorliegend wie dargelegt der Fall ist.

 

Daraus folgt, dass die Beschwerdegegnerin kein Recht verletzt hat, indem sie auf die beweiswertigen fachärztlichen Gutachten von Dr. C.______ und Dr. E.______ abgestellt hat und von den darin enthaltenen Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit ausgegangen ist. Da überdies keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, welche gegen die angestellte Invaliditätsbemessung sprechen, ging sie zu Recht davon aus, dass der Beschwerdeführerin keine über den 31. Juli 2017 hinausgehende Invalidenrente zusteht.

 

Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.

 

III.

1.

1.1 Die Beschwerdeführerin beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) befreit die Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen, um neben dem Lebensunterhalt für sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin ganz oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das Verfahren nicht aussichtslos ist. Unter denselben Voraussetzungen weist sie der Partei auf Gesuch hin oder von Amtes wegen einen Anwalt als Rechtsbeistand zu, falls ein solcher für die gehörige Interessenwahrung erforderlich ist (Art. 61 lit. f ATSG und Art. 139 Abs. 2 VRG). Der Nachweis der Bedürftigkeit obliegt nach Art. 139 Abs. 3 VRG der gesuchstellenden Partei.

 

1.2 Aus den Akten geht ohne Weiteres hervor, dass die Beschwerdeführerin offensichtlich mittelos ist. Zudem kann das vorliegende Verfahren nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Folglich ist ihr Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutzuheissen. Da die Beschwerdeführerin für das Verfahren auf eine rechtliche Vertretung angewesen war, ist auch ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen und ihr ist in der Person von Rechtsanwalt B.______ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Letzterer ist mit pauschal Fr. 2'000.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

2.

Nach Art. 134 Abs. 1 lit. c VRG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten von pauschal Fr. 600.- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Auf deren Erhebung ist indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen zu verzichten. Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, für den Fall, dass sie später in günstige wirtschaftliche Verhältnisse gelangt, zur Nachzahlung der Verfahrenskosten verpflichtet werden kann (Art. 139a VRG). Ausgangsgemäss ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

Demgemäss beschliesst die Kammer:

1.

Die Gesuche der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung werden gutgeheissen. Ihr wird in der Person von Rechtsanwalt B.______ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.

2.

Der Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse mit Fr. 2'000.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt.

3.

Die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 139a VRG bleibt vorbehalten.

4.

Die Gerichtskasse wird beauftragt, spätestens im März 2025 zu prüfen, ob die Vor-aussetzungen für die Nachzahlung erfüllt sind.

und erkennt sodann:

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Der Beschwerdeführerin werden die Gerichtskosten von Fr. 600.- auferlegt, auf deren Erhebung einstweilen verzichtet wird.

3.

Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.

Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

 

[…]