Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/IV.2011.00061.html 

Entscheide



IV.2011.00061

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Engler, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichter Hurst

Sozialversicherungsrichterin Weibel-Fuchs

Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil vom 7. Juli 2011
in Sachen
A.___
 
Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin


Sachverhalt:
1.       A.___, geboren 1970, ist gelernte Verkäuferin (Fähigkeitszeugnis vom 12. April 1988, Urk. 7/5) und betreibt seit 1996 ein Nagel- und Handkosmetikstudio (B.___, vgl. Handelsregister des Kantons Zürich, Internet-Auszug vom 28. Juni 2011, Urk. 10). Am 10. Juli 2010 meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, liess in der Folge Auszüge aus den individuellen Konti erstellen und zusammenrufen (IK-Auszug vom 6. August 2010, Urk. 7/12), holte den Arztbericht von Dr. med. C.___, Oberarzt Handchirurgie an der D.___, vom 15. April 2010 (Urk. 7/13) ein und zog die Akten des Krankentaggeld-Versicherers bei (Urk. 7/15/1-90), worunter der Arztbericht von Dr. med. E.___, Innere Medizin FMH, vom 7. März 2010 (Urk. 7/15/13) sowie das Gutachten von Dr. med. F.___, Facharzt FMH für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie FMH und Chirurgie FMH am G.___, vom 19. August 2010 (Urk. 7/15/80-84) zu erwähnen sind. Ferner lagen der IV-Stelle die Jahresrechnungen 2008 und 2009 des B.___ vor (Urk. 7/16). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/19-21) verneinte die IV-Stelle sowohl den Anspruch auf eine Invalidenrente (Verfügung vom 28. Dezember 2010, Urk. 2) als auch denjenigen auf Übernahme der Kosten für berufliche Massnahmen (Umschulung; Verfügung vom 27. Dezember 2010, Urk. 9/2).

2. Hiergegen erhob A.___ mit Eingaben vom 25. Januar 2011 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Ausrichtung einer Invalidenrente (Urk. 2) und die Übernahme der Kosten für berufliche Massnahmen (Urk. 9/2). Mit den Beschwerden reichte sie den Arztbericht von Dr. F.___ vom 1. November 2010 (Urk. 3 = Urk. 9/3) ein. In den Beschwerdeantworten vom 3. März 2011 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerden (Urk. 6 und Urk. 9/6). Die Rechtsschriften wurden der Beschwerdeführerin am 7. März 2011 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8 und Urk. 9/8).

3.       Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.       Die Verfügung betreffend die Invalidenrente und die Verfügung betreffend berufliche Massnahmen gründen auf demselben Sachverhalt, weshalb der Prozess Nr. IV.2011.00062 mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2011.00061 zu vereinigen und unter dieser Prozessnummer weiterzuführen ist. Das Verfahren Nr. IV.2011.00062 ist als dadurch erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess als Urk. 9/0-9 geführt.

2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung).
2.2     Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Prozent, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
2.3    
2.3.1 Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.          diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.          die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Abs. 1).
         Die Eingliederungsmassnahmen bestehen in:
         a. medizinischen Massnahmen;
abis.         Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung;
b.         Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe);
         d. der Abgabe von Hilfsmitteln (Abs. 3);
2.3.2   Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (Abs. 2). Als Umschulung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
2.3.3   Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden Gleichwertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 S. 489 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 f. E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
2.4     Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG (bis 31. Dezember 2007: Art. 28 Abs. 2 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.5     Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).

3.
3.1     Dr. E.___ diagnostizierte im Bericht an den Krankentaggeld-Versicherer vom 7. März 2010 (Urk. 7/15/13) einen Verdacht auf beginnende Arthrose und differentialdiagnostisch eine Synovitis bei Überbelastung im distalen Interphalangealgelenk (DIP-Gelenk) beider Daumen. Es bestehe weder eine Schwellung, eine knöcherne Deformation noch eine Rötung, sondern lediglich eine Druckdolenz am medialen und lateralen Gelenksspalt. Die Motorik sei intakt. Die Beschwerdeführerin führe ein Nagel-Studio. Beim Aufsetzen der künstlichen Nägel belaste sie nur die DIP-Gelenke. Der Zeitaufwand pro Kundin betrage etwa 45 Minuten. Da der Schmerz nach zirka 10 Minuten nach Belastung auftrete, könne sie die Bedienung der Klientin nicht zu Ende führen. Seit 18. Dezember 2009 und bis auf Weiteres bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Rein theoretisch seien Beschäftigungen, welche die Daumen nicht belasteten, zumutbar.
3.2     Laut Arztbericht von Dr. C.___ vom 15. April 2010 (Urk. 7/13) leidet die Beschwerdeführerin an einem chronischen Überlastungssyndrom der palmaren Platte IP Dig. I beidseits. Die Inspektion zeige im kontralateralen Vergleich zunächst ein unauffälliges Relief der MP- und IP-Gelenke bei jedoch schmerzhafter Überstreckung im IP-Gelenk unter Druck. Die Schmerzsymptomatik sei vor allem auf der palmaren Seite im Verlauf der palmaren Platte lokalisiert. Die durchgeführten Röntgenuntersuchungen zeigten unwesentliche Veränderungen in den betroffenen IP-Gelenken, allenfalls eine sehr geringgradige Gelenkspaltminderung mit beginnender subchondraler Sklerosierung. Es bestünden keinerlei Anzeichen einer relevanten Arthrose. Es sei zu vermuten, dass sowohl die chronische Überstreckung der IP-Gelenke unter Druck als auch der indirekt durch die aufgesetzten Fingernägel fortgeleitete Druck auf die Nagelmatrix Grund für die Beschwerden seien. Es sei daher zunächst ein Entfernen des aufgesetzten Nagelmaterials empfohlen und Gelenkschutzinstruktionen verordnet worden. Es sollte im Rahmen regelmässiger ergotherapeutischer Sitzungen die Ansteuerung der Endphalangen trainiert werden, so dass es unter Belastung nicht zu einer Überstreckung, sondern eher einer Flexion im IP-Gelenk komme. Hierdurch könne die palmare Platte entlastet werden. Es sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bis zum 16. Mai 2010 attestiert worden. Nachfolgend sei für weitere 14 Tage eine 50%ige Arbeitswiederaufnahme geplant, ab 7. Juni 2010 sollte wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben sein.
3.3     Dr. F.___ schreibt am 19. August 2010 (Urk. 7/15/80-84) an den Krankentaggeld-Versicherer, es liege eine beidseitige beginnende IP-Gelenksarthrose vor, welche vornehmlich links symptomatisch sei. Die Schilderungen der Beschwerdeführerin seien glaubhaft, und es sei während des Gesprächs nie der Eindruck entstanden, dass sie simuliere oder aggraviere. Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit von 50 % in ihrem Beruf erscheine angemessen. Sollte die Beschwerdeführerin die Extensionsschiene bei ihrer Arbeit weiterhin konsequent tragen, könne die Arbeitsfähigkeit sukzessive bis auf zirka 75 % gesteigert werden. Es sei aber unrealistisch zu glauben, dass sie jemals für längere Zeit wieder zu 100 % einsatzfähig werde. Dies gelte für ihre spezifische Arbeit im Nagel-Studio mit den notwendigen Haltegriffen der linken Hand. Für jegliche andere Tätigkeit, Bürotätigkeit oder auch manuelle Tätigkeit mit anderer Belastung, sei die Beschwerdeführerin ab sofort zu 100 % arbeitsfähig.
3.4     Im Arztbericht vom 1. November 2010 (Urk. 3 = Urk. 9/3) konstatierte Dr. F.___, dass der Arbeitsversuch im Anschluss an sein Gutachten, welches den Momentanzustand im August beschrieben habe, insofern gescheitert sei, dass eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 75 % und höher offensichtlich kaum realisierbar sei. Aus diesem Grund sei wieder eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert worden. Therapeutisch könne im Moment wenig geboten werden. Bereits jetzt eine IP-Gelenksarthrodese zu empfehlen, sei bei noch zu geringen radiologischen Veränderungen über das Ziel hinaus geschossen. Eine Umstellung auf einen anderen Job sei dringend notwendig. In sehr vielen anderen Tätigkeiten, sogar auch möglicherweise leicht manuellen Tätigkeiten, welche den Daumen nicht derart einseitig belasteten wie die jetzige Tätigkeit, bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.

4.
4.1     Den Arztberichten kann entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin an Beschwerden in beiden Daumen, mehr links als rechts, leidet. Während Dr. C.___ (Erw. 3.2) von einem chronischen Überlastungssyndrom der palmaren Platte IP Dig. I spricht und die in den Röntgenuntersuchungen zum Vorschein gelangten Veränderungen in den betroffenen IP-Gelenken als unwesentlich einschätzte, diagnostizierte Dr. F.___ (Erw. 3.3) eine beidseitige beginnende IP-Gelenksarthrose. Er schätzt die Situation jedoch noch nicht derart gravierend ein und riet von einer IP-Gelenksarhtrodese ab, da noch zu geringe radiologische Veränderungen vorlägen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass beide Ärzte die Situation im Wesentlichen gleich beurteilen, auch wenn der eine von unwesentlichen Veränderungen in den betroffenen Gelenken und der andere von beginnender Gelenksarthrose spricht.
         Beide Ärzte attestierten zunächst eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Nagel-Kosmetikerin. Dr. C.___ war der Ansicht, dass es nach Entfernen des aufgesetzten Nagelmaterials und durchgeführten Gelenkschutzinstruktionen zu einer Entlastung der palmaren Platte kommen und damit wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erlangt werden könne (Erw. 3.2). Dagegen gelangt Dr. F.___ zum Schluss, dass es unrealistisch sei, von der Wiedererlangung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Hingegen war auch er der Ansicht, dass bei konsequentem Tragen der Extensionsschiene eine 75%ige Arbeitsfähigkeit wieder erlangt werden könnte. Ob das Entfernen der künstlichen Nägel zu einer weiteren Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führen könnte, liess er offen. Nachdem sich die Beschwerdeführerin anfangs November 2010 wegen Schmerzen im linken Daumen nochmals bei ihm vorgestellt hatte, korrigierte er seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit und attestierte eine 50 % Arbeitsunfähigkeit ab 18. Oktober 2010, wobei er sich im Bericht über die ambulante Kontrolle vom 1. November 2010 (Erw. 3.4) allerdings mehr auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin stützte als auf erhobene Befunde.
4.2 Einigkeit besteht unter den Ärzten, dass die Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten Tätigkeit, das heisst in jeder Tätigkeit, in welcher die Daumen nicht einseitig belastet werden (auch manuelle Tätigkeiten), zu 100 % arbeitsfähig ist. Dies wird von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten. Da in einer behinderungsangepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist, ist es - wie im Folgenden zu zeigen sein wird - unerheblich, in welchem Umfang in der angestammten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt.

5.      
5.1     Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss entscheidend, was die versicherte Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 131 V 53 E. 5.1.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2008 vom 5. September 2008 E. 6.4). Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da erfahrungsgemäss die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen von diesem Erfahrungssatz müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 135 V 59 E. 3.1, 134 V 325 f. E. 4.1 mit Hinweisen).
5.2     Die Beschwerdeführerin rechnete laut IK-Auszug vom 6. August 2010 (Urk. 7/12) in den Jahren 2004 bis 2008 folgende AHV-pflichtige Einkommen ab: Fr. 25'600.-- im Jahr 2004, Fr. 8'307.-- im Jahr 2005, Fr. 26'200.-- im Jahr 2006, Fr. 38'300.-- im Jahr 2007 und Fr. 47'200.-- im Jahr 2008. Da die Beschwerdeführerin in den letzten fünf Jahren vor Eintritt des Gesundheitsschadens sehr schwankende Einkommen erzielt hat, ist bei der Festsetzung des Valideneinkommens vom Durchschnitt der in diesen Jahren erzielten Einkommen von Fr. 29'121.-- auszugehen. Unter Berücksichtigung des Nominal- und Reallohnindexes für Frauen von 2499 Punkten im Jahr 2008 und von 2579 Punkten im Jahr 2010 (Die Volkswirtschaft 6-2011 S. 95 Tabelle B10.3) ergibt dies ein Valideneinkommen von Fr. 30'053.--.
5.3     Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt.
5.4     Die Beschwerdeführerin schloss eine Lehre als Verkäuferin ab (Urk. 7/5), und gemäss Einschätzungen der Ärzte ist ihr eine Tätigkeit im Verkauf zu 100 % zumutbar. Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2008 belief sich der Zentralwert für einfache und repetitive Tätigkeiten (ohne Berufsausbildung) im privaten Sektor für Frauen im Wirtschaftszweig "Detailhandel und Reparatur" (Ziffer 52) auf Fr. 4'031.-- pro Monat, was bei Annahme einer betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit im Handel von 41,9 Stunden pro Woche (Die Volkswirtschaft 6-2011 Tabelle S. 94 B9.2) einem Gehalt von monatlich Fr. 4'222.50 oder (x 12) von Fr. 50'670.-- pro Jahr entspricht. Unter Berücksichtigung des Nominal- und Reallohnindexes für Frauen (vgl. Erw. 5.2) resultiert ein jährliches Einkommen von Fr. 52'292.-- im Jahr 2010. Dies ist mehr, als die Beschwerdeführerin mit ihrer selbständigen Tätigkeit als Nagelkosmetikerin je verdient hat (vgl. Urk. 7/12), so dass keine Erwerbseinbusse vorliegt. Selbst wenn man dem Einkommensvergleich das von der Beschwerdeführerin im Jahr 2008 erzielte Einkommen von Fr. 47'200.-- und aufgerechnet auf das Jahr 2010 von Fr. 48'711.-- zugrunde legen würde, ergäbe dies verglichen mit dem Invalideneinkommen von Fr. 52'292.-- keine Erwerbseinbusse. Damit besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
5.5     Wie der obige Einkommensvergleich aufzeigt (vgl. Erw. 5.4), kann die Beschwerdeführerin als Verkäuferin, welchen Beruf sie erlernt hat, ein höheres Einkommen erzielen als in ihrer angestammten Tätigkeit. Dem Umstand, dass sie vor über 20 Jahren die Lehre abgeschlossen hat und hernach keine Berufserfahrung sammeln konnte, weil sie nie auf ihrem erlernten Beruf gearbeitet hat, ist beim vorliegenden Einkommensvergleich dahingehend Rechnung getragen worden, dass der Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) und nicht derjenige für Frauen mit Berufs- und Fachkenntnissen (Anforderungsniveau 3) herangezogen worden ist. Somit liegt auch keine Invalidität im Sinne von Art. 17 IVG vor, weshalb kein Anspruch auf berufliche Massnahmen besteht.

6.       Nach dem Dargelegten sind die Beschwerden abzuweisen.

7.       Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 800.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.



Das Gericht beschliesst:

Der Prozess Nr. IV.2011.00062 in Sachen der Parteien wird mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2011.00061 vereinigt und als dadurch erledigt abgeschrieben,

und erkennt:
1.         Die Beschwerden werden abgewiesen.
2.         Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3. Zustellung gegen Empfangsschein an:
- A.___
- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
- Bundesamt für Sozialversicherungen
4.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).