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III 2023 160
 
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Entscheid vom 23. Mai 2025
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Besetzung
Dr.iur. Vital Zehnder, Präsident
 
lic.iur. Karl Gasser, Richter
Irene Thalmann, Richterin
 
lic.iur. Prisca Reichlin Brügger, Gerichtsschreiberin
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Parteien
A.________,
\n Beschwerdeführer,
\n vertreten durch Rechtsanwalt Dr.iur. B.________,
 
gegen
 
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    \n
  1. Kantonale Schätzungskommission für Enteignungen,
    \n c/o RA lic.iur. Jolanda Fleischli, Seidenstrasse 2, Postfach 442, 8853 Lachen,
    \n Vorinstanz,
  2. \n
2. C.________
3. D.________
4.1 E.________
4.2 F.________
5. G.________
6. H.________
Beschwerdegegner,
\n Ziff. 2-6 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. I.________,
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Gegenstand
Enteignungsrecht (Entschädigung für die Einräumung eines Wegrechts)
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Sachverhalt:
\n A. A.________ ist Eigentümer des Grundstückes KTN __1, über welches eine Teilstrecke der J.________strasse führt, wobei die durch sein Grundstück führende Strassenfläche inkl. Brücke über den K.________bach 934 m2 umfasst, was unbestritten ist (vgl. Bf-act. 8a).
\n Mit Eingabe vom 14. Oktober 2015 reichten diverse Grundeigentümer im Bereich der J.________strasse beim Gemeinderat L.________ ein Gesuch um Gründung der C.________ ein. Gemäss Statutenentwurf bezweckt die C.________ den gemeinsamen Unterhalt und die Sanierung der Erschliessungsstrasse J.________strasse ab der Autobahnbrücke über die Grundstücke KTN __2, KTN __1 und KTN __3. Die Gründung der Flurgenossenschaft und deren Statuten wurden anlässlich der Gründungsversammlung vom 25. Februar 2016 mit Mehrheitsbeschluss angenommen. Gegen diesen Beschluss erhob u.a. A.________ beim Regierungsrat Beschwerde. Der Regierungsrat wies die Beschwerde mit Beschluss Nr. 74/2017 vom 31. Januar 2017 ab. Eine dagegen beim Verwaltungsgericht erhobene Beschwerde wurde mit VGE III 2017 37 und 38 vom 24. Oktober 2017 gutgeheissen und die Gründung der C.________ vom 25. Februar 2016 wurde aufgehoben.
\n B. Am 4. Februar 2019 liessen diverse Grundeigentümer im Bereich der J.________strasse beim Gemeinderat L.________ ein neues Gesuch um Gründung der C.________ mit derselben Zweckbestimmung einreichen. Anlässlich der Versammlung vom 1. April 2019 wurden die Gründung der C.________, die Statuten und der Kostenverteiler beschlossen.
\n Der Regierungsrat des Kantons Schwyz genehmigte die Gründung der C.________ unter Berücksichtigung zweier Änderungen mit Beschluss Nr. 333/2019 vom 14. Mai 2019 (Bf-act. 14).
\n C. Die Flurgenossenschaft umfasst die bereits bestehende J.________strasse ab Einfahrt (M.________strasse/N.________ bei der Autobahnüberführung) über die Grundstücke KTN __1, KTN __3 und KTN __2. Der Perimeter ist in zwei Abschnitte aufgeteilt (A und B; Bf-act. 14c). Der Perimeter A umfasst den im Eigentum von A.________ liegenden Strassenabschnitt bis zur Brücke über den K.________bach (Strasse auf KTN __1, § 4 Abs. 1 der Statuten). Der Perimeter B umfasst die Strasse ab (und inkl.) der Brücke über den K.________bach auf KTN __1, KTN __3 und KTN __2 (§ 4 Abs. 2 der Statuten). Der Unterhalt und die Sanierung des Strassenabschnitts A obliegt sämtlichen Mitgliedern der Flurgenossenschaft (§ 4 Abs. 2 der Statuten). Der Unterhalt und die Sanierung des Strassenabschnitts B obliegt einzig den Grundeigentümern im Einzugsgebiet dieses südlichen Strassenabschnittes ab der Brücke. Die Grundeigentümer von KTN __4, KTN __5, KTN __6, KTN __2, KTN __7 und KTN __8 verfügten bis anhin über kein rechtlich gesichertes Fuss- und Fahrrecht über den Strassenabschnitt Perimeter A.
\n Der zum Perimeter A gehörende Strassenabschnitt der J.________strasse über KTN __1 führt durch die Gewerbezone (südlich angrenzende Anstösser und sowie ein kleiner und im Eigentum von A.________ liegender Teil nördlich angrenzend) sowie durch Wald. Im Bereich der Einfahrt in die M.________strasse bzw. zur Überführung der Autobahn grenzt sie südlich an übriges Gemeindegebiet. Weiterführend in südlicher Richtung zu den zu erschliessenden Grundstücken des Perimeters B (KTN __4, __5, __6, __2, __7 und __8) liegt die J.________strasse ausserhalb der Bauzone, wobei auch die durch diesen Abschnitt zu erschliessenden Grundstücke ausserhalb der Bauzone liegen.
\n D. Mit Schreiben vom 4. Februar 2020 ersuchte die C.________ die Kantonale Schätzungskommission für Enteignungen, die Höhe der Entschädigung für das Fahrwegrecht des Strassenabschnitts der J.________strasse auf Grundstück __1 zu ermitteln (Perimeterabschnitt A), da eine Einigung der Mitglieder über die Entschädigung nicht zustande gekommen sei.
\n Am 17. Februar 2021 führte die Kantonale Schätzungskommission für Enteignungen einen Augenschein und eine Einigungsverhandlung durch.
\n Mit Entscheid vom 15. September 2023 erkannte die Kantonale Schätzungskommission für Enteignungen:
\n 1. Die Gesuchsteller haben dem Gesuchgegner für die Einräumung des Wegrechtes/Wegrechtdienstbarkeiten (Fuss- und Fahrwegrechte) über die J.________strasse (Perimeter A) was folgt zu zahlen, zahlbar innert 30 Tagen nach Rechtskraft des vorliegenden Entscheides:
\n 1.1. D.________ (…) Eigentümerin von KTN __5
\n   CHF 3'607.50
\n 1.2.1. E.________ (…) hälftige Miteigentümerin von KTN __6
\n 1.2.2. F.________ (…) hälftiger Miteigentümer von KTN __6
\n  unter solidarischer Haftbarkeit zusammen total 
\n   CHF 1'298.70
\n 1.3. O.________ (…) Eigentümer von KTN __7  und KTN __8
\n   CHF 1'860.30
\n 1.4.1. P.________ (…)
\n 1.4.2. Q.________ (…)
\n  Grundeigentümer von KTN __4  und KTN __2  (Gesamteigentum) unter solidarischer Haftbarkeit zusammen total
\n   CHF 2'811.90
\n 2. Für die Einräumung des Wegrechtes/Wegrechtdienstbarkeiten (Fuss- und Fahrwegrechte) über die K.________bachbrücke (Perimeter B) haben die Gesuchsteller dem Gesuchgegner mangels Schadens keine Entschädigung zu zahlen.
\n 3. Die Kosten des Schätzungsverfahrens von insgesamt CHF 3'500 werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, das heisst die Gesuchsteller haben unter solidarischer Haftbarkeit CHF 1'750.00 und der Gesuchgegner CHF 1'750.00 zu bezahlen.
\n 4. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
\n 5.-6. (RM-Belehrung, Zustellung)
\n E. Gegen diesen Entscheid lässt A.________ beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz mit Eingabe vom 10. Oktober 2023 fristgemäss Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
\n 1. Der Schätzungsentscheid der Kantonalen Schätzungskommission für Enteignungen vom 15. September 2023 (Dossier 01/2020) sei vollumfänglich aufzuheben.
\n 2. Die Sache sei zur Neubeurteilung und Neuberechnung der Entschädigung für das eingeräumte Wegrecht und für die Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
\n 3.  Falls das Verwaltungsgericht in der Sache selbst entscheiden sollte,
\n a.  sei die Eigentümerschaft der Liegenschaften Nr. __4 und Nr. __2, derzeit P.________ und Q.________, zu verpflichten, dem A.________ Fr. 87'807.- (Anteil Boden: Fr. 53'873.-; Anteil Strasse: Fr. 7'782.-; Anteil Brücke: Fr. 26'152.-) zu bezahlen, nebst Zins zu 5% seit dem 13. August 2020;
\n b.  sei die Eigentümerschaft der Liegenschaft Nr. __5, derzeit D.________, zu verpflichten, dem A.________ Fr. 107'548.- (Anteil Boden: Fr. 69’116.-; Anteil Strasse: Fr. 9'984.-; Anteil Brücke: Fr. 28'448.-) zu bezahlen, nebst Zins zu 5% seit dem 13. August 2020;
\n c.  sei die Eigentümerschaft der Liegenschaft Nr. __6, derzeit E.________ und F.________, zu verpflichten, dem A.________ Fr. 49’301.- (Anteil Boden: Fr. 24’882.-; Anteil Strasse: Fr. 3’594.-; Anteil Brücke: Fr. 20’825.-) zu bezahlen, nebst Zins zu 5% seit dem 13. August 2020;
\n d.  sei die Eigentümerschaft der Liegenschaft Nr. __8, derzeit O.________, zu verpflichten, dem A.________, Fr. 971.- (Anteil Boden: Fr. 523.-; Anteil Strasse: Fr. 75.-; Anteil Brücke: Fr. 373.-) zu bezahlen, nebst Zins zu 5% seit dem 13. August 2020;
\n e.  sei die Eigentümerschaft der Liegenschaft Nr. __7, derzeit R.________, zu verpflichten, dem A.________ Fr. 65'094.- (Anteil Boden: Fr. 35'118.-; Anteil Strasse: Fr. 5'073.-; Anteil Brücke: Fr. 24'903.-) zu bezahlen, nebst Zins zu 5% seit dem 13. August 2020;
\n f.  sei die Eigentümerschaft gemäss den obigen lit. 3 a-e zu verpflichten, die Kosten des Schätzungsverfahrens von Fr. 3'500 zu bezahlen und es sei die Eigentümerschaft gemäss den obigen lit. 3 a-e zu verpflichten, dem A.________ für das Schätzungsverfahren eine Parteientschädigung von Fr. 8'000 zu bezahlen.
\n 4.  Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegner.
\n F. Im Laufe des Verfahrens änderte sich die Eigentümerschaft der Grundstücke KTN __8 und __7 (seit 21. März 2024 G.________) und der Grundstücke KTN __4 und __2 (ab 30.9.2024 H.________).
\n G. Die Kantonale Schätzungskommission für Enteignungen nimmt mit Eingabe vom 2. November 2023 Stellung zur Beschwerde, ohne einen Antrag zu stellen.
\n Die Beschwerdegegner beantragten mit Vernehmlassung vom 24. Januar 2024 die Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers.
\n Mit Replik vom 10. Juni 2024 wiederholt der Beschwerdeführer seine Anträge, wobei er in den Anträgen Ziff. 3d und 3e (betr. KTN __8 und __7) einen zwischenzeitlich eingetretenen Eigentümerwechsel berücksichtigt (neu: G.________ als Grundeigentümerin dieser beiden Grundstücke). Der Beschwerdeführer beantragt deshalb, diese neue Eigentümerin ins Recht zu fassen.
\n Die Beschwerdegegner halten mit Duplik vom 4. Oktober 2024 an ihren Anträgen fest.
\n Der Beschwerdeführer äussert sich dazu mit Eingabe vom 12. November 2024, wobei er wiederum an seinen Anträgen festhält unter Hinweis auf den Eigentümerwechsel bei den Grundstücken KTN __4 und __2 (Übergang des Eigentums auf H.________, ). Neu sei dieser Grundeigentümer ins Recht zu fassen.
\n Von Seiten der Beschwerdegegner wird dazu mit Eingabe vom 16. Dezember 2024 Stellung genommen.
\n Der Beschwerdeführer lässt sich dazu mit Eingabe vom 20. Dezember 2024 äussern.
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\n Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
\n 1.1 Gemäss § 11 Abs. 3 des Gesetzes über die Flurgenossenschaft (FlurG, SRSZ 213.110) kann die Genossenschaft zwangsweise Rechte erwerben, sofern hierüber keine gütliche Einigung zustande kommt; über die Entschädigung entscheidet die kantonale Schätzungskommission in Enteignungssachen. Analog sehen die rechtskräftig genehmigten Statuten der C.________ vor, dass die Mitglieder der Genossenschaft sich auf den im Perimeterplan befindlichen Abschnitten der J.________strasse gegenseitig Fuss- und Fahrwegrechte einräumen, soweit diese noch nicht bestehen und soweit diese für das Befahren der J.________strasse erforderlich sind. Wer noch über kein Fuss- und Fahrwegrecht verfügt, hat dieses voll zu entschädigen (§ 14 Abs. 1 der Statuten). Die zu bezahlende Entschädigung ist - falls keine einvernehmliche Einigung zustande kommt - durch die kantonale Schätzungskommission in Enteignungssachen festzulegen (vgl. § 4 Abs. 2 der Statuten).
\n Gemäss