Sozialversicherungsrichterin Pfiffner Rauber
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtssekretär Volz
Urteil vom 11. Juni 2004
in Sachen
S.___
Beschwerdeführer
gegen
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
Rudolf Diesel-Strasse 28, Postfach, 8405 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1 S.___, geboren 1973, war seit 1. Mai 2000 als Zimmermann bei der Bauunternehmung A.___ AG, ___, tätig (Urk. 7/12/1 Ziff. 2). Am 15. September 2002 kündigte er sein Arbeitsverhältnis mit dieser auf den 31. Dezember 2002 (Urk. 7/12/2). Anschliessend begab er sich auf eine Weltreise (Urk. 1 S. 1). Nachdem er in die Schweiz zurückgekehrt war (Urk. 1 S. 1), meldete er sich am 5. Januar 2004 bei der Arbeitslosenkasse zum Bezug von Arbeitslosentschädigung ab 5. Januar 2004 an (Urk. 7/13, Urk. 7/1 S. 2).
1.2 Mit Verfügung vom 16. Februar 2004 stellte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich fest, dass der Versicherte in der Rahmenfrist für die Beitragszeit lediglich eine Beitragszeit von 11,887 Monaten aufweise und verneinte einen Anspruch des Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung ab 5. Januar 2004 wegen Nichterfüllung der Anspruchsvoraussetzung der genügenden Beitragszeit (Urk. 7/7 S. 2). Die dagegen vom Versicherten am 15. November 2004 erhobene Einsprache (Urk. 7/5) wies die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich mit Einspracheentscheid vom 1. April 2004 ab (Urk. 2 = Urk. 7/2).
2.
2.1 Dagegen erhob der Versicherte am 29. April 2004 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 1. April 2004 und Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung ab 5. Januar 2004 (Urk. 1).
2.2 In der Beschwerdeantwort vom 17. Mai 2004 beantragte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worauf der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 25. Mai 2004 als geschlossen erklärt wurde (Urk. 9).
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind auf die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung anwendbar, soweit das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht (Art. 1 Abs. 1 AVIG).
1.2 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG hat Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wer die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit hat laut Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Diese Mindestbeitragszeit haben auch Versicherte zu erfüllen, die bei Ablauf der ersten Rahmenfrist für den Leistungsbezug arbeitslos sind (BGE 125 V 355 ff.).
1.3 Für die Ermittlung der Beitragszeit zählt laut Art. 11 der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV) als Beitragsmonat jeder volle Kalendermonat, in dem die versicherte Person beitragspflichtig ist (Abs. 1). Beitragszeiten, die nicht einen vollen Kalendermonat umfassen, werden zusammengezählt. Je 30 Kalendertage gelten als ein Beitragsmonat (Abs. 2). Massgebend ist, wann eine versicherte Person im Verlaufe der zweijährigen Rahmenfrist für die Beitragszeit in einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen stand. Innerhalb der rechtlichen Dauer dieser Arbeitsverhältnisse ist von den Werktagen auszugehen, unabhängig davon, ob und wie viel die versicherte Person an ihnen tatsächlich gearbeitet hat; die Zahl dieser Werktage ist mit dem Faktor 1.4 in Kalendertage umzuwandeln. Solchermassen ermittelte Kalendertage entsprechen einem vollen Beitragsmonat, wenn sie die Zahl 30 erreichen (vgl. Art. 11 Abs. 2 AVIV; BGE 122 V 249, 256). Soweit die versicherte Person, wie dies bei im Stundenlohn Beschäftigten oftmals der Fall ist, eine Ferienentschädigung erhält, ist diese für die Festlegung der Beitragszeit zu berücksichtigen (Art. 11 Abs. 3 AVIV; BGE 112 V 226, bestätigt in BGE 123 V 74 Erw. 5c).
1.4 Gemäss Art. 9 AVIG in der ab 1. Juli 2003 gültigen Fassung gelten für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit, sofern dieses Gesetz nichts anderes vorsieht, zweijährige Rahmenfristen (Abs. 1). Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Abs. 2). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Abs. 3). Ist die Rahmenfrist für den Leistungsbezug abgelaufen und beansprucht die versicherte Person wieder Arbeitslosenentschädigung, so gelten, sofern dieses Gesetz nichts anderes vorsieht, erneut zweijährige Rahmenfristen für den Leistungsbezug und die Beitragszeit (Abs. 4).
2. Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 16. Februar 2004 (Urk. 7/7) und in dem diese bestätigenden Einspracheentscheid vom 1. April 2004 (Urk. 2) davon aus, dass der Beschwerdeführer in der massgebenden zweijährigen Rahmenfrist für die Beitragszeit nur während insgesamt 11.887 Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung nachgewiesen habe. Der Beschwerdeführer macht dagegen geltend, er habe sich vor Antritt der Weltreise telefonisch beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum in Fehraltorf über die Voraussetzungen des Anspruchs auf Arbeitslosentschädigung erkundigt und sei dabei zu Unrecht nicht über die ab 1. Juli 2003 geltenden neuen Bestimmungen zum Anspruchserfordernis der genügenden Beitragszeit informiert worden. Andernfalls wäre er früher von seiner Weltreise zurückgekehrt (Urk. 1).
3.
3.1 In der vom 5. Januar 2002 bis 4. Januar 2004 dauernden Rahmenfrist für die Beitragszeit (Art. 9 Abs. 3 AVIG) hat der Beschwerdeführer vom 1. Mai 2000 bis 31. Dezember 2002 bei der Bauunternehmung A.___ AG eine beitragspflichtige Beschäftigung als Zimmermann ausgeübt.
3.2 Massgebend für die Ermittlung der anrechenbaren Werktage ist die rechtliche Dauer des Arbeitsverhältnisses mit der A.___ AG ab Beginn der Rahmenfrist für die Beitragszeit am 5. Januar 2002 bis 31. Dezember 2002:
| Zeitraum: | Werktage: |
| vom 5. bis 31. Januar 2002 | 19 |
| vom 1. bis 28. Februar 2002 | 20 |
| vom 1. bis 31. März 2002 | 21 |
| vom 1. bis 30. April 2002 | 22 |
| vom 1. bis 31. Mai 2002 | 23 |
| vom 1. bis 30. Juni 2002 | 20 |
| vom 1. bis 31. Juli 2002 | 23 |
| vom 1. bis 31. August 2002 | 22 |
| vom 1. bis 30. September 2002 | 21 |
| vom 1. bis 31. Oktober 2002 | 23 |
| vom 1. bis 30. November 2002 | 21 |
| vom 1. bis 31. Dezember 2002 | 22 |
| Total Werktage | 257 |
| Zeitraum: | Werktage: | Umrechnungsfaktor: | |
| vom 5. bis 31. Januar 2002 | 19 | 30 ÷ 19 | 1,5789 |
| vom 1. bis 28. Februar 2002 | 20 | 30 ÷ 20 | 1,5 |
| vom 1. bis 31. März 2002 | 21 | 30 ÷ 21 | 1,4285 |
| vom 1. bis 30. April 2002 | 22 | 30 ÷ 22 | 1,3636 |
| vom 1. bis 31. Mai 2002 | 23 | 30 ÷ 23 | 1,3043 |
| vom 1. bis 30. Juni 2002 | 20 | 30 ÷ 20 | 1,5 |
| vom 1. bis 31. Juli 2002 | 23 | 30 ÷ 23 | 1,3043 |
| vom 1. bis 31. August 2002 | 22 | 30 ÷ 22 | 1,3636 |
| vom 1. bis 30. September 2002 | 21 | 30 ÷ 21 | 1,4285 |
| vom 1. bis 31. Oktober 2002 | 23 | 30 ÷ 23 | 1,3043 |
| vom 1. bis 30. November 2002 | 21 | 30 ÷ 21 | 1,4285 |
| vom 1. bis 31. Dezember 2002 | 22 | 30 ÷ 22 | 1,3636 |
| Total | 257 | 16,8681 |