Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/IV.2007.01201.html 

Entscheide



IV.2007.01201

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichter Meyer

Sozialversicherungsrichter Walser

Gerichtssekretär Wilhelm
Urteil vom 26. Februar 2008
in Sachen
B.___
 
Beschwerdeführer

vertreten durch Rechtsanwalt Jaroslav Rudolf Zuzak
Zuzak Anwaltskanzlei
Bahnhofstrasse 98/100, 8001 Zürich

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin


Sachverhalt:
1.      
1.1     B.___, geboren 1966, ist gelernter A.___ mit mehrjähriger Berufserfahrung (Urk. 3/4, Urk. 9/12 und Urk. 9/51). Seit 1974 ist beim Versicherten eine Sprachstörung bekannt, welche durch die Invalidenversicherung nicht als schwer eingestuft wurde und am 25. Juli 1974 zur Abweisung des entsprechenden Leistungsanspruchs führte (Urk. 9/3).
1.2     1985 erlitt der Versicherte beim Sport linksseitig eine Knieverletzung. Als Restfolge dieser Verletzung resultierte eine Gonarthrose (Urk. 9/4 ff.). Wegen dieses Leidens stellte der Versicherte am 29. Juni 1998 bei der Invalidenversicherung ein Gesuch um Durchführung beruflicher Massnahmen (Urk. 9/17). Nach Evaluation der Verhältnisse sprach die Ausgleichskasse des Kantons Glarus, IV-Stelle, dem Versicherten mit Verfügungen vom 8. Februar und 12. August 1999 sowie 30. Mai 2000 eine Umschulungsmassnahme zu (Vorbereitung auf eine administrative Grundausbildung für die Dauer von März bis August 1999 und hernach Handelsausbildung an der Handelsschule C.___ von August 1999 bis August 2001; Urk. 9/28, Urk. 9/36, Urk. 9/42). Im August 2001 schloss der Versicherte die Umschulung ab (Urk. 9/49).
1.3     In der Folge arbeitete der Versicherte als Telefonverkäufer und -werber für die D.___ AG und erzielte damit ein durchschnittliches monatliches Einkommen in der Höhe von Fr. 4'000.-(Fixum von Fr. 2'500.- zzgl. Fr. 150.- Provision pro Abschluss). Diese Stelle verlor der Versicherte 2004 (Urk. 1 S. 7 Ziff. 14 und S. 12 Ziff. 29 ff., Urk. 9/50, Urk. 9/58, Urk. 9/67 S. 2).
In der Folge bezog der Versicherte Arbeitslosenentschädigung. Eine entsprechende Rahmenfrist lief von November 2004 bis November 2006 (Urk. 9/60). Zwischen August 2005 und März 2006 war der Versicherte im Rahmen eines Zwischenverdienstes für das R.___ tätig (Urk. 3/16). Weder die Stellensuche noch die Vermittlungsbemühungen seitens der Arbeitslosenversicherung vermochten ihm eine dauerhafte Neuanstellung zu verschaffen (vgl. Urk. 3/14, Urk. 3/17). Nach Erschöpfen des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung erfolgte die Aussteuerung und der Versicherte bezieht seither Sozialhilfe. Der Versicherte ist weiterhin auf Erwerbssuche. Daneben wird er von einer so genannten Event-Agentur für einzelne Einsätze aufgeboten (Urk. 3/15).
1.4     Am 6. Juni 2006 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an. Er ersuchte wiederum um Zusprechung beruflicher Massnahmen (Umschulung und Berufsberatung; Urk. 9/52). Nach verschiedenen zusätzlichen medizinischen und beruflich/erwerblichen Abklärungen (Urk. 9/58, Urk. 9/60, Urk. 9/63, Urk. 9/67-69, Urk. 9/75) erliess die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, am 2. April 2007 den Vorbescheid und stellte die Abweisung des Leistungsgesuchs betreffend Umschulung in Aussicht (Urk. 9/78). Dagegen erhob der Versicherte am 31. Mai 2007 Einwände (Urk. 9/87). Mit Verfügung vom 20. Juli 2007 hielt die IV-Stelle an der Verneinung des Anspruchs auf eine erneute Umschulung fest (Urk. 9/89 = Urk. 2).

2.       Gegen die Verfügung vom 20. Juli 2007 (Urk. 2) erhob der Versicherte mit Eingabe vom 13. September 2007 Beschwerde. Er beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei die IV-Stelle zu verpflichten, eine neue Umschulungsmassnahme zu evaluieren und zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zwecks eingehender medizinischer Beurteilung der Legasthenie, zur Beurteilung der derzeitigen Erwerbsfähigkeit, Durchführung einer Berufsberatung sowie zur eingehenden Abklärung einer geeigneten Umschulung an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1). In der Vernehmlassung vom 19. November 2007 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Am 7. Dezember 2007 wurde der Schriftenwechsel geschlossen (Urk. 10).


Das Gericht zieht in Erwägung:
1.      
1.1     Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 6. Oktober 2006, der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 28. September 2007, des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sowie das Bundesgesetz über die Schaffung und die Änderung von Erlassen zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) vom 6. Oktober 2006 in Kraft getreten. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Weil die angefochtene Verfügung am 20. Juli 2007 erging, gelangen die revidierten materiellen Vorschriften des IVG, der IVV und des ATSG im vorliegenden Fall noch nicht zur Anwendung. Bei den im Folgenden zitierten Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen handelt es sich deshalb - soweit nichts anderes vermerkt wird - um die Fassungen, wie sie bis Ende 2007 in Kraft gewesen sind.
1.2     Gemäss Art. 17 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (Abs. 2). Als Umschulung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.3     Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, dem vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen Versicherten eine seiner früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden Gleichwertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren (BGE 130 V 488 S. 489 f.). Dies deshalb, weil die Eingliederung nach dem Willen des Gesetzgebers lediglich so weit sicherzustellen ist, als dies im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist. Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 Erw. 4.2, 124 V 110 f. Erw. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 Erw. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 Erw. 3).
1.4     Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist zwar in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen - gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme - ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkommensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Möglichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 110 V 102 Erw. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 111 Erw. 3b; AHI 1997 S. 86 Erw. 2b; Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes in Sachen BSV gegen P. vom 28. Februar 2006, I 826/05, Erw. 4.1 in fine und in Sachen H. vom 18. August 2004, I 783/03, Erw. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss. Bern 1985, S. 186).
1.5     Massnahmen im Sinne von Art. 17 IVG setzen subjektive und objektive Eingliederungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 Erw. 2b/aa; ZAK 1991 S. 179 unten f. Erw. 3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilitation (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Stabilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem primären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder wieder herzustellen (ZAK 1992 S. 367 Erw. 2b; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes in Sachen W. vom 30. April 2001, I 527/00).

2.      
2.1     Der Beschwerdeführer wünscht eine weitere Umschulung mit der Begründung, die bereits erfolgte Umschulung habe nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Die manifeste Legasthenie verunmögliche eine dauernde Integration im kaufmännischen Bereich. Es sei ihm damals aber keine andere Umschulung angeboten worden. Die tatsächlichen Auswirkungen der Legasthenie seien von der Invalidenversicherung bis dato noch nie genau abgeklärt worden. Nach dem Verlust der Stelle bei der D.___ AG, wo er ein Jahreseinkommen in der Höhe von Fr. 59'000.- erzielt habe (vgl. Urk. 9/116/2), sei es ihm nicht mehr gelungen, eine adäquate Arbeit zu finden, mit welcher er wiederum ein Einkommen in derselben Grössenordnung hätte erzielen können. Die beeinträchtigenden Auswirkungen der Legasthenie seien von verschiedener Seite bestätigt worden. Zum einen von der E.___ GmbH, die ihm trotz mehrmaliger Versuche keinen neuen Einsatz habe vermitteln können, des Weiteren vom Blauen Kreuz als ehemalige Arbeitgeberin, und ferner von der Gemeinde Greifensee (vgl. Urk. 3/15-17). Auch seitens der Arbeitslosenversicherung seien die Schwierigkeiten bei der Stellensuche auf die Legasthenie zurückgeführt worden (vgl. Urk. 3/14). Der behandelnde Psychiater Dr. F.___ habe festgehalten, er habe sich gewundert, dass der Beschwerdeführer als extremer Legastheniker die Umschulungsmassnahme überhaupt habe absolvieren können (vgl. Urk. 3/20).
         Zusammenfassend ergebe sich, dass die Erwerbslosigkeit nicht auf konjunkturelle oder sonstige IV-fremde Gründe zurückgeführt werden könne. Verantwortlich seien vielmehr medizinische Probleme. Ohne eine erneute Umschulung sei eine berufliche Wiedereingliederung nicht möglich. Nach geltendem Recht müsse eine Eingliederungsmassnahme nicht mehr zu einer wesentlichen Verbesserung der Erwerbsfähigkeit führen. Es sei ausreichend, wenn damit eine Verbesserung erzielt werden könne (Urk. 1 S. 9 ff. Ziff. 21 ff.).
2.2     Die Beschwerdegegnerin führt aus, die Abklärungen hätten ergeben, dass die Umschulung zu einer angemessenen Eingliederung geführt habe. Der Abschluss der Handelsschule und die anschliessende Tätigkeit im kaufmännischen Bereich hätten dies gezeigt. Dafür, dass die Stelle nicht voll den Wünschen des Beschwerdeführers entsprochen habe, habe die Invalidenversicherung nicht einzustehen. Die Kündigung sei aus IV-fremden Gründen erfolgt und nicht aufgrund einer gesundheitsbedingten verringerten Leistungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer mache IV-fremde Umstände geltend, wie Arbeitsmarkt, Konkurrenz, Alter. Seit dem Abschluss der Umschulung habe sich in medizinischer Hinsicht keine Veränderung der Verhältnisse ergeben (Urk. 2 S. 1 f., Urk. 8).

3.      
3.1     Bei der Legasthenie handelt es sich um eine Lese- und Rechtschreibstörung bei ansonsten normgerechter Gesamtintelligenz (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 259. A., Berlin/New York 2002, S. 943).
         Aus dem Jahre 1974 aktenkundig ist die Abweisung eines Leistungsgesuchs im Zusammenhang mit einer Sprachstörung des Beschwerdeführers. Die Verneinung des Anspruchs auf Leistungen erfolgte mit der Begründung, es handle sich nicht um eine schwere Sprachstörung (Urk. 9/1). Weitere Unterlagen aus dieser Zeit, namentlich medizinischer Art, sind nicht vorhanden.
         Erst in der Anmeldung vom 6. Juni 2006 findet sich wieder ein Hinweis auf die Sprachstörung. Der Beschwerdeführer erwähnte, seiner Legasthenie habe man bei der Evaluation seiner Umschulung keine Beachtung geschenkt (Urk. 9/52 S. 7 Ziff. 8). Dr. med. G.___, Orthopädische Chirurgie FMH, hielt im Bericht vom 13. Juli 2006 fest, für die Umschulung auf eine Bürotätigkeit habe der Beschwerdeführer zwar bezüglich Intelligenz über die nötigen Voraussetzungen verfügt, jedoch hätten sich in der Folge Probleme im Zusammenhang mit einer mittelschweren Legasthenie gezeigt. Der Beschwerdeführer habe berichtet, dass er zwar recht gut lesen, aber praktisch nicht schreiben könne (Urk. 9/63/6).
         Am 28. Juli 2006 erwähnte auch der behandelnde Psychiater des Beschwerdeführers, Dr. med. F.___, der Beschwerdeführer leide an einer Lese- und Rechtschreibstörung (ICD10 F81.0). Die Umschulung auf das Handelsdiplom sei falsch gewesen, denn man habe hierbei der Legasthenie nicht Rechnung getragen (Urk. 9/67 S. 1 lit. A und S. 2 lit. D.3). Am 23. August 2007 erwähnte Dr. F.___, der Beschwerdeführer sei ein extremer Legastheniker. Es wundere ihn, dass dieser die Umschulung überhaupt habe absolvieren können. Das Mobbing an der nach der Umschulung angetretenen Stelle habe auch mit der Legasthenie zu tun. Eine Tätigkeit im kaufmännischen Sektor sei ungeeignet (Urk. 3/20).
3.2     Nach dem Gesagten kann es als erwiesen gelten, dass der Beschwerdeführer seit seiner Kindheit an einer Legasthenie leidet, auch wenn eine systematische und fachärztliche Abklärung dieser Sprachstörung, soweit aus den Akten ersichtlich, weder in der Kinder- respektive Jugendzeit noch später durchgeführt worden ist. Die vorliegenden Beurteilungen lassen über das Ausmass der Störung - die Angaben reichen von nicht schwer bis extrem - keine klaren Schlussfolgerungen zu. Feststellen lässt sich immerhin, dass das Schulzeugnis des ersten und zweiten Sekundarschuljahres deutliche Schwächen des Beschwerdeführers in den sprachlichen Fächern aufzeigt. Trotz jeweils guter bis sehr guter Fleissbewertung lagen die Leistungen auf durchschnittlichem bis unterdurchschnittlichem Niveau (Urk. 9/2). Den erfolgreichen Abschluss der Sekundarschule stellten die sprachlichen Schwierigkeiten indessen nicht in Frage. Auch die nachfolgende Ausbildung zum A.___ vermochte der Beschwerdeführer mit Erfolg abzuschliessen, und er arbeitete über Jahre auf diesem Beruf, zu dessen Aufgabe er einzig aufgrund der Gonarthrose gezwungen war (Urk. 9/12/1-9, Urk. 9/12/1, Urk. 9/12/9, Urk. 9/17 S. 4 Ziff. 6, Urk. 9/52 S. 4 Ziff. 6). Die Sprachstörung wirkte sich somit im Ergebnis weder auf die Ausbildung noch hernach auf die Erwerbstätigkeit beeinträchtigend aus.
3.3     Nachteilige erwerbliche Auswirkungen der Sprachstörung werden erst in der Zeit nach dem Verlust der Stelle bei der D.___ AG geltend gemacht. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die persönlichen Eingaben des Beschwerdeführers orthographisch und grammatikalisch keine grösseren Mängel aufweisen (Urk. 9/87, Urk. 9/90). Des Weiteren fällt auf, dass er während der Umschulung in den Sprachfächern im schriftlichen Bereich durchwegs bessere Leistungen erbrachte als im mündlichen (Englisch, Deutsch und Französisch: schriftlich 4-4.5, mündlich 3.5-4; Urk. 3/11 S. 2). Bei einer ins Gewicht fallenden Lese- und Schreibstörung wäre das Gegenteil zu erwarten. Eine ausgeprägte Form von Legasthenie kann angesichts dieser Umstände nicht angenommen werden. Dafür spricht auch, dass der Beschwerdeführer die Umschulungsmassnahme mit ordentlichen Leistungen absolvierte (vgl. Urk. 9/38, Urk. 9/40).
         Dass der Beschwerdeführer weder einen eigentlichen kaufmännischen Abschluss noch ein anderes mögliches Diplom ablegte, hängt nicht mit einem entsprechenden Scheitern aufgrund der Sprachstörung zusammen, sondern es entsprach der freien Entscheidung des Beschwerdeführers respektive hatte später anderweitige persönliche, IV-fremde Gründe (vgl. Urk. 9/40, Urk. 9/46, Urk. 9/50). Nicht zutreffend ist im Übrigen der Vorwurf, bei der Evaluation der Umschulung sei die Legasthenie nicht berücksichtigt worden. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers berücksichtige die Beschwerdegegnerin dieses Leiden, kam aber zutreffend zum Schluss, es handle sich nicht um eine schwere Form der Störung, die einer Umschulung in den kaufmännischen Bereich entgegenstehe (vgl. Urk. 9/25 S. 2).
         In das sich ergebende Bild passen die Ausführungen des Beschwerdeführers in seiner Eingabe vom 31. Mai 2007 nach Erlass des Vorbescheids. Gemäss diesen Ausführungen stehen bei der weitgehend erfolglosen Stellensuche nicht die Probleme mit der Legasthenie im Vordergrund, sondern IV-fremde Gründe. Der Beschwerdeführer wies in erster Linie auf fehlende Fremdsprachenkenntnisse, auf mangelnde Berufserfahrung sowie auf sein Alter hin. Die Konkurrenz von KV-Abgängern, die mehrere Fremdsprachen beherrschten, sei gross (Urk. 9/87).
3.4     Zusammenfassend ergibt sich, dass keine Indikation für eine weitere Umschulung besteht. Dass der Beschwerdeführer aufgrund der Legasthenie Stellen verlor respektive keine findet, lässt sich nicht rechtsgenüglich erhärten. Hinsichtlich der Stelle im Telefonverkauf waren selbst nach Darstellung des Beschwerdeführers andere Ursachen kausal (Mobbing; vgl. Urk. 1 S. 7 Ziff. 14). Unterlagen, die hinreichend belegen, dass sich die Legasthenie auf die Erwerbstätigkeit behindernd auswirkt, reichte der Beschwerdeführer keine ein, weder in Bezug auf die Legasthenie selber noch in Bezug auf die Folgen.
         Das Schreiben der E.___ GmbH vom 21. August 2007 enthält keine näheren Angaben. Es wird lediglich erwähnt, ein Grund für die schwierige Vermittelbarkeit könnte die Legasthenie des Beschwerdeführers gewesen sein, denn man habe diesen Umstand der Kundschaft nicht verschweigen können (vgl. Urk. 3/17).
         Im Schreiben des Blauen Kreuzes vom 22. August 2007, zwischenzeitlicher Arbeitgeber des Beschwerdeführers, wird ausgeführt, schriftliche Arbeiten des Beschwerdeführers hätten stark korrigiert werden müssen. Selbstständig habe der Beschwerdeführer auf diesem Gebiet nicht arbeiten können. Dies sei auf seine Legasthenie zurückzuführen (Urk. 3/16). Welche Art von Schreibarbeiten unbefriedigend erledigt wurde, blieb unerwähnt, und beim Blauen Kreuz handelt es sich nicht um die kompetente Stelle zur Beurteilung der Legasthenie des Beschwerdeführers. Das Schreiben steht auch in unüberbrückbarem Widerspruch zum früheren Arbeitszeugnis vom 28. März 2006 (Urk, 3/16 S. 2).
         Der Hinweis im Protokoll der Sozialbehörde Greifensee vom 22. August 2007, für den Beschwerdeführer als Legastheniker sei es schwierig, eine Stelle zu finden, ist zu pauschal, als dass daraus neue Erkenntnisse gewonnen werden könnten.
         Aus dem Schreiben des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) Uster vom 30. August 2007 ergibt sich, im Rahmen der Vermittlungsbemühungen sei festgestellt worden, dass sich der Beschwerdeführer nicht angestrengt habe, seine schriftlichen Bewerbungen zu verbessern. Der Beschwerdeführer führe die Problematik in Bezug auf die Bewerbungsunterlagen auf seine Legasthenie zurück. Ein Grund für die Schwierigkeiten bei der Stellensuche könnte auch die mangelnde Büroerfahrung des Beschwerdeführers sein (Urk. 3/14).
Die Schreiben der E.___ GmbH vom 21. August 2007, von R.___ vom 22. August 2007 und des RAV vom 30. August 2007 sind auch insofern zurückhaltend zu würdigen, als diese Schreiben offenbar auf Ersuchen des Beschwerdeführers im Hinblick auf das Beschwerdeverfahren verfasst wurden. Dies gilt auch für den weiter hinten zu würdigenden Bericht des Dr. F.___ vom 23. August 2007 (Urk. 3/20).
3.5     Auch die medizinischen Berichte untermauern den Standpunkt des Beschwerdeführers nicht. In Bezug auf die Gonarthrose ist der Zustand unverändert (vgl. Urk. 9/63), und aus psychiatrischer Sicht ist eine Einschränkung der erwerblichen Leistungsfähigkeit nicht ausgewiesen. Dr. F.___ bestätigte am 28. Juli 2006, der Beschwerdeführer habe seine Depression überwinden können. Die Legasthenie erwähnte er in dem Sinne, der Beschwerdeführer gehe davon aus, er finde aufgrund der Legasthenie keine Stelle (Urk. 6/67 S. 3). Ebenfalls im Juli 2006 kam Dr. G.___ in Absprache mit dem Beschwerdeführer zum Schluss, dass nicht eine neue Umschulung angezeigt sei, sondern vielmehr ein Zusammensetzen der vorhandenen beruflichen Bausteine (vgl. Urk. 9/63 S. 2).
         Am 23. August 2007 hielt Dr. F.___ ohne erkennbaren Anlass fest, der Beschwerdeführer leide an einer extremen Legasthenie und es wundere ihn, dass der Beschwerdeführer die Umschulung überhaupt habe abschliessen können. Auch das Mobbing bei seiner Anstellung nach der Umschulung habe mit der Sprachstörung zu tun. Eine weitere Umschulung sei angezeigt, da er für eine Tätigkeit im kaufmännischen Bereich ungeeignet sei (vgl. Urk. 3/20). Erläuternde Angaben zu diesen Aussagen fehlen gänzlich. Weitere Abklärungen der Sprachstörung hielt Dr. F.___ ganz offensichtlich nicht für angezeigt, obschon er von einer Störung in extremer Form ausging. Diese Beurteilung basiert offenbar auf den Schilderungen des Beschwerdeführers und es kann daher nicht massgebend darauf abgestellt werden.
3.6     Zusammenfassend fehlt es nach dem Gesagten an einer hinreichenden Substantiierung des Standpunktes des Beschwerdeführers. Insbesondere vermochte der Beschwerdeführer nicht darzutun, dass sich sein Sprachleiden seit seiner Jugendzeit akzentuiert oder verschlimmert hätte, oder dass es im Rahmen der Evaluation der Umschulung nicht berücksichtigt worden wäre. Das Leiden war und ist offensichtlich nicht schwerwiegend ausgeprägt und der Beschwerdeführer vermochte die Umschulung erfolgreich zu absolvieren. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit muss davon ausgegangen werden, dass invaliditätsfremde, in erster Linie strukturelle, Gründe die Reintegration erschweren. Zusätzliche Abklärungen sind bei dieser Sachlage nicht notwendig und die Verneinung des Anspruchs auf eine weitere Umschulung ist nicht zu beanstanden.
4.       Gemäss dem seit 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen teil des Sozialversicherungsgerichts (ATSG) kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr. 700.-- als angemessen. Ausgangsgemäss sind die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.



Das Gericht erkennt:
1.         Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.         Die Gerichtskosten von Fr. 700.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.         Zustellung gegen Empfangsschein an:
- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
- Rechtsanwalt Jaroslav Rudolf Zuzak
- Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
- die Gerichtskasse (nach Eintritt der Rechtskraft)
4.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
          
           Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
           Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).