Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/IV.2013.00075.html 

Entscheide




Sozialversicherungsgericht

des Kantons Zürich


IV.2013.00075




I. Kammer

Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende

Sozialversicherungsrichter Spitz

Ersatzrichter Wilhelm

Gerichtsschreiberin Naef

Urteil vom 14. Mai 2014

in Sachen

X.___

Beschwerdeführer


vertreten durch CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG

Rechtsanwalt Mario Bertschi, Leistungen und Services Zürich

Postfach, 8010 Zürich


gegen


Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle

Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich

Beschwerdegegnerin



Sachverhalt:

1.X.___, geboren 1960, war seit dem 8. September 2003 bei der Y.___ als Verkäufer tätig (Urk. 9/12). Ab dem 12. Januar 2011 war er wegen Lungenbeschwerden zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 9/16/2). Am 30. März 2011 meldete der Versicherte sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung für die berufliche Integration und zum Rentenbezug an (Urk. 9/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm medizinische und erwerbliche Abklärungen vor (Urk. 9/7, Urk. 9/9/6, Urk. 9/11, Urk. 9/12, Urk. 9/19, Urk. 9/22, Urk9/25), lud den Versicherten zu einem persönlichen Gespräch ein (Urk. 9/10) und zog die Akten der Swica Krankenversicherung AG bei (Urk. 9/16). Am 7. Juli 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 9/21). Mit Vorbescheid vom 3. Mai 2012 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Ausrichtung einer Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2012 in Aussicht, wobei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tätigkeit und einem Invaliditätsgrad von 63 % ausgegangen wurde (Urk. 9/27). Dagegen erhob der Versicherte mittels einer Stellungnahme seines Hausarztes Dr. med. Z.___, Facharzt für Innere Medizin, am 23. Mai 2012 Einwand erheben und beantragte die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente (Urk. 9/31). Die A.___ erhob am 23. Mai 2012 ebenfalls Einwand und führte am 19. Juli 2012 aus, das berechnete Valideneinkommen sei zu hoch (Urk. 9/30, Urk. 9/38). Die IV-Stelle zog weitere Arztberichte bei (Urk. 9/34, Urk. 9/37) und hielt mit Verfügung vom 6. Dezember 2012 an ihrem Vorbescheid fest (Urk. 2).

2.Gegen die Verfügung vom 6. Dezember 2012 erhob der Versicherte, vertreten durch die CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG, am 22. Januar 2013 Beschwerde und stellte den Antrag, es sei ihm ab 1. Januar 2012 eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1). Am 1. Februar 2013 liess der Beschwerdeführer ein Schreiben des B.___ vom 19. Dezember 2012 nachreichen (Urk. 5, Urk. 6). Mit Beschwerdeantwort vom 25. Februar 2013 schloss die Beschwerdegegnerin auf Beschwerdeabweisung (Urk. 8). Der Beschwerdeführer liess mit Eingabe vom 14. August 2013 einen Bericht der Klinik für Pneumologie des C.___ vom 27. Juni 2013 einreichen (Urk. 11, Urk. 12). Am 27. August 2013 teilte die Beschwerdegegnerin mit, auf eine Stellungnahme zu dieser Eingabe zu verzichten (Urk. 14).

Auf die einzelnen Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten, wird soweit nötig, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.


Das Gericht zieht in Erwägung:

1.

1.1Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.2Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG] Versicherte, die:

a.ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;

b.während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und

c.nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.

Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).

1.3Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein-kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommens-vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).

1.4Der Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes ist ein theoretischer und abstrakter Begriff, welcher dazu dient, den Leistungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Er umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 321 E. 3b und 1985 S. 462 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind praxisgemäss nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur soweit zu gehen, als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist. Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nützen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI 1998
S. 290 f. E. 3b; Urteile des Bundesgerichts I 273/04 vom 29. März 2005, I 591/02 vom 5. Mai 2004, I 285/99 vom 13. März 2000 und U 176/98 vom 17. April 2000).

1.5Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).

2.

2.1Die Beschwerdegegnerin führte in der Verfügung vom 6. Dezember 2012 aus, dem Versicherten sei zwar seine bisherige Tätigkeit als Verkäufer nicht mehr möglich, doch ihm sei eine rein sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit, das
Sauerstoffgerät jederzeit zu benutzen, zu 50 % zumutbar. Es kämen beispiels-weise leichte Montage- oder Verpackungsarbeiten in Frage. In Bezug auf den Einwand der A.___ führte die Beschwerdegegnerin zudem aus, es sei neben dem Haupterwerb gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) zur Bestimmung des Valideneinkommens noch ein kleiner Nebenerwerb zu berück-sichtigen (Urk. 2).

2.2Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen, es müsse auch in einer angepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Selbst Montage- oder Verpackungsarbeiten seien viel zu anstrengend und er verfüge über keine Ausbildung für eine Bürotätigkeit (Urk. 1).

3.

3.1Dr. med. D.___, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, hielt am 18. November 2010 (Urk. 9/9/7) unter anderem die Diagnose eines Verdachts auf idiopathische interstitielle Pneumopathie fest. Vom 12. bis 21. Januar 2011 erfolgte eine Hospitaliation im E.___, während welcher eine Thoraskopie rechts und eine Biopsieentnahme erfolgten (Urk. 9/16/5).

Anschliessend hielt Dr. D.___ am 24. März 2011 folgende Diagnosen fest (Urk. 9/9/13-15):

Idiopathische interstitielle Pneumopathie, wahrscheinlich vom Typ Usual Interstitial Pneumonia (UIP = gewöhnliche interstitielle Pneumonie)

Schwere interstitielle Fibrose und Gefässverschlüsse

Postoperativ Pleuraempyem rechts nach Wedge-Resektion, offene Empyemdekortikation rechts

Aktuell unter systemischer Steroidtherapie

Oberlappenemphysem

Nikotinabusus kumulativ 45 pack years (py= Packungsjahre)

Koronare Zweigefässerkrankung

Status nach inferiorem Myokardinfarkt mit Stenting des Ramus circumflexus (RCX)

Mitralklappenprolaps mit minimer Mitralinsuffizienz und erhaltener Auswurffraktion (EF)

kardiovaskuläre Risikofaktoren (cvRF): Nikotin, Dyslipidämie (Trippeltherapie).

Weiter hielt Dr. D.___ fest, schon kleine Belastungen wie zum Beispiel Haushaltsarbeiten in der Küche führten zu ausgeprägter Tachydyspnoe. Der Versicherte habe die Arbeit in der Y.___ noch nicht wieder aufgenommen, diesbezügliche Abklärungen seien im Gange und die ungewisse Zukunft habe ihn schon während der Hospitalisation stark beeinträchtigt. Bei genügender Ruheoxygenation solle die Sauerstofftherapie nur bei Belastungen angewendet werden, was schon kleinste körperliche Belastungen erfasse. Im Gehtest lasse sich eine Desaturation als Ausdruck der schwer eingeschränkten Gasaustauschfähigkeit erfassen.

3.2Nach aufgetretener Pneumonie mit Hospitalisationsbedürftigkeit im April 2011 berichtete Dr. D.___ am 12. April 2011, die Arbeitsfähigkeit scheine nun auch für sitzende Tätigkeiten nicht mehr gegeben zu sein, was den Versicherten im Gegensatz zu den vorherigen Konsultationen nicht mehr psychisch beeinträchtige. Er scheine sich mit der Konstellation abgefunden zu haben, über kurz oder lang nur durch eine Lungentransplantation überleben zu können
(Urk. 9/9/11-12). Am 19. Mai 2011 hielt Dr. Z.___ zuhanden der IV-Stelle fest, dass dem Versicherten die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei und mit keiner Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne. Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit gelte mindestens für zwei Jahre (Urk. 9/11/11-12).

3.3Am 28. Juni 2011 erklärte Dr. D.___ gegenüber der IV-Stelle, die körperliche Leistungsfähigkeit sei stark eingeschränkt, wobei der Arbeitsweg bereits eine deutliche körperliche Betätigung darstelle. Eine rein sitzende Tätigkeit sei dem Versicherten zumutbar, sofern es eine reine Schreibtischtätigkeit sei. Unter diesen Umständen könnte ein Pensum von 50 % möglich sein. In Zukunft sei aufgrund der progredienten Grunderkrankung mit gehäuften Arbeitsunfähigkeiten zu rechnen (Urk. 9/19).

3.4Med. pract. F.___, Fachärztin für Innere Medizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in ihrer Stellungnahme vom 7. Juli 2011 fest, es sei mit einer progredienten Lungenerkrankung mit Luftnot bei kleinster Belastung ein Gesundheitsschaden ausgewiesen und es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit. Für eine angepasste sitzende Tätigkeit mit der Möglichkeit, jederzeit das Sauerstoffgerät zu benutzen, bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/25/3-4). Am 6. März 2012 hielt med. pract. F.___ an dieser Stellungnahme vom 7. Juli 2011 fest und ergänzte, aus dem Arztzeugnis von Dr. Z.___ vom 19. September 2011 (Urk. 9/22) ergäben sich keine neuen medizinischen Aspekte, da er auf das Arztzeugnis vom 19. Mai 2011 (Urk. 9/11) verweise, welches bereits berücksichtigt worden sei (Urk. 9/25/5).

3.5Am 26. April 2012 hielt Dr. D.___ fest, es fänden sich stabile Verhältnisse. Die Dauersauerstofftherapie werde vor allem bei Spaziergängen und Anstrengungen konsequent genutzt. Der aktuelle Sechs-Minuten-Gehtest sei im Vergleich zu einer Voruntersuchung vom Dezember 2011 leicht schlechter, doch dies sei auf die irrtümliche Aufforderung zur Verlangsamung des Tempos wegen Desaturierung durch die Medizinisch-Technische Assistentin (MTA) zurückzuführen (Urk. 9/39/4-5).

3.6Im Einwand vom 23. Mai 2012 führte Dr. Z.___ aus, die idiopathische Lungenfibrose habe nun ein Ausmass angenommen, welches gemäss der New York Heart Association-Classification (NYHA-Klassifizierung) dem Grad IV entspreche. Konkret bedeute dies, dass eine Sprechdyspnoe bestehe und eine Dyspnoe beim längeren Stehen, dies unter permanenter Inhalation von Sauerstoff. Aufgrund dieser Verschlechterung sei keine Form von beruflicher Tätigkeit denkbar (Urk. 9/31).

4.

4.1Erstellt ist aufgrund der Arztberichte, dass der Beschwerdeführer unter Lungen-beschwerden leidet, welche seine Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. Die bisherige Tätigkeit als Verkäufer ist nicht mehr zumutbar. Im Folgenden ist zu prüfen, ob und in welchem Ausmass der Versicherte einer angepassten Tätigkeit nachgehen kann.

4.2Die IV-Stelle stützte ihre Verfügung vom 6. Dezember 2012 (Urk. 2) insbesondere auf die Stellungnahme von Dr. D.___ vom 28. Juni 2011 (Urk. 9/19) ab. Gemäss dieser Stellungnahme ist dem Beschwerdeführer eine sitzende Tätigkeit zumutbar, sofern es sich um eine reine Schreibtischtätigkeit handelt, wobei ein Pensum von 50 % möglich sei. Dieser Ansicht widersprach Dr. Z.___ im Einwand vom 23. Mai 2012 (Urk. 9/31).

Bei Dr. Z.___ handelt es sich um den behandelnden Hausarzt des Beschwerdeführers (Urk. 9/31). In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dr. D.___ ist zwar ebenfalls behandelnder Arzt. Anders als der Hausarzt, ein Facharzt für Innere Medizin, ist Dr. D.___ Facharzt für Pneumologie, was ihn aus objektiver Sicht in erster Linie befähigt, die Lungenproblematik des Beschwerdeführers zu beurteilen und zu den Auswirkungen auf die erwerbliche Leistungsfähigkeit zuverlässige Angaben zu machen.

Nachdem sich gemäss den Feststellungen von Dr. D.___ das Lungenleiden des Beschwerdeführers bis April 2011 derart verschlechtert hatte, dass der Arzt an einer verwertbaren Restarbeitsfähigkeit selbst in einer sitzenden Tätigkeit zweifelte (vgl. vorstehende Erw. 3.2), stabilisierte sich die Situation in der Folge dahingehend, dass Dr. D.___ zunächst Ende Juni 2011 und hernach im April 2012 zum Schluss kam, in einer rein sitzenden Tätigkeit sei ein Pensum von 50 % zumutbar. Der Beschwerdeführer nutze bei Spaziergängen und bei Anstrengungen konsequent die Dauersauerstofftherapie (vgl. vorstehende Erw. 3.3 und 3.5). Die Einschätzung von Dr. D.___ lässt sich anhand der Befunde nachvollziehen. Der Hausarzt Dr. Z.___ verneinte eine Restarbeitsfähigkeit gänzlich, ging aber vom gleichen klinischen Zustandsbild aus, insbesondere auch unter Berufung auf Dr. D.___ (vgl. Urk. 9/31/1). Da die Ausführungen von Dr. D.___ objektiv begründet sind, ist auf diese abzustellen. Dr. Z.___ hingegen berücksichtigte offensichtlich eher die subjektive Sicht des Beschwerdeführers, der sich selber nicht mehr arbeitsfähig sieht, auch nicht in einer körperlich leichtesten Tätigkeit. Entscheidend ist indessen nicht die subjektive Sicht, sondern die sich auf die objektive Gegebenheiten stützende medizinisch-theoretische Einschätzung.

4.3Der Beschwerdeführer liess geltend machen, seine idiopathische Lungenfibrose habe gemäss den Ausführungen von Dr. Z.___ ein Ausmass entsprechend der NYHA-Klassifizierung des Grades IV erreicht (Urk. 1 S. 3). Die Skala der NYHA (die Abkürzung steht für New York Heart Association) bezieht sich indessen nicht auf Erkrankungen der Lungen und ihre Folgen, sondern auf Herzleiden (vgl. Urk. 3/2). Im Vordergrund steht vorliegend aber das Lungenleiden. Dieses wirkt sich auf die Erwerbsfähigkeit aus. Inwiefern die Skalen NYHA mit den nach Schweregrad abgestuften Erkrankungsstadien auf das Leiden des Beschwerdeführers übertragbar sind, ist nicht beantwortet. Dazu nahm auch Dr. Z.___, der im Einwandschreiben vom 23. Mai 2012 auf diese Skalen verwies und daraus in Bezug auf die Restarbeitsfähigkeit Schlussfolgerungen zog, nicht Stellung. Im Übrigen kam auch Dr. Z.___ in der erwähnten Stellungnahme - wie auch Dr. D.___ - zum Schluss, der Beschwerdeführer leide rasch unter einer Anstrengungsdyspnoe. Basierend auf dieser Erkenntnis erachtete Dr. D.___ nur noch eine rein sitzende Tätigkeit, und selbst eine solche nur limitiert, das heisst im Umfang von 50 % für zumutbar und nicht gar keine Tätigkeit mehr.

Es liegen somit keinerlei ärztliche Belege vor, welche für eine Bettlägerigkeit des Beschwerdeführers sprechen oder dessen Fähigkeit zu sitzen verneinen. Dr. D.___ hielt am 26. April 2012 fest, dass der Versicherte sich sowohl im Haushalt als auch mit längeren Spaziergängen ausser Haus regelmässig körperlich betätige (Urk. 9/39/4), was durch den Versicherten nicht in Abrede gestellt wurde (Urk. 1 S. 6).

4.4Weiter liess der Versicherte ausführen, dass sein Resultat beim Sechs-Minuten-Gehtest klar unter dem Minimalwert liege (Urk. 1 S. 5). Dies ist zutreffend und entsprechend wird auch von der IV-Stelle und Dr. D.___ davon ausgegangen, dass dem Versicherten keinerlei körperlich anstrengende Tätigkeiten zumutbar sind sowie seine Arbeitsfähigkeit auch in einer sitzenden Tätigkeit auf 50 % eingeschränkt ist (Urk. 2). Vom Versicherten wurde bemängelt, Dr. D.___ gehe in seinem Bericht vom 26. April 2012 (Urk. 9/39/4-5) nicht auf seine Arbeitsfähigkeit ein und äussere sich nicht dazu, ob eine Verschlechterung seines Zustandes eingetreten sei (Urk. 1 S. 4). Dr. D.___ hielt in diesem Bericht bei der Zwischenanamnese generelles Wohlbefinden ohne Exazerbationen fest. Ausserdem beurteilte er die Verhältnisse als stabil (Urk. 9/39/4-5). Dies genügt, um davon auszugehen, dass auch die Arbeitsfähigkeit weiterhin gleich einzuschätzen ist wie am 28. Juni 2011. 

4.5In der Beschwerde wurde zudem vorgebracht, der Versicherte müsse sich am 6. März 2013 einer Hüftoperation unterziehen, was seinen gesundheitlichen Zustand noch mehr verschlechtere (Urk. 1 S. 7). Dazu ist anzumerken, dass für die richterliche Beurteilung eines Falles grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend sind. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind nur insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Entscheiderlasses zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98). Die Hüftoperation vom März 2013 und deren Auswirkungen konnten von der IV-Stelle in der Verfügung vom 6. Dezember 2012 (Urk. 2) nicht berücksichtigt werden. Im Verwaltungsverfahren waren stets die Lungen- und Herzbeschwerden Thema. Zudem wurde im Bericht der Klinik für Pneumologie, C.___, vom 27. Juni 2013 festgehalten, der Eingriff zur Sanierung der Femurkopfnekrose rechts sei problemlos verlaufen (Urk. 11). Es fehlt daher an Anzeichen dafür, dass der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers sich aufgrund der Hüftoperation verschlechterte. Näher kann und braucht die Frage der möglichen Auswirkungen des Hüftleidens auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorliegend nicht beantwortet zu werden.

4.6Am 14. August 2013 wurde im vom Beschwerdeführer zuhanden des hiesigen Gerichts eingereichten Bericht der Klinik für Pneumologie des C.___ festgehalten, dass beim Versicherten insgesamt eine stabile bis leicht progrediente Situation bei einer pulmonal deutlichen Limitation im Rahmen der Grundkrankheit bestehe. Damit die für die Listung im Hinblick auf eine Lungentransplantation notwendigen stationären Untersuchungen durchgeführt werden könnten, müsse der Versicherte mit einem aktuellen BMI von
32 kg/m2 allerdings noch weiterhin Gewicht reduzieren, da die Langzeiter-gebnisse nach Lungentransplantation bei adipösen Patienten durch die chronische Entzündungsreaktion und Aspirationsereignisse deutlich reduziert seien. Es stehe eine Evaluation der Arbeitsunfähigkeit bevor, wobei aufgrund der Dauersauerstofftherapie und deutlicher Desaturierung bei Anstrengung ver-mutlich eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit medizinisch gerechtfertigt sei (Urk. 11).

Dieser nachträglich eingereichte ärztliche Bericht ändert an den vorherigen Ausführungen nichts. Die geäusserte Vermutung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit wird auf die Dauersauerstofftherapie und die deutliche Desaturierung bei Anstrengung gestützt, welche bereits bekannt waren und in der Verfügung der IV-Stelle vom 6. Dezember 2012 berücksichtigt wurden. Es ist nämlich unbestritten, dass der Versicherte keiner anstrengenden Tätigkeit nachgehen kann und er die Möglichkeit haben muss, an seinem Arbeitsplatz mit Sauerstoff versorgt zu werden. Es geht aus diesem neusten ärztlichen Bericht nicht hervor, weshalb dem Versicherten eine rein sitzende Tätigkeit zu 50 % nicht zumutbar sein sollte. Da die medizinischen Verhältnisse hinreichend abgeklärt wurden, um eine Arbeitsfähigkeit im Umfang von 50 % für körperlich nicht anstrengende sitzende Tätigkeiten nachvollziehbar und objektiv begründet festzustellen, erübrigt sich auch die eventualiter beantragte Rückweisung für weitere medizinische Abklärungen.

4.7Es ist zusammenfassend von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer rein sitzenden Tätigkeit auszugehen. Dabei fallen Tätigkeiten in der Montage und Verpackung durchaus in Betracht, sie dürfen jedoch nicht mit körperlicher Anstrengung verbunden sein. Zu denken ist etwa an Kontrolltätigkeiten im Montagebereich. Aufgrund einer fehlenden diesbezüglichen Ausbildung kommt eine Bürotätigkeit im engeren Sinne nicht in Betracht. Was die gemäss Dr. D.___ zu erwartenden gehäuften Arbeitsunfähigkeiten aufgrund der fortschreitenden Grunderkrankung betrifft (Urk. 9/19), ist festzuhalten, dass diese mögliche ungünstige Entwicklung zum jetzigen Zeitpunkt nicht berücksichtigt werden kann. Dies ist umso mehr der Fall, als die Prognose offen lässt, in welchem Zeitpunkt eine Verschlechterung zu erwarten ist.

4.8Der Versicherte liess in der Beschwerde weiter geltend machen, wenn von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit für sitzende Tätigkeiten ausgegangen werde, werde er aufgrund seines Alters, seiner behinderungsbedingten Einschränkungen in Bezug auf die Leistungsfähigkeit sowie der Umständlichkeiten mit dem Sauerstoffgerät und in Anbetracht seines Ausbildungshintergrunds auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Rahmen der Selbsteingliederung realistischerweise keinen Arbeitgeber finden, welcher ihn einstelle. Sei eine medizinisch-theoretisch verbleibende Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich nicht mehr verwertbar, liege eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor (Urk. 1 S. 7 f.). Der Versicherte kann seine verbliebene Arbeitskraft auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt (vgl. Erwägung 1.4) jedoch nutzen, da er im Rahmen einer sitzenden Tätigkeit durchaus Leistungen erbringen kann und ein Sauerstoffgerät in einer Tätigkeit ohne Publikumskontakt kein Problem darstellt. Was die gesundheitlich bedingte Einschränkung seiner Leistungsfähigkeit betrifft, so ist diese im Rahmen des leidensbedingten Abzugs bei der Bestimmung des Invalideneinkommens (vgl. Erwägung 5.1) zu berücksichtigen.

5.

5.1Gemäss angefochtener Verfügung beträgt das Valideneinkommen Fr. 63‘720.-- (Urk. 2). Ausgehend von den Angaben im IK-Auszug errechnete die Beschwerdegegnerin den Durschnitt der zwischen 2008 bis 2010 erzielten Einkommen und passte diesen der Nominallohnentwicklung bis 2012 an (vgl. Urk. 2 S. 3, Urk. 9/24). Die Durchschnittsberechnung über verschiedene Jahre drängte sich aufgrund der unterschiedlichen Jahreseinkommen des Beschwerdeführers auf (vgl. Urk. 7/1). Das Valideneinkommen enthält auch den vom Beschwerdeführer vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielten Nebenverdienst (vgl. Urk. 7/1, Urk. 7/4, Urk. 7/40). Die Berechnung erfolgte korrekt und wurde vom Beschwerdeführer auch nicht beanstandet.

5.2Der Beschwerdeführer erzielt derzeit kein Einkommen, weswegen die Beschwerdegegnerin das Invalideneinkommen hypothetisch ermittelte. Sie stützte sich hierbei praxisgemäss auf die periodisch publizierten Tabellenlöhne der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE; vgl. dazu BGE 126 V 75 f. E. 3b/aa und bb, BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Den Durchschnittslohn für Männer in einer Tätigkeit auf einfachem Anforderungsniveau des Jahres 2010 in der Höhe von Fr. 4‘901.-- (vgl. Die Volkswirtschaft 4-2014, S. 91, Tab. B 10.1, Total) passte die Beschwerdegegnerin der 2012 üblichen Wochenarbeitszeit und der Nominallohnentwicklung bis dahin an und errechnete auf diese Weise bezogen auf das noch mögliche Pensum von 50 % und unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 25 % ein Invalideneinkommen von Fr. 23‘259.-- (Urk. 9/24/2). Der leidensbedingte Abzug von 25 % entspricht dem praxisgemäss höchstzulässigen (vgl. BGE 126 V 75), der vorliegend angesichts der nur sehr limitierten Einsetzbarkeit des Beschwerdeführers auch in einer angepassten Tätigkeit in jeder Hinsicht angemessen ist.

5.3Die Differenz der beiden Vergleichseinkommen entspricht einem Invaliditätsgrad von 63 %. Die Berechnung der Beschwerdegegnerin ist korrekt (Urk. 2 S. 4, Urk. 9/24/1). Der durch die IV-Stelle ebenfalls korrekt auf den 1. Januar 2012 festgelegte Rentenbeginn ist unbestritten.

Aufgrund des Invaliditätsgrads von 63 % hat der Versicherte somit ab 1. Januar 2012 Anspruch auf eine Dreiviertelsrente sowie die dazugehörende Kinderrente. Dies entspricht der Verfügung vom 6. Dezember 2012 (Urk. 2), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.


6.Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG) und ermessensweise auf Fr. 600.-- festzulegen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.



Das Gericht erkennt:

1.Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.

3. Zustellung gegen Empfangsschein an:

CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle

Bundesamt für Sozialversicherungen

sowie an

Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)

4.Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).


Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich


Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin




GrünigNaef