VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

 

 

 

Urteil vom 13. August 2020

 

 

II. Kammer

 

 

in Sachen

VG.2020.00032

 

 

 

A.______

Beschwerdeführer

 

vertreten durch Rechtsanwalt B.______

 

 

 

gegen

 

 

 

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva)

Beschwerdegegnerin

 

 

betreffend

 

 

UVG-Leistungen

 

Die Kammer zieht in Erwägung:

I.

1.

1.1 A.______, geboren im Jahr 1986, war seit dem 1. März 2013 im Vollzeitpensum bei der C.______GmbH als Bauarbeiter arbeitstätig. Dabei war er bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 14. April 2016 fielen Elemente einer Betonschalung auf A.______, was bei ihm eine offene Unterschenkelfraktur am linken Bein verursachte.

 

1.2 Die Suva erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen für die Folgen dieses Berufsunfalls. Das Arbeitsverhältnis mit der C.______GmbH wurde im Sommer 2019 aufgelöst. Am 24. Juni 2019 fand die kreisärztliche Abschlussuntersuchung statt, gestützt worauf die Suva A.______ am 26. Juni 2019 eine Integritätsentschädigung von Fr. 14'820.- bei einer Integritätseinbusse von 10 % zusprach. Dagegen erhob A.______ am 26. August 2019 Einsprache. Nachdem die Suva am 28. August 2019 schriftlich bestätigt hatte, dass eine künftige Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht in die Beurteilung der Integritätsentschädigung eingeflossen sei, zog Letzterer seine Einsprache am 26. September 2019 zurück.

 

1.3 Am 12. September 2019 schloss die Suva den Fall ab. Mit Verfügung vom 4. Oktober 2019 entschied sie, A.______ bei einem Invaliditätsgrad von 4 % keine Invalidenrente auszurichten. Dagegen erhob A.______ am 4. November 2019 Einsprache, welche die Suva mit Einspracheentscheid vom 26. Februar 2020 abwies, wobei sie den Invaliditätsgrad auf 8 % festsetzte.

 

2.

A.______ gelangte in der Folge mit Beschwerde vom 23. März 2020 ans Verwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheids der Suva vom 26. Februar 2020 und die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen sowie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Suva. Die Suva beantragte am 27. April 2020 die Abweisung der Beschwerde.

 

II.

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG) i.V.m. Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) i.V.m. Art. 1 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 3. Mai 2009 (EG UVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

 

1.2 Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels beantragt, ist er darauf hinzuweisen, dass aufgrund der gesetzlich vorgesehenen Raschheit des Verfahrens kein Anspruch auf einen solchen besteht. Vielmehr liegt die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels im Ermessen des Gerichts. Die Parteien haben jedoch Anspruch darauf, von allen beim Gericht eingereichten Stellungnahmen Kenntnis zu erhalten und sich dazu zu äussern, weshalb das Gericht alle Eingaben den Parteien wenigstens zur Kenntnisnahme zustellen muss. Die Zustellung zur Kenntnisnahme ist insbesondere dann nicht zu beanstanden, wenn von den Parteien erwartet werden kann, dass sie unaufgefordert dazu Stellung nehmen, wovon bei rechtskundig vertretenen Personen ausgegangen werden darf (Susanne Bollinger, in Ghislaine Frésard-Fellay/Barbara Klett/Susanne Leuzinger [Hrsg.], Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, Art. 61 N. 7, mit Hinweisen).

 

Die Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin wurde nach deren Erhalt umgehend dem rechtskundig vertretenen Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt. In der Folge hat dieser darauf verzichtet, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Ebenso wenig hat er um Ansetzung einer Frist zum Einreichen einer Stellungnahme ersucht. Folglich ist davon auszugehen, dass er sich im vorliegenden Verfahren in genügender Weise äussern konnte, weshalb kein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen ist.

 

1.3 Ferner beantragt der Beschwerdeführer die Edition der Akten der Invalidenversicherung. Da sich das vorliegende Verfahren auf die Berechnung des Invaliditätsgrads beschränkt (vgl. E. II/6 nachfolgend), ist nicht ersichtlich, was den IV-Akten an verfahrensrelevanten Informationen zu entnehmen wäre, zumal der Beschwerdeführer seinen Antrag nicht entsprechend begründet. Folglich ist auf den Beizug der IV-Akten zu verzichten.

 

2.

2.1 Der Versicherte hat gemäss Art. 10 Abs. 1 UVG Anspruch auf die zweckmässige Behandlung seiner Unfallfolgen. Ist er infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so hat er gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch auf ein Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten (Art. 16 Abs. 2 UVG).

 

2.2 Kann von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden und laufen keine Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung, hat der Versicherer den Fall unter Einstellung der vor-übergehenden Leistungen abzuschliessen und den Anspruch auf eine Invalidenrente und auf eine Integritätsentschädigung zu prüfen (Art. 19 Abs. 1 UVG; BGE 137 V 199 E. 2.1).

 

2.3 Ein Rückfall liegt vor, wenn eine scheinbar geheilte Schädigung erneut eine ärztliche Behandlung erforderlich macht und gegebenenfalls sogar eine Arbeitsunfähigkeit verursacht. Als Spätfolge gilt, wenn eine scheinbar geheilte Verletzung im Verlauf der Zeit zu einem oftmals völlig anders gearteten Krankheitsbild führt, das eine ärztliche Behandlung erforderlich macht und möglicherweise die Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt. Rückfälle und Spätfolgen können eine Leistungspflicht des Unfallversicherers nur dann auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit unfallbedingten Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c).

 

3.

Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Beweisgrad ist der Sachverhalt so weit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (BGer-Urteil 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.2.1).

 

4.

4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, sein Gesundheitszustand habe sich seit der ärztlichen Abschlussuntersuchung verschlechtert, weshalb er seit Dezember 2019 wieder teilweise krankgeschrieben sei. Das ärztlich umschriebene Leistungsprofil sei nicht mehr aktuell, stattdessen sei davon auszugehen, dass er auch in einer leidensangepassten Tätigkeit nur eingeschränkt arbeitsfähig sei, was sich nicht zuletzt aus der zugesprochenen Integritätsentschädigung ergebe. In Bezug auf das Valideneinkommen sei nicht ersichtlich, aus welchem Grund sein Ferien- und Feiertagsentgelt nicht berücksichtigt worden sei, würden diese doch AHV-pflichtige Lohnbestandteile darstellen. Auch hätte die Beschwerdegegnerin prüfen müssen, ob er überhaupt Ferien bezogen und Mehrstunden geleistet habe. Sodann sei zu beachten, dass der 13. Monatslohn auf den ganzen Jahreslohn auszurichten sei, wozu auch die geleisteten Zulagen zählen würden. In Bezug auf das Invalideneinkommen sei es nicht sachgerecht, die LSE 2016 heranzuziehen. Stattdessen sei auf das statistische Durchschnittseinkommen der Branche abzustellen, da er insbesondere sämtliche schweren oder kognitiv anspruchsvollen Tätigkeiten nicht mehr ausüben könne. Sodann sei vorliegend ein leidensbedingter Abzug von mindestens 15 % angemessen, da sein Leistungsprofil beachtlich eingeschränkt sei, weshalb ihm insbesondere seine angestammte Tätigkeit auf dem Bau nicht mehr zumutbar sei.

 

4.2 Die Beschwerdegegnerin hält fest, dass anlässlich der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung ein ausgezeichneter medizinischer Endzustand vorgelegen habe. Folglich sei der Fall zu Recht abgeschlossen worden. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren sei der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zur Zeit der Rentenverfügung Ende September 2019 massgebend. Einwendungen des Beschwerdeführers, welche sich auf seinen Gesundheitszustand nach dem vorerwähnten Zeitpunkt beziehen würden, seien als Rückfallmeldung entgegengenommen worden und würden von ihr nun abgeklärt. Entsprechend bildeten diese vorliegend nicht Verfahrensgegenstand. Ferner habe bei der Festsetzung des Validenlohns die Ferien- wie auch die Feiertagsentschädigung unberücksichtigt zu bleiben, was ebenso für die Mittagszulage gelte. Aus den Akten ergebe sich zudem kein Hinweis auf eine Mehrarbeit, weshalb ein entsprechender Zuschlag nicht zur Diskussion stehe. Was das Invalideneinkommen betreffe, sei praxisgemäss auf die LSE 2016 abzustellen, zumal der Beschwerdeführer noch jung sei und ihm eine vielfältige Palette an Berufen im Sektor Produktion zur Verfügung stehe. Ein leidensbedingter Abzug sei sodann nicht vorzunehmen, da keine Anhaltspunkte dafür vorhanden seien, dass der Beschwerdeführer seine volle Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten könne, umfasse doch das Kompetenzniveau 1 eine Vielzahl an leichten Tätigkeiten und zudem auch Nischenarbeitsplätze mit einem sozialen Entgegenkommen des Arbeitgebers.

 

5.

Einleitend ist festzuhalten, dass im vorliegenden Verfahren jener Sachverhalt rechtserheblich ist, welcher sich bis zum massgeblichen Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung bzw. des angefochtenen Einspracheentscheids entwickelt hat (vgl. BGE 131 V 362 E. 1b). Tatsachen, die sich nach dem Verfügungserlass ereignet haben, sollen grundsätzlich Gegenstand einer neuen Verfügung bilden (Bollinger, Art. 61 N. 39). Daher bildet vorliegend die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. Oktober 2019 bzw. deren Einspracheentscheid vom 26. Februar 2020 Verfahrens-gegenstand. Die vom Beschwerdeführer nach dem Erlass der vorerwähnten Verfügung von Anfang Oktober 2019 geltend gemachte Verschlechterung seines Gesundheitszustands stellt eine Rückfallmeldung dar, welche von der Beschwerdegegnerin gemäss deren Ausführungen in der Beschwerdeantwort als solche entgegengenommen wurde. Somit obliegt es der Beschwerdegegnerin, den geltend gemachten Rückfall abzuklären, hat sie doch den diesbezüglichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Anschliessend wird sie über die vom Beschwerdeführer im Rahmen des Rückfalls geltend gemachten Ansprüche mittels separater, anfechtbarer Verfügung entscheiden. Folglich ist auf die diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren nicht weiter einzugehen. Stattdessen ist auf das Leistungsprofil des Beschwerdeführers gemäss der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 24. Juni 2019 abzustellen, gegen welches der Beschwerdeführer keine Einwendungen erhebt.

 

Da der Beschwerdeführer den von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Einkommensvergleich beanstandet, sind nachfolgend das Validen- und das Invalideneinkommen zu bestimmen und gestützt darauf ist der Invaliditätsgrad zu berechnen.

 

6.

6.1

6.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was der Versicherte im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunder tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel beim zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es einer empirischen Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Grundsätzlich ist dabei auf die konkreten Lohnangaben des ehemaligen Arbeitgebers abzustellen, wenn angenommen werden kann, der Beschwerdeführer wäre, wäre er nicht invalid geworden, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiterhin beim selben Arbeitgeber tätig (vgl. dazu BGE 134 V 322 E. 4.1; 129 V 222 E. 4.3.1).

 

Für die Ermittlung des hypothetischen Valideneinkommens ist relevant, was grundsätzlich zum massgebenden Lohn gemäss dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG) zu zählen ist (BGer-Urteil 8C_465/2009 vom 12. Februar 2010 E. 2.1, mit Hinweisen). Als massgebender Lohn nach Art. 5 Abs. 2 AHVG gilt jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit. Er umfasst unter anderem auch Teuerungs- und andere Lohnzulagen sowie Ferien- und Feiertagsentschädigungen (vgl. Art. 7 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 31. Oktober 1947 [AHVV]).

 

6.1.2 Der Beschwerdeführer erhebt zu Recht keine Einwendungen dagegen, dass die Beschwerdegegnerin zur Bestimmung des Valideneinkommens die Lohnangaben seiner früheren Arbeitgeberin heranzog. Aus den Akten zeigt sich, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2019 einen Stundenlohn von Fr. 28.- erzielt hätte. Darauf ist abzustellen, wird doch damit der Mindestlohn für Bauarbeiter ohne Fachkenntnisse gemäss Art. 41 Abs. 2 des Landesmantelvertrages des Schweizerischen Bauhaupt-gewerbes der Jahre 2019 – 2022 (LMV) nicht unterschritten.

 

6.1.3 Für die Berechnung des Valideneinkommens ist die jährliche Arbeitszeit von 2'112 Stunden ausschlaggebend (vgl. Art. 24 Abs. 2 LMV sowie den Bundesrats-beschluss über die Allgemeinverbindlicherklärung des Landesmantelvertrages für das Bauhauptgewerbe vom 6. Februar 2019). Dabei handelt es sich um die Bruttoarbeitszeit vor Abzug von Ferien und Feiertagen, da in Art. 24 Abs. 1 LMV die jährliche Arbeitszeit explizit als Bruttosollarbeitszeit vor Abzug der allgemeinen Nichtleistungsstunden definiert wird. Damit sind von der Jahresarbeitszeit von 2'112 Stunden die Ferien (5 Wochen à 40.5 Stunden = 202.5 Stunden; vgl. Art. 34 Abs. 1 LMV) abzuziehen. Die acht Feiertage nach Art. 38 Abs. 1 LMV sind hingegen nicht zu subtrahieren, da sie wie normale Arbeitszeit zu entschädigen sind (Art. 38 Abs. 2 LMV; vgl. BGer-Urteil 8C_61/2012 vom 25. April 2012 E. 2.6, 9C_232/2010 vom 13. Oktober 2010 E. 3.2, 8C_1028/2009 vom 21. Mai 2010 E. 9.3). Zu berücksichtigen bleibt die Ferienentschädigung von 10,6 % gemäss Art. 34 Abs. 1 LMV, woraus folglich ein Jahreseinkommen von Fr. 59'133.40 (1'909.5 x Fr. 28.- x 1.106) resultiert. Würde hingegen der Argumentation des Beschwerdeführers gefolgt und die Ferien- sowie die Feiertagsentschädigung ausgehend von der Bruttosollarbeitszeit von 2'112 Stunden berechnet, würden die Feiertage wie auch die Ferientage doppelt berücksichtigt, was nicht sachgerecht wäre. Insofern der Beschwerdeführer überdies der Ansicht ist, die Beschwerdegegnerin hätte abzuklären, ob er die Ferien auch tatsächlich bezogen hatte, ist er darauf hinzuweisen, dass der Bezug von Ferien während der Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht durch Geldleistungen oder andere Vergünstigungen abgegolten werden darf (vgl. Art. 329d Abs. 3 i.V.m. Art. 362 Abs. 1 des Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR]). Daraus darf geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer die Ferien auch tatsächlich bezogen hat, zumal er keine gegenteiligen Ausführungen macht. Sodann zeigt sich aus den Lohnabrechnungen des Beschwerdeführers, dass er von April 2015 bis und mit April 2016 weniger als die Nettoarbeitszeit von 1'909.5 Stunden arbeitete, was zum einen auf einen tatsächlichen Bezug der Ferien hindeutet. Zum anderen kann daraus ebenfalls geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer keine Mehrstunden leistete, woraus folgt, dass entgegen dessen Ansicht nicht zu prüfen ist, ob ein Mehrstundenzuschlag zu gewähren ist.

 

6.1.4 Weiter ist der 13. Monatslohn in der Höhe von 8,33 % gemäss Art. 50 Abs. 1 LMV anzurechnen. Dabei ist zu beachten, dass auch der während den Ferien bezogene Lohn in die Berechnung des 13. Monatslohns miteinzubeziehen ist, was sich explizit aus Ziffer 301 Anhang 8 des LMV ergibt (vgl. BGer-Urteil 8C_61/2012 vom 25. April 2012 E. 2.6). Nicht zu berücksichtigen ist bei der Berechnung des 13. Monatslohns der entrichtete Zuschlag für die Reisezeit, sofern deren Abrechnung aufgrund von vereinbarten pauschalen Frankenbeiträgen erfolgt (vgl. Anhang 8 Ziffer 503 LMV). Da der Beschwerdeführer mit seinem ehemaligen Arbeitgeber eine tägliche Entschädigung für Reisezeit von pauschal Fr. 11.- vereinbarte, entfällt deren Berücksichtigung bei der Berechnung des 13. Monatslohns. Folglich ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 64'059.20 (Fr. 59'133.40 + 8,33%).

 

6.1.5 Dass die vereinbarte und entrichtete Reisezeitentschädigung einen Lohnbestandteil darstellt, ist unbestritten. Dabei ist zu beachten, dass während den Ferien wie auch während den Feiertagen keine Reisezeitentschädigung ausgerichtet wird, weshalb die Ferientage und die Feiertage diesbezüglich unberücksichtigt zu bleiben haben. Folglich ist eine Reisezeitentschädigung für 227.4 Arbeitstage ([2'112 Stunden Jahresarbeitszeit – 202.5 Ferienstunden] / [40.5 Wochenstunden / 5 Arbeitstage pro Woche] – 8 Feiertage = 227.74 Arbeitstage pro Jahr) in die Berechnung miteinzubeziehen, womit Fr. 2'505.15 (227.74 x Fr. 11.-) dem Valideneinkommen hinzuzurechnen sind.

 

6.1.6 Soweit die Beschwerdegegnerin bei der Festsetzung des Valideneinkommens die dem Beschwerdeführer entrichtete Mittagszulage von jeweils Fr. 15.- nicht berücksichtigte, ist ihr nicht zu folgen. Denn ob die Mittagszulage in die Berechnung des versicherten Verdienstes und des Valideneinkommens einzubeziehen ist, hängt davon ab, ob sie eine regelmässige Entschädigung für die übliche Verpflegung am Wohnort oder am gewöhnlichen Arbeitsort war, welche zum massgebenden Lohn gehört (Art. 9 Abs. 2 AHVV; BGer-Urteil 8C_430/2010 vom 28. September 2010 E. 6.3). Aus den Lohnabrechnungen der Monate April 2015 bis April 2016 zeigt sich, dass dem Beschwerdeführer allmonatlich eine Mittagszulage entrichtet wurde. Deren Anzahl stimmt zudem jeweils mit der Anzahl der ausbezahlten Reisezeitentschädigungen überein, woraus einzig folgen kann, dass sich der gewöhnliche Arbeitsort des Beschwerdeführers auf auswärtigen Baustellen befand. Entsprechend stellte die Mittagszulage eine Abgeltung für Verpflegungskosten dar, womit es sich bei der Mittagszulage um der AHV-Beitragspflicht unterliegenden massgeblichen Lohn handelt (vgl. auch Art. 60 Abs. 2 LMV). Da die Mittagszulage während den Ferien und den Feiertagen nicht entrichtet wird, rechtfertigt es sich, eine jährliche Mittagszulage von Fr. 3'416.10 (227.74 Arbeitstage pro Jahr x Fr. 15.-) bei der Festsetzung des Valideneinkommens zu berücksichtigen. Diese ist jedoch bei der Berechnung des 13. Monatslohns ausser Acht zu lassen (vgl. Anhang 8 Ziffer 601 LMV).

 

Zusammenfassend beträgt das gesamte Jahreseinkommen und damit das Valideneinkommen des Beschwerdeführers Fr. 69'980.45 ([Fr. 59'133.40 + 8,33 %] + Fr. 2'505.15 Reisezeitentschädigung + Fr. 3'416.10 Mittagszulage).

 

6.2

6.2.1 Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität keine Erwerbstätigkeit aus, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (LSE) herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).

 

Ausnahmsweise kann bei Personen, welche vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit in diesem Bereich tätig waren und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt, auf das statistische Durchschnittseinkommen einzelner Branchen abgestellt werden, wenn dies sachgerecht erscheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen (vgl. BGer-Urteil 8C_457/2017 vom 11. Oktober 2017 E. 6.2, mit Hinweisen).

 

6.2.2 Dem Beschwerdeführer ist gemäss dem ärztlich umschriebenen Leistungsprofil eine bis knapp mittelschwere (regelmässig bis 15 kg, ausnahmsweise auch 20 bis 25 kg), wechselbelastende Tätigkeit vollschichtig und vollzeitig zumutbar. Nicht zumutbar sind Tätigkeiten in der Höhe mit Absturzgefahr sowie Tätigkeiten auf unebenem Boden oder in abschüssigem Gelände, kniende Tätigkeiten sowie Tätigkeiten, die zu heftigen Erschütterungen und Vibrationen des linken Beins führen. Entsprechend ist auch die früher ausgeübte Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter andauernd nicht mehr möglich. Hingegen gibt es insbesondere im Bereich der Produktion verschiedene Tätigkeiten, welche er mit dem soeben umschriebenen Leistungsprofil ausüben kann. Zwar war der Beschwerdeführer seit seiner Einreise in die Schweiz bis zu seinem Unfall sieben Jahre auf dem Bau tätig. Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden, dass für ihn keine andere Tätigkeit in einem anderen Bereich in Frage kommen würde, zumal er erst 34 Jahre alt ist. Entsprechend liegt kein Ausnahmefall vor, welcher das Abstellen auf das statistische Durchschnitts-einkommen der Baubranche rechtfertigen würde. Stattdessen ist die LSE 2016 für die Festsetzung des Invalideneinkommens heranzuziehen.

 

Auszugzugehen ist von Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Total Männer, welche ein monatliches Einkommen von Fr. 5'340.- für Männer ausweist. Aufgerechnet auf ein Jahr und die übliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden resultiert so ein Einkommen von Fr. 66'803.40 (Fr. 5'340.- x 12 x 41,7 / 40). Indexiert auf das Jahr 2019 ergibt sich ein Invalideneinkommen von Fr. 68'012.60 (Fr. 66'803.40 x 1.004 x 1.005 x 1.009).

 

6.3

6.3.1 Wird das Invalideneinkommen wie vorliegend auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Praxisgemäss können persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad einen Abzug von dem nach den Tabellenlöhnen der LSE zu ermittelnden Invalideneinkommen rechtfertigen, soweit anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann (BGE 134 V 322 E. 5.2, mit Hinweis). Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzugs ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohns zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Die Frage, ob ein Abzug nach Massgabe der Grundsätze von BGE 126 V 75 vorzunehmen sei, ist rechtlicher Natur, die Bestimmung der Höhe eines solchen Abzugs dagegen Ermessensfrage (BGer-Urteil 8C_530/2015, 8C_563/2015 vom 6. Januar 2016 E. 6.1.2).

 

6.3.2 Vorliegend ist mit Blick auf das von Dr. D.______ umschriebene Zumutbarkeitsprofil von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, welche keine besondere Beanspruchung des linken Unterschenkels erfordern. So stehen dem Beschwerdeführer beispielsweise in stehender wie auch in sitzender Position auszuführende Hilfsarbeiten in der Produktion offen, welche auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt werden. Ferner ist der Beschwerdeführer im Rahmen eines Vollzeitpensums arbeitsfähig, wobei es die ihm auferlegten Einschränkungen der angepassten Arbeitstätigkeit nicht als unrealistisch erscheinen lassen, eine Arbeitsstelle zu finden (vgl. BGer-Urteil I 69/07 vom 2. November 2007 E. 5.1 f). Sodann rechtfertigt allein der Umstand, dass ihm höchstens nur noch bis knapp mittelschwere Erwerbstätigkeiten zumutbar sind, keinen Abzug vom Tabellenlohn (vgl. BGer-Urteil 8C_82/2019 vom 19. September 2019 E. 6.3.2). Die eingeschränkte Belastbarkeit des Beschwerdeführers sowie seine Schmerzen sind überdies bereits bei der Umschreibung des ihm zumutbaren Leistungsprofils berücksichtigt worden. Dies kann unter dem Titel des Tabellenlohnabzugs nicht erneut und damit doppelt beachtet werden. Weitere Gründe für einen allfälligen Abzug sind schliesslich nicht ersichtlich und werden vom Beschwerdeführer auch nicht substantiiert dargelegt. Der pauschale Hinweis darauf, dass er aufgrund seines bereits erlittenen Unfalls mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen rechnen müsse, genügt zumindest nicht für die Gewährung eines Abzugs vom Tabellenlohn.

 

Der Vollständigkeit halber hinzuweisen bleibt darauf, dass die Beschwerdegegnerin im vorinstanzlichen Verfahren einen Abzug vom Tabellenlohn von 5 % gewährte. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass das Verwaltungsgericht nach Art. 61 lit. d ATSG an die Begehren der Parteien nicht gebunden ist und daher die Beschwerde gestützt auf einen anderen Grund als die Vorinstanz abweisen darf (BGE 140 V 136 E. 1.1). Da auch die Beschwerdegegnerin im Dispositiv des Einspracheentscheids zum Schluss kam, dass kein rentenbegründender Invaliditätsgrad gegeben ist, liegt keine Schlechterstellung des Beschwerdeführers vor, welche die Gewährung einer vorgängigen Gelegenheit zur Stellungnahme nötig gemacht hätte (vgl. Art. 61 lit. d ATSG; Bollinger, Art. 61 N. 51).

 

6.4 Stellt man unter Anwendung des Einkommensvergleichs das Invalideneinkommen von Fr. 68'012.60 dem jährlichen Valideneinkommen von Fr. 69'980.45 gegenüber, resultiert ein unfallversicherungsrechtlicher Invaliditätsgrad von gerundet 3 %, was keinen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung begründet.

 

Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.

 

III.

1.

Die Gerichtskosten sind von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG). Da der Beschwerdeführer unterliegt, steht ihm keine Parteientschädigung zu (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

 

2.

2.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) befreit die Behörde eine Partei, der die Mittel fehlen um neben dem Lebensunterhalt für sich und ihre Familie die Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin ganz oder teilweise von der Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das Verfahren nicht aussichtslos ist. Der Nachweis der Bedürftigkeit obliegt nach Art. 139 Abs. 3 VRG der gesuchstellenden Partei.

 

2.2 Da die Gerichtskosten auf die Staatskasse zu nehmen sind, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung als gegenstandslos geworden abzuschreiben.

 

2.3 Die Mittellosigkeit des Beschwerdeführers erscheint aufgrund der Aktenlage als offensichtlich. Zudem kann das vorliegende Verfahren nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Da der Beschwerdeführer auf eine rechtliche Vertretung angewiesen war, ist das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen und ihm ist in der Person von Rechtsanwalt B.______ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Dieser ist mit Fr. 2'000.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Der Beschwerdeführer ist darauf hinzuweisen, dass eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, für den Fall, dass sie später in günstige wirtschaftliche Verhältnisse gelangt, zur Nachzahlung der Verfahrenskosten verpflichtet werden kann (Art. 139a VRG).

Demgemäss beschliesst die Kammer:

1.

Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird als gegenstandslos geworden abgeschrieben.

2.

Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung wird gutgeheissen. Ihm wird in der Person von Rechtsanwalt B.______ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.

3.

Der Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse mit Fr. 2'000.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt.

4.

Die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 139a VRG bleibt vorbehalten.

5.

Die Gerichtskasse wird beauftragt, spätestens im August 2025 zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Nachzahlung erfüllt sind.

und erkennt sodann:

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

3.

Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.

Schriftliche Eröffnung und Mitteilung an:

 

[…]