VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

 

 

 

Urteil vom 12. März 2020

 

 

II. Kammer

 

 

in Sachen

VG.2019.00132

 

 

 

A.______

Beschwerdeführer

 

vertreten durch Rechtsanwalt B.______

 

 

 

gegen

 

 

 

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva)

Beschwerdegegnerin

 

vertreten durch Rechtsanwältin C.______

 

 

betreffend

 

 

UVG-Leistungen

 

Die Kammer zieht in Erwägung:

I.

1.

1.1 A.______, geboren am […], war vom 1. April 2008 bis zum 31. Dezember 2016 im Vollzeitpensum bei der D.______AG […] tätig und dabei bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 22. Januar 2015 zog er sich beim Halten eines Rohrbogens mit ausgestrecktem Arm eine Verletzung des Bizepssehnenankers (Slap-Läsion) zu.

 

1.2 Am 25. Januar 2015 begab sich A.______ erstmals in ärztliche Behandlung, anlässlich welcher er gleichentags vollständig krankgeschrieben wurde. Die Suva teilte am 17. Februar 2015 mit, die Versicherungsleistungen für die Folgen des Berufsunfalles vom 22. Januar 2015 zu übernehmen.

 

1.3 In der Folge meldete sich A.______ am 17. August 2015 unter Hinweis auf unfallbedingte Schulterbeschwerden bei der IV-Stelle Glarus zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Mit Verfügung vom 5. September 2017 sprach die IV-Stelle ihm ab dem 1. Februar 2016 aufgrund eines Invaliditätsgrads von 100 % eine ganze Rente zu. Die D.______AG kündigte mit Schreiben vom 28. Oktober 2016 das Arbeitsverhältnis mit A.______ auf den 31. Dezember 2016.

 

2.

2.1 Nach diversen medizinischen Abklärungen teilte die Suva vom 26. Oktober 2018 A.______ mit, dass sie die Heilkosten- und Taggeldleistungen per 31. Oktober 2018 einstellen werde.

 

2.2 Mit Verfügung vom 8. Januar 2019 sprach die Suva A.______ zudem eine Integritätsentschädigung von Fr. 18'900.-, entsprechend einer Integritätseinbusse von 15 % zu. Einen Anspruch auf Ausrichtung einer Invalidenrente verneinte sie. Die am 12. Januar 2019 dagegen erhobene Einsprache, wies die Suva am 21. Oktober 2019 ab.

 

3.

3.1 Am 20. November 2019 gelangte A.______ mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 21. Oktober 2019 sowie die Weiterausrichtung der gesetzlichen Leistungen durch die Suva; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Suva. Die Suva schloss am 19. Dezember 2019 auf Abweisung der Beschwerde.

 

3.2 Am 14. Januar 2020 und 30. Januar 2020 reichte A.______ zusätzliche Stellungnahmen ein. Am 23. Januar 2020 editierte das Verwaltungsgericht die Akten der IV-Stelle Glarus. Die Suva reichte am 27. Januar 2020 ebenfalls eine Stellungnahme ein.

 

II.

1.

Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG) i.V.m. Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) i.V.m. Art. 1 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 3. Mai 2009 (EG UVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

 

2.

2.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, die gesundheitlichen Beschwerden an der rechten Schulter seien teilkausal für die vollständige Berentung der Invalidenversicherung. Bis zum Unfallzeitpunkt sei er vollständig arbeitsfähig gewesen. Die Rücken- und Hüftbeschwerden seien erst im Oktober 2015 aufgetreten. Es treffe zu, dass die IV-Stelle ihm vorerst aufgrund der Rücken- und Hüftbeschwerden am 22. Mai 2017 rückwirkend per 1. Februar 2016 eine volle IV-Rente zugesprochen hatte. Der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit sei allerdings zur Vermeidung finanzieller Engpässe und in Koordination mit der Beschwerdegegnerin erfolgt. Sodann habe die IV-Stelle die Schulterproblematik unberücksichtigt gelassen, weil sein Gesundheitszustand im Verfügungszeitpunkt aufgrund der bevorstehenden Hüft- sowie Schulteroperation noch instabil gewesen sei und die Rücken- und Hüftbeschwerden bereits zu einer vollen Berentung geführt hätten. Ohnehin wäre der Entscheid der Invalidenversicherung bei allfälliger Mitberücksichtigung der Schulterbeschwerden aufgrund der zusätzlichen Einschränkung des Belastungsprofils noch deutlicher ausgefallen. Denn aufgrund der unfallbedingten Schulterbeschwerden und der damit einhergehenden funktionellen Einbusse habe ihm die Beschwerdegegnerin bereits eine Integritätsentschädigung im Umfang von 15 % zugesprochen.

 

2.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt die Ansicht, im Zeitpunkt des Unfallereignisses hätten bereits krankheitsbedingte Beschwerden vorgelegen, welche die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers dauerhaft eingeschränkt hätten. Dies belege der medizinische Bericht von Dr. med. E.______, Facharzt für Neurochirurgie, vom 21. Januar 2015. Daraus gehe nämlich hervor, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Rücken- und Hüftbeschwerden bereits vor dem Unfallereignis arbeitsunfähig gewesen sei. Der behandelnde Arzt habe zudem darauf hingewiesen, dass ein etwaiger operativer Eingriff aufgrund der Konstitution des Beschwerdeführers gegenwärtig nicht möglich sei. Auch habe der Beschwerdeführer anlässlich einer Besprechung am 6. Mai 2015 eingeräumt, dass er ein Gesuch um Invalidenrente stellen werde, da er aufgrund der diversen krankheitsbedingten Leiden höchstwahrscheinlich in Zukunft Mühe gehabt hätte, seine angestammte Tätigkeit weiterhin auszuführen. Folglich sei abermals belegt, dass im Zeitpunkt des Unfallereignisses bereits eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, welche zu einer Invalidität geführt habe. Überdies sei vorliegend irrelevant, dass die Schulterproblematik die eingeschränkte Zumutbarkeit noch deutlicher eingeschränkt hätte, da eine volle Berentung bereits aufgrund der Rücken- und Schulterbeschwerden resultiere. Folglich könnten die Schulterbeschwerden weggedacht werden, ohne dass die Erwerbsunfähigkeit aufgrund der krankheitsbedingten Beschwerden entfiele. Insgesamt sei damit der Unfall als auslösendes Ereignis der Arbeitsunfähigkeit durch die krankheitsbedingten Rücken- und Hüftbeschwerden überholt worden, weshalb sie die Leistungspflicht zu Recht verneint habe.

 

3.

3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden bei Unfällen die gesetzlichen Leistungen aus obligatorischer Unfallversicherung gewährt. Ist ein Versicherter nach einem Unfall voll oder teilweise arbeitsunfähig, hat er nach Art. 10 Abs. 1 UVG Anspruch auf Übernahme der Kosten der zweckmässigen Behandlung der Unfallfolgen.

 

3.2 Ist ein Versicherter infolge eines Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig im Sinne von Art. 6 ATSG, so hat er gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind, besteht bei einem Invaliditätsgrad vom mindestens 10 % Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 UVG). Mit dem Rentenbeginn fällt der Anspruch auf Taggeld dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).

 

3.3 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

 

3.4 Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Auf das subjektive Empfinden des Versicherten kommt es nicht an. Medizinisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und ‑limitierungen begründen daher keine Erwerbsunfähigkeit, selbst wenn sie ärztlicherseits unterstützt werden (BGE 141 V 281 E. 3.7.1). Aus diesem Grund kann beispielsweise bei Angaben von subjektiven Schmerzen nur eine Erwerbsunfähigkeit angenommen werden, wenn die subjektiven Schmerzangaben durch korrelierende, fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sind und dadurch medizinischer Feststellung und Überprüfung zugänglich sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2).

 

3.5 Die eingeschränkte Erwerbsfähigkeit ist nur auf den Unfall zurückzuführen, wenn zwischen dem versicherten Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 141 V 574 E. 5.2). Ursachen im Sinn des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist es für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat. Ein natürlicher Kausalzusammenhang ist damit gegeben, wenn der Unfall nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretenen gesundheitlichen Störungen entfielen (BGE 129 V 177 E. 3.1). Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall der Richter im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 117 V 359 E. 4a). Es ist daher unerlässlich, dass die geklagten Beschwerden nicht lediglich den von der versicherten Person subjektiv umschriebenen Leiden entsprechen, sondern medizinisch einer fassbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung zugeschrieben werden können und diese Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem versicherten Unfallereignis steht (BGE 119 V 335 E. 2b f.). Entscheidend ist dabei die Würdigung der in den Akten liegenden medizinischen Berichte, wobei der Richter bei der Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht ohne zwingenden Grund von der Einschätzung der medizinischen Experten abweicht (BGE 118 V 286 E. 1b).

 

Ein Ereignis hat dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 117 V 359 E. 5a).

 

4.

4.1 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Beweisgrad ist der Sachverhalt so weit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (BGer-Urteil 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.2.1).

 

4.2 Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszustands sowie der Feststellung des natürlichen Kausalzusammenhangs im Bereich der Medizin – ist die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 157 E. 1b, mit Hinweisen). Nach dem für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren geltenden Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass der Richter alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation des Patienten einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a).

 

4.3 Weil die Beschwerdegegnerin in beweisrechtlicher Hinsicht ein zur Objektivität verpflichtetes gesetzesvollziehendes Organ ist, kann auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Funktion versicherungsinterner ärztlicher Feststellungen besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei (BGer-Urteil 9C_589/2010 vom 8. September 2010 E. 2, 8C_756/2008 vom 4. Juni 2009 E. 4.4). Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/ee, 122 V 157 E. 1c). Auch reine Aktengutachten können beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen versicherungsinterner Ärzte (BGer-Urteil 9C_462/2014 vom 16. September 2014 E. 3.2.2, mit Hinweisen).

 

5.

5.1 Dr. med. E.______, Facharzt für Neurochirurgie, berichtete am 21. Januar 2015 über die gleichentags erfolgte ambulante Vorstellung des Beschwerdeführers. Bei der Anamnese habe dieser angegeben, die Beschwerden in der rechten Gluteal-Region seien trotz einer im November 2012 erfolgten Hüftgelenkprothese beständig. Es bestehe weiterhin eine Schmerzausstrahlung über den Oberschenkel bis hin zum Knie, welche sowohl bei speziellen Belastungen wie auch im Sitzen aggravieren würden, weshalb er vom 12. Dezember 2014 (recte: 2. Dezember 2014) bis zum 11. Januar 2015 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen sei. Dr. E.______ diagnostizierte eine relative Spinalkanalstenose in den Wirbelsegmenten L3/L4. Wenn auch keine erosive Osteochondrose bestehe, seien eine leicht ventrale Höhenminderung des Bandscheibenraums sowie ein kleiner sequestrierter Bandscheibenvorfall auf Höhe L5/S1 festzustellen. Die Beschwerden seien indes nur teilweise auf den Befund zurückzuführen. Möglich sei denn auch eine mobile Protrusion. Aufgrund einer in Zusammenhang mit der Herzoperation erfolgten Medikation sprach sich Dr. E.______ vorerst gegen einen operativen Eingriff aus und empfahl eine konservative Therapierung. Ferner attestierte er eine zweiwöchige Arbeitsunfähigkeit zu 50 %, maximal fünf Stunden pro Tag.

 

5.2 Dr. med. F.______, Rheumatologie FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Invalidenversicherung, nahm am 13. April 2017 eine versicherungsmedizinische Beurteilung vor. Er führte aus, dass aus versicherungstechnischer Sicht angesichts der bevorstehenden Hüftoperation noch längere Zeit nicht mit dem Eintritt eines stabilen Gesundheitszustandes zu rechnen sei. Überwiegend wahrscheinlich bestehe seit dem 22. Januar 2015 für mittelschwere und schwerere rückenergonomisch nicht adaptierte, mit häufigem Knien und Kauern sowie Gehen und Stehen verbundene Tätigkeiten eine andauernde Arbeitsunfähigkeit zu 100 %. Eine mögliche medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sowie deren Verlauf seit Eintritt des Versicherungsfalls könne aufgrund der unvollständigen Aktenlage nicht fundiert beurteilt werden. Insgesamt sei aus physischer Sicht mit einer gewissen Verbesserung des Gesundheitszustandes zu rechnen, wobei eine erneute Beurteilung frühestens drei bis vier Monate nach erfolgter Hüftoperation zu empfehlen sei. Indessen könne aus gesamtmedizinischer Sicht keine Prognose getroffen werden.

 

5.3 Am 5. September 2017 sprach die IV-Stelle dem Beschwerdeführer eine ganze Rente zu. Dabei führte sie aus, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit dem 22. Januar 2015 eine Arbeitsunfähigkeit zu 100 % für mittelschwere und schwerere Tätigkeiten (rücken-ergonomisch nicht adaptierte, mit häufigem Knien und Kauern sowie Gehen und Stehen) bestehe. Ebenso könne auch in adaptierten Tätigkeiten von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit zu 100 % ausgegangen werden.

 

5.4 Med. pract. G.______, Facharzt für Chirurgie und Kreisarzt der Beschwerdegegnerin, kam im Rahmen der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung am 18. Oktober 2018 zum Schluss, dass im Bereich der rechten Schulter als überwiegend wahrscheinliche Unfallfolge objektiv eine deutliche schmerzhafte Bewegungseinschränkung zu finden sei. Allerdings bestehe auch eine unfallunabhängig eingeschränkte Bewegungseinschränkung im Bereich der linken Schulter und zusätzlich eine Kraftminderung im Bereich des rechten Oberarms. Insgesamt sei aber von einem relativ stabilen Zustand auszugehen. Gestützt auf die Untersuchung ergebe sich somit ein Zumutbarkeitsprofil auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für die rechte Schulter, wie folgt: Arbeitszeit ganztags, leichte Arbeit, keine Überkopfarbeiten, keine Gewichtsbelastung grösser als zehn Kilogramm über Brusthöhe, zum Selbstschutz keine Arbeiten auf Leitern, Gerüsten oder Dächern sowie mit hämmernden, vibrierenden oder schlagenden Maschinen.

 

6.

6.1 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin den Fall zu Recht am 31. Oktober 2018 abgeschlossen, was im Übrigen vom Beschwerdeführer auch nicht beanstandet wird. Unbestritten ist ferner zu Recht, dass dem Beschwerdeführer rein aufgrund der unfallbedingten Einschränkungen eine adaptierte Tätigkeit in einem vollen Pensum zumutbar ist.

 

6.2 Ist der Versicherte infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat er Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 19 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätseinkommens wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 18 Abs. 2 UVG i.V.m. Art. 16 Abs. 1 ATSG).

 

6.3

6.3.1 Das hypothetische Invalideneinkommen ist anhand statistischer Durchschnittslöhne zu ermitteln. Als Quelle für die Berechnung des Invalideneinkommens ist die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2016 des Bundesamtes für Statistik, Tabelle TA1, Total Männer, heranzuziehen. Dieser Tabellenlohn ist auf die für das Jahr 2016 geltende durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden umzurechnen. Der daraus resultierende Betrag von jährlich Fr. 66'803.40 (Fr. 5'340.- x 12 x 41,7 / 40) ist an die bis 2018 erfolgte Nominallohnentwicklung für Männer anzupassen, womit als Basis von einem Invalideneinkommen von Fr. 67'405.97 (Fr. 66'803.40 x 1,004 x 1,005) pro Jahr auszugehen ist.

 

6.3.2 Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein Versicherter, der gesundheitsbedingt lediglich noch leichte Hilfsarbeiten ausführen kann, seine Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage ist. Zudem können weitere persönliche und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben (BGE 126 V 75 E. 5a, mit Hinweisen). Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale festzusetzen, letztlich aber auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen.

 

Im konkreten Fall gilt zu berücksichtigen, dass bereits vor dem Unfallereignis eine gesundheitliche Einschränkung bestand, wobei dem Beschwerdeführer hinsichtlich der körperlichen Anforderungen nur noch leichte Arbeiten in der angestammten Tätigkeit zumutbar waren. Nach Eintritt des Gesundheitsschadens an der rechten Schulter bestand gemäss Stellungnahme des Kreisarztes der Beschwerdegegnerin schliesslich aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht eine vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit, wobei dieser festhielt, dass Überkopfarbeiten und Gewichtsbelastungen grösser als 10 Kilogramm über Brusthöhe, Arbeiten auf Leitern, Gerüsten oder Dächern und Arbeiten mit hämmernden, vibrierenden oder schlagenden Maschinen zu vermeiden seien. Der LSE-Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 umfasst eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten, die den angeführten Einschränkungen des Beschwerdeführers Rechnung tragen. Angesichts des ärztlich umschriebenen Zumutbarkeitsprofils ist somit von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Tätigkeiten auszugehen, die keine besondere Kraft, Flexibilität und Überkopfarbeiten erfordern. Die gesundheitsbedingte Unfähigkeit, körperliche schwere Arbeit zu verrichten, führt denn auch nicht automatisch zur Verminderung des hypothetischen Invalidenlohns. Allein der Umstand, dass nur mehr leichte bis mittelschwere Erwerbstätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit keinen zusätzlich leidensbedingten Abzug (vgl. BGer-Urteil 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E. 6.3.2). Damit können nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind. Solche Umstände sind indes vorliegend nicht ersichtlich.

 

Stellt man das Invalideneinkommen von Fr. 67'405.97 im Einkommensvergleich dem jährlichen Valideneinkommen von Fr. 70'732.30 (13 x Fr. 5'300.- + 12 x 100.- [Prämie für unfallfreies Fahren], indexiert auf das Jahr 2018) gegenüber, resultiert ein unfallversicherungsrechtlicher Invaliditätsgrad von gerundet 5 %. Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer ohnehin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hat, weshalb offen gelassen werden kann, ob eine überholende Kausalität vorliegt, wie dies die Beschwerdegegnerin geltend macht.

 

Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen.

 

III.

Die Gerichtskosten sind auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG). Bei diesem Verfahrensausgang ist dem Beschwerdeführer keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

Demgemäss erkennt die Kammer:

1.

Die Beschwerde abgewiesen.

2.

Die Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

3.

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.

Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

 

[…]