Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/IV.2011.01186.html 

Entscheide



IV.2011.01186

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichterin Käch

Ersatzrichter Vogel

Gerichtsschreiberin Fehr
Urteil vom 27. Februar 2013
in Sachen
X.___
 
Beschwerdeführer

vertreten durch Rechtsanwältin Christine Fleisch
Meier Fingerhuth Fleisch Häberli, Rechtsanwälte
Lutherstrasse 36, 8004 Zürich

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin


Sachverhalt:
1.      
1.1     X.___, geboren 1992, meldete sich am 21. Juli 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug (medizinische Massnahmen, Hilfsmittel) an (Urk. 13/1 Ziff. 5.7).
         Am 2. Juli 2008 wurde ein Hüftleiden (Epiphyseolysis capitis femoris links) diagnostiziert, das am 3. und 14. Juli 2008 operiert wurde (Urk. 13/4 Ziff. 1.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, übernahm Behandlungskosten (Urk. 13/5), Physiotherapie (Urk. 13/11, Urk. 13/22) und weitere Kontrollen bis zur Vollendung des 20. Altersjahrs (Urk. 13/14).
         Am 20. August 2007 hatte der Versicherte eine Ausbildung zum Heizungsmonteur begonnen (Urk. 13/1 Ziff. 3.2), die er mit Fähigkeitsausweis vom 19. August 2010 abschloss (Urk. 13/23 = Urk. 13/33). Ab 20. August 2010 war er sodann im selben Betrieb als Heizungsmonteur 1 angestellt (Urk. 13/32).
1.2     Am 22. Juni 2011 reichte der Versicherte eine erneute Anmeldung ein (Urk. 13/24). Am 22. August 2011 begann er eine Ausbildung zum Kaufmann „erweiterte Grundbildung (E-Profil)“ (Lehrvertrag vom 16. Februar 2011; Urk. 13/23 = Urk. 13/34, Ziff. 4).
         Am 12. September 2011 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine Kostengutsprache für erstmalige berufliche Ausbildung zum Kaufmann mit E-Profil (Urk. 13/36).
         Mit Verfügung vom 4. Oktober 2011 (Urk. 13/39) sprach sie ihm ein (sogenanntes „kleines“) Taggeld von Fr. 103.80 - gekürzt um Fr. 30.60 vom 22. August 2011 bis 21. August 2012, um Fr. 37.10 in den darauf folgenden 12 Monaten und um Fr. 55.90 in den darauf folgenden weiteren 12 Monaten - zu (S. 1), dies mit dem Hinweis, das Taggeld werde gekürzt, soweit es zusammen mit dem Einkommen während der Eingliederung das für die Berechnung massgebende Erwerbseinkommen übersteige (S. 2 Mitte).
         Am gleichen Tag sprach sie ihm für die Periode vom 1. bis 30. September 2011 30 Taggelder à Fr. 73.20, mithin (brutto) Fr. 2‘160.-- zu (Urk. 13/40 = Urk. 2).

2.       Gegen die den Monat September 2011 betreffende Zusprache vom 4. Oktober 2011 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 7. November 2011 Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1).
         Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 10. Januar 2012 (Urk. 12) die Abweisung der Beschwerde.
         Der Beschwerdeführer beantragte mit Replik vom 4. Juni 2012, seine Ausbildung sei als Umschulung zu qualifizieren, weshalb er Anspruch auf eine Entschädigung im Rahmen des sogenannten „grossen“ Taggelds auf der Basis von Fr. 52‘000.-- habe (Urk. 21 S. 1 f.). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 2. Juli 2012 auf eine Duplik (Urk. 23), was dem Beschwerdeführer am 3. Juli 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 24).
        

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.      
1.1     In prozessualer Hinsicht ist die folgende Vorbemerkung erforderlich.
         Die am 12. September 2011 erteilte „Kostengutsprache für erstmalige berufliche Ausbildung“ (Urk. 13/36) wurde als „Mitteilung“ bezeichnet (S. 1), verbunden mit dem Hinweis, es könne eine beschwerdefähige Verfügung verlangt werden (S. 2 Mitte), gleichzeitig trug sie jedoch auch eine „Verfügungs-Nr.“ (S. 1). Eine Verfügung hat der Beschwerdeführer in der Folge nicht verlangt.
1.2     Mit der am 4. Oktober 2011 ergangenen „Verfügung für Invalidentaggeld“ (Urk. 13/39) bejahte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch des Beschwerdeführers auf ein kleines Taggeld (30 %) vom 22. August 2011 bis 21. August 2014 in der Höhe von Fr. 103.80, abzüglich - jährlich abgestufte - einkommensbedingte Kürzungen. Diese Verfügung hat der Beschwerdeführer nicht angefochten.
         Am gleichen Tag teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit (Urk. 2), sie überweise ihm „gemäss Verfügung“ die Taggelder für den Monat September (S. 1), dies versehen mit einer Rechtsmittelbelehrung (S. 2). Dagegen hat der Beschwerdeführer Beschwerde erhoben.
1.3     Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der Beschwerdeantwort (Urk. 12) auf den Standpunkt, es handle sich bei der aktuellen Ausbildung des Beschwerdeführers - aus näher dargelegten Gründen - um eine erstmalige berufliche Ausbildung. Der Beschwerdeführer machte in seiner - nach Erhalt der Akten verfassten - Replik (Urk. 21) im Hinblick auf die Taggeldbemessung geltend, seine Ausbildung sei als Umschulung, und nicht als erstmalige berufliche Ausbildung, zu qualifizieren.
         Im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung hatte der Beschwerdeführer beziehungsweise seine damalige Rechtsvertretung noch keine Aktenkenntnis, und angefochten wurde das für September 2011 zugesprochene kleine Taggeld. Mit Verweis auf einen zweiten Schriftenwechsel erhielt der Beschwerdeführer keine Nachfrist zur Beschwerdeergänzung. Mit der Replik präzisierte er sodann, dass die Qualifikation seiner Ausbildung (erstmalige berufliche Ausbildung oder Umschulung) und damit der Grundsatz der Taggeldbemessung (kleines oder grosses Taggeld) Gegenstand der Beschwerde sei, auch wenn sich die Beschwerde nicht explizit (auch) gegen die „Verfügung für Invalidentaggeld“ vom 4. Oktober 2011 (Urk. 13/39) richtete.
1.4     Aufgrund dieser Umstände ist die „Verfügung für Invalidentaggeld“ vom 4. Oktober 2011 (Urk. 13/39) als mitangefochten zu taxieren; Streitgegenstand ist die (auch in dieser Verfügung vorgenommene) Qualifikation der Ausbildung des Beschwerdeführers und die Frage, ob ihm ein kleines oder grosses Taggeld zusteht. Darüber ist, mit Wirkung für die Dauer der beruflichen Massnahme, zu entscheiden. Dies ist auch deshalb gerechtfertigt, weil selbiges auch bei der Beurteilung der im engeren Sinne angefochtenen Taggeldzusprache für September 2011 (Urk. 2) zumindest als Vorfrage zu entscheiden ist.

2.      
2.1     Für die Umschulung als Naturalleistung (Art. 17 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) hat die Invalidenversicherung grundsätzlich voll aufzukommen (Art. 6 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), wogegen sich ihre Aufgabe im Rahmen von Art. 16 IVG darauf beschränkt, an die erstmalige berufliche Ausbildung Beiträge zu leisten, und zwar in dem Masse, als invaliditätsbedingt zusätzliche Kosten von wesentlichem Umfang (Art. 5 Abs. 2 IVV) entstehen. Wer sich in Umschulung befindet, hat sodann nach Massgabe von Art. 23 Abs. 1 IVG Anspruch auf ein (sogenannt grosses) Taggeld, während bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung nur Anspruch auf ein (sogenannt kleines) Taggeld von höchstens 30 % des Taggeldmaximums besteht (Art. 23 Abs. 2bis IVG).
2.2     Im Hinblick auf diese Unterschiede ist es unerlässlich, die Leistungsansprüche nach Art. 16 und Art. 17 IVG voneinander abzugrenzen. Diesbezüglich kommt es nach dem Gesetzeswortlaut und der bisherigen Rechtsprechung entscheidend darauf an, ob die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität - im Sinne des für die Eingliederungsmassnahme spezifischen Versicherungsfalles - in ökonomisch bedeutsamen Ausmass erwerbstätig gewesen ist oder nicht (BGE 121 V 186 E. 5b, 118 V 7 E. 1a in fine, 110 V 263 in fine; AHI 2000 S. 190 ff. E. 2a und 2b/aa, 1997 S. 163 f. E. 2c; ZAK 1985 S. 231 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 2; für die sehr reiche Kasuistik siehe: Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, Rz 774 ff.).      
2.3     Als Umschulung gelten Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte - unter anderem - nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen (Art. 6 Abs. 1 IVV).
2.4     Musste eine erstmalige berufliche Ausbildung wegen Invalidität abgebrochen werden, so ist eine neue berufliche Ausbildung der Umschulung gleichgestellt, wenn das während der abgebrochenen Ausbildung zuletzt erzielte Erwerbseinkommen höher war als das (kleine) Taggeld gemäss Art. 23 Abs. 2 IVG (Art. 6 Abs. 2 IVV).
         So hätte etwa bei einem Versicherten, der seine Bäckerlehre aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste (sie aber dennoch mit der gesetzlichen Prüfung erfolgreich abschliessen konnte) die von ihm später begonnene Ausbildung zum Koch nur dann einer Umschulung gleichgestellt werden können, wenn - gemäss Art. 6 Abs. 2 IVV - das von ihm während der abgebrochenen Ausbildung erzielte Einkommen höher gewesen wäre als das vergleichsweise massgebende Taggeld (AHI 2000 S. 96 lit. A und E. 2).
2.5     Als im genannten Sinn abgebrochen gilt eine erstmalige berufliche Ausbildung rechtsprechungsgemäss auch dann, wenn sie nach Eintritt des Versicherungsfalles zwar noch abgeschlossen wurde, eine Betätigung auf dem erlernten Beruf jedoch invaliditätsbedingt als ungeeignet und auf die Dauer nicht zumutbar erscheint. Dies wurde bejaht bei einem Versicherten, der (zwar den Berufsausweis aufgrund seiner guten schulischen Leistungen erhalten hatte, aber) die letzten acht Monate der Berufslehre vollständig arbeitsunfähig war und auch an den Abschlussprüfungen nicht teilnehmen konnte (AHI 2002 S. 99 lit. A).
         Bei einem Versicherten, der trotz eines Unfalls seine Lehre zum Forstwart noch abschliessen konnte und zunächst auch kurze Zeit auf diesem Beruf arbeitete, bei dem jedoch die gesundheitliche Beeinträchtigung die Ausübung dieses Berufs in der Folge als ungeeignet und auf die Dauer als unzumutbar erscheinen liess, bezeichnete es das Bundesgericht als entscheidend, dass im Zeitpunkt des Versicherungsfalls noch kein Lehrabschluss vorlag; weil auf die Verhältnisse bei Eintritt des für die Eingliederungsmassnahme spezifischen Versicherungsfalles abzustellen sei, gestalte sich - so das Bundesgericht - die Rechtslage gleich wie beim invaliditätsbedingten Abbruch der erstmaligen beruflichen Ausbildung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 IVV (BGE 121 V 186 E. 3b S. 188). Nur wenn das in der ersten Lehre vor Eintritt des Versicherungsfalles zuletzt erzielte Einkommen den Höchstbetrag des kleinen Taggelds übersteige, könne die neu angetretene Lehre als der Umschulung gleichgestellte berufliche Massnahme gelten (BGE 121 V 186 E. 3c S. 188).
2.6     Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Nach der Gerichtspraxis ist dieser Zeitpunkt objektiv aufgrund des Gesundheitszustandes des Versicherten festzustellen; zufällige externe Faktoren sind unerheblich. Da Art. 4 Abs. 2 IVG von der „jeweiligen Leistung" spricht, ist es grundsätzlich möglich, dass ein und derselbe Gesundheitsschaden mehrere Versicherungsfälle bewirkt; „ein solcher Schaden kann nämlich unter Umständen - zur gleichen Zeit oder zeitlich gestaffelt - die Voraussetzungen für sehr verschiedene Leistungsarten (eine oder mehrere Eingliederungsmassnahmen, Rentenleistungen, Hilflosenentschädigungen) erfüllen" (BGE 112 V 275 E. 1b S. 277 mit Hinweis - das Zitat - auf BGE 105 V 58 E. 2c S. 61).
         Bei beruflichen Eingliederungsmassnahmen tritt der Versicherungsfall ein, wenn der Gesundheitsschaden sich dermassen schwerwiegend auf die gegenwärtige erwerbliche Situation auswirkt, dass die versicherte Person ohne die in Frage stehende berufliche Vorkehr nicht mehr als hinreichend eingegliedert erscheint. Die gesundheitliche Beeinträchtigung muss ein solches Ausmass angenommen haben, dass sie die Ausübung der fraglichen Tätigkeit längerfristig verunmöglicht und unzumutbar erscheinen lässt und damit eine solche berufliche Massnahme objektiv angezeigt ist. Bei der Übernahme der Ausbildung als berufliche Neuausbildung wie bei Art. 16 Abs. 1 IVG bildet Bezugspunkt der Prüfung nicht die Erwerbstätigkeit, sondern der beabsichtigte Ausbildungsgang mit seinen spezifischen Anforderungen (Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006, E. 3.2.2, mit weiteren Hinweisen).
        
3.      
3.1     Mit Arztbericht vom 23. September 2008 (Urk. 13/4), der im Hinblick auf medizinische Massnahmen erstattet wurde (S. 1 Mitte), nannte Dr. med. Y.___, Oberarzt i.V., Kinderspital J.___, als Diagnose ein erstmals am 2. Juli 2008 diagnostiziertes Hüftleiden (Ziff. 1.1) und berichtete von zwei im Juli 2008 erfolgten Operationen (Ziff. 1.6). Er führte unter anderem aus, der Beschwerdeführer habe inzwischen auf Vollbelastung übergehen und auch die Gehstöcke weglassen können. Sollte es im weiteren Verlauf zu keiner Femurkopfnekrose kommen, welche gelegentlich auftreten könne, sei die Prognose nun nach erfolgreicher operativer Therapie grundsätzlich günstig (Ziff. 2.7).
3.2     Im Bericht vom 6. Februar 2009 (Urk. 13/12/5-6) über die am 7. Januar 2009 vereinbarungsgemäss erfolgte Kontrolluntersuchung (Ziff. 2) wurde ausgeführt, es gehe gut, der Beschwerdeführer habe keine Beschwerden und habe leichte sportliche Aktivitäten wieder aufgenommen (Ziff. 3).
         Dr. med. Z.___, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, führte am 11. November 2009 aus, im August 2009 sei die Materialentfernung erfolgt. Danach und für weitere drei Monate sei zur Wiedergewinnung der muskulären Kraft Physiotherapie vorgesehen. Anschliessend dürfte die Therapie abgeschlossen sein (Urk. 13/20/4).
3.3     Am 19. August 2010 erlangte der Beschwerdeführer das Fähigkeitszeugnis als Heizungsmonteur (Urk. 13/23/1) und ab 20. August 2010 war er im vormaligen Lehrbetrieb als Heizungsmonteur 1 (selbständiger Arbeitnehmer mit Fähigkeitsausweis) angestellt (Urk. 13/32/1-2 S. 1), dies bis am 19. August 2011 (Urk. 13/28 Ziff. 2.1).
         Im Bericht der Arbeitgeberin vom 12. Juli 2011 (Urk. 12/28) wurden folgende Zeiten mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % angegeben (Ziff. 2.14):
- 2. Juli bis 5. September 2008
- 2 Tage im November 2008
- 1 Tag im Februar 2009
- 4 Tage im April 2009
- 23. Juni bis 17. Juli 2009
- 1 Tag im November 2009
- 5 Tage im Februar 2010
- 2 Tage im Juli 2010
- 11 Tage im November / Dezember 2010
- 1 Tag im Januar 2011
- 2 Tage im Februar 2011
- 11 Tage im April 2011
         Die längere Arbeitsunfähigkeit im Juni / Juli 2009 stand im Zusammenhang mit einer am 20. Juni 2009 erlittenen distalen Radiusfraktur links (vgl. die entsprechende Diagnose, Urk. 13/29 S. 1 Ziff. 2).
3.4     Der zuständige Oberarzt am Kinderspital berichtete am 18. Juli 2011 (Urk. 13/29 = Urk. 13/38/7-8) über die am 20. Juni 2011 erfolgte Untersuchung. Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers gehe es eigentlich gut, er arbeite nun als Heizungsmonteur. Jedoch nach stärkerer beruflicher Tätigkeit oder auch beim Fussballspielen (das er nun aufgebe) verspüre er manchmal ein Ziehen im Bereich der Hüfte. Er habe sich nun entschlossen, im Sport zu reduzieren und sich auch beruflich zu verändern; er habe eine Lehrstelle im KV-Bereich erhalten, die im Sommer beginnen werde (S. 1 unten).
         Der Oberarzt führte aus, er unterstütze die Umschulung in eine nicht so belastende berufliche Tätigkeit, die vom Patienten aktiv selbständig bereits organisiert worden sei (S. 2 oben).
3.5     Med. pract. A.___, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte am 15. August 2011 aus, ein Gesundheitsschaden liege vor. Beim Hüftleiden des Beschwerdeführers handle es sich um eine präarthrotische Deformität, die eine drohende Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehen könne. Die Voraussetzungen für eine Umschulung seien gegeben, da mit einer neuen Erwerbstätigkeit die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden könne. In der behinderungsangepassten Tätigkeit (der Beschwerdeführer habe bereits eine Lehrstelle in einem KV-Job) bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Als Belastungsprofil wären keine stärkere körperliche Belastung und keine Zwangshaltung der Hüfte wichtig (Urk. 13/37/2 oben).

4.
4.1     Im Sommer 2008, als das Hüftleiden des Beschwerdeführers diagnostiziert und operiert wurde, löste dies einen Versicherungsfall in dem Sinne aus, als offensichtlich - wie die erfolgte Leistungszusprache zeigt - die Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung medizinischer Massnahmen erfüllt waren.
4.2     Die im Juli 2008 erfolgten Operationen waren ausweislich der medizinischen Akten (vorstehend E. 3.2) und der von der Arbeitgeberin registrierten Arbeitsunfähigkeiten ausgesprochen erfolgreich. Nach dem operations- und rekonvaleszenzbedingten Ausfall bis am 5. September 2008 war der Beschwerdeführer in der Folge nur ganz vereinzelt, und dies für einen Tag oder wenig mehr, arbeitsunfähig; die etwas längere Absenz im Juni / Juli 2009 war zudem unfallbedingt, hatte also nichts mit dem Hüftleiden zu tun (vorstehend E. 3.3).
         Angesichts dieser Faktenlage kann keine Rede davon sein, der Beschwerdeführer habe seine Lehre als Heizungsmonteur wegen Invalidität abbrechen müssen. Im Gegenteil, er hat sowohl - bis August 2010 - die Lehrzeit als auch anschliessend das erste Jahr als ausgebildeter Handwerker ohne nennenswerte Fehlzeiten absolviert.
         Die Situation des Beschwerdeführers ist auch nicht vergleichbar mit den Fällen, in denen die Rechtsprechung trotz formal beendeter Lehre die Ausbildung als im rechtlichen Sinne „abgebrochen“ taxiert hat (vorstehend E. 2.5).
         Damit kommt eine Anwendung von Art. 6 Abs. 2 IVV weder direkt (vorstehend E. 2.4) noch auf dem Wege der ausdehnenden Interpretation (vorstehend E. 2.5) in Frage.
4.3     Vielmehr ist die Ausgangslage so, dass der Beschwerdeführer nach - dank medizinischer Massnahmen - vorerst durchaus gelungener Stabilisierung im Erwerbsleben, zunächst als auszubildender, dann als ausgebildeter Heizungsmonteur ein Erwerbseinkommen in ökonomisch bedeutsamen Ausmass erzielt hat; dies ist belegt durch den vereinbarten und ausgerichteten Jahreslohn von Fr. 52‘000.-- als Heizungsmonteur (vgl. Urk. 13/28 Ziff. 2.10). Der Sachverhalt ist damit in den wesentlichen Aspekten mit dem im Urteil I 159/05 vom 16. März 2006 beurteilten (vorstehend E. 2.6) vergleichbar.
         Bezogen auf die Taggeldbemessung steht daher mit aller wünschenswerten Deutlichkeit fest, dass der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen nicht unter Art. 16 IVG, sondern unter Art. 17 IVG fällt (vorstehend E. 2.2).
4.4     Damit steht die Antwort auf die strittigen Fragen (erstmalige berufliche Ausbildung oder Umschulung; kleines oder grosses Taggeld) auch dahingehend fest, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf ein grosses Taggeld hat.
         Dementsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen, die Verfügung vom 4. Oktober 2011 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie dem Beschwerdeführer für die Zeit der zugesprochenen beruflichen Massnahme (22. August 2011 bis 21. August 2014) ein (grosses) Taggeld nach Massgabe von Art. 23 Abs. 1 IVG zuspreche.

5.
5.1     Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2     Dem anwaltlich vertretenen und obsiegenden Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2‘200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.
        

Das Gericht erkennt:
1.         In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 4. Oktober 2011 aufgehoben und die Sache wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie dem Beschwerdeführer ein Taggeld im Sinne der Erwägungen zuspreche.
2.         Die Gerichtskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.         Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr. 2'200.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.         Zustellung gegen Empfangsschein an:
- Rechtsanwältin Christine Fleisch
- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
- Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
- Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
           Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
           Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).