Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/IV.2010.00466.html 

Entscheide



IV.2010.00466

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Engler, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichterin Weibel-Fuchs

Ersatzrichterin Arnold Gramigna

Gerichtssekretärin Onyetube
Urteil vom 24. August 2010
in Sachen
A.___
 
Beschwerdeführer

vertreten durch Procap Schweizerischer Invaliden-Verband
Rechtsanwältin Pascale Hartmann
Froburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin


Sachverhalt:
1.       Der 1964 geborene A.___ hat bei der B.___ eine Berufslehre als Betriebsmitarbeiter absolviert und von 1996 bis Ende 2007 als Network Manager (IT-Verantwortlicher) bei der C.___ gearbeitet (Urk. 7/3, Urk. 7/7). Wegen seit Dezember 2006 bestehenden psychischen Beschwerden meldete sich der Versicherte am 11. Januar 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3). In der Folge tätigte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, beruflich-erwerbliche (Urk. 7/7, Urk. 7/9, Urk. 7/19) sowie medizinische (Urk. 7/11, Urk. 7/13) Abklärungen, liess den Versicherten durch Dr. med. J.___, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch begutachten (Gutachten vom 5. August 2008, Urk. 7/20) und zog die Akten des Krankenversicherers Helsana bei (Urk. 7/28, Urk. 7/30). Mit Mitteilung vom 24. Februar 2009 gewährte sie dem Versicherten Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 16. Februar bis 16. August 2009 bei der E.___ (Urk. 7/37). Am 19. Mai 2009 übernahm die IV-Stelle die Kosten für den Kurs ICT Assistant PC/Network SIZ vom 25. Mai bis 31. Oktober 2009 in der F.___ (Urk. 7/44). Gestützt auf den Bericht der E.___ vom 30. Juli 2009 (Urk. 7/51) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 24. September 2009 die Übernahme der Kosten für die Weiterführung des Arbeitstrainings bei der E.___ vom 15. August bis 31. Oktober 2009 mit (Urk. 7/53). Anschliessend führte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen durch (Urk. 7/58) und liess den Versicherten durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch untersuchen (psychiatrischer Untersuchungsbericht von Prof. Dr. med. G.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 9. Dezember 2009, Urk. 7/61). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 9. Februar 2010, Urk. 7/68; Einwand vom 19. März 2010, Urk. 7/77) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 20. April 2010 den Abschluss der beruflichen Massnahmen mit (Urk. 7/79).

2.       Hiegegen erhob A.___ durch Rechtsanwältin Pascale Hartmann, Procap, am 17. Mai 2010 Beschwerde (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 24. Juni 2010 ersuchte die Beschwerdegegnerin um Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).

3.       Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1     Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.       diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.       die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Abs. 1).
         Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1bis).
         Die Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem gemäss Abs. 3 lit. b dieser Bestimmung in Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe).
1.2     Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (Abs. 2). Als Umschulung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
         Massnahmen im Sinne von Art. 17 IVG setzen subjektive und objektive Eingliederungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 Erw. 2b/aa; ZAK 1991 S. 179 unten f. Erw. 3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilitation (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Stabilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem primären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder wieder herzustellen (ZAK 1992 S. 367 Erw. 2b; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes in Sachen W. vom 30. April 2001, I 527/00).
1.3     Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 Prozent erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 124 V 110 f. Erw. 2a und b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 489 f. Erw. 4.2; AHI 2000 S. 27 Erw. 2b und S. 62 Erw. 1 je mit Hinweisen). Hieran hat sich mit In-Kraft-Treten der 4. IV-Revision und der damit erfolgten Anpassung von Art. 17 IVG sowie Art. 6 Abs. 1 IVV auf den 1. Januar 2004 nichts geändert (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes in Sachen BSV gegen P. vom 28. Februar 2006, I 826/05, Erw. 4.1 in fine und in Sachen S. vom 16. März 2006, I 159/05, Erw. 3.2.2 mit Hinweisen).
         Jede Massnahme, soll ein gesetzlicher Anspruch darauf bestehen, muss zur Erreichung des von ihr bezweckten Eingliederungszieles geeignet sein. Für ungeeigneten Mitteleinsatz hat die IV nicht aufzukommen. Die Geeignetheit bezieht sich einerseits (objektiv) auf die Massnahme, anderseits (subjektiv) auf die Person des Versicherten (Meyer-Blaser, Rechtsprechung des Bundesgericht zum IVG, S. 56).

2.
2.1     Die Beschwerdegegnerin machte geltend, der Beschwerdeführer habe das Arbeitstraining in der E.___ absolviert. Da er gemäss Einschätzung des RAD zu 100 % arbeitsfähig sei, bestehe kein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden. Es sollte ihm daher möglich sein, sich selbständig eine neue Anstellung zu suchen. Dass die beruflichen Massnahmen nicht erfolgreich hätten abgeschlossen beziehungsweise die Zielvorgaben nicht hätten erreicht werden können, müsse auf invaliditätsfremden Gründen fussen (Urk. 2).
2.2     Der Beschwerdeführer hielt dem im Wesentlichen dagegen, die Einschätzung des RAD stehe im klaren Widerspruch zum Ergebnis des Gutachtens von Dr. J.___. Im Gegensatz zum RAD sei dieser von einer erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen, was auch mit den Feststellungen der E.___ übereinstimme. Alle in den Fall involvierten Ärzte sowie die E.___ attestierten ihm eine mindestens 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft. Die E.___ halte eine Steigerung der Leistung für weiterhin möglich bei genügendem Training. Auch er sei sehr motiviert weiterzumachen mit dem Ziel, wieder Fuss zu fassen in der freien Wirtschaft. Bei dieser Aktenlage sei daher nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin die Weiterführung der beruflichen Massnahmen Ende 2009 verweigert habe (Urk. 1).
2.3     Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf weitere berufliche Eingliederungsmassnahmen hat.

3.
3.1     Dr. J.___ hielt in seinem Gutachten vom 5. August 2008 (Urk. 7/20) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) multiple Störungen der Sexualpräferenz (ICD-10 F65.6; sonstige Störungen der Sexualpräferenz wie Sodomie: F65.8; Pädophilie: F65.4 - in Verbindung mit riskantem Sexualverhalten und diffuser sexueller Entwicklung und Orientierung) sowie (2) eine Angst- und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2) mit sozialer Phobie (ICD-10 F40.1) fest (Urk. 7/20/13). Die Arbeitsunfähigkeit im zuletzt ausgeübten Beruf liege ab dem 1. Februar 2008 bis auf Weiteres bei 100 %, diejenige im eigenen Haushalt (jedoch bei sich abzeichnendem erheblichen Meideverhalten) bei 30 %. Unter Berücksichtigung des vorliegenden Gesundheitsschadens ergebe sich für eine angepasste Tätigkeit aus medizinisch-psychiatrischer Sicht folgendes Leistungsprofil: Der Grad der Arbeitsunfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit, jedoch zunächst bezogen auf einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft, sei derzeit stark gemindert. Er liege allenfalls bei 50 %. Dieser Grad der Arbeitsunfähigkeit für eine angepasste wie auch die angestammte Tätigkeit sei jedoch nicht als anhaltend anzusehen. Auch gelte er schon aktuell nicht für einen spezifisch angepassten Arbeitsplatz, wie er zum Beispiel durch die Institution E.___ vorgehalten werden könne. Für diese Variante ergebe sich bei einem Grad der Arbeitsfähigkeit von 80 % bis 100 % derzeit in etwa folgendes und künftig auch noch verbesserbares Leistungsprofil: Die tägliche Arbeitszeit könne sechs bis acht Stunden betragen, wobei Pausen einzuhalten seien. In Frage kämen Tätigkeiten in wechselnder Arbeitshaltung in Tagesschicht, bei zunächst nur leichteren bis mittelschweren mental-psychischen Belastungen, die später eventuell steigerbar seien. Publikumsverkehr, erhöhte Verantwortung für Maschinen und Personen sollten am Anfang und bis auf Weiteres möglichst vermieden werden, allenfalls auf ein Minimum beschränkt sein (Urk. 7/20/14-15). Als berufliche Massnahme werde eine „vorgeschaltete“ berufliche Reintegration, etwa über die E.___, vorgeschlagen. Begleitet werden müsse die berufliche Massnahme durch eine suffiziente, konsequent und hinreichend lange durchgeführte psychiatrisch-psychotherapeutische Fachbehandlung zur Therapie der sexuellen Auffälligkeiten und Gewaltpotentiale. In einem folgenden Schritt könne, einen entsprechenden Erfolg der beruflichen Massnahme und der Behandlung vorausgesetzt, das Leistungsvermögen für eine Tätigkeit in freier Wirtschaft erneut evaluiert werden. Durch ein entsprechendes Coaching unterstützt, könne dann eine weitergehende berufliche Rehabilitation auf dem freien Arbeitsmarkt versucht werden (Urk. 7/20/17).
3.2     Im Übrigen verwies Dr. J.___ auch auf das vom Krankenversicherer in Auftrag gegebene Gutachten von Dr. med. H.___, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Juli 2008 (Urk. 7/20/19-26). Dieser kam zum Schluss, dass die festzustellende Persönlichkeitsorganisationsstörung mit auffälligen Verhaltensweisen, vor allem sexueller Art, aber auch mit ausgeprägten Aggressionen eine berufliche Wiedereingliederung zur Zeit schwierig mache, sodass bei beruflichen Rehabilitationsmassnahmen die bestehenden psychischen Auffälligkeiten mit in ein Behandlungsprogramm einbezogen werden müssten, weshalb eine berufliche Wiedereingliederung nur unter geschützten Bedingungen sinnvoll sei, beispielsweise in der Institution E.___.
3.3     Ferner liegt der Bericht des behandelnden Psychiaters Dr. med. I.___ vom 2. Mai 2008 zu Händen der Helsana Versicherungen AG (Urk. 7/30/35-38) in den Akten. Darin hält dieser als Diagnosen eine psychosoziale Anpassungsstörung (ICD-10 F 43.2), eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion (ICD-10 F 43.22), eine latente Suizidgefährdung sowie als strukturelle Störung ein emotional impulsives Verhalten (ICD-10 F 60.30) fest und führt aus, der Zustand des Beschwerdeführers sei (seit seinen letzten Berichten vom 25. Februar und 16. April 2007) unverändert geblieben. Er habe schliesslich seine Arbeitsstelle verloren und sich - soweit es ihm möglich gewesen sei - bemüht, eine Stelle zu finden. Doch die notwendige Unterstützung habe er weder beim RAV noch bei andern Institutionen finden können. Er sei nicht im Stande, sich aus eigenem Antrieb zu rehabilitieren. Er (Dr. I.___) habe daher auch der Invalidenversicherung berichtet, dass eine professionelle Beratung dringend nötig sei; dies sei bisher nicht geschehen. Diese Situation löse beim Beschwerdeführer Resignation und Apathie aus. Er gleite somit in einen chronischen Zustand der Depression und Enttäuschung ab. Das dinglichste Therapieziel sei weniger eine psychotherapeutische, sondern eine sozial rehabilitierende Begleitung, um den Beschwerdeführer in eine ihm angepasste berufliche Tätigkeit wieder einzugliedern. Die weitere Behandlung geschehe im Sinne der Stützung und Beachtung der Stimmungsschwankungen, die unter Umständen eskalieren könnten.
3.4     Gestützt auf diese medizinischen Akten wurde dem Beschwerdeführer zunächst ein vom 16. Februar bis 14. August 2009 dauerndes Arbeitstraining bei der E.___ zugesprochen (Urk. 7/39) mit dem Ziel, ihn im IT-Bereich nachzuqualifizieren. Hierbei absolvierte der Beschwerdeführer ab Mai 2008 einen sechsmonatigen Kurs als ICT Assistant PC/Network SIZ (Urk. 7/44), um die Lücken zu füllen, die sich im Verlauf des Arbeitstrainings gezeigt hatten. Gegen die gleichzeitig auferlegte Schadenminderungspflicht in Form einer fachpsychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung (mit Spezialgebiet für Störung der Sexualpräferenz) (Schreiben vom 20. März 2009, Urk. 7/42), wehrte sich der Beschwerdeführer erfolgreich mit Unterstützung seines behandelnden Psychiaters Dr. I.___, der festhielt, dass das Problem nicht die Sexualpräferenz sei, und ausserdem den Bericht des Psychiatrisch-psychologischen Dienstes, Zürich, vom 27. Oktober 2008 zu den Akten reichte, woraus hervorgeht, dass der Beschwerdeführer von Ende 2002 bis Ende 2005 eine deliktorientierte Behandlung absolviert hatte, er aus forensisch-psychiatrischer Sicht in Bezug auf Rückfälle sexueller Natur als aktuell nicht gefährdet erscheine und derzeit auch keine entsprechenden Inverventionen angezeigt seien (Urk. 7/43/3-4).
3.5     Im Zwischenbericht der E.___ vom 30. Juli 2009 (Urk. 7/51) wird festgehalten, dass der gesundheitliche Verlauf während der Massnahme im Allgemeinen stabil gewesen sei. Bedingt durch die Einschränkungen des Beschwerdeführers sei es aber immer wieder zu Krankheitstagen (als Absenzengründe werden Magen/Darm-Probleme angegeben) gekommen, teilweise durch Medikamentenumstellung, teilweise bedingt durch Änderungen der Situation (neuer Kursort, neuer Kurs, anderer Weg). Der Beschwerdeführer reagiere sehr stark auf alle Veränderungen; diese würden in ihm starke Ängste auslösen. Ein gewohnter Rahmen und überhaupt Gewöhnung seien für ihn sehr wichtig. Eine Fortsetzung der beruflichen Massnahmen sei notwendig, damit der Beschwerdeführer Gelegenheit habe, die bereits erarbeiteten Kenntnisse zu vertiefen und mit dem MCSE (Microsoft Certified System Engineer) abzuschliessen. Der Bericht der E.___ schliesst mit dem Vorschlag, das Arbeitstraining um drei Monate zu verlängern, mit dem Ziel, den jetzigen ICT Professional abzuschliessen und im September/Oktober 2009 mit der Ausbildung zum MCSE zu beginnen. Die Präsenzzeit solle von 50 auf 70 % angehoben werden. Pararell dazu wurde ein Praktikum vorgeschlagen, um die erworbenen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden und zu festigen. Aufgrund der Einschränkungen des Beschwerdeführers hielten die Berufsfachleute der E.___ es zunächst für sinnvoll, das Praktikum vor Ort im geschützten Rahmen durchzuführen. In einem zweiten Teil nach den drei Monaten sollte ein externes Praktikum angegangen werden. Dort hielten sie eine Begleitung im Praktikum (Unterstützung bei der Praktikumssuche, Vereinbarungen, Besuch des Praktikumsbetriebs, Kontrolle des Lernfortschritts, Auswertungen, Unterstützung beim Eintritt in den Beruf) durch ihren Jobcoach für sinnvoll. Nach dem Abschluss des MCSE sähen sie gute Chancen für den Beschwerdeführer, einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft zu finden.
         Gestützt hierauf übernahm die Beschwerdeführerin die Kosten für eine Weiterführung des Arbeitstrainings im E.___ ab 15. August 2009 bis 31. Oktober 2009 (urk. 7/53).
3.6     Im Abschlussbericht vom 15. Dezember 2009 (Urk. 7/65) notierten die Fachpersonen der E.___, der Beschwerdeführer habe die im letzten Bericht beschriebenen Ziele (MCSE-Kurs, Praktikum, Arbeitsplatzsuche) aufgrund des Krankheitsverlaufs nicht erreichen können. Die auf Ende August geplante Steigerung der Präsenzzeit von 50 % auf 70 % habe aufgrund der Krankheitsbelastung und der häufigen Absenzen nicht erreicht werden können. Es habe sich gezeigt, dass jegliche neue Anforderung oder Veränderung massive gesundheitliche Folgen habe. So sei es zum Beispiel nicht möglich gewesen, in der Verlängerungsfrist einen Praktikumsplatz zu finden, da ein weiter entfernt liegender Praktikumsbetrieb nicht in Frage komme. Neben den Angstzuständen seien häufig auch Magen-Darmprobleme aufgetreten, welche zu häufigen Absenzen geführt hätten. Aufgrund der vorliegenden Krankheitsproblematik sei ein Einsatz in der freien Wirtschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht realistisch. Im Vordergrund sollte deshalb die Abklärung der gesundheitlichen Probleme stehen (Urk. 7/65/5).
3.7     Prof. Dr. med. G.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, RAD, untersuchte den Beschwerdeführer am 26. Oktober 2009 und hielt in seinem Bericht vom 9. Dezember 2009 (Urk. 7/61) zunächst fest, die Diagnosen von Dr. J.___ und Dr. H.___ seien nicht geeignet, eine Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Die Störung der Sexualpräferenz habe sich nicht auf den Arbeitsplatz des Beschwerdeführers ausgewirkt und sei überdies vom psychiatrisch-psychologischen Dienst des Kantons Zürich erfolgreich behandelt worden. Die Diagnose einer Störung Angst und Depression gemischt habe gemäss geltender Rechtssprechung des Bundesgerichts keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/61/1). Nach Darstellung des bisherigen Verlaufs, der aktuellen Lebenssituation und dem Tagesverlauf gibt Dr. G.___ als geklagte aktuelle Beschwerden Verdauungsstörungen in den letzten Wochen und Durchfall an, wegen denen sich der Beschwerdeführer teilweise im E.___-Programm abgemeldet habe. Hausärztlich sei eine Dickdarmentzündung festgestellt und mit Antibiotika behandelt worden. Unter psychopathologischem Befund führt der RAD-Psychiater an, der Beschwerdeführer sei in Psychomotorik und Prosodik ungestört, besonnen, geordnet und orientiert. Er sei stundenweise, nicht aber zwei Wochen lang ohne Unterbruch deprimiert, habe keine Einschlafprobleme, gelegentlich wache er in der Nacht auf. Er brauche am Morgen viel Motivation um aufzustehen. Der Appetit sei ständig zu gross, er fände aber nicht die Energie um abzunehmen, fühle sich aber wegen seines Übergewichtes sozial nicht akzeptiert. Er fühle sich kompetent mit Selbstvertrauen in Bezug auf seine frühere berufliche Tätigkeit. Es ergäben sich keine Hinweise auf manische oder hypomanische Episoden. Der Beschwerdeführer habe schon panikartige Angst erlebt, wobei die vegetative Begleitsymptomatik nicht klar eruiert habe werden können. Auf die Frage nach Angst unter Menschenmengen und im öffentlichen Verkehr, habe der Beschwerdeführer sehr ungehalten reagiert und betont, er benutze nie ein öffentliches Verkehrsmittel, die Eisenbahn sei für ihn ein Horror. Er habe schon Stunden verbracht beim Studium des Fahrplans, als er ein öffentliches Verkehrsmittel habe benützen müssen. Er sei früher gerne an eine "Chilbi" gegangen, jetzt gehe er nur noch, wenn es wenig Leute habe. Viele Leute seien ihm unangenehm, aber nicht unerträglich. Es bestünden keine Hinweise auf Zwangsstörung oder Zwangsdenken, keine extremen dramatischen Ereignisse mit Auswirkungen bis zur Jetztzeit, keine Hinweise auf psychotische Störungen. Prof. Dr. G.___ schliesst seinen Untersuchungsbericht vom 9. Dezember 2009 mit der Diagnose Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände (ICD-10 Z60.0) als Nebendiagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Hauptdiagnosen mit solcher stellte er keine. In der Diskussion mit den anderslautenden Beurteilungen von Dr. I.___ führte er aus, eine Belastungsstörung im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung liege beim Versicherten nicht vor, weil kein auslösendes Ereignis von aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass vorliege und vom Versicherten auch nicht angegeben werde. In der psychiatrischen Exploration habe keine depressive Symtpomatik gefunden werden können. Eine Anpassungsstörung sollte nicht länger als sechs Monate andauern und könne durch eine Z-Codierung (Z60.0 ohne Krankheitswert) ersetzt werden. Die nichtorganische Insomnie habe sich deutlich gebessert, eine Persönlichkeitsstörung im Sinne einer emotional instabilen Persönlichkeit könne nicht diagnostiziert werden. In der Adoleszenz und der Jugend habe es einzelne Ereignisse gegeben, die den Verdacht auf eine solche Diagnose berechtigen würden. Auf der anderen Seite habe sich der Beschwerdeführer, wenn die Umgebung günstig gewesen sei, ganz offensichtlich angepasst verhalten können. Dies gelte insbesondere für die Periode nach 1987, als er von seinem Arbeitgeber als Spezialist in IT berufsbegleitend ausgebildet worden sei. Auch seine bisher letzte Stelle habe er über 10 Jahre halten können. Der Beschwerdeführer schildere eindrücklich, wie sich das Arbeitsklima aus seiner Sicht im Verlaufe der Zeit geändert habe. Ein Versicherter mit einer emotional labilen Persönlichkeitsstörung hätte diesen zunehmenden Druck nicht ohne impulsives und unkontrolliertes Handeln derart lange Zeit durchgehalten. Die vom Beschwerdeführer geschilderten Auffälligkeiten, wie beispielsweise die Kontaktstörungen, die aggressiven Phantasien beim Auto fahren, lägen innerhalb der Grenzen der Norm und würden nicht die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung berechtigen.

4.       Aus den Berichten der E.___ geht hervor, dass der Abschluss des MCSE-Kurses inklusive Praktikum vorteilhaft wäre, um einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft zu finden. Dieses Ziel konnte der Beschwerdeführer jedoch nicht erreichen, einerseits weil er aufgrund seiner Magen/Darmprobleme viele Absenzen aufwies, andererseits weil er als Voraussetzung für eine Vermittelbarkeit in der freien Wirtschaft keine Praktikumsstelle ausserhalb antreten wollte, weigert er sich doch, ausserhalb seines Wohnortes zu arbeiten. Die E.___ sah sich daher nicht in der Lage, das berufliche Arbeitstraining fortzuführen. Mithin ist die Eingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers für eine Fortsetzung der anvisierten und als grundsätzlich geeignet erachteten beruflichen Massnahme nicht gegeben. Der Beschwerdeführer verlangt - auch beschwerdeweise - sinngemäss die Zuweisung eines geschützten Arbeitsplatzes bei der E.___. Abgesehen davon, dass eine solche Massnahme aufgrund des Gesagten nicht geeignet ist, die Eingliederung in die freie Wirtschaft zu ermöglichen, besteht auch kein invalidenrechtlich relevanter Gesundheitsschaden, der Anspruch auf Zuweisung einer geschützten Arbeitsstelle durch die IV-Stelle zu begründen vermöchte. Wie Prof. Dr. G.___ in Einklang mit den medizinischen Vorakten darlegte, sind die sexuellen Störungen nicht geeignet, in der angestammten beruflichen Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Was die vom behandelnden Psychiater angeführten psychischen Störungen anbelangt, konnte Prof. Dr. G.___ einleuchtend darlegen, dass diese keinen Krankheitswert darstellen. Jedenfalls sind diese Einschränkungen - ob aus medizinischer Sicht krankheitswertig oder nicht - nicht dergestalt, dass eine berufliche Tätigkeit ausserhalb der E.___ für den Beschwerdeführer medizinisch unzumutbar wäre. Dass der Beschwerdeführer den Schritt in die freie Wirtschaft auch mit Unterstützung des Jobcoaches nicht vollzog, kann nicht mit diagnostizierten psychischen Krankheiten begründet werden. Wenn der behandelnde Psychiater Dr. I.___ eine sozial rehabilitierende Begleitung als dringlichstes Therapieziel erachtete (Urk. 7/30/36), so ist dem entgegen zu halten, dass die - letztlich während neun Monaten versuchte, aber gescheiterte - soziale Integration sowie medizinische Massnahmen nicht in den (primären) Aufgabenbereich der Invalidenversicherung fallen. Damit sind weitere berufliche Massnahmen weder eingliederungswirksam noch scheint der Beschwerdeführer für zweckmässige Massnahmen - aus invaliditätsfremden Gründen - eingliederungsfähig.
         Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.

5.       Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.


Das Gericht erkennt:
1.         Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.         Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.         Zustellung gegen Empfangsschein an:
- Procap Schweizerischer Invaliden-Verband
- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
- Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
- Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
           Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
           Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).