Urteil vom 25. Juli 2024
Es wirken mit:
Oberrichter Flückiger
Oberrichterin Marti
Gerichtsschreiber Isch
In Sachen
A.___ vertreten durch Rechtsanwalt Roger Zenari
Beschwerdeführer
gegen
IV-Stelle Solothurn, Allmendweg 6, 4528 Zuchwil,
Beschwerdegegnerin
betreffend berufliche Massnahmen und Invalidenrente (Verfügung vom 4. Juli 2022)
zieht das Versicherungsgericht in Erwägung:
I.
1. Der 1993 geborene Versicherte A.___ (nachfolgend Beschwerdeführer) meldete sich am 5. Juli 2019 bei der IV-Stelle des Kantons Solothurn (nachfolgend Beschwerdegegnerin) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-Nr. 2). Im Bericht der Klinik B.___, [...], vom 8. Oktober 2019 (IV-Nr. 16) wurden als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) seit 25. März 2019 sowie aktenanamnestisch ein ADHS gestellt. Weiter wurde darin ausgeführt, dem Beschwerdeführer sei die bisherige Tätigkeit als Lehrer nicht mehr zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm im Rahmen von ca. zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar. Der Beschwerdeführer sei seit dem 1. April 2019 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. In der Folge holte die Beschwerdegegnerin weitere medizinische Unterlagen ein und veranlasste Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Aufbautrainings bei der C.___ (IV-Nr. 40). Des Weiteren veranlasste die Beschwerdegegnerin bei der D.___ ein polydisziplinäres Gutachten in den Fachrichtungen Neurologie, Rheumatologie, Innere Medizin und Psychiatrie (IV-Nr. 44.1).
Schliesslich verneinte die Beschwerdegegnerin nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-Nr. 49) den Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Eingliederungsmassnahmen und eine Invalidenrente mit Verfügung vom 4. Juli 2022 (A.S. [Akten-Seite] 1 ff.).
2. Gegen diese Verfügung lässt der Beschwerdeführer am 17. August 2022 fristgerecht Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons Solothurn erheben (A.S. 11 ff.) und folgende Rechtsbegehren stellen:
1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. Juli 2022 sei aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer bis 31. Dezember 2021 eine ganze Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 76 %, ab 1. Januar 2022 bis 30. September 2022 eine Dreiviertel-Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 64 % sowie ab 1. Oktober 2022 eine halbe Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 54 % auszurichten.
3. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die vollumfänglichen Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung sowie die vollumfänglichen beruflichen Massnahmen, namentlich Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Umschulung, zu gewähren.
4. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen, insbesondere eine polydisziplinäre Begutachtung des Beschwerdeführers, zu initiieren.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
3. Mit Eingaben vom 31. August 2022 (A.S. 48) und 5. September 2022 (A.S. 51) reicht der Beschwerdeführer weitere Unterlagen zu den Akten.
4. Mit Beschwerdeantwort vom 9. September 2022 (A.S. 54 ff.) schliesst die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde.
5. Mit Replik vom 20. Oktober 2022 (A.S. 66 ff.) lässt sich der Beschwerdeführer abschliessend vernehmen.
6. Mit Verfügung vom 31. August 2023 (A.S. 92 ff.) veranlasst das Versicherungsgericht bei Dr. med. E.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sowie Dr. phil. F.___, Fachpsychologin für Psychotherapie und Neuropsychologie FSP, ein bidisziplinäres Gerichtsgutachten. Das Gutachten ergeht am 9. April 2024 (A.S. 100 ff).
7. Mit Stellungnahme vom 30. April 2024 (A.S. 195 ff.) lässt sich der Beschwerdeführer zum Gutachten vernehmen.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Stellungnahme zum Gutachten.
8. Mit unaufgefordert eingereichter Eingabe vom 28. Mai 2024 (A.S. 200 ff.) reicht der Beschwerdeführer weitere Unterlagen ein und stellt folgende, teilweise modifizierte Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 4. Juli 2022 sei aufzuheben.
2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer bis 31. Dezember 2021 eine ganze Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 79 % und ab 1. Januar 2022 eine Dreiviertel-Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 68 % (bis 30. September 2022) bzw. 60 % (ab 1. Oktober 2022) auszurichten.
3. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die vollumfänglichen Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung sowie die vollumfänglichen beruflichen Massnahmen, namentlich Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Umschulung, zu gewähren.
4. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere medizinische Abklärungen, insbesondere eine polydisziplinäre Begutachtung des Beschwerdeführers, zu initiieren.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
9. Mit Eingaben vom 10. und 20. Juni 2024 (A.S. 208 f. und 211 ff.) lassen sich die Parteien abschliessend vernehmen.
10. Am 25. Juni 2024 verfügt die Präsidentin (A.S. 219 f.), das Gericht erwäge, den das Prozessthema bildenden Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht über den Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 4. Juli 2022 hinaus auszudehnen (vgl. BGE 130 V 138). Den Parteien werde Gelegenheit gegeben, sich zur beabsichtigten Ausdehnung des Streitgegenstandes bis 3. Juli 2024 schriftlich zu äussern. Bei Verzicht auf eine Stellungnahme werde Einverständnis angenommen.
11. Mit Stellungnahme vom 26. Juni 2024 (A.S. 222) teilt der Beschwerdeführer mit, er sei mit einer Ausdehnung des Streitgegenstandes einverstanden. Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Stellungnahme.
12. Mit Verfügung vom 10. Juli 2024 (A.S. 223) hält die Präsidentin fest, der Streitgegenstand werde in zeitlicher Hinsicht über den Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 4. Juli 2022 hinaus ausgedehnt.
13. Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften der Parteien wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.
II.
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen (Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Am 1. Januar 2022 trat das revidierte Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) in Kraft. Vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen sind in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen materiellen Rechts-sätze massgeblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben (statt vieler: BGE 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213 mit Hinweisen). Dementsprechend ist der Anspruch für die Zeit bis Ende 2021 nach denjenigen materiellrechtlichen Normen zu beurteilen, welche damals in Kraft standen.
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
3.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
- diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbericht zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
- die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
4.
4.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f. E. 4, 125 V 261 E. 4).
4.2 Das Administrativverfahren vor der IV-Stelle wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum – auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe ebenfalls in gleicher Weise geltenden – Prinzip der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c in fine ATSG) auf (einschliesslich die antizipierte Beweiswürdigung): Führt die pflichtgemässe, umfassende und sachbezogene Beweiswürdigung den Versicherungsträger oder das Gericht zur Überzeugung, der Sachverhalt sei hinreichend abgeklärt, darf von weiteren Untersuchungen (Beweismassnahmen) abgesehen werden. Ergibt die Beweiswürdigung jedoch, dass erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 9. April 2008, 8C_308/2007, E. 2.2.1 mit vielen Hinweisen).
4.3 Der im Sozialversicherungsrecht massgebende Beweisgrad ist derjenige der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 117 V 194 f. E. 3.b). Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (BGE 125 V 352 E. 3a). Der Sozialversicherungsrichter hat alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten – d.h. der Anamnese – abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und in seinen Schlussfolgerungen begründet ist (AHI 1997 S. 121; BGE 122 V 160). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten.
5. Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht mit Verfügung vom 4. Juli 2022 zu Recht verneinte. In diesem Zusammenhang sind im Wesentlichen folgende medizinischen Unterlagen von Belang:
5.1 Im Bericht der Klinik B.___, [...], vom 8. Oktober 2019 (IV-Nr. 16) wurden als Diagnosen eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) seit 25. März 2019 sowie aktenanamnestisch ein ADHS gestellt. Weiter wurde darin ausgeführt, dem Beschwerdeführer sei die bisherige Tätigkeit als Lehrer nicht mehr zumutbar. Eine Rückkehr in den Lehrerberuf sei nicht möglich. Mangelnde soziale Abgrenzungsfähigkeit, unermesslich hohes Verantwortungsgefühl und grosse Schuldgefühle gegenüber Schülern und Vorgesetzten, die für den Beschwerdeführer aus diesem Beruf hervorgingen, seien schädigend. Er sei sehr überfordert. Er habe sich nicht mehr konzentrieren und seine Aufgaben nicht mehr erfüllen können, sei psychisch dekompensiert. Eine erneute Dekompensation wäre wahrscheinlich. Beim Beschwerdeführer bestünden als Funktionseinschränkungen mangelnde soziale Abgrenzungsfähigkeit, zu hohe Anforderungen an sich selbst, unermesslich hohes Verantwortungsgefühl und grosse Schuldgefühle gegenüber Schülern und Vorgesetzten. Eine angepasste Tätigkeit sei ihm im Rahmen von ca. zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar. Der Beschwerdeführer sei seit dem 1. April 2019 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig.
5.2 Im polydisziplinären Gutachten der D.___ vom 14. Januar 2021 (Fachrichtungen Neurologie, Rheumatologie, Innere Medizin und Psychiatrie; IV-Nr. 44.1) wurden folgende Diagnosen gestellt:
Diagnosen mit Einfluss auf Arbeitsfähigkeit
- Keine
Diagnosen ohne Einfluss auf Arbeitsfähigkeit
1. Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.00)
2. Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
3. Intermittierende Dezentrierung Humeroglenoidalgelenk links im Rahmen einer muskulären Dysbalance bei Verkürzung der Pektoralismuskulatur und Abschwächung der interskapulären Muskelgruppen bei Antepositionsfehlstellung des Oberkörpers (ICD-10 M75.9)
4. Intermittierend myogelotisch bedingte Spannungskopfschmerzen (ICD-10 M53.0)
- klinisch völlig freie HWS-Bewegungsfähigkeit
- leichte, schmerzfreie Myogelose der Subokzipital- und Trapeziusmuskulatur im Rahmen der muskulären Dysbalance
5. Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit migräniformen Anteilen (ICD-10 G44.2)
6. Migräne mit visueller Aura (ICD-10 G43.1)
7. Hypästhesie im Bereich der rechten Zeigefingerkuppe unklarer Ätiologie (ICD-10 R20)
8. Fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (mindestens 10 pack years) (ICD-10 F17.1)
Bei der psychiatrischen Untersuchung seien eine leichte depressive Episode und eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert worden. Die depressive Symptomatik schränke den Exploranden nicht ein. Auch durch die Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung seien aktuell verschiedene Aktivitäten möglich. Der Explorand habe auch als Primarlehrer arbeiten können. Eine Persönlichkeitsstörung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe nicht festgestellt werden können. Aus psychiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bei den somatischen Untersuchungen hätten keine lang andauernden Beschwerden, welche durch objektive Befunde verursacht würden, festgestellt werden können. Vom Bewegungsapparat her bestünden intermittierende Schulterbeschwerden links und myogelotische Schmerzen. Aus neurologsicher Sicht seien Spannungskopfschmerzen bestätigt worden. Zudem leide der Explorand an einer Migräne mit visueller Aura. Diese sei aber nicht derart ausgeprägt, dass Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit entstünden. Die klinischen Befunde im allgemeininternistischen Status seien unauffällig gewesen. Insgesamt hätten aus polydisziplinärer Sicht keine Befunde erhoben werden können, welche die Arbeitsfähigkeit des Exploranden wesentlich beeinträchtigen würden. Ein Belastungsfaktor sei sicher die finanzielle Problematik bei Auslaufen der Krankentaggeldzahlungen. Der Explorand habe aber auch Ressourcen. Er habe eine Ausbildung und regelmässig gearbeitet. Er betätige sich auch jetzt, wenn auch in geschütztem Rahmen. Er habe einen geregelten Tagesablauf und wolle auch wieder ins Erwerbsleben im ersten Arbeitsmarkt einsteigen. Bei den Untersuchungen seien gewisse Inkonsistenzen festgestellt worden. Die vom Exploranden angegebenen Einschränkungen könnten mit dem Verhalten während den Untersuchungen, der Schilderung der Alltagsaktivitäten und auch den objektiv medizinischen Befunden nicht plausibel erklärt werden. Gemäss den Laborbestimmungen hätten die Medikamentenspiegel sämtlicher Psychopharmaka im subtherapeutischen Bereich gelegen. Es sei deshalb möglich, dass der Explorand diese Medikamente nicht regelmässig einnehme. Dies lasse den Schluss zu, dass er sich durch die psychischen Symptome nicht erheblich beeinträchtigt fühle.
5.3 Mit Schreiben vom 10. Februar 2021 (IV-Nr. 50) nahm der behandelnde Psychiater des Beschwerdeführers, Dr. med. G.___, zum Gutachten der D.___ Stellung und stellte folgende Diagnosen:
- Status nach mittelschwerer, depressiver Episode mit weiterhin bestehenden Restsymptomatik F 32.1
- ADHS F 90
- Somatoforme Störung F 45
- Strukturelle Störung im Sinne einer Persönlichkeitsstörung F 60
- Erschöpfungssyndrom Z 73
Weiter führte Dr. med. G.___ aus, vordergründig wirke der Beschwerdeführer sehr angepasst, freundlich, aufgestellt, sei bemüht einen guten Eindruck zu hinterlassen. Gleichzeitig erlebe er sich bei Auftreten von Belastungssituationen oder Leistungssituationen rasch überfordert, reagiere dann mit innerer Anspannung, Blockiert sein sowie typischerweise mit starken Schulter-Nackenschmerzen sowie ausgeprägter Erschöpfung. Dies führe auch bei einer Arbeitstätigkeit im geschützten Rahmen von vier Stunden pro Tag zu häufigen Absenzen oder Einschränkungen. Bei der Begutachtung werde wenig oder gar nicht auf diese ganze Krankheitsproblematik eingegangen, auch werde der Schweregrad der Symptomatik und der langwierige Krankheitsverlauf wenig oder überhaupt nicht gewürdigt. So habe der Beschwerdeführer 2019 doch einen schweren psychophysischen Zusammenbruch erlebt. Trotz Durchführung von längerdauernder ambulanter Psychotherapie mit Einbezug von Psychopharmaka wie auch Aufbau eines geschützten Arbeitstrainings habe keine Stabilisierung bzw. verbesserte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit erlangt werden können. Vielmehr habe der Arbeitsversuch im geschützten Rahmen abgebrochen werden müssen, da keine Steigerung möglich gewesen sei. Dieser ganze Krankheitsverlauf widerspreche der Annahme einer leichten depressiven Störung, sondern es müsse vielmehr von einer komorbiden Störung (strukturelle Störung im Sinne einer Persönlichkeitsstörung, ADHS, Erschöpfungssyndrom sowie Somatoforme bzw. Somatisierungsstörung) ausgegangen werden. So sei klinisch gut bekannt, dass Patienten mit ADHS ihre Konzentrations- / Aufmerksamkeitsstörung durch Mehrarbeit bis zu Perfektionismus zu kompensieren versuchten, was dann zu einer chronischen Überforderung mit nachfolgender Dekompensation und Erschöpfungssyndrom führe. In diesem Zusammenhang seien bei der Begutachtung auch keine Leistungstests oder Belastungstests im Sinne einer gewissen Objektivierung der Symptome durchgeführt worden, ebenso fehlten Selbstbeurteilungsfragebögen wie SOMS für die somatoforme Störung etc., was insgesamt die Aussagekraft des Gutachtens doch sehr einschränke.
5.4 Mit Schreiben vom 19. April 2021 (IV-Nr. 58) stellte der behandelnde Psychiater, Dr. med. G.___, folgende Diagnosen:
- Depressive Störung, aktuell leicht bis mittel F 32.1
- Erschöpfungssyndrom Z73
- ADHS F 90
- Somatoforme Schmerzstörung F 45.4
- Strukturelle Störung mit Auftreten von innerer Leere im Sinne einer akzentuierten Persönlichkeitsstruktur/Persönlichkeitsstörung Z73.1
Für die angestammte Arbeitstätigkeit als Lehrer habe vom 25. Februar 2019 bis September 2021 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab Okt 2021 bestehe eine medizinisch theoretische Arbeitsfähigkeit von 20 % bzw. 80%ige Arbeitsunfähigkeit. Für eine leidensadaptierte Arbeitstätigkeit bestehe aus klinisch psychiatrischer Sicht aktuell eine medizinisch theoretische Arbeitsfähigkeit von max. 30 %. Zurzeit fänden wöchentliche, ambulante psychiatrische Termine statt. Aktuell habe der Beschwerdeführer am 8. April 2021 ein Vorgespräch bezüglich stationärer Behandlung an der Klinik H.___, [...], durchgeführt. Dabei sei die Indikation für eine stationäre Behandlung gestellt worden.
5.5 Im Austrittsbericht der H.___, vom 13. Juli 2021 (IV-Nr. 60), bezüglich der stationären Behandlung des Beschwerdeführers vom 12. Mai 2021 bis 7. Juli 2021, wurden folgende Diagnosen gestellt:
Hauptdiagnose
1. Mittelgradige depressive Episode (F32.1)
Psychiatrische Nebendiagnosen
1. Burnout-Syndrom (Z73)
2. Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0)
3. Somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
4. Akzentuierte Persönlichkeit mit rigiden-selbstunsicheren Zügen (Z73)
Beim Beschwerdeführer zeige sich eine mittelgradige depressive Episode, ein Burnout-Syndrom, eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sowie eine somatoforme Schmerzstörung bei verschiedenen psychosozialen Belastungen (Überforderung bei der Arbeit und psychische Dekompensation im 02/2019, fehlende Erholung, chronisch angespannte Paarbeziehung und Trennung, belastetes Familienklima, chronische Schmerzsymptomatik). Er habe wiederholt eine rasch ansteigende und anhaltende innere Anspannung gezeigt. Ein wichtiger Faktor in der depressiven Entwicklung schienen ausgeprägte dysfunktionale Muster von Selbstabwertung, hohen Leistungsansprüchen, Perfektionismus, Versagensängste sowie Selbstaufopferungsschemata im Kontext von beruflichen oder privaten Kontakten und Anforderungen zu sein, auf die der Beschwerdeführer mit hoher Anspannung, innerer Unruhe und Schmerzen reagiere. Die aktuelle Entwicklung vor dem Hintergrund einer emotional überfordernden Kindheit und Jugend stattgefunden (Mangel an Wärme in der Vater-Sohn-Beziehung, begrenzte elterliche Ressourcen bei hoher Kinderzahl und vermehrter ADHS-Symptomatik unter den Geschwistern, stark religiös geprägter familiärer Hintergrund mit fest umrissenem Denk- und Handlungsrahmen, Mobbingerfahrung in den ersten beiden Schuljahren, schulische Schwierigkeiten in Zusammenhang mit der ADHS Symptomatik, Kompensationsversuche durch vermehrte Anstrengung u.a. im Sinne einer inadäquaten Verantwortungsübernahme innerhalb der Familie, Familienklima mit fehlender emotionaler Verfügbarkeit), und damit einhergehende dysfunktionale Muster sich für Andere (Geschwister, Partnerin, Schüler, Eltern) aufzuopfern, eigene Bedürfnisse zu ignorieren sowie Energiereserven chronisch zu missachten, habe sich vermutlich vor diesem Hintergrund ergeben und stelle in der jetzigen Lebenswelt des Beschwerdeführers eine Herausforderung bei der Bewältigung anstehender Aufgaben dar. Wesentliche Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz und des jungen Erwachsenenalters, wie emotionale Entwicklung einer eigenen Identität, habe der Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund nur teilweise entwickeln können. Der Beschwerdeführer verlasse die Klinik in gebessertem Zustand. Um die erreichten Erfolge zu erhalten und auszubauen, sei eine Weiterbehandlung in der I.___ veranlasst worden. Darüber hinaus werde die Weiterführung der ambulanten Psychotherapie bei Dr. med. G.___ mit Fokus auf der Stabilisierung der erreichten Effekte und der weiteren Förderung der gewonnenen Zuversicht, verbesserten Introspektionsfähigkeit und Affektregulation, empfohlen. Man sehe den Zustand zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht ausreichend gebessert, um zeitnah eine nennenswerte Steigerung des Arbeitspensums nachhaltig bewältigen zu können.
5.6 Mit Stellungnahme vom 18. August 2021 (IV-Nr. 62) hielten die Gutachter der D.___ hinsichtlich des Austrittsberichts der H.___, vom 13. Juli 2021 fest, eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung und eine Schmerzstörung müssten keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit in angepassten Arbeitstätigkeiten begründen. Zudem könne eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung heute gut behandelt werden. Bei der versicherungsmedizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit müssten die entsprechenden, heute geltenden Kriterien berücksichtigt werden, was im psychiatrischen Teilgutachten erfolgt sei. Eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit, wie diese anlässlich der Klinikbehandlung attestiert worden sei, sei damit nicht ausgeschlossen. Im versicherungsmedizinischen Sinne werde die Arbeitsfähigkeit eben längerfristig, gemittelt über den Verlauf eingeschätzt unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten zur Verbesserung. Im Bericht zum Vorgespräch der H.___ sei auch noch eine mittelgradige depressive Episode (F32.1) als Diagnose aufgeführt worden. Im psychopathologischen Befund seien aber keine Konzentrationsstörungen, kein deutlich verminderter Selbstwert, keine Schuldgedanken, keine allumfassenden negativen Zukunftsperspektiven und auch keine Appetitverminderung mit relevanter Körpergewichtsabnahme aufgeführt worden, was wesentliche Merkmale einer depressiven Episode nach ICD-10 wären. Es seien ein grüblerisches Denken auf negative Kognitionen, Energieverlust und die Schmerzsymptomatik eingeengt mit sonst aber unauffälliger Denkgeschwindigkeit, Angst vor sozialen Prüfungssituationen, ein angegebener starker Ordnungsdrang und eine Stimmung subjektiv, zeitweise verzweifelt, aber ohne Hoffnungslosigkeit angegeben worden. Es werde von objektiv als mittelschwer eingeschätzter gedrückter Stimmung geschrieben, mit aber leicht reduzierter affektiver Stimmungsfähigkeit und leichter Affektlabilität. Auch sei der Antrieb als deutlich reduziert beurteilt worden, aber auch da bei einem Gefühl leichter Erschöpfung. Es sei auch Libidoverlust aufgeführt worden. Dies entspreche eher einer leichten depressiven Episode nach ICD-10. Dies sei auch mit den ebenfalls aufgeführten Hobbys, der sportlichen Betätigung mit Lacrosse, Wake-Skate und Snowboard, aber auch Gamen vereinbar. Bei einer mittelgradigen depressiven Episode seien nach ICD-10 Tätigkeiten und Aktivitäten nur mit grösserer Anstrengung möglich. Im psychiatrischen Teilgutachten seien die Diagnosen einer leichten depressiven Episode und einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit angegeben worden. Es sei begründet worden, warum die Diagnose einer Schmerzstörung nicht habe gestellt werden können, ebenso sei begründet worden, warum eine Persönlichkeitsstörung mit Krankheitswert nicht diagnostiziert werden könne. Der Schmerzsymptomatik sei schliesslich auch aus somatischer Sicht Rechnung getragen worden.
5.7 Mit Stellungnahme vom 11. Februar 2022 (IV-Nr. 64) führte Dr. med. J.___, Praktischer Arzt, RAD, aus, dem Austrittsbericht der H.___ vom 13. Juli 2021 seien keine neuen medizinischen Sachverhalte oder Diagnosen zu entnehmen. Insbesondere ergäben sich nach Ansicht des RAD weder aus dem Psychostatus bei Eintritt noch aus dem Psychostatus bei Austritt Hinweise auf eine Erkrankung, die eine Arbeitsunfähigkeit begründen würden. In der Stellungnahme des ambulant behandelnden Psychiaters Dr. med. G.___ vom 10. Februar 2021 seien keine neuen medizinischen Sachverhalte dargelegt worden, jedoch eine «strukturelle Störung im Sinne einer Persönlichkeitsstörung F60» diagnostiziert worden, die von keinem anderen Psychiater (weder von der ambulant behandelnden Klinik B.___ [...], noch vom psychiatrischen Gutachter, noch anschliessend von der H.___) diagnostiziert worden sei. Zu den Rügen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers sei sodann festzuhalten, dass es allein den Gutachtern obliege zu entscheiden, ob und gegebenenfalls welche Zusatzdiagnostik sie zur medizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit benötigten. Beispielhaft gehe es speziell im Rahmen einer objektiven Begutachtung gerade nicht um die maximal subjektive Selbstbeurteilung durch den Versicherten selbst mittels Selbstbeurteilungsbögen. Bezüglich der in der Einwandsbegründung angesprochenen Erkenntnisse aus dem durchgeführten Belastbarkeits- und Aufbautraining sei festzustellen, dass das erreichte Pensum durch die vom Versicherten subjektiv beklagten somatischen Beschwerden limitiert worden sei. Im polydisziplinären Gutachten hätten jedoch keine somatischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können. Zudem sei im Abschlussbericht der C.___ (Eingangsstempel IV 17. August 2020) zu lesen: «Das Pensum konnte bis Ende Mai auf ca. 68 %, 27 Stunden in der Woche, erhöht werden. Als es konkret darum ging, verschiedene Firmen anzurufen wurde es harzig...» «Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Vermittelbarkeit klar nicht gegeben.» Daraus Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit zu ziehen, sei aber nach Ansicht des RAD unzulässig, da generell, also völlig unabhängig von der Arbeitsfähigkeit, keine Vermittelbarkeit durch die IV gegeben sei, wenn der zu Vermittelnde an der Vermittlung nicht im erforderlichen Umfang mitwirke.
5.8 Mit Stellungnahme vom 25. August 2022 (Beschwerdebeilage 3) führte der behandelnde Psychiater, Dr. med. G.___, aus, die Beurteilung aus dem Austrittsbericht der H.___ sowie seine eigene Einschätzung, insbesondere bezüglich Prognose mit besonderen Hinweisen, dass nur von einer schrittweisen psychischen Stabilisierung ausgegangen werden könne, insbesondere eine Überforderung vermieden werden sollte, stünden doch sehr im Gegensatz zur Begutachtung, welche den Beschwerdeführer als völlig gesund und arbeitsfähig beurteilt habe. Dabei bleibe doch offen, wieso überhaupt eine stationäre achtwöchige Behandlung durchgeführt worden sei, wenn psychisch alles so stabil sei. Bei der Beurteilung der psychiatrischen Erkrankung werde seitens der Gutachter immer nur auf jede einzelne Diagnose separat eingegangen, im Sinne, dass die Z-Diagnosen nicht relevant seien, ein einfaches ADHS gut behandelbar und die depressive Störung nur leicht sei. Auf eine Gesamtbeurteilung werde dabei verzichtet. Dies stehe im Gegensatz zu der komorbiden psychiatrischen Störung, welche beim Beschwerdeführer vorliege, im Sinne, dass jede Teildiagnose die übrigen Diagnosen beeinflusse, zum Teil unterhalte und verstärke. So werde die ADHS-Symptomatik, insbesondere die Konzentrationsfähigkeit bzw. Störung, durch das Erschöpfungssyndrom massivst beeinflusst im Sinne einer noch stärkeren Zunahme der Konzentrationsstörung und Ablenkbarkeit, was nachfolgend wieder zu stärkeren Selbstabwertungen mit Zunahme der inneren Anspannung führe, was wiederum die somatoforme Störung mit Schulter-Nacken-Schmerzen mit Auftreten von Spannungskopfschmerzen verstärke und zu Schmerzmittelkonsum führe. Zusätzlich führe die anhaltende Erschöpfung dazu, dass man sich nicht genügend erholen könne, bereits am Morgen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit starten müsse, was wiederum Versagensängste aktiviere wie Fehler zu machen, nicht zu genügen, nie eine Besserung auftrete, was wiederum Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit aufrechterhalte, was dann die depressive Störung unterhalte bzw. verstärke. Aktuell habe der Beschwerdeführer wieder schrittweise seine Arbeitsfähigkeit steigern können und sei seit August 2022 in einem Arbeitspensum von 50 % im KV-Bereich arbeitstätig. Aktuell sei eine weitere Arbeitssteigerung nicht möglich, da der Beschwerdeführer wiederum mit mehr Krankheitssymptomen wie Zuname der somatoformen Symptome sowie Erschöpfungssymptome reagiere, was auch zu vermehrten Selbstabwertungen, Zunahme der ADHS-Symptomatik führe. Auf Grund des sehr protrahierten Krankheitsverlaufes müsse mit wiederkehrendem Auftreten der inneren Leere, starken Selbstabwertungen, Einschränkungen der Emotionsregulation, der eher schlechten Selbstwahrnehmung und von einer strukturellen Störung ausgegangen werden, was je nach Beurteilung auch die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfülle, insbesondere nach der neusten ICD 12. Bei der Durchführung einer neuropsychologischen Testung könne nur von einer leichten Einschränkung oder Beeinträchtigung ausgegangen werden, was vor allem durch die ADHS-Symptomatik begründet sei. Klinisch müsse vor allem die im Vordergrund bestehende rasche Erschöpfbarkeit und das sich schlecht erholen können, als Hauptproblematik der Beeinträchtigung angeschaut werden und dies sei in der Testung schwierig nachzuweisen.
6.
6.1 Die Beschwerdegegnerin stützt ihren Entscheid im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten sowie die Stellungnahme der D.___ vom 14. Januar 2021 (IV-Nr. 44.1) bzw. 18. August 2021 (IV-Nr. 62), weshalb nachfolgend deren Beweiswert zu prüfen ist.
6.1.1 Die Teilgutachten in den somatischen Fachbereichen Neurologie (IV-Nr. 44.7), Rheumatologie (IV-Nr. 44.6) und Innere Medizin (IV-Nr. 44.4) werden inhaltlich weder vom Beschwerdeführer noch von den behandelnden Ärzten bestritten und sind denn auch nicht zu beanstanden.
Im neurologischen Teilgutachten wurde dargelegt, dass der somatische Neurostatus bis auf eine diskrete Hypästhesie im Bereich der rechten Zeigefingerkuppe unauffällig sei. Aufgrund der anamnestischen Angaben bestünden Spannungskopfschmerzen mit zum Teil migräniformen Anteilen, welche ca. einmal pro Monat aufträten, sowie eine Migräne mit visueller Aura, welche maximal alle zwei Monate einmal auftrete, wobei die Migräneattacke gut auf ein einfaches Analgetikum anspreche. Gestützt auf die Ausführungen kam der Gutachter in nachvollziehbarer Weise zum Schluss, dass keine neurologischen Diagnosen vorlägen, welche eine dauernde Arbeitsunfähigkeit begründen würden.
Im rheumatologischen Teilgutachten wurde ausgeführt, beim Beschwerdeführer lägen eine Oberkörperhaltungsinsuffizienz und eine muskuläre Dysbalance vor, was nachfolgend zu einer Dezentrierung des linken, nicht dominanten Schultergürtels nach anterior führe, was vor allem bei Überkopfbewegungen zu einer konsekutiven Dezentrierung des Humerus zum Glenoid führe, so dass die beklagten Beschwerden in spezifischen Situationen biomechanisch gut erklärt werden könnten. Es bestünden keinerlei klinische Hinweise für eine eigenständige Pathoanatomie am Schultergürtel. Die gesamte segmentale Untersuchung der Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule sei völlig regelrecht gewesen. Die intermittierend beklagten Spannungsbeschwerden aufgrund von intensiven Konzentrationen könnten vor allem rein myogelotisch erklärt werden ohne Hinweise für eine zugrundeliegende anatomische Pathologie am Halswirbelsäulenbereich. Tendenziell bestehe beim Exploranden eine leichte Hypermobilität, die Diagnosekriterien für ein sogenanntes Hypermobilitätssyndrom nach Beighton würden jedoch nicht erfüllt. Gestützt auf diese Befunderhebungen erscheint es sodann ebenfalls nachvollziehbar, dass der rheumatologische Gutachter als Schlussfolgerung festhielt, insgesamt fänden sich klinisch-rheumatologisch keinerlei Diagnosen, welche die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Exploranden negativ beeinflussen würden.
Schliesslich vermochte auch der internistische Gutachter keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen, was im Lichte seiner Befunderhebung (s. IV-Nr. 44.4, S. 4) ebenfalls nicht zu beanstanden ist.
Der Beschwerdeführer rügt bezüglich der somatischen Teilgutachten einzig den Umstand, dass keine bildgebenden Dokumente angefertigt worden seien. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Entscheid darüber, ob bildgebende Untersuchungen durchzuführen sind, einzig den Gutachtern obliegt. Die Gutachter sahen aber offenbar keine diesbezügliche Notwendigkeit, was denn im Lichte der Vorakten auch nicht zu beanstanden ist. So wurden offenbar von Seiten der behandelnden Ärzte bezüglich der somatischen Beschwerden bislang ebenfalls keine weiteren Abklärungen und Behandlungen – bis auf die gemäss Gutachten ab 17. November 2020 geplante Physiotherapie (s. IV-Nr. 44.6, S. 5) – veranlasst.
6.1.2
6.1.2.1 Im psychiatrischen Teilgutachten führte der Gutachter aus, beim Exploranden seien die diagnostischen Kriterien einer leichten depressiven Episode erfüllt, gekennzeichnet durch depressive Verstimmungen mit verminderter Freude bei durchaus erhaltenen Interessen, erhöhte Ermüdbarkeit, leichte Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und vermindertem Appetit mit anamnestisch Gewichtsabnahme. Es bestehe diagnostisch auch eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung, die nach Angaben des Exploranden vordiagnostiziert worden sei. Es bestünden im Längsverlauf in der Kindheit Hinweise auf diese Störung mit Konzentrationsschwierigkeiten, schliesslich dann auch fremdaggressivem Verhalten bei Mobbing in der Schule und ab dem Primarschulalter auch Behandlung mit Ritalin (Methylphenidat). Die Depression habe sich nun auf dem Hintergrund einer beruflichen Überforderungssituation als Junglehrer mit Schülern in der fünften und sechsten Klasse manifestiert. Die Anamnese sei sonst früher psychiatrisch bland. Deutlich auffällige Persönlichkeitszüge bestünden im Querschnittsbefund nicht, wenn auch etwas zwanghafte Persönlichkeitsmerkmale durchaus vorhanden seien. Akzentuierte Persönlichkeitszüge begründeten aber die Achse-Il-Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 nicht. Der Explorand betreibe einen Nikotinabusus. Ein Suchtleiden bestehe sonst nicht. Die Leberenzymwerte seien nicht pathologisch erhöht. Der Explorand habe auch Schmerzen im Bewegungsapparat angegeben, relativ genau lokalisiert. Im Rahmen der affektiven Symptomatik sei eine Somatisierung mit subjektiver Schmerzverstärkung möglich. Die zusätzliche Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren mit deutlich ausgeweiteten und diffusen Schmerzen könne nicht diagnostiziert werden. Es bestehe auch ein Verdacht auf Schlafapnoesyndrom, wozu aus somatischer Sicht Stellung genommen werden müsse.
6.1.2.2 Zu den vorstehenden gutachterlichen Ausführungen ist festzuhalten, dass darin die gestellten Diagnosen zwar nur teilweise begründet hergeleitet werden. Gestützt auf die eingehende Befunderhebung (IV-Nr. 44.5, S. 5) erscheinen die gestellten Diagnosen jedoch grundsätzlich nachvollziehbar. Ebenfalls einleuchtend ist im Grundsatz die gutachterliche Beurteilung, wonach die gestellten Diagnosen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen vermöchten. Dies ergibt sich unter anderem aus der gutachterlichen Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen des Beschwerdeführers (vgl. IV-Nr. 44.5, S. 7) sowie aus den vom Beschwerdeführer geschilderten Alltagsaktivitäten und sozialen Kontakte (s. IV-Nr. 44.5, S. 3 f.), welche ebenfalls gegen eine relevante Einschränkung sprechen. Zudem liegen die im Labor geprüften Medikamentenspiegel allesamt unter dem therapeutischen Wert (vgl. IV-Nr. 44.8, S. 4), woraus zu schliessen ist, dass der Beschwerdeführer die von ihm angegebenen Medikamente nicht regelmässig einnimmt. Gestützt darauf ist im Regelfall nicht von einem grossen Leidensdruck auszugehen (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304), was die gutachterliche Beurteilung ebenfalls stützt. Gegen den Beweiswert des psychiatrischen Teilgutachtens spricht, dass sich der Gutachter nur ungenügend mit den seiner Beurteilung entgegenstehenden Berichten der behandelnden Ärzte auseinandersetzt. Im Gutachtensbericht hielt er diesbezüglich lediglich fest, in den Akten sei auch eine depressive Episode diagnostiziert worden, die als schwergradig angegeben worden sei. Diagnostisch bestehe aber eine leichte depressive Episode. Eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit sei nicht begründet. Sodann geht der Gutachter in der nachträglich eingeholten Stellungnahme zwar rudimentär auf die Berichte der H.___ und die Berichte des behandelnden Psychiaters, Dr. med. G.___, ein, vermag aber ebenfalls nur ungenügend zu begründen, weshalb er in seinem Gutachten zu einer abweichenden Begründung gelangt. Zudem übersieht der Gutachter auch, dass im Austrittsbericht der H.___ vom 13. Juli 2021 die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gestellt wurde. So setzt er sich diesbezüglich nur mit dem das Eintrittsgespräch betreffenden Bericht der H.___ vom 8. April 2021 (IV-Nr. 58, S. 19) auseinander, wo diese Diagnose bereits gestellt wurde. Hinzukommt, dass im psychiatrischen Teilgutachten eine schlüssige Beurteilung des Verlaufs der Arbeitsfähigkeit fehlt. So hielt der Gutachter diesbezüglich lediglich fest, der Beschwerdeführer könne aus psychiatrischer Sicht in jeder Tätigkeit in einem vollen Pensum ohne Leistungseinschränkung arbeiten. Auch im Verlauf könne eine langanhaltende psychiatrische Arbeitsunfähigkeit nicht begründet werden. Eine weitergehende Begründung und eine Auseinandersetzung mit den Vorakten fehlt somit auch in diesem Punkt. Daran vermag die in der gutachterlichen Gesamtbeurteilung (IV-Nr. 44.1) in diesem Zusammenhang gemachte Feststellung nichts zu ändern, wonach eine vorübergehende höhergradige Arbeitsunfähigkeit durch eine verstärkte depressive Symptomatik möglich sei. Man habe aber keine Hinweise, dass im Verlauf eine länger andauernde, höhergradige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. So ergeben sich gerade aus den Vorakten in psychiatrischer Hinsicht durchaus Hinweise, aufgrund derer sich eine längerdauernde höhergradige Arbeitsunfähigkeit nicht ohne Weiteres – und vor allem auch nicht ohne vertieftere gutachterliche Auseinandersetzung mit den Berichten der behandelnden Ärzte – verneinen lässt.
Das Versicherungsgericht kam deshalb nicht umhin, weitere Abklärungen in Form eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens zu veranlassen.
6.1.3 Des Weiteren wies der Beschwerdeführer zu Recht daraufhin, dass die Beschwerdegegnerin im Lichte der vorgehend aufgeführten Vorakten auch eine neuropsychologische Begutachtung des Beschwerdeführers hätte veranlassen müssen, zumal der psychiatrische Gutachter der D.___ Konzentrationsstörungen feststellte und eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung diagnostizierte. Das Versicherungsgericht veranlasste deshalb zusätzlich ein neuropsychologisches Gerichtsgutachten.
7.
7.1 In dem vom Versicherungsgericht eingeholten neuropsychologischen Teilgutachten vom 21. März 2024 (A.S. 168 ff.) stellte die Gutachterin, Dr. phil. F.___, Fachpsychologin für Psychotherapie und Neuropsychologie FSP, folgende Diagnosen:
Leichte neuropsychologische Funktionsstörung mit/bei
- spezifischen Minderleistungen im Bereich der exekutiven Funktionen (v.a. Umstellvermögen/Handlungsplanung)
- spezifischen Minderleistungen im Bereich der attentionalen Funktionen (v.a. Flexibilität/Daueraufmerksamkeit)
Zur Begründung der gestellten Diagnosen führte die Gutachterin aus, im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung hätten sich grösstenteils normgerechte Leistungen im Bereich der spezifischen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfunktionen manifestiert. Einzig bei Reaktionswechsel- und Umstellaufgaben, welche kognitive und motorische Flexibilität erforderten, zeigten sich nur knapp normgerechte bis geringfügig verminderte Leistungen sowie eine deutliche Verlangsamung, Reaktionsschwankungen in der komplexeren und zweigleisigen Daueraufmerksamkeit. Ausserdem zeige sich in der Daueraufmerksamkeit eine Zunahme der Reaktionszeiten im Verlauf, welche auf eine zunehmende Ermüd- und Erschöpfbarkeit (Fatigue) bei diesen komplexen und zweigleisigen Anforderungen an die Aufmerksamkeit hinweise. In klinischer Hinsicht manifestierten sich eine leichte motorische Unruhe und ein etwas gesteigerter Sprachantrieb (häufiges lautes Denken und Mitsprechen bei Aufgaben). Der Versicherte habe ausserdem angegeben, regelmässig jeweils morgens das ADHS-Medikament Concerta (54 mg) einzunehmen. Aufgrund der Testbefunde, der Verhaltensbeobachtungen und der anamnestischen Angaben sei zum heutigen Zeitpunkt von einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0) auszugehen, welche jedoch medikamentös adäquat behandelt werde (Concerta) und sich nur leichtgradig manifestiere. Bezugnehmend auf die Leitlinien der Fachgesellschaft (Kriterien zur Bestimmung des Schweregrades einer neuropsychologischen Störung, Frei et. al., 2016) ergebe sich in Anbetracht der heutigen Testleistungen eine insgesamt als leicht zu beurteilende neuropsychologische Funktionsstörung mit im Vordergrund stehenden spezifischen attentionalen und exekutiven Leistungsminderungen, insbesondere in der Flexibilität und Daueraufmerksamkeit sowie in der Handlungsplanung und im Umstellvermögen / verbale Ideenproduktion. Die vormals gestellte Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS), resp. einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) werde aufgrund der heute objektivierten Testleistungen, Verhaltensbeobachtungen und anamnestischen Angaben erhärtet. Diese Diagnose müsse aber vom Psychiater gestellt werden.
Des Weiteren führte die Gutachterin zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus, aufgrund der gesamthaft als leicht zu beurteilenden neuropsychologischen Funktionsstörung sei gemäss den Leitlinien der Fachgesellschaft (Frei et. al., 2016) theoretisch von einer ca. 10 – 30%igen Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt auszugehen, je nach Grad der Anforderung. In Bezug auf die angestammte Tätigkeit des Versicherten als Bankkaufmann, resp. im Bereich Administration/Büro schätze sie, Dr. phil. F.___, die Leistungseinschränkung aus rein neuropsychologischer Sicht auf ca. 10 – 20 % ein. In Bezug auf die vormals ausgeübte Berufstätigkeit als Primarschullehrer gehe sie jedoch von einer etwas höheren Reduktion der Arbeitsfähigkeit von ca. 20 – 30 % aus, da die Anforderungen an die komplexere Handlungsplanung und die zweigleisige Daueraufmerksamkeit sowie an das Umstellvermögen/Flexibilität bei einer Lehrtätigkeit höher einzustufen seien. Umgekehrt gewendet entspräche dies aus rein neuropsychologischer Sicht einer 80 – 90%igen Arbeitsfähigkeit (AF) als Bankkaufmann (bzw. im Bereich Büro / Administration) und einer 70 – 80%igen AF als Primarlehrer. Eine optimal leidensangepasste Tätigkeit sollte v.a. auf die Schwierigkeiten in der komplexeren Handlungsplanung (Umständlichkeit, Verlangsamung) und im Umstellvermögen sowie auf die Probleme in der komplexeren und zweigleisigen Daueraufmerksamkeit und in der Flexibilität (Verlangsamung, Schwankungen, zunehmende Ermüdbarkeit) Rücksicht nehmen. Der Beschwerdeführer arbeite derzeit mit 50%-Pensum im K.___, im Bereich Administration / Büro. Eine versuchsweise Steigerung seines Pensums auf 60 % (ab 1. März 2023) sei bislang erfolglos geblieben. Der Beschwerdeführer würde sicher von einem ruhigen und ablenkungsarmen Arbeitsplatz mit klar von aussen vorgegebenen, gut strukturierten Abläufen profitieren. Auch ein gezieltes Pausenmanagement, Wechselbelastung, allenfalls flexible Arbeitszeiten bzw. die Möglichkeit phasenweise im Home-Office zu arbeiten, wären sicherlich hilfreiche Massnahmen, um die Arbeitsleistung weiter zu steigern. Der derzeitige Büroarbeitsplatz im K.___ sei als leidensangepasst zu bezeichnen. Von einer Rückkehr in den Schuldienst würde sie, Dr. phil. F.___, abraten, da dort schwerpunktmässig kognitive Anforderungen gestellt würden (Handlungsplanung, Umstellvermögen / Flexibilität, komplexere Daueraufmerksamkeit), wo sich heute im Testprofil die deutlichsten Schwierigkeiten manifestiert hätten. In einer wie oben beschriebenen gut strukturierten, ablenkungsarmen und flexiblen Arbeitsatmosphäre sollte der Versicherte aus rein neuropsychologischer Sicht kaum in seiner beruflichen Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sein.
Die von der neuropsychologischen Gutachterin gestellten Diagnosen und die daraus folgende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vermögen gestützt auf die von ihr erhobenen neuropsychologischen Untersuchungsbefunde und Testresultate (s. S. 11 ff. des neuropsychologischen Teilgutachtens) zu überzeugen. Der Beweiswert des neuropsychologischen Teilgutachtens wird denn auch von den Parteien nicht bestritten. Somit kann darauf abgestellt werden.
7.2
7.2.1 Im psychiatrischen Teilgutachten vom 9. April 2024 (A.S. 110 ff.) stellte die Gutachterin, Dr. med. E.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, folgende Diagnosen:
- Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit anankastischen und ängstlich- vermeidenden Zügen (ICD 10 F 61.0)
- ADHS (ICD 10 F 90.0)
- Persistierende depressive Störung, ggw. leichte Episode (ICD 10 F 32.0)
- Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD 10 F 45.40)
Sodann begründete die Gutachterin die von ihr gestellten Diagnosen in nachvollziehbarer Weise: Die kombinierte Persönlichkeitsstörung und das ADHS bildeten die Grundlage für die sekundäre Entwicklung einer depressiven Störung und der Entwicklung einer somatoformen Schmerzstörung, wobei der aktuell hohe Wert im Beck- Depressionsinventar symptomatisch auf klinischer Ebene keine schwere depressive Episode abbilde, da er auch Beschwerdesymptome enthalte, die sich in der Persönlichkeitsstörung niederschlügen. Eine Persönlichkeitsstörung weise tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster auf, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigten. Solche Verhaltensmuster seien meistens stabil und bezögen sich auf vielfältige Bereiche des Verhaltens und der psychologischen Funktionen. Häufig gingen sie mit einem unterschiedlichen Ausmass persönlichen Leidens und gestörter sozialer Funktionsfähigkeit einher (ICD-10 GM Version 23). Bezüglich des anankastischen Anteils zeige der Versicherte Gefühle von Zweifel, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen, Halsstarrigkeit, Vorsicht und Starrheit. Für die ängstlich- vermeidende Komponente sprächen Gefühle von Anspannung und Besorgtheit, Unsicherheit und Minderwertigkeit. Es bestehe eine andauernde Sehnsucht nach Zuneigung und Akzeptiertwerden sowie die Überbetonung potentieller Gefahren oder Risiken alltäglicher Situationen bis zur Vermeidung bestimmter Aktivitäten. Eine Verifizierung dieser Diagnose habe durch das SCID-5-PD (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM5- Persönlichkeitsstörung) stattgefunden, bei dem für die anankastischen und ängstlich- vermeidendenden Anteile 15 von 18 Fragen positiv beantwortet worden seien. Der Versicherte zeige ein überdauerndes Muster von innerem Erleben, das merklich von der soziokulturellen Umgebung abweiche (DSM 5). Dies äussere sich in den stark überhöhten Selbstansprüchen, in der überkorrekten bzw. zwanghaft genauen Ausführung seiner Aufgaben, sei es im Haushalt oder in der ehemaligen Tätigkeit als Primarschullehrer als auch im Rahmen der Integrationsmassnahme, in welcher er auch Tätigkeiten übernommen habe, die ihm nicht zugeteilt worden seien. Aufgrund seiner übermässigen Exaktheit sei er in seinem Arbeitstempo verlangsamt, verbunden mit der Sorge, nicht zu genügen und den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Die zwanghafte Komponente habe sich im privaten Bereich auch am Festhalten am Lacrosse-Training gezeigt, obgleich seine energetischen Ressourcen schon deutlich ausgeschöpft gewesen seien. Hierdurch habe er auch eine von ihm befürchtete Konflikt- oder Ausgrenzungssituation vermieden und sich vor dem Vorwand der Loyalität die weitere Akzeptanz des Teams gesichert. Die ängstlich-vermeidende Komponente zeige sich in der steten Verfügbarkeit seinen Eltern gegenüber, sei es in der jahrelangen Betreuung seines behinderten Bruders oder der Hilfe beim Bauen der diversen Häuser seines Vaters. Es sei aus psychodynamischer Perspektive davon auszugehen, dass der Versicherte sich nicht habe widersetzen können, da ihm diese Art der Unterstützung Anerkennung der Eltern gesichert habe und er eine Zurückweisung und Auseinandersetzung gefürchtet habe. Hier zeige sich neben dem Wunsch nach Zuneigung auch die vermeidende Persönlichkeitskomponente im Sinne einer andauernden Konfliktvermeidung, deren Grundlage schon in der Kindheit gebildet worden sei. So sei ihm wichtig gewesen, die anfallenden Anforderungen zu erledigen, sich selbst zurückzunehmen, um die Mutter nicht zu belasten. In Situationen, in denen er Schwäche gezeigt habe und in Tränen ausgebrochen sei, sei sein ältester Bruder schnell zur Stelle gewesen, der diese offensichtliche Bedürftigkeit des Versicherten unterbunden habe, indem er selbst gestraft oder mit der Bestrafung durch den Vater gedroht habe. Des Weiteren habe sich die vermeidende Komponente sehr deutlich in der Phase der Integrationsmassnahme gezeigt, in welcher es darum gegangen sei, sich mit einer neu definierten beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Was der Abschlussbericht des Belastbarkeits- und Aufbautrainings als «harzig» bezeichne und im psychiatrischen Teilgutachten der D.___ mit «ratlos» benannt werde, sei Ausdruck der ängstlichen Vermeidung, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, auch aus Angst vor einem weiteren «Versagen». Diese aufgeführten Verhaltensmuster seien «unflexibel, tiefgreifend in einem weiten Bereich persönlicher und sozialer Situationen» sowie «stabil und langandauernd» und der Beginn sei mindestes in die Adoleszenz oder ins frühe Erwachsenenalter zurückzuverfolgen (DSM 5). Die in der kombinierten Persönlichkeitsstörung subsummierten Denk- und Verhaltensmuster hätten beim Versicherten schliesslich «in klinisch bedeutsamer Weise zu Leiden» und «Beeinträchtigungen in sozialen und beruflichen(...)Funktionsbereichen» geführt. Der Versicherte habe seinen Beruf als Primarlehrer aufgegeben, seine Partnerschaft sei unter seiner Rigidität und der letztlich erfolgten Dekompensation zerbrochen, die zu Inanspruchnahme psychiatrisch- psychotherapeutischer Hilfe und der Inanspruchnahme von folgend notwendigen IV- Leistungen geführt habe.
Das seit dem Primarschulalter bestehende und damals diagnostizierte ADHS-Syndrom, das bis zur Oberstufe mit Ritalin® und heute mit Concerta® behandelt werde, weise Überschneidungen mit Merkmalen der Persönlichkeitsstörung auf, von denen auszugehen sei, dass sie einander aufrechterhielten und situativ auch gegenseitig verstärkten. Der Versicherte berichte, sich noch heute schlecht konzentrieren zu können, wenn er nicht in Gesellschaft arbeite oder sich als Primarlehrer vorbereitet habe, er leide – wie häufig Personen mit einer ADHS-Symptomatik – unter einem schlechten Selbstwertgefühl, versuche die Desorganisation durch rigides Strukturieren von Abläufen und freiwilliger Übernahme von selbstauferlegter Verantwortung im persönlichen als auch im beruflichen Kontext zu kompensieren. Auch die Verlangsamung im Arbeitstempo aufgrund von Hyperfokussierung sei ein Symptom dieser Störung. Gleichzeitig weise die gehäuft vorkommende Störung unter den Geschwistern des Patienten auf eine Heredität hin.
Die vorliegende depressive Störung persistiere seit Beginn der Dekompensation und Krankschreibung auf derzeit leichtem Niveau. Sie begründe die Dekompensation im Februar 2019 und sei als Folgereaktion auf die dysfunktionalen Persönlichkeitsaspekte und das ADHS zu werten. Aufgrund des hohen Drucks im Rahmen des inhärenten Strebens nach Perfektionismus und der hohen Selbstansprüche bei gleichzeitig fehlender Wertschätzung (durch manche Schüler) habe der Versicherte im Spätjahr 2018 eine zunehmend schwere depressive Symptomatik mit Suizidgedanken, schweren Schlaf- und Antriebsstörungen, schweren Konzentrationsstörungen, schwer depressivem Affekt, Alibidämie, Schuldgefühlen, Gewichtsabnahme, Vernachlässigung der Körperpflege und Kopf- und Nackenschmerzen entwickelt, was gesamthaft Zeichen einer kompletten Überforderung gewesen sei, die in eine länger andauernden Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Angesichts des aktenkundigen Verlaufs sei davon auszugehen, dass die schwere depressive Symptomatik sich spätestens ab Sommer 2019 zurückzubilden begonnen habe, da es dem Versicherten möglich geworden sei, sich mit dem Thema der Integrationsmassnahme auseinanderzusetzen, was in verschiedenen E-Mail-Korrespondenzen (IV-Protokoll) deutlich werde. Aufgrund des Verlaufs der Integrationsmassnahme könne davon ausgegangen werden, dass durchgängig eine depressive Symptomatik mit Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, depressiven Ängsten, sehr rascher Erschöpfbarkeit und Energiemangel mit zwingenden Erholungsphasen zuhause, Schuldgefühlen und Insuffizienzgefühlen mit begleitender Schmerzsymptomatik vorgelegen habe, die in Situationen des subjektiv erlebten Drucks zugenommen habe und mit beträchtlichem Konsum von Schmerzmedikamenten einhergegangen sei. Eine depressive Symptomatik sei bis heute nachzuweisen, wobei sich diese überwiegend als leichte Restsymptomatik in der Erschöpfbarkeit und in Versagensängsten sowie Grübeln zeige. Bis mit Datum des Austrittsberichts der H.___ vom 13. Juli 2021 habe eine nahezu volle Arbeitsunfähigkeit bestanden (20 % Arbeitsfähigkeit ab April 2021 in angepasster Tätigkeit) und eine attestierte weiterhin bestehende mittelgradige depressive Episode (bei Fortbestehen der oben aufgeführten Diagnosen.) Die depressive Symptomatik habe sich im weiteren Verlauf zurückgebildet, ab 1. September 2022 habe der Versicherte sein Pensum im freien Arbeitsmarkt erhöhen können, sodass medizinisch-theoretisch – in Anbetracht des Vorhandenseins der Grundstörungen – auch von einer weiteren Stabilisierung hinsichtlich der depressiven Symptomatik ausgegangen werden könne.
Die ebenfalls als sekundär zu wertende Entwicklung einer somatoformen Schmerzstörung sei bei mangelnder Fähigkeit, sich affektiv mitzuteilen und sich als integrative Einheit von Körper und Geist zu empfinden, als dysfunktionale Entwicklung im Sinne der Vermeidung der introspektiven Auseinandersetzung mit den dysfunktionalen Mustern zu verstehen, was im Telefonat mit dem behandelnden Psychiater Dr. med. G.___ vom 9. April 2024 nochmals bestätigt worden sei. Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung zeichne sich aus durch einen andauernden, schweren und quälenden Schmerz, der durch einen physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht hinreichend erklärt werden könne. Er trete in Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen auf, denen die Hauptrolle für Beginn, Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen zukomme. Die Folge sei meist eine beträchtlich gesteigerte persönliche oder medizinische Hilfe und Unterstützung. All diese Voraussetzungen erfülle die Schmerzsymptomatik des Versicherten. Besonders werde deutlich, dass eine Verstärkung seiner Nacken- und Kopfschmerzsymptomatik zunehme, wenn er sich verstärkt unter Druck setze, d.h., dass eine deutliche Korrelation mit einer emotionalen Komponente bestehe. In der Biographie des Versicherten fänden sich bis zur Entwicklung und Manifestation der depressiven Störung keine Ereignisse vergleichbarer Art.
7.2.2 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers führte die psychiatrische Gutachterin aus, dem Versicherten sei die Tätigkeit als Primarlehrer nicht mehr zumutbar. Er sei für diese Tätigkeit ab 25. Februar 2019 als zu 100 % arbeitsunfähig zu erachten. So würden in den fachpsychiatrischen Berichten aus den Vorakten gesamthaft Schwierigkeiten in der Abgrenzungsfähigkeit, ein überdimensional hohes Verantwortungsgefühl, ebensolche Selbstanforderungen, die schon bei der Wohnungsreinigung zu Drucksituationen mit Schmerzexazerbation führten, sowie immense Schuldgefühle, die vom Versicherten empfundene Verantwortung Schülern und Lehrern gegenüber gerecht zu werden, aufgeführt. Schon alleine die Tatsache, dass der Versicherten eine durch die IV finanzierte Integrationsmassnahme durchlaufen habe, zeige auf, dass eine deutliche und länger anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestanden habe, welche die Durchführung dieser Integrationsmassnahme gerechtfertigt habe. In dem sehr ausführlichen und differenziert die Fähigkeiten und Ressourcen des Versicherten beschreibenden Abschlussbericht derselben, würden in weiten Teilen übereinstimmend die Einschränkungen des Versicherten beschrieben, welche auch von psychiatrischer Seite aufgeführt würden. Die aktuelle Tätigkeit in der Administration des «K.___» entspreche einer Tätigkeit, in der der Versicherte seine Ressourcen optimal nutzen könne. Er arbeite in einem kollegial angenehmen Umfeld. Die Tätigkeiten, welche er ausführe, seien betriebsintern, ein direkter, heisse persönlicher Kontakt, sei nicht notwendig, was für den Versicherten eine Entlastung bedeute, da er Schwierigkeiten nicht nur mit der eigenen Affektdifferenzierung, sondern auch der Affektdifferenzierung des Gegenübers habe. Die Arbeit im «J.___», das Dienstleistungen im Kindes- und Erwachsenenschutz (KESB) ausführe, entspreche den Wertevorstellungen des Versicherten, eine sinnvolle Tätigkeit auszuführen. Die Leistungsfähigkeit sei aufgrund der Umständlichkeit, der Rigidität im Denken und der überhöhten Selbstansprüche auf der Handlungsebene leicht reduziert, da der Versicherte vermehrt Pausen benötige. Insgesamt sei hierdurch in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen, eine reduzierte Leistungsfähigkeit von 10 – 20 % eingeschlossen.
Somit ist im Weiteren zu prüfen, ob die von der psychiatrischen Gutachterin attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit im Lichte der gemäss bundesgerichtlichen Rechtsprechung vorzunehmenden Indikatorenprüfung ebenfalls zu überzeugen vermag.
Grundsätzlich sind sämtliche psychische Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 zu unterziehen (BGE 143 V 418). Der Beweiswert der gutachterlichen Ausführungen im psychiatrischen Gutachten setzt also im Weiteren voraus, dass die im entsprechenden Entscheid aufgestellten Kriterien abgehandelt werden. Gemäss dem Urteil BGE 141 V 281 soll der Gutachter stärker darauf achten, die Diagnosen so zu begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben nach ICD-10 tatsächlich eingehalten sind (Urteil E. 2.1); das Augenmerk ist namentlich auch auf Ausschlussgründe wie Aggravation zu richten (E. 2.2). Bei den psychosomatischen Beschwerdebildern – wie beispielsweise bei der somatoformen Schmerzstörung – besteht zudem keine Vermutung mehr, dass solche mit einer Willensanstrengung überwunden werden können, wovon nur abgewichen werden darf, wenn die sog. Förster-Kriterien erfüllt sind. Neu wird ein strukturierter, normativer Prüfungsraster angewandt (E. 3.6). Anhand eines Kataloges von Indikatoren erfolgt eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (E. 4.1.3):
1) Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
a) Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
- Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
- Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
b) Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen; E. 4.3.2)
c) Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
2) Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
- gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
- behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2)
Bei der Anspruchsprüfung nach BGE 141 V 281 ist zunächst auf die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde einzugehen. Diesbezüglich kann auf die gutachterlichen Ausführungen in E. II. 7.2.1 hiervor verwiesen werden, woraus hervorgeht, dass die Diagnosen ADHS und persistierende depressive Störung leichtgradig ausgeprägt sind, während bei der diagnostizierten kombinierten Persönlichkeitsstörung mit anankastischen und ängstlich- vermeidenden Zügen aufgrund der gutachterlichen Ausführungen von einer mittelgradigen Ausprägung auszugehen ist.
Hinsichtlich des Indikators Behandlungs- und Eingliederungserfolg resp. -resistenz ist dem Gutachten zu entnehmen, der Versicherte habe sich direkt nach seiner Dekompensation um einen Therapieplatz bemüht und aktiv an seinen krankheitsbedingten Einschränkungen gearbeitet. Er habe den Wunsch nach einer intensiven Auseinandersetzung mit seinen Beschwerden gezeigt und habe aus diesem Grunde selbstständig einen Therapeutenwechsel vorgenommen. Auch eine Hospitalisation habe im Verlauf stattgefunden. Alle aus psychiatrischer Perspektive adäquaten und indizierten Therapiemassnahmen würden ausgeführt und vom Versicherten wahrgenommen, weitere therapeutische Massnahmen seien nicht indiziert. Die Integrationsmassnahme habe krankheitsbedingt trotz guter Motivation des Versicherten bei einem Pensum von 60 % in geschütztem Rahmen stagniert. Seit 1. April 2021 sei es dem Versicherten wieder möglich gewesen, sehr langsam in den Arbeitsprozess einzusteigen, wobei hierzu bemerkt werden müsse, dass dieser langsame und die Belastungsgrenzen des Versicherten respektierende Aufbau der Arbeitsfähigkeit unter besonderen Bedingungen bei der Mutter seiner Ex- Freundin stattgefunden hat. Gestützt auf diese gutachterlichen Ausführungen ist vorliegend weder von einer Behandlungs- noch von einer Eingliederungsresistenz auszugehen.
Mit Blick auf den Indikator der Komorbidität ist zu prüfen, ob und bejahendenfalls inwieweit sich diese ressourcenhemmend auf die versicherte Person auswirkt. Erforderlich ist eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge der psychiatrischen Diagnosen zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen. Das strukturierte Beweisverfahren, wie es in BGE 141 V 281 definiert wurde, steht einer Aufteilung von Einbussen auf einzelne Leiden entgegen, da es auf einer ergebnisoffenen Gesamtbetrachtung in Berücksichtigung der Wechselwirkungen basiert. Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 V 418 E. 8.1 am Ende S. 430). Die psychiatrische Gutachterin führte diesbezüglich aus, das seit dem Primarschulalter bestehende und damals diagnostizierte ADHS-Syndrom, das bis zur Oberstufe mit Ritalin® und heute mit Concerta® behandelt werde, weise Überschneidungen mit Merkmalen der Persönlichkeitsstörung auf, von denen auszugehen sei, dass sie einander aufrechterhielten und situativ auch gegenseitig verstärkten. Zudem ergäben sich zwischen den Diagnosen und der einhergehenden Symptomatik Schnittmengen, die ADHS-Symptomatik und die Symptome der Persönlichkeitsstörung unterhielten die depressive Störung, die depressive Störung sei wiederum stark mit der somatoformen Schmerzstörung korreliert.
Somit sind gestützt auf die gutachterlichen Ausführungen ressourcenhemmende Wirkung der Komorbiditäten erstellt.
Zu der Kategorie «funktioneller Schweregrad» ist unter anderem der Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen) zu zählen. Innerhalb der Kategorie «funktioneller Schweregrad» bestimmt ferner auch der Komplex «Sozialer Kontext» mit darüber, wie sich die (kausal allein massgeblichen) Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigung konkret manifestieren. Dazu ist zweierlei festzuhalten: Soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie nach wie vor ausgeklammert (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a S. 299 f.). Anderseits hält der Lebenskontext einer versicherten Person auch (mobilisierbare) Ressourcen bereit, so die Unterstützung, die ihr im sozialen Netzwerk zuteil wird. Immer ist sicherzustellen, dass gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit zum einen (Art. 4 Abs. 1 IVG) und nicht versicherte Erwerbslosigkeit oder andere belastende Lebenslagen zum andern nicht ineinander aufgehen; alles andere widerspräche der klaren gesetzgeberischen Regelungsabsicht (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303). Diesbezüglich ist dem Gutachten zu entnehmen, der Versicherte verfüge über gute Ressourcen wie einen hohen Leistungswillen und grosse (ökonomische) Autonomiebestrebungen, über Durchhaltewillen, sehr gute soziale Kompetenzen und Therapiemotivation. Er sei eingebettet in ein unterstützendes familiäres Umfeld, eine neue Partnerschaft, wenngleich die Eltern auch überaus fordernden Charakter hätten, was für den Versicherten auf Dauer eine erhöhte Abgrenzungsleistung bedeuten werde. Gleichzeitig stelle es für den Versicherten aufgrund seiner Persönlichkeit mit rigiden und ängstlich- vermeidenden Anteilen immer noch eine Herausforderung dar, sich abzugrenzen und seine Kräfte einzuteilen, da seine Ressourcen ebenso die Merkmale seien, welche ihn immer wieder in die Selbstüberschätzung geraten liessen bzw. an sich selbst den (unbewussten) Anspruch erheben liessen, über seine Grenzen hinauszugehen mit der Gefahr einer Dekompensation.
Gestützt auf diese Ausführungen ist somit zusammenfassend festzuhalten, dass beim Beschwerdeführer neben negativen auch positive soziale und persönliche Ressourcen vorliegen.
Der Indikator einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen der Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens) zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleichermassen ausgeprägt ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 S. 303 f.). Diesbezüglich ist dem Gutachten zu entnehmen, die die Arbeitsfähigkeit begrenzenden Einschränkungen bzw. Leistungsminderungen des Aktivitätsniveaus bildeten sich in allen Lebensbereichen ab. Etwas verzögert zur (attestierten) Arbeitsunfähigkeit habe der Beschwerdeführer vorübergehend seine sportliche Betätigung im Lacrosse sistiert, da er sich zunächst nicht gestattet habe, sein Team «im Stich» zu lassen. Bald hätten sich jedoch auch diesbezüglich energetische Einschränkungen gezeigt, sodass er das Training intermittierend aufgegeben habe. Die Fortführung des Trainings bei bestehender Arbeitsunfähigkeit stelle keine Inkonsistenz dar, sondern sei Teil seiner Rigidität und intrinsischen Leistungsanforderung.
Gestützt auf diese Ausführungen der Gutachterin ist somit eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus zu bejahen.
Der in die gleiche Kategorie («Konsistenz») fallende Aspekt des behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks betrifft die Frage nach der Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen. Das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz [vgl. E. 4.1.2 hiervor]) im Regelfall auf den tatsächlichen Leidensdruck hin (BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304). Diesbezüglich führte die psychiatrische Gutachterin aus, aufgrund eines hohen Leidensdrucks habe sich der Versicherte nach Krankschreibung durch den Hausarzt im Februar 2019 in psychotherapeutische Behandlung begeben und ein halbes Jahr nach Therapiebeginn die Suche nach einem neuen Psychiater initiiert, da er sich intensiver mit seinen dysfunktionalen Anteilen auseinanderzusetzen gewünscht habe und ihm dies mit der zuerst aufgesuchten Psychologin nicht gelungen sei. Im Verlauf habe er sich in stationäre Behandlung begeben, was den vorhandenen Leidensdruck und den Wunsch nach Verbesserung seines Gesundheitszustands ebenfalls aufzeige. Auch die in der Untersuchungssituation erhobenen und dargelegten Symptome und Funktionseinbussen seien vollumfänglich konsistent und plausibel und bildeten die erhobenen aktenkundigen Untersuchungsbefunde im gesamten Krankheitsverlauf bis zum Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung durch die Referentin umfänglich ab.
Gestützt auf diese Ausführungen ist somit von einem ausgewiesenen Leidensdruck auszugehen.
7.2.3 Gestützt auf die obigen Erwägungen ergibt sich, dass das psychiatrische Gutachten genügend Aufschluss über die massgeblichen Indikatoren, die gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu berücksichtigen sind, gibt. Gestützt auf die einleuchtende Begründung der Diagnosestellung (s. E. II. 7.3.1 hiervor) und die vorgehende Indikatorenprüfung vermag die gutachterliche Einschätzung einer aus psychiatrischen Sicht um 50 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit zu überzeugen.
7.3 Gestützt auf die beiden beweiswertigen Teilgutachten vermag sodann auch die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung vom 9. April 2024 (A.S. 100 ff.) zu überzeugen. Hierzu hielten die Gutachterinnen fest, die Diagnose des ADHS bzw. die Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) habe aufgrund der objektivierten Testleistungen, Verhaltensbeobachtungen und anamnestischen Angaben durch die neuropsychologische Gutachterin erhärtet werden können. Sie beschreibe eine 70 – 80%ige Arbeitsfähigkeit als Primarlehrer, d.h. es bestehe eine 20 – 30%ige Einschränkung in dieser ehemals durch den Versicherten ausgeführten Tätigkeit. Im Bereich Administration / Büro könne übereinstimmend von einer Leistungseinschränkung von 10 – 20 % ausgegangen werden. Die im neuropsychologischen Teilgutachten angegebene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit respektive der Leistungsfähigkeit addierten sich nicht zu der psychiatrisch beschriebenen Arbeitsunfähigkeit respektive Leistungsminderung, da psychiatrischerseits ebenfalls die klinische Diagnose eines ADHS gestellt worden sei. In Zusammenschau dieser mit der Persönlichkeitsstörung, der depressiven Störung und der Somatisierungsstörung ergebe sich psychiatrischerseits eine gesamthaft höhere Arbeitsunfähigkeit aber keine höher gewichtete Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Somit gilt die im psychiatrischen Teilgutachten festgelegte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und in einer angepassten Tätigkeit auch aus interdisziplinärer Sicht.
7.4 Schliesslich wurde im Gutachten zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit Folgendes ausgeführt: Der Gesundheitszustand habe einen Wechsel im Verlauf in der Hinsicht gehabt, dass die Belastung, die Leistungsfähigkeit und hieraus resultierende Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zugenommen hätten. Es ergebe sich folgender Verlauf der Arbeitsunfähigkeit für die aktuell angepasste Tätigkeit:
- 100 % Arbeitsunfähigkeit vom 25. Februar 2019 bis 31. März 2019 (recte: 31. März 2021; s. dazu nachfolgend)
- 80 % Arbeitsunfähigkeit vom 1. April 2021 bis 31. August 2021
- 70 % Arbeitsunfähigkeit vom 1. September 2021 bis 28. Februar 2022
- 60 % Arbeitsunfähigkeit vom 1. März 2022 bis 31. Juli 2022
- 50 % Arbeitsunfähigkeit/ Arbeitsfähigkeit seit 1. August 2022
Diese Verlaufsbeurteilung vermag zu überzeugen und wurde von der psychiatrischen Gutachterin anhand der medizinischen Vorakten auf S. 41 – 44 nachvollziehbar dokumentiert, wobei es sich bei der Beurteilung «100 % Arbeitsunfähigkeit vom 25. Februar 2019 bis 31. März 2019» offensichtlich um einen Verschrieb handelt. So hielt die Gutachterin auf S. 44 des Teilgutachtens fest, angesichts der Dokumentation des Krankheits- und inhärenten Symptomverlaufs sei aus gutachterlicher Perspektive klar zu konstatieren, dass der Versicherte vom Datum des ersten Arbeitsunfähigkeit-Attestierung vom 25. Februar 2019 bis 30. März 2021 zu 100 % auch in angepasster Tätigkeit arbeitsunfähig gewesen sei, wobei am 25. Februar 2019 eine vollständige und anhaltende Arbeitsunfähigkeit für die Tätigkeit als Primarlehrer bestanden habe und weiterhin bestehe. Zudem hielt die Gutachterin auf S. 55 (A.S. 164) ihres Gutachtens fest, im Längsschnittverlauf seien die Fähigkeiten gemäss Mini ICF (s. S. 53 des Teilgutachtens) des Beschwerdeführers zwischen dem Zeitpunkt der ersten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom 25. Februar 2019 und dem 1. April 2021 schwer eingeschränkt gewesen, was für diesen Zeitpunkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit bedeute. Mit Aufnahme der beruflichen Tätigkeit und im Verlauf der Hospitalisation in der H.___ habe sich der Versicherte zu stabilisieren begonnen, sodass ihm im freien Arbeitsmarkt eine schrittweise Erhöhung des Pensums und eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab August 2022 möglich gewesen sei. Auf die obengenannte Verlaufsbeurteilung ist somit abzustellen.
7.5 Im Übrigen wird das Gutachten vom Beschwerdeführer nicht bestritten und die Beschwerdegegnerin bringt diesbezüglich nur rudimentär vor, im Hinblick darauf, dass das Gerichtsgutachten zu einem diametral anderen Ergebnis gelange als das als nachvollziehbar zu bezeichnende Verwaltungsgutachten der D.___ und die Leistung des Beschwerdeführers effektiv über eine insgesamt doch 13-monatige Dauer mehr als 50 % betragen habe, sei die Beweiswertigkeit des Gerichtsgutachtens stark anzuzweifeln. Wie aber bereits in E. II. 6.1.2.1 hiervor dargelegt, vermag das psychiatrische Teilgutachten der D.___ in beweismässiger Hinsicht nicht zu überzeugen. Zudem zeigt die psychiatrische Gutachterin in ihrem überzeugenden Gerichtsgutachten weitere Punkte auf, welche den Beweiswert des Gutachtens der D.___ zusätzlich vermindern. Hierzu ist auf S. 44 ff. des psychiatrischen Teilgutachtens (A.S. 153 ff.) zu verweisen.
7.6 Zusammenfassend ist somit auf das beweiswertige bidisziplinäre Gerichtsgutachten von Dr. med. E.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sowie Dr. phil. F.___, Fachpsychologin für Psychotherapie und Neuropsychologie FSP, vom 9. April 2024 abzustellen.
8.
8.1 Bei der Beurteilung des Falles ist grundsätzlich auf den Sachverhalt abzustellen, der bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung am 4. Juli 2022 eingetreten ist (Ueli Kieser in: ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 61 ATSG N 109). Ausnahmsweise kann das Sozialversicherungsgericht aus prozessökonomischen Gründen aber auch die tatsächlichen Verhältnisse nach Erlass der angefochtenen Verwaltungsverfügung in die richterliche Beurteilung mit einbeziehen, mithin den das Prozessthema bildenden Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht ausdehnen. Dies ist indessen nur zulässig, wenn der nach Erlass der angefochtenen Verfügung eingetretene, zu einer neuen rechtlichen Beurteilung der Streitsache ab jenem Zeitpunkt führende Sachverhalt hinreichend genau abgeklärt und die Verfahrensrechte der Parteien, insbesondere deren Anspruch auf rechtliches Gehör, respektiert worden sind (BGE 130 V 138).
8.2 Wie in E. II. 7.4 hiervor dargelegt, wurde der Verlauf der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im beweiswertigen bidisziplinären Gerichtsgutachten vom 9. April 2024 bis nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 4. Juli 2022 beurteilt und es ergaben sich daraus auch nach dem 4. Juli 2022 noch relevante Veränderungen der Arbeitsfähigkeit. Zudem verlangt auch der Beschwerdeführer in seinen mit Eingabe vom 28. Mai 2024 modifizierten Rechtsbegehren eine entsprechend abgestufte Rente (s. E. I. 8 hiervor). Den Parteien wurde zur Frage der Ausdehnung des Streitgegenstandes mit Verfügung vom 25. Juni 2024 (s. E. I. 10 hiervor) das rechtliche Gehör gewährt. Eine Ausdehnung des Streitgegenstandes erscheint vorliegend denn auch durchaus als gerechtfertigt, nachdem der diesbezügliche Sachverhalt durch das Gerichtsgutachten hinreichend genau abgeklärt wurde. Die Sache ist hinreichend geklärt und spruchreif, so dass sich eine zeitliche Ausdehnung des Streitgegenstandes rechtfertigt.
9. Nachfolgend ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen.
9.1 Beim Valideneinkommen handelt es sich um eine hypothetische Grösse, indem nicht auf den – unter Umständen schon länger zurückliegenden – zuletzt tatsächlich erzielten Verdienst abzustellen ist (BGE 114 V 310 E. 3b S. 314; Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts I 559/04 vom 16. Februar 2005 E. 2.1), sondern darauf, was die versicherte Person im Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1 S. 325; SVR 2011 IV Nr. 55 S. 163 8C_671/2010 E. 4.5.1; Ulrich Meyer / Marco Reichmuth: Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, S. 327).
Der Beschwerdeführer war seit August 2018 als Primarlehrer tätig. Diese vor Eintritt der Invalidität zuletzt ausgeübte Tätigkeit hat der Beschwerdeführer im Jahr 2019 unbestrittenermassen aus gesundheitlichen Gründen verloren, weshalb auf das dort erzielte Einkommen abzustellen ist. Der im Jahr 2019 erzielte Bruttolohn betrug CHF 6'705.00 pro Monat bzw. CHF 87'165.00 pro Jahr (13 x CHF 6'705.00; vgl. IV-Nr. 9). Wie der Beschwerdeführer sodann zurecht darauf hinweist, stützte sich seine Anstellung auf den Gesamtarbeitsvertrag vom 25. Oktober 2004 (BGS 126.3; vgl. Vereinbarung betreffend Kündigung vom 17. Mai 2019; IV-Nr. 9, S. 11). Gestützt darauf erfolgte eine jährliche Lohnerhöhung zufolge einer höheren Erfahrungsstufe, welche in den ersten zehn Anstellungsjahren 3.5 % pro Jahr beträgt (vgl. Beschwerdebeilage 7). Somit ist das Einkommen für die Berechnung der Valideneinkommen für die Jahre 2021 und 2022 unter Berücksichtigung des Erfahrungszuschlags sowie der Nominallohnerhöhung entsprechend aufzurechnen. Dies ergibt für das Jahr 2021 ein Valideneinkommen von CHF 93'817.55 (87'165.00 + Erfahrungszuschlag von 3.5 % für die Jahre 2020 und 2021; zuzüglich Nominallohnerhöhung 2019 – 2021 [Nominallohnindex Männer, Basis 2010 = 100, Sparte 84, Öffentliche Verwaltung] :105.1 x 105.6) sowie für das Jahr 2022 ein Valideneinkommen von CHF 98'020.70 (CHF 93'817.55 + Erfahrungszuschlag von 3.5 % für das Jahr 2022; zuzüglich Nominallohnerhöhung 2021 – 2022 [:105.6 x 106.6]).
9.2
9.2.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach konstanter Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Da es sich bei der vom Beschwerdeführer aktuell ausgeübten Tätigkeit bei der K.___ gemäss der Beurteilung aus dem beweiswertigen Gerichtsgutachten um eine den Leiden angepasste Tätigkeit handelt und der Beschwerdeführer diese Tätigkeit in dem ihm gemäss Gutachten zumutbaren Pensum von 50 % ausübt, ist zur Berechnung des Invalideneinkommens grundsätzlich auf das dort erzielte Einkommen abzustellen.
9.2.2 In diesem Zusammenhang ist aber noch auf den Umstand einzugehen, dass der Beschwerdeführer gemäss den mit Eingabe vom 28. Mai 2024 eingereichten Lohnunterlagen sein bisheriges 50%-Pensum von März 2023 bis November 2023 auf 60 % sowie von Dezember 2023 bis März 2024 auf 80 % erhöhte (vgl. Beschwerdebeilage 5) und erst ab April 2024 wieder in dem gemäss Gerichtsgutachten zumutbaren Pensum von 50 % tätig war.
Der Beschwerdeführer stellt sich diesbezüglich auf den Standpunkt, er habe weder im Rahmen des 60%-Pensums noch im Rahmen des 80%-Pensums je eine entsprechende Stundenzahl geleistet oder Leistung erbracht. Versuche, mehr und intensiver zu arbeiten, seien mit einer sofortigen Verschlechterung des Gesundheitszustands und einem Abfall der Leistungsfähigkeit bis hin zu Totalausfällen bezahlt worden. Die Leistungsfähigkeit habe sich nie über 50 % bewegt. Inzwischen erbringe er eine konstante Leistung zwischen 40 – 45 %, die er gesundheitlich «prästiere». Dass in den Lohnabrechnungen keine Krankheitsleistungen ersichtlich seien und der Beschwerdeführer im Dezember 2023 dennoch einen Bonus erhalten habe, sei schlicht und ergreifend auf das ausserordentliche Entgegenkommen der Arbeitgeberin zurückzuführen. Die Arbeitgeberin K.___ sei im sozialen Bereich tätig und die Geschäftsführerin, L.___, sei überdies die Mutter der Ex-Freundin des Beschwerdeführers. Es bestehe damit auch eine Näheverhältnis, welches das überdurchschnittliche Entgegenkommen erkläre. Die Ausführungen des Beschwerdeführers werden sodann auch im Schreiben der aktuellen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers, der K.___ vom 24. Mai 2024 (Beschwerdebeilage 6) bestätigt. Darin führte die Geschäftsführerin L.___ aus, der Beschwerdeführer arbeite nach wie vor 50 % und erbringe während dieser Zeit eine Arbeitsleistung von 40 – 45 %. Zeitweilig habe er versucht, das Pensum zu steigern mit dem Resultat, dass er körperlich reagiert habe und ein deutlicher Abfall seiner Leistungsfähigkeit beobachtbar gewesen sei. Er habe über starke Kopfschmerzen geklagt und es sei deswegen auch zu Ausfällen gekommen. Zurzeit scheine das 50%-Arbeitspensum für seine psychische und physische Verfassung richtig zu sein.
Im Lichte des beweiswertigen Gerichtsgutachtens vom 9. April 2024, wonach der Beschwerdeführer aufgrund der gestellten Diagnosen – auch während der vorerwähnten Pensumserhöhungen von März 2023 bis März 2024 – durchgehend zu 50 % in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war, erscheinen die diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers und der Arbeitgeberin, wonach der Beschwerdeführer trotz der zeitweisen Pensumserhöhung seine Leistungsfähigkeit nicht über 50 % zu steigen vermocht habe, nachvollziehbar und glaubhaft, zumal die gutachterliche Untersuchungen in der Zeit stattfanden, in welcher der Beschwerdeführer sein Pensum erhöht hatte. Die von der Beschwerdegegnerin dagegen vorgebrachten Argumente vermögen an diesem Beweisergebnis nichts zu ändern. So wurde das Gerichtsgutachten dem Vertreter des Beschwerdeführers, wie von diesem dargelegt, erst mit Verfügung vom 15. April 2024 zugestellt, womit der implizite Vorwurf der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer habe sein Pensum per April 2024 erst reduziert, nachdem er Kenntnis vom Resultat des Gutachtens gehabt habe, nicht verfängt, zumal der Beschwerdeführer auch gegenüber der Gutachterin angab, er habe lediglich von Dezember 2023 bis März 2024 in einem 80%-Pensum gearbeitet. Sodann macht die Beschwerdegegnerin geltend, es kämen Zweifel auf, wenn die fehlende Arbeitsleistung in der Eingabe vom 28. Mai 2024 mehrmals betont werde, der Beschwerdeführer anlässlich der gerichtlichen Begutachtung aber in klarem Widerspruch kundtue, er baue die von Dezember 2023 bis März 2024 generierten Überstunden nun wieder ab (S. 34 des psychiatrischen Teilgutachtens der Dr. med. E.___ vom 9. April 2024). Dem ist Folgendes entgegenzuhalten: Wie diesbezüglich aus den Audioaufnahmen der 2. Psychiatrischen Exploration vom 22. Februar 2024, ab ca. 1 Stunde 9 Minuten, hervorgeht, gab der Beschwerdeführer gegenüber der Gutachterin nicht – wie im Gutachten fälschlicherweise festgehalten wurde – an, von Dezember bis ca. März 2024 habe er 80 % gearbeitet, jetzt baue er die Überstunden wieder ab. Vielmehr hat er gegenüber der Gutachterin erklärt, der Arbeitsvertrag sei rückwirkend per Dezember 2023 auf 80 % erhöht worden, damit er seine Überstunden wieder abbauen könne. Weiter gab der Beschwerdeführer an, diese Pensenerhöhung dauere längstens bis März 2024. Diese Ausführungen passen denn auch zu den Aussagen des Beschwerdeführers gegenüber der Gutachterin, er arbeite häufig länger, da seine Leistungsfähigkeit tiefer als das grundsätzlich vereinbarte 50%-Pensum ausfalle. Zusammenfassend ist somit im Resultat davon auszugehen, dass die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers trotz zeitweiliger Penumserhöhung nie höher als 50 % war.
9.2.3 Gemäss Schreiben der K.___ vom 27. August 2022 (Beschwerdebeilage 4) war bzw. ist der Beschwerdeführer seit 1. April 2021 zu folgenden Pensen angestellt: Ab April 2021 20 %, ab 1. September 2021 30 %, ab 1. März 2022 40 % und ab 1. August 2022 50 % (Beschwerdebeilage 4). Da die ab 1. April 2021 vom Beschwerdeführer ausgeübten Pensen jeweils den gemäss Gerichtsgutachten zumutbaren Pensen entsprachen, ist für die Invalideneinkommen auf die in diesem Zeitraum erzielten Einkommen abzustellen. Dies ergibt gemäss den eingereichten Lohnunterlagen (Beschwerdebeilage 5) folgende Invalideneinkommen: Ab 1. April 2021 CHF 15'925.20 (CHF 1'327.10 [monatliches Bruttoeinkommen inkl. 13. Monatslohn] x 12); ab 1. September 2021 CHF 23'887.80 (CHF 1'990.65 x 12); ab 1. März 2022 CHF 31'849.80 (CHF 2'654.15 x 12); ab 1. August 2022 CHF 39'812.40 (CHF 3'317.70 x 12).
9.3 Aus den vorgenannten Validen- und Invalideneinkommen ergeben sich folgende Invaliditätsgrade:
- Ab 1. Februar 2020: IV-Grad 100 % (vom 25. Februar 2019 bis 31. März 2021 war der Beschwerdeführer in jeglicher Tätigkeit 100 % arbeitsunfähig, weshalb eine konkrete Berechnung unterbleiben kann.)
- Ab 1. April 2021: IV-Grad 83 % (Valideneinkommen CHF 93'817.55, Invalideneinkommen CHF 15'925.20);
- Ab 1. September 2021: IV-Grad 75 % (Valideneinkommen CHF 93'817.55, Invalideneinkommen CHF 23'887.80);
- Ab 1. März 2022: IV-Grad 68 % (Valideneinkommen CHF 98'020.70, Invalideneinkommen CHF 31'849.80);
- Ab. 1. August 2022: IV-Grad 59 % (Valideneinkommen CHF 98'020.70, Invalideneinkommen CHF 39'812.40).
9.4
9.4.1 Zum anwendbaren Recht ist sodann Folgendes festzuhalten: Der Beschwerdeführer hat sich am 5. Juli 2019 zum Bezug von Rentenleistungen angemeldet. Somit könnte ein allfälliger Rentenanspruch in Anwendung von Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab 1. Januar 2020 entstehen. Sodann ist aus dem beweiswertigen Gerichtsgutachten ersichtlich, dass das Wartejahr per 25. Februar 2020 abgelaufen ist. Demnach ist diesbezüglich das vor dem 1. Januar 2022 geltende Recht anwendbar. Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.
9.4.2 Des Weiteren gilt folgende Übergangsregel: Da der Beschwerdeführer am 1. Januar 2022 das 55. Altersjahr noch nicht vollendet hatte, gelangt für die Zeit ab 1. Januar 2022 weiterhin das frühere Recht zur Anwendung, falls unter diesem ein Anspruch entstanden ist und solange sich der Invaliditätsgrad nicht im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG verändert hat. Ist eine solche Veränderung gegeben, gilt für die Zukunft das neue Recht, ausser es führe bei höherem Invaliditätsgrad zu einer niedrigeren oder bei niedrigeren Invaliditätsgrad zu einer höheren Rente (vgl. Übergangsbestimmungen zur Änderung des IVG vom 29. Juni 2020 [Weiterentwicklung der IV], lit. b). Wie vorgehend dargelegt, ist ab 1. März 2022 von einem Invaliditätsgrad von 68 % sowie ab 1. August 2022 von einem Invaliditätsgrad von 59 % und damit – im Vergleich zum Invaliditätsgrad von 75 % per 1. September 2021 – von einer Änderung im Sinne von Art. 17 ATSG auszugehen. Somit gelangt diesbezüglich das ab 1. Januar 2022 geltende Recht zur Anwendung. Mit dem ab 1. Januar 2022 eingeführten stufenlosen Rentensystem in der IV wird die Höhe des Anspruchs auf eine Invalidenrente neu in prozentualen Anteilen einer ganzen Rente festgelegt und nicht mehr wie bisher nach Viertelsrentenstufen (Art. 28b Abs. 1 IVG). Bei einem Invaliditätsgrad von 50 – 69 Prozent entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditätsgrad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad ab 70 Prozent besteht wie bis anhin ein Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad von 40 bis 49 Prozent gilt eine Abstufung des Rentenanteils von 25 bis 47,5 Prozent (Abs. 4).
9.5 Gestützt auf die vorstehend errechneten Invaliditätsgrade hat der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der Dreimonatsregel gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV folgende Rentenansprüche: Vom 1. Februar 2020 bis 31. Mai 2022 hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ganze Rente; vom 1. Juni 2022 bis 31. Oktober 2022 besteht ein Anspruch auf eine Rente von 68 %; ab 1. November 2022 hat der Beschwerdeführer einen Rentenanspruch von 59 %.
10. Schliesslich verlangt der Beschwerdeführer berufliche Eingliederungsmassnahmen. Wie jedoch aus dem Gerichtsgutachten vom 9. April 2024 ersichtlich ist, ist der Beschwerdeführer in seiner aktuell bei der K.___ ausgeübten Tätigkeit optimal eingegliedert, weshalb der diesbezügliche Antrag abzuweisen ist.
11. Demnach ist die Beschwerde im Sinne der Erwägungen teilweise gutzuheissen.
11.1 Bei diesem Verfahrensausgang besteht Anspruch auf eine Parteientschädigung, die von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.
Ist das Quantitative einer Leistung streitig, rechtfertigt eine «Überklagung» nach der in Rentenangelegenheiten ergangenen Rechtsprechung eine Reduktion der Parteientschädigung nur, wenn das ziffernmässig bestimmte Rechtsbegehren den Prozessaufwand beeinflusst hat (BGE 117 V 401 E. 2c S. 407). Bildet beispielsweise ein invalidenversicherungsrechtlicher Rentenanspruch Anfechtungs- und Streitgegenstand, führt demgemäss der Umstand allein, dass im Beschwerdeverfahren abweichend von dem auf eine ganze oder zumindest eine höhere Rente gerichteten Rechtsbegehren keine ganze oder aber eine geringere Rente als beantragt zugesprochen wird, noch nicht zu einer Reduktion der Parteientschädigung (Urteile des Bundesgerichts 9C_580/2010 vom 16. November 2010 E. 4.1 und 9C_94/2010 vom 26. Mai 2010 E. 4.1 mit Hinweisen). Anders verhält es sich, wenn zusätzlich weitere Leistungen der Invalidenversicherung wie berufliche Massnahmen oder Taggeldleistungen beantragt worden sind, welchen nicht hätte entsprochen werden können (Urteil des Bundesgerichts 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E 4.1).
Im vorliegenden Fall verlangte der Beschwerdeführer bis 31. Dezember 2021 eine ganze Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 79 % und ab 1. Januar 2022 eine Dreiviertel-Invalidenrente nach Massgabe eines Invaliditätsgrades von mindestens 68 % (bis 30. September 2022) bzw. 60 % (ab 1. Oktober 2022). Die im Vergleich dazu vorliegend zugesprochenen Rentenleistungen (s. E. II. 9.5 hiervor) weichen davon nur leicht ab, weshalb sich diesbezüglich keine Reduktion der Parteientschädigung rechtfertigt. Dagegen wurde dem Antrag des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen nicht entsprochen, weshalb die Parteientschädigung pauschal um 1/6 zu reduzieren ist.
Im Lichte des zu beurteilenden Sachverhalts sowie der Schwierigkeit des Prozesses ist die Parteientschädigung auf CHF 4'603.40 festzusetzen (17.93 Std. x CHF 270.00 zuzügl. Auslagen von CHF 281.60 und MwSt. [7.7% auf CHF 3’397.10; 8.1 % auf CHF 1'725.60] davon 5/6). Der Unterschied zur eingereichten Kostennote vom 20. Juni 2024 ergibt sich einerseits daraus, dass Orientierungskopien an die Klientin sowie Fristerstreckungsgesuche Kanzleiaufwand darstellen und praxisgemäss nicht vergütet werden. Zudem wird bei Obsiegen für nachprozessualen Aufwand praxisgemäss lediglich eine halbe Stunde berücksichtigt.
11.2 Aufgrund von Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.00 – 1´000.00 festgelegt. Aufgrund des vorliegenden Verfahrensausgangs hat die Beschwerdegegnerin CHF 500.00 und der Beschwerdeführer CHF 100.00 an die Verfahrenskosten zu zahlen. Der vom Beschwerdeführer zu bezahlende Anteil ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Der darüberhinausgehende Anteil von CHF 500.00 wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
11.3 Wie dargelegt, hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt unzureichend abgeklärt, weshalb das Gericht die Abklärungslücke durch ein bidisziplinäres Gutachten schliessen musste. Die diesbezüglichen Gutachtenskosten von CHF 14'200.00 sind von der Beschwerdegegnerin zu tragen.
Demnach wird erkannt:
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Solothurn vom 4. Juli 2022 aufgehoben.
2. Der Beschwerdeführer hat folgende Rentenansprüche:
- vom 1. Februar 2020 bis 31. Mai 2022 Anspruch auf eine ganze Rente;
- vom 1. Juni 2022 bis 31. Oktober 2022 ein Anspruch auf eine Rente von 68 %;
- ab 1. November 2022 Anspruch auf eine Rente von 59 %.
3. Die IV-Stelle des Kantons Solothurn hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von CHF 4'603.40 (inkl. Auslagen und MwSt) zu bezahlen.
4. Die IV-Stelle des Kantons Solothurn hat an die Verfahrenskosten CHF 500.00 zu bezahlen.
5. Der Beschwerdeführer hat an die Verfahrenskosten CHF 100.00 zu bezahlen, die mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 600.00 verrechnet werden. Der darüberhinausgehende Anteil von CHF 500.00 wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
6. Die IV-Stelle des Kantons Solothurn hat die Kosten des bidisziplinären Gerichtsgutachtens von CHF 14'200.00 zu bezahlen.
Rechtsmittel
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Mitteilung beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht werden (Adresse: Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern). Die Frist beginnt am Tag nach dem Empfang des Urteils zu laufen und wird durch rechtzeitige Aufgabe bei der Post gewahrt. Die Frist ist nicht erstreckbar (vgl. Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes, BGG). Bei Vor- und Zwischenentscheiden (dazu gehört auch die Rückweisung zu weiteren Abklärungen) sind die zusätzlichen Voraussetzungen nach Art. 92 oder 93 BGG zu beachten.
Versicherungsgericht des Kantons Solothurn
Die Präsidentin Der Gerichtsschreiber
Weber-Probst Isch
Der vorliegende Entscheid wurde vom Bundesgericht mit Urteil 8C_529/2024 vom 27. März 2025 aufgehoben.