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I 2018 95
 
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Urteil vom 11. September 2019
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Besetzung
lic.iur. Achilles Humbel, Präsident
 
Dr.med. Urs Gössi, Richter
Dr.med. Pierre Lichtenhahn, Richter
 
lic.iur. Anna Maria Rüesch, Gerichtsschreiberin
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Parteien
A.________,
\n Klägerin,
\n vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. B.________,
 
gegen
 
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    \n
  1. C.________ (ehemals D.________),
     
  2. \n
  3. E.________,
    \n vertreten durch Rechtsanwältin F.________,
  4. \n
  5. G.________,
    \n vertreten durch Rechtsanwalt Dr.iur. H.________,
  6. \n
  7. I.________,
  8. \n
Beklagte,
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Gegenstand
Berufliche Vorsorge (Rentenanspruch; Eintritt Arbeitsunfähigkeit)
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\n Sachverhalt:
\n A. A.________ (geboren 1957) - zwischenzeitlich geschieden und Mutter von zwei erwachsenen Kindern (Jahrgang 1987 und 1989) - arbeitete als Primarlehrerin bevor sie auf den 1. August 1981 in den administrativen Bereich des Designbüros ihres Ehemannes wechselte (vgl. KB 2). Nach der Trennung von ihrem Ehemann nahm sie ihre Tätigkeit als ausgebildete Primarlehrerin wieder auf und war ab dem 1. August 1998 beim Amt für Volksschulbildung Luzern als Primarlehrerin in einem Teilpensum von rund 50% tätig (vgl. KB 3, S. 1).
\n B. Für die Zeit nach der Scheidung von ihrem Ehemann im Dezember 1999 zeigt sich folgender Ablauf der Krankengeschichte und der Tätigkeiten von A.________:
\n -          Klinikaufenthalt von Mai 2000 bis Juli 2000 und von Oktober 2001 bis Februar 2002 infolge akuter Suizidalität bzw. eines schweren depressiven Zustandes (vgl. KB 6, S. 4f./6);
\n -          keine Verlängerung des Arbeitsvertrages durch das Amt für Volksschul­bildung Luzern für das neue Schuljahr 2002/2003 (vgl. KB 3, S. 11);
\n -          am 24. April 2002 Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen (vgl. KB 7);
\n -          nach diversen IV-Abklärungen im Rahmen der beruflichen Massnahmen Umschulung zur kaufmännischen Angestellten mit Abschluss der Ausbildung zur Kauffrau Niveau E zwischen Mai 2003 und Juni 2006 (vgl. KB 13);
\n -          Erwerbstätigkeit ab August 2006 bei der J.________ AG, vom 1. Juli 2007 bis 31. August 2010 bei der O.________ AG, vom 15. November 2010 bis 13. Mai 2011 bei P.________, vom 17. September 2012 bis 7. Januar 2013 bei den Volksschulen Stadt Luzern (Schule Q.________; insoweit erst ab 19.11.2012 bei der E.________ [nachfolgend: Beklagte Ziff. 2] berufsvorsorgeversichert) und vom 1. März 2013 bis am 30. November 2013 bei der R.________ (insoweit bei der C.________ [ehemals D.________; nachfolgend: Beklagte Ziff. 1] berufsvorsorgeversichert; vgl. KB 3, S. 12; KB 15ff.);
\n -          Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch die R.________ auf den 30. November 2013 (letzter effektiver Arbeitstag: 27.6.2013) sowie Krankschreibung per 27. Juni 2013 (vgl. KB 19f.);
\n -          am 19. August 2013 (Postaufgabe: 20.8.2013) erneute Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen (vgl. KB 21);
\n -          per 1. Februar 2014 Anstellung bei den Volksschulen Luzern als Primarlehrerin sowie als Lehrperson in der integrativen Förderung in der Gemeinde S.________ in einem Pensum von rund 69%;
\n -          Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch die Arbeitgeberin auf den 25. April 2014 und Anmeldung beim RAV (vom 28.4.2014 bis 16.5.2014 bzw. vom 1.6.2014 bis 30.4.2015; insoweit bei der I.________ [nachfolgend: Beklagte Ziff. 4] berufsvorsorgeversichert; KB 23 und KB 15);
\n -          am 9. Juli 2014 Rückzug der IV-Anmeldung und am 22. bzw. 28 Juli 2014 Ersuchen um etwas Bedenkzeit hinsichtlich des Rückzugs (vgl. KB 3, S. 12ff.);
\n -          mit Vorbescheid vom 16. Oktober 2014 Gewährung einer ganzen IV-Rente ab dem 1. Juni 2014 durch die IV-Stelle Luzern (vgl. KB 26);
\n -          am 6. November 2014 Rückzug des IV-Rentengesuchs (vgl. KB 25);
\n -          mit Vorbescheid vom 23. März 2015 bzw. Verfügung vom 21. Mai 2015 Abschreibung des IV-Gesuchs vom 20. August 2013 durch die IV-Stelle Luzern (KB 31f.);
\n -          Klinikaufenthalt in der T.________ vom 14. Juli 2015 bis 29. Juli 2015 und vom 30. Juli 2015 bis 14. August 2015 infolge einer Tablettenintoxikation in suizidaler Absicht (vgl. KB 34);
\n -          Austritt erfolgte auf eigenen Wunsch und entgegen der Empfehlung des Behandlungsteams in der Absicht ihre Tätigkeit als Lehrperson in U.________ wieder aufzunehmen (vgl. KB 34, S. 3);
\n -          vom 9. Oktober 2015 bis 30. November 2015 bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet (vgl. KB 15);
\n -          per 1. Dezember 2015 Aufnahme einer bis Ende Juli 2016 befristeten Stelle als Lehrerin an einer Schule in der Nähe von V.________, Kündigung der selbigen im April 2016 sowie Krankschreibung bis Ende Juli 2016 (zu 100%) bzw. ab 1. August 2016 (zu 70%; insoweit bei der G.________ [nachfolgend: Beklagte Ziff. 3] berufsvorsorgeversichert; vgl. KB 37, S. 3);
\n -          am 12. Juli 2016 Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen (vgl. KB 35);
\n -          vom 22. August 2016 bis 16. Oktober 2016 bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet (vgl. KB 15);
\n -          per 17. Oktober 2016 Aufnahme einer bis 30. April 2017 befristeten Anstellung als Primarlehrerin bzw. als Lehrperson für integrative Förderung in der Schule W.________ in einem Pensum von 70%;
\n -          trotz Krankschreibung (100%) per 1. Dezember 2016, bis 19. März 2017 erwerbstätig (vgl. KB 38);
\n -          Klinikaufenthalt in der T.________ vom 25. März 2017 bis 19. April 2017 (stationär) und vom 20. April 2017 bis 9. Mai 2017 (teilstationär; vgl. KB 40);
\n -          mit Vorbescheid vom 18. August 2017 und rechtskräftiger Verfügung vom
\n 10. bzw. 18 Oktober 2017 Gewährung einer ganzen IV-Rente ab dem 1. März 2017 durch die IV-Stelle Luzern (vgl. KB 39, KB 42 und KB 47).
\n C. Gestützt auf die Verfügung vom 10. bzw. 18. Oktober 2017 der IV-Stelle Luzern ersuchte der Rechtsvertreter von A.________ mit je separaten Schreiben vom 23. Januar 2018 die Beklagten Ziff. 1 bis 4 um Ausrichtung einer BVG-Invalidenrente (vgl. KB 43), nachdem die Beklagte Ziff. 1 bereits mit Schreiben vom 21. Dezember 2017 ihre Zuständigkeit verneint hatte (vgl. KB 45). Mit Schreiben vom 30. Januar 2018 (Beklagte Ziff. 2), vom 23. Februar 2018 (Beklagte Ziff. 3), vom 12. April 2018 (Beklagte Ziff. 1) sowie vom 14. Juni 2018 (Beklagte Ziff. 4) verneinten die angeschriebenen BVG-Einrichtungen ihre Leistungspflicht (vgl. KB 44, 50, 52 und 15).
\n D. Am 11. Oktober 2018 lässt A.________ beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz Klage gegen die Beklagten Ziff. 1 bis 4 ein­reichen mit den folgenden Begehren:
\n 1.1 Die Beklagte 1 habe der Klägerin ab dem 01. Juli 2014 eine ganze BVG-Invalidenrente auszurichten zzgl. 5% Zins ab Datum der Klageanhebung.
\n 1.2 Eventualiter habe die Beklagte 2 der Klägerin ab dem 01. Dezember 2013 eine ganze BVG-Invalidenrente auszurichten zzgl. 5% Zins ab Datum der Klageanhebung.
\n 1.3 Subeventualiter habe die Beklagte 3 der Klägerin ab dem 01. April 2017 eine ganze BVG-Invalidenrente auszurichten zzgl. 5% Zins ab Datum der Klage­anhebung.
\n 1.4 Subsubeventualiter habe die Beklagte 4 der Klägerin ab 2013 eine ganze BVG-Invalidenrente auszurichten zzgl. 5% Zins ab Datum der Klagean­hebung.
\n 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (inkl. MWSt.) zulasten der unter­liegenden Beklagten.
\n E. Mit Klageantwort vom 12. November 2018 beantragt die Beklagte Ziff. 3,
\n es sei die Klage gegen die Beklagte Ziff. 3 abzuweisen. Mit Klageantwort vom 12. November 2018 lässt die Beklagte Ziff. 4 die Abweisung der Klage gegen die Beklagte 4 beantragen, unter Kostenfolge zulasten der Klägerin. Mit Klage­antwort vom 28. Januar 2019 beantragt die Beklagte Ziff. 1 die Abweisung der Klage, soweit sie sich gegen die Beklagte Ziff. 1 richte, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Mit Klageantwort vom 28. Januar 2019 beantragt die Beklagte Ziff. 2 die Abweisung der Klage, soweit sie sich gegen die Beklagte Ziff. 2 richte, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin.
\n F. Mit Replik vom 11. Februar 2019 hält die Klägerin an ihren Begehren fest. Die Duplik der Beklagten Ziff. 4 bzw. der Beklagten Ziff. 2 erfolgte am 25. Februar 2019 bzw. am 12. März 2019. Die Beklagte Ziff. 3 verzichtete mit Schreiben vom 15. März 2019 auf die Einreichung einer Duplik. Am 15. April 2019 reichte die Beklagte Ziff. 1 eine Duplik ein. Die Klägerin liess sich nicht weiter ver­nehmen.
\n Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
\n 1.1 Auseinandersetzungen zwischen Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern
\n und Anspruchsberechtigten sind im Klageverfahren nach Art. 73 des Bundes­gesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) vom 25. Juni 1982 auszutragen. Die Kantone haben ein ein­faches, rasches und in der Regel kostenloses Verfahren vorzusehen; der Richter stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest (