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I 2023 74
 
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Entscheid vom 12. Januar 2024
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Besetzung
Dr.iur. Vital Zehnder, Vizepräsident
 
Dr.med. Urs Gössi, Richter
Dr.med. Pierre Lichtenhahn, Richter
 
MLaw Joëlle Sigrist, Gerichtsschreiberin
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Parteien
A.________,
\n Beschwerdeführer,
\n vertreten durch Rechtsanwalt Dr.iur. B.________
 
gegen
 
Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern,
\n Vorinstanz,
\n vertreten durch Rechtsanwältin MLaw C.________,
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Gegenstand
Unfallversicherung (Invalidenrente nach UVG)
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Sachverhalt:
\n A. A.________ erlitt mehrere Unfälle, wobei er im Unfallzeitpunkt jeweils bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert war.
\n A.1 Mit Bagatell-Unfallmeldung (Eingang Suva 11.12.2003) wurde die Suva informiert, A.________ sei am 30. Oktober 2003 beim Capoeira (brasilianischer Kampftanz) gestürzt und habe dabei die rechte Schulter geprellt (Unfall-Dossier 14.20230.04.0 act. 1 = Suva-act. I/1). Auf Zuweisung des Hausarztes erfolgte ein Untersuch in der D.________, wo am 19. Januar 2004 ein Arthro-MRI durchgeführt wurde und der Arzt hernach am 22. Januar 2004 den starken Verdacht auf Vorliegen einer funktionellen, schmerzbedingten, muskulären Dezentrierung des rechten Glenohumeralgelenkes dokumentierte und Physiotherapie verordnete (Suva-act. I/2 und 7). 2018 wurde ein Rückfall gemeldet (Suva-act I/6). A.________ klagte über Beschwerden an der rechten Schulter. Nachdem ein Arthro-MRI des rechten Schultergelenkes vom 7. August 2018 eine komplett rupturierte und retrahierte Subscapularissehne mit Luxation der langen Bizepssehne nach medial bei zusätzlicher SLAP-Läsion sowie eine Bursitis subacromialis/subdeltoidea zeigte (Suva-act. I/3), erfolgte am 22. November 2018 bei Diagnose retrahierte Subscapularissehnenkomplettruptur Lafosse Grad IV Schulter rechts eine arthroskopische Subscapularissehnenrekonstruktion und Bizepssehnentenotomie sowie Autotenodese nach Kim, subacromiale Bursektomie und Softacromioplastik Schulter rechts (Suva-act. I/25).
\n A.2 Am 7. Oktober 2005 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Rückfall per 16. August 2005; A.________ habe sich bei unklarem Unfalldatum mehrmals 'vertrampt'; das linke Fussgelenk sei verletzt (Unfall-Dossier 14.14561.1 act. 4 = Suva-act. II/4). Gemäss Aussage von A.________ habe er ca. im Januar / Februar 2005 für die Arbeitgeberin auf einer Autobahn-Baustelle gearbeitet, wo er eine längere Strecke auf unebenem Boden auf Geröll zum Bagger habe gehen müssen; er sei dabei umgeknickt und habe sich den linken Fuss verletzt (Suva-act. II/6). Vergleiche aber auch den Bericht des Operateurs an den Hausarzt vom 27. September 2005: Die Suva habe das genaue Unfalldatum wissen wollen, der Beschwerdeführer wisse dies aber nicht genau, weshalb er den Erstunfall auf Anfang 2003 fixiert habe, was mit den Angaben des Beschwerdeführers übereinstimme (Suva-act. II/50, 53). Am 16. August 2005 erfolgte - nach Zuweisung durch den Hausarzt (Suva-act. II/16) - in der Klinik E.________ bei Diagnose Schmerzen und rezidivierenden Giving-way-Symptomen des linken Sprunggelenkes eine Revision Sinus tarsi und Bandstraffung lateraler Kapselbandapparat linkes Sprunggelenk (Suva-act. II/2, 16). Wegen persistierenden Beschwerden (vgl. MRI-Befund vom 15.11.2005 und 25.10.2006; Suva-act. II/56, 55) erfolgte am 11. Dezember 2006 eine Arthroskopie OSG links mit intraartikulärem Débridement, Mikrofracturierung des Talus medial und lateral (Suva-act. II/16, 17). Am 9. März 2007 wurde die Behandlung in der D.________ abgeschlossen (Suva-act. II/35, 36, 48). Im Jahr 2014 traten vermehrte Beschwerden in beiden OSG auf. Am 1. Dezember 2014 erfolgte eine OSG-Infiltration beidseits bei Diagnose beginnende OSG-Arthrose beidseits (Suva-act. II/44). Im August 2018 wurde A.________ durch den Hausarzt erneut an die D.________ überwiesen (Suva-act. II/40), wo die Diagnose einer residuellen lateralen Instabilität OSG beidseits sowie osteochondraler Läsionen Stadium I bis II am Talus anteromedial und posterolateral rechts und links gestellt wurde (Suva-act. II/42, 60). Vermerkt wurde beginnende Arthrose beider OSG (Suva-act. II/62). Die Suva entschied, dass für sie eine Leistungspflicht lediglich für die Beschwerden OSG links bestehe (Suva-act. II/63).
\n A.3 Am 10. Januar 2017 meldete die Arbeitgeberin der Suva, A.________ sei im Urlaub am 29. Dezember 2016 beim Ballspielen rückwärts in ein Sandloch gestürzt und habe sich dabei die linke Schulter ausgerenkt (Unfall-Dossier 23.18295.17.7 act. 1 = Suva-act. III/1). Die Erstbehandlung erfolgte noch in der H.________; am 31. Dezember 2016 erfolgte im Spital I.________ unter Kurznarkose die mehrmalige Reposition bei wiederkehrenden Luxationen (Suva-act. III/7). Am 6. Januar 2017 erfolgte eine geschlossene Schultergelenksreposition und Stabilitätsprüfung in Narkose, eine diagnostische Gelenksarthroskopie und intraartikuläre Bilanzierung der Schulter links sowie eine offene Reposition der Hill-Sachs-Läsion und Spongiosaplastik sowie Fixation des Tuberculum minus Schulter links (Suva-act. III/9). Am 21. Dezember 2017 liess A.________ einen Rückfall melden (Suva-act. III/21) und gleichentags wurde eine offene Osteosynthesematerialentfernung und pektorales Major-Transfer links wegen alten irreponiblen knöchernen Subscapularissehnenausriss linke Schulter durchgeführt (Suva-act. III/34). Am 1. September 2020 erfolgte bei Diagnose einer primären Arthrose die Implantation einer inversen Prothese Typ Humelock Schulter links (Suva-act. III/188).
\n B.1 Am 16. April 2019 trat A.________ in die N.________ zur stationären Rehabilitation ein (Suva-act. III/117), am 23. April 2019 erfolgte der Wechsel in die ambulante Rehabilitation in derselben Institution bis am 5. Juni 2019 (Suva-act. III/129, 133, 138). Vom 1. Juli 2019 bis 26. Juli 2019 erfolgte ebenda eine berufliche Grundabklärung (Suva-act. III/137, 142, 143) und vom 27. Juli 2019 bis 26. September 2019 eine vertiefte berufliche Abklärung (Suva-act. III/152), welcher eine berufliche Massnahme in derselben Institution vom 27. September 2019 bis 26. Dezember 2019 als Vorbereitungszeit hinsichtlich Umschulung folgte (Suva-act. III/159). Im Januar 2020 konnte A.________ ein Praktikum als Fahrradmechaniker beginnen in der Absicht, im Sommer 2020 die Umschulung Fahrradmechaniker EFZ zu starten (Suva-act. III 159 S. 8 ff.); die Umschulung wurde indes belastungsbedingt im Januar 2020 beendet (Suva-act. III/171 S. 6).
\n B.2 Am 12. März 2020 erfolgte in den drei obgenannten Fällen eine ärztliche Abschlussbeurteilung und Abschlussuntersuchung durch Kreisarzt Dr.med. F.________ (Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates; Suva-act. II/74; III/171). Er gelangte in seinem Bericht vom 16. März 2020 zum Schluss, für alle drei Schadenfälle sei eine namhafte Verbesserung nicht mehr zu erreichen, es lägen sowohl für beide Schultern, als auch für das linke obere Sprunggelenk stabile Verhältnisse vor; er empfehle, den Fall abzuschliessen.
\n Mit Schreiben vom 17. März 2020 informierte die Suva A.________, der Fall werde abgeschlossen. Nach Abschluss der Eingliederungsmassnahmen der IV werde der Rentenanspruch geprüft und es werde mittels Verfügung über den Anspruch auf Integritätsentschädigung befunden (Suva-act. III/174).
\n C. Mit Verfügung vom 23. März 2020 sprach die Suva A.________ eine Integritätsentschädigung von gesamthaft 20% zu (10% für linke Schulter, Ingress Bst. A.3; sowie 10% für linkes OSG, Ingress Bst. A.2; Suva-act. III/172, 176). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
\n D. In der Folge persistierten die Beschwerden. Am 1. September 2020 erfolgte eine Umkehrprothese Schulter links (vgl. Ingress Bst. A.3). Verschiedene berufliche Massnahmen mussten beendet werden (vgl. Suva-act. III/231). Die Taggeldzahlung der IV endete per 2. Januar 2022 (Suva-act. III/241). Am 1. Februar 2022 informierten die Hausärztin und die Suva die Arbeitslosenkasse, A.________ sei in einer seinem Leiden angepassten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig (Suva-act. III/242, 245). Mit ärztlicher Beurteilung vom 8. Juli 2022 bestätigte Dr.med. G.________ (Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie), weder für die Schulter links noch für die Schulter rechts oder das Sprunggelenk links könne durch eine weitere medizinische Behandlung eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr erwartet werden. Das Zumutbarkeitsprofil vom 16. März 2020 müsse angepasst werden, die Schätzung des Integritätsschadens vom 16. März 2020 habe nach wie vor Gültigkeit (Suva-act. III/261).
\n E. Mit Verfügung vom 26. September 2022 vereinigte die Suva die Ansprüche aus den drei Schädigungen (Suva-act. III/276). Aufgrund der erwerblichen und medizinischen Abklärungen bestehe eine Erwerbsunfähigkeit von 22%, was bei einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 99'976 eine Monatsrente von Fr. 1'466.30 ergebe; der Anspruch auf Rentenleistungen bestehe rückwirkend ab dem 1. Januar 2022 (vgl. auch Suva-act. III/269).
\n F. Am 25. Oktober 2022 liess A.________ gegen die Rentenverfügung vorsorgliche Einsprache erheben (Suva-act. III/283), welche am 2. Dezember 2022 ergänzt wurde (Suva-act. III/286). Mit Einspracheentscheid vom 26. Juli 2023 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. II/145).
\n G. Am 14. September 2023 lässt A.________ beim Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz fristgerecht (in Beachtung des Fristenstillstandes gemäss