Zürich Sozialversicherungsgericht

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Entscheide




Sozialversicherungsgericht

des Kantons Zürich


IV.2015.00860




II. Kammer

Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichter Bachofner

Ersatzrichterin Romero-Käser

Gerichtsschreiberin Peter-Schwarzenberger

Urteil vom 15. März 2017

in Sachen

X.___

c/o Y.___


Beschwerdeführerin


vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Moritz W. Kuhn

MME - Meyer Müller Eckert Partners

Kreuzstrasse 42, Postfach 1412, 8032 Zürich


zusätzlich vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Lucy Gordon

MME - Meyer Müller Eckert Partners

Kreuzstrasse 42, Postfach 1412, 8032 Zürich


gegen


Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle

Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich

Beschwerdegegnerin




weitere Verfahrensbeteiligte:


Z.___


Beigeladene


vertreten durch Procap Schweizerischer Invaliden-Verband

Advokat Stephan Müller

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten




Sachverhalt:

1.

1.1    Z.___, geboren 1972, meldete sich am 29. Januar 2002 unter Hinweis auf ein Schleudertrauma bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2/1-7 = Urk. 3/11/1-7). Nach der Gewährung von Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die Stellenvermittlung (Urk. 7/11) sowie der Zusprache von beruflichen Massnahmen (Urk. 7/13, Urk. 7/21) liess die damals zuständige IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden die Versicherte bei der MEDAS A.___ polydisziplinär begutachten, wobei das Gutachten am 19. Januar 2006 erstattet wurde (Urk. 7/50). Daraufhin wurden der Versicherten am 4. September 2006 wiederum berufliche Massnahmen zugesprochen (Urk. 7/61). Mit Verfügung vom 7. September 2007 verneinte die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 7/95). Die dagegen erhobene Beschwerde der Versicherten (Urk. 7/98) wurde vom Verwaltungsgericht von Appenzell Ausserrhoden mit Urteil vom 22. Mai 2008 in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache an die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden zurückgewiesen wurde (Urk. 7/124/2-15).

1.2    Die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden liess die Versicherte erneut bei der MEDAS A.___ polydisziplinär begutachten, wobei das Verlaufsgutachten am 21. September 2009 erstattet wurde (Urk. 7/222 = Urk. 7/228). Daraufhin wurden der Versicherten berufliche Massnahmen zugesprochen, namentlich wurde Kostengutsprache erteilt für den Lehrgang zum Bürofachdiplom von Januar 2010 bis Januar 2011 (Urk. 7/244, Urk. 7/264) sowie die Umschulung zur Sachbearbeiterin Rechnungswesen von Februar 2011 bis Juli 2012 (Urk. 7/270). Am 20. August 2012 teilte die IV-Stelle des Kantons Appenzell Ausserrhoden der Versicherten mit, die beruflichen Massnahmen seien erfolgreich abgeschlossen (Urk. 7/296).

1.3    Am 28. Februar 2013 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/300, Urk. 7/303). Die nun zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/320) und liess die Versicherte durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) psychiatrisch untersuchen, wobei der Untersuchungsbericht am 9. Mai 2014 erstattet wurde (Urk. 7/347). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/353, Urk. 7/359/1-6) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 30. Juni 2015 vom 1. Februar 2014 bis 30. Juni 2015 (Urk. 7/384 = Urk. 2/2) und mit Verfügung vom 24. Juni 2015 ab 1. Juli 2015 (Urk. 7/378 = Urk. 7/380) bei einem Invaliditätsgrad von 80 % eine ganze Rente zu.


2.    Die Z.___ (die Pensionskasse der Y.___ und Arbeitgeberin der Versicherten) erhob am 28. August 2015 Beschwerde gegen die Verfügungen vom 24. und 30. Juni 2015 (Urk. 2/2, Urk. 7/378 = Urk. 7/380), wobei sie als Verfügung vom 24. Juni 2015 - wohl versehentlich - statt der beschwerdeweise angefochtenen Rentenzusprache diejenige betreffend Kinderrente (Urk. 2/1) als Beilage einreichte. Sie beantragte, die Verfügungen seien aufzuheben und es sei die Arbeitsfähigkeit der Versicherten durch die Einholung eines zusätzlichen ärztlichen Gutachtens zu überprüfen und der Invaliditätsgrad und der Rentenanspruch seien neu festzulegen. Eventuell sei die Sache an die IVStelle zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1. Oktober 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Dies wurde der Beschwerdeführerin am 13. Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).

    Mit Verfügung vom 26. Oktober 2015 wurde die Versicherte Z.___ zum Prozess beigeladen (Urk. 9). Die Beigeladene beantragte mit Eingabe vom 10. Februar 2016, es sei ihr bereits ab Februar 2013 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen. Eventuell sei die Beschwerde vom 28. August 2015 vollumfänglich abzuweisen und seien die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 24. und 30. Juni 2015 zu bestätigen (Urk. 15 S. 2 Ziff. 1a-b).

    RAD-Arzt Dr. med. B.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, wurde mit Verfügung vom 17. Februar 2016 aufgefordert, zu seinem psychiatrischen Untersuchungsbericht vom 9. Mai 2014 (vgl. Urk. 7/347) Stellung zu nehmen (Urk. 16). Am 30. März 2016 reichte Dr. B.___ die gewünschte Stellungnahme ein (Urk. 18); dies wurde den Parteien am 21. April 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 19).

    Mit Beschluss vom 1. Februar 2017 wurde der Beschwerdeführerin die Gelegenheit eingeräumt, um zu der vom Gericht in Erwägung gezogenen Abänderung der angefochtenen Verfügung zu ihrem Nachteil (reformatio in peius) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen (Urk. 20). Die Beschwerdeführerin liess sich innert Frist nicht vernehmen.



Das Gericht zieht in Erwägung:

1.

1.1    Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.2    Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:

a.    ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;

b.    während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und

c.    nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.

    Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).

1.3    Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3). Beträgt der Invaliditätsgrad weniger als 50 %, so werden die entsprechenden Renten nur an Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben. Diese Voraussetzung ist auch von Angehörigen zu erfüllen, für die eine Leistung beansprucht wird (Abs. 4).

1.4    Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG; BGE 139 V 547 E. 5; 131 V 49 E. 1.2; 130 V 352 E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4.).

    Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).

1.5    Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut angehbar sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (BGE 141 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht auszuschliessen sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (BGE 140 V 193 E. 3.3; BGE 137 V 64 E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1).

    Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) vermögen keinen rechtserheblichen Gesundheitsschaden zu begründen (Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1). Dazu bedürfte es zumindest einer Persönlichkeitsstörung (Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.5 mit Hinweisen).

1.6    Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Nach Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).

    Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RADBerichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).

1.7    Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).


2.

2.1    Die Beschwerdegegnerin hielt in den angefochtenen Verfügungen (Urk. 2) fest, dass die Beigeladene seit 27. Februar 2013 (Beginn der einjährigen Wartezeit) in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei, mithin im ersten Arbeitsmarkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit vorliege. Die Abklärungen hätten ergeben, dass die Beigeladene ohne Gesundheitsschaden weiterhin ihrer Tätigkeit als Sachbearbeiterin Buchhaltung zu einem Pensum von 80 % nachgehen würde. Die restlichen 20 % würden in den Aufgabenbereich entfallen. Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von 80 % und somit ein Anspruch ab 1. Februar 2014 auf eine ganze Rente (vgl. Urk. 7/376 = Urk. 3/3).

2.2    Demgegenüber führte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde aus (Urk. 1), dass die Beigeladene bei Stellenantritt bei der Y.___ (nachfolgend Arbeitgeberin) im August 2012 zu 50-60 % arbeitsfähig gewesen sei (S. 4 f. Rz 5). Die Arbeitgeberin habe das Arbeitsverhältnis Ende Februar per Ende April 2013 gekündigt (S. 6 Rz 10). Die behandelnde Psychiaterin habe im Juli 2013 die Beigeladene ab etwa August 2013 zu 3050 % arbeitsfähig erachtet. Auch das C.___, in welchem die Beigeladene von Ende April bis Ende Mai 2013 stationär behandelt worden sei, habe dies bestätigt und habe eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeiten im Rahmen einer 50%-Anstellung als möglich erachtet. Gemäss RAD-Untersuchungsbericht vom Mai 2014 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen. Es sei völlig unklar, weshalb bei derselben Diagnose im Juli 2013 und im Mai 2014 die Beigeladene neu nicht mehr zu 40-50 %, sondern zu 100 % arbeitsunfähig sein sollte (S. 6 f. Rz 12-16). Es sei ebenfalls unklar, weshalb die Beigeladene trotz gegenteiliger Einschätzung ihrer Psychiaterin und der D.___ eine 80%-Stelle mit einem hohen Anforderungsprofil übernommen habe. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass dies im Hinblick auf eine erhoffte höhere Rente geschehen sei (S. 8 Rz 17). Die frühere Arbeitgeberin sei aus ihrer Erfahrung mit der Beigeladenen überzeugt, dass diese durchaus einfachere Büroarbeiten erledigen könnte. Vorliegend sei sie einfach dem Anforderungsprofil nicht gewachsen gewesen. Der RAD-Arzt erkläre nicht einmal ansatzweise, weshalb eine einfache Büroarbeit nicht zumutbar sein sollte. Dies müsse neu abgeklärt und der Invaliditätsgrad müsse dementsprechend neu festgelegt werden (S. 8 f. Rz 18, 21).

2.3    Die Beigeladene hielt in ihrer Stellungnahme fest (Urk. 15), dass die Beschwerdegegnerin angesichts der Tatsache, dass weder die behandelnden Ärzte noch der Gutachter der Krankentaggeldversicherung oder der RADArzt irgendwelche Zweifel hinsichtlich Diagnose oder Arbeitsunfähigkeit geäussert hätten, die medizinische Situation ausreichend abgeklärt worden sei und die Beschwerdegegnerin somit in völlig korrekter Vorgehensweise festgestellt habe, dass sie Anspruch auf eine ganze Rente habe (S. 3 Rz 3). In Abweichung zu den angefochtenen Verfügungen sei die Rente jedoch ab Februar 2013 zuzusprechen, da in diesem Zeitpunkt das Wartejahr längst abgelaufen gewesen sei (S. 7 Rz 8, vgl. S. 4 Rz 4).

2.4    Strittig und zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit und der Invaliditätsgrad der Beigeladenen sowie der allfällige Beginn einer Rentenleistung.


3.

3.1    Die Ärzte der MEDAS A.___ erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am 21. September 2009 (Urk. 7/222 = Urk. 7/228). Die Gutachter nannten die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 23 Ziff. 3.1):

- rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig mittelgradige Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)

- emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3)

- akzentuierte, leistungsbezogene Persönlichkeit (ICD-10 Z73.1)

- chronisches cerviko-cephales Schmerzsyndrom mit/bei

- Status nach Distorsionstrauma der Halswirbelsäule am 21. April 2001

- segmentalen Funktionsstörungen des cranio-cervikalen und cerviko-thorakalen Übergangs

- erheblichem mysofaszialem Schmerzsyndrom mit typischer Referred-pain-Symptomatik

- radiologisch altersnormaler Halswirbelsäule mit Tendenz zu Hypomobilität sämtlicher Bewegungssegmente (10. August 2009)

    In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bei der D.___ wie auch in den vorangegangenen Bürotätigkeiten zu 50 % halbtags bestehe rein somatisch aus rheuma-orthopädischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund des zwischenzeitlichen Verlaufs und der aktuellen Situation nach wie vor, das heisst wie bereits im letzten Gutachten erhoben (vgl. hierzu das MEDAS A.___ Gutachten vom 19. Januar 2006, in welchem der Beigeladenen ab dem 21. April 2001 als Sekretärin bei einer Gärtnerei sowie für andere Tätigkeiten eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde, Urk. 7/50/1-15, S. 14 Ziff. 5.1-5.2), eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Rahmen einer invaliditätsrelevanten Erkrankung. Wie der zwischenzeitliche Verlauf gezeigt habe, wäre eine 50%ige Bürotätigkeit halbtags und gleichzeitig eine schulische Weiterbildung im gleichen Rahmen zu viel. Als Hausfrau sei die Beigeladene aus polydisziplinärer Sicht nicht eingeschränkt (S. 29 f. Ziff. 5.1-5.2, vgl. S. 28 oben Ziff. 4).

    Aus psychiatrischer Sicht sei der von der D.___ vorgeschlagene weitere Weg im Sinne eines sechsmonatigen Arbeitstrainings mit dem Ziel der Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und Evaluation von Anschlussmöglichkeiten zu unterstützen, damit die Beigeladene sich weiter stabilisieren und festigen könne mit der Chance, längerfristig wieder zu 50 % arbeitstätig sein zu können. An therapeutischen Massnahmen sei aus psychiatrischer Sicht unbedingt die Fortführung der bisherigen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen zu gewähren (S. 30 Ziff. 5.3). Die Prognose sei mit einiger Skepsis zu sehen, momentan aber als eher ungünstig zu beurteilen (S. 30 Ziff. 5.4).

3.2    Danach wurden der Beigeladenen diverse berufliche Massnahmen gewährt (vgl. Urk. 7/244, Urk. 7/264, Urk. 7/270), welche schliesslich am 20. August 2012 als erfolgreich abgeschlossen erachtet wurden, da die Beigeladene per 6. August 2012 eine neue Arbeitsstelle auf dem freien Arbeitsmarkt angetreten habe (Urk. 7/296).


4.

4.1    Eine Ärztin der E.___, Spezialambulatorium ADHD, führte in ihrem Bericht vom 29. April 2014 (Urk. 7/328) aus, dass die Beigeladene vom 5. Juli bis 1. Dezember 2011 ambulant behandelt worden sei (Ziff. 1.2). Sie nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):

- rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33.1)

- Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ICD-10 F90.0)

    Ziel sei die Stabilisierung der depressiven Symptomatik sowie Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung gewesen. Zum damaligen Zeitpunkt habe keine Prognose gemacht werden können (Ziff. 1.4). In ihrer Ambulanz sei die Beigeladene vom 19. Juli bis 19. August 2011 wegen Krankheit zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden (Ziff. 1.6).

4.2    Dr. med. F.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrem Schreiben vom 7. Mai 2013 (Urk. 7/312/1 = Urk. 3/5) aus, dass sie die Beigeladene seit Oktober 2007 behandle. Seit Beginn der Behandlung habe immer eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % bestanden, vom 24. November 2008 bis 1. Mai 2009 eine solche von 100 %. Seither habe einige Male wegen somatischer Gründe für wenige Wochen ebenfalls eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, das Zeugnis sei jeweils durch die Hausärztin ausgestellt worden. Obwohl die Beigeladene gemäss ihrer Einschätzung nur zu 50 % arbeitsfähig gewesen sei, habe die Beigeladene im August 2012 eine Arbeitsstelle mit einem Pensum von 80 % angetreten. Seit dem 27. Februar 2013 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig.

4.3    Vom 24. April bis 22. Mai 2013 wurde die Beigeladene im C.___, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, stationär behandelt. Im Austrittsbericht vom 21. Juni 2013 (Urk. 7/316/1-5 = Urk. 7/320/1-5) diagnostizierten die Ärzte des C.___ eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), als Hauptdiagnose und eine seit 2011 bestehende einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) als Nebendiagnose (S. 1 Mitte).

4.4    Dr. F.___ nannte in ihrem Bericht vom 2. Juli 2013 (Urk. 7/313/1-2 = Urk. 3/8) die folgenden Diagnosen (S. 1 Mitte):

- rezidivierendes depressives Zustandsbild, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1)

- Status nach massiver Erschöpfung bei schwerer Bronchitis (Differentialdiagnose atypische Pneumonie) März 2013

- emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3)

- stark leistungsbezogene Persönlichkeit (ICD-10 Z73.1)

- Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung

    Im August 2012 habe die Beigeladene ohne Hilfe der IV eine 80%-Stelle als Sachbearbeiterin Büro und Buchhaltung in Zürich gefunden. Die Arbeitsstelle scheine mit den komplizierten Abläufen recht anspruchsvoll zu sein und sei vermutlich mit einem 80%-Pensum kaum zu bewältigen. Die Beigeladene, pflichtbewusst, bemüht keine Fehler zu machen, mit einer Tendenz zum Perfektionismus, habe Mühe, überhöhte Forderungen durch den Arbeitgeber zurückzuweisen. So sei es unweigerlich zur Überforderung gekommen, was sie sich nicht einzugestehen vermocht habe. In den Monaten vor dem Zusammenbruch habe das Leben der Beigeladenen aus Arbeiten, Essen und Schlafen bestanden; die sozialen Kontakte und auch das Familienleben hätten sehr darunter gelitten. In der Therapie im Winter habe sie immer öfters über Erschöpfungsgefühle, zunehmende Anspannung und Nervosität sowie Schlafstörungen geklagt. Im Februar sei sie an einer schweren Bronchitis (Differentialdiagnose atypische Pneumonie) erkrankt. In diese Zeit falle auch die Kündigung auf Ende April 2013, was bei der Beigeladenen tiefste Scham- und Insuffizienzgefühle hervorgerufen habe (S. 1 f.). In den Wochen nach der Kündigung habe sich der Zustand der Beigeladenen verschlechtert, sie habe sich nur zögerlich von der schweren Bronchitis erholt. In der Folge habe sich ein ausgeprägtes depressives Bild mit trauriger Stimmung, extremer Müdigkeit, Verlängerung der Schlafdauer und Tagesschläfrigkeit, ausgeprägten Zukunftsängsten und Ratlosigkeit gezeigt, so dass am 24. April 2013 eine Einweisung in die psychiatrische Klinik C.___ (vgl. vorstehend E. 4.2) unumgänglich geworden sei. Der Austritt sei am 22. Mai 2013 in nur merklich wenig bis kaum gebessertem Zustand erfolgt (S. 2 oben).

    Die Beigeladene sei bei ihr einmal wöchentlich in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung (S. 2 Mitte). Sie sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig. Denkbar sei, dass sie an einer Arbeitsstelle, an der basal ein prinzipiell wohlwollendes Klima herrsche, mit klar umrissenen und strukturierten Aufgaben, eventuell ab August 2013 wieder mit einem reduzierten Pensum zwischen 30-50 % eingesetzt werden könnte (S. 2 Mitte).

4.5    Dr. med. G.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Pharmazeutische Medizin, führte in seinem Bericht vom 17. September 2013 (Urk. 7/320/25-30) an den Vertrauensarzt der Krankentaggeldversicherung aus, bei der Beigeladenen diagnostisch entweder eine rezidivierende depressive Störung, derzeit eine mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), vorliege, die möglicherweise bereits mit einem leichten Residuum einhergehe. In Anbetracht der Anamnese sei jedoch eine bipolare affektive Störung wahrscheinlicher, derzeit eine mittelgradige Episode (ICD-10 F31.3). Nicht ganz abgrenzbar davon sei eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0).

    Die Beigeladene sei seit dem 21. März 2013 arbeitsunfähig. Aus heutiger Sicht sei sie auf absehbare Zeit weiterhin arbeitsunfähig. Ihr Schritt, im vergangenen Jahr eine administrative Tätigkeit in einer Firma angenommen zu haben, sei rückblickend als Versuch zu werten, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt beruflich Fuss zu fassen. Dass diese Absicht erfolglos geblieben sei, sei angesichts des Krankheitsverlaufes und des aktuellen Befundes erklärbar. An der Motivation der Beigeladenen, für ihren Lebensunterhalt eigenständig sorgen zu wollen, bestehe keinerlei Zweifel. Momentan sei dies nach Abwägen aller Fakten jedoch unrealistisch, dies jedenfalls im Rahmen einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (S. 5 f.).

4.6    Die Ärzte des C.___ nannten in ihrem Bericht vom 2. Oktober 2013 (Urk. 7/321 = Urk. 3/9) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 unten):

- rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)

- einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0), Erstdiagnose 2011

- Differentialdiagnose bipolare Störung, gegenwärtig depressive Episode (ICD-10 F31.3)

    Die Beigeladene sei während des stationären Aufenthaltes vom 24. April bis 22. Mai 2013 (vgl. Ziff. 1.3) zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Bei Austritt sei sie immer noch zu 100 % arbeitsunfähig gewesen aufgrund des depressiven Zustandsbildes mit vor allem starken Konzentrationseinbussen und Sprunghaftigkeit (Ziff. 1.6). Eine 50%-Anstellung bei begleitender ambulanter Psychotherapie könne im Verlauf möglich sein. Diesbezüglich sollten Informationen bei der ambulanten Psychiaterin Dr. F.___ eingeholt werden (Ziff. 1.7).

4.7    Dr. F.___ nannte in ihrem bei der Beschwerdegegnerin am 4. Oktober 2013 (Urk. 7/322) eingegangenem Bericht die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Mitte):

- rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig bis schwer (ICD-10 F33.11-33.2)

- Verdacht auf bipolare affektive Störung (ICD-10 F31.31-31.4)

- Persönlichkeitsstörung, gemischt (ICD-10 F60.8)

    Seit dem Klinikaufenthalt, der im Übrigen kaum Besserung gebracht habe, habe tendenziell eher eine Verschlechterung mit Zunahme der subjektiven Beschwerden wie massive Müdigkeit, stark vermindertem Antrieb, ausgeprägten Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit stattgefunden (S. 1 f.). Die Beigeladene sei in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Büroangestellte seit Mitte Februar 2013 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2 unten). Angesichts des aktuell schlechten Verlaufs sei eine Prognose im jetzigen Zeitpunkt noch schwieriger zu stellen, sei tendenziell eher schlecht. Dies im Gegensatz zu ihrer Meinung anfangs Juli 2013 (vgl. vorstehend E. 4.3), als die Hoffnung auf eine Verbesserung auf 30 % (bis 50 %) in einem wohlwollenden Umfeld noch berechtigt geschienen habe. Generell müsse nochmals betont werden, dass sie die Beigeladene auch im Sommer 2012 durchgehend als mindestens 50 % arbeitsunfähig eingeschätzt habe. Die von ihr angetretene Arbeitsstelle in einem 80%-Pensum sei von Beginn weg eine Überforderung gewesen. Das Gefühl, wieder für den ersten Arbeitsmarkt fit zu sein, habe dem Wunsch der Beigeladenen, unbedingt unabhängig zu bleiben, nicht jedoch der Realität entsprochen (S. 4 oben).

4.8    In ihrem Schreiben vom 6. Mai 2014 (Urk. 7/329) führte Dr. F.___ aus, dass die Beigeladene nach dem Austritt aus dem C.___, in einem übrigens nur wenig gebesserten Zustand, über Monate weiterhin schwer depressiv gewesen sei, oftmals kaum in der Lage den Haushalt zu führen und auf die Hilfe ihrer 17-jährigen Tochter und guter Nachbarn angewiesen. In den weiterhin wöchentlich stattfindenden Gesprächen habe sich eine zunehmende Verzweiflung und ausgeprägte Suizidalität gezeigt. Die Änderung der Medikation habe eine gewisse Verbesserung gebracht. Die Beigeladene sei nach wie vor nur wenig belastbar und schnell erschöpft, ziehe sich schnell zurück, die Grübeleien und Zukunftsängste seien nach wie vor ausgeprägt vorhanden, jedoch sei die Suizidalität deutlich zurückgegangen.

4.9    Die Beigeladene wurde am 9. Mai 2014 durch den RAD-Arzt Dr. B.___ psychiatrisch untersucht, wobei der psychiatrische Untersuchungsbericht gleichentags erstattet wurde (Urk. 7/347 = Urk. 3/10). Die Beigeladene dürfe nach eigenen Angaben seit Januar 2014 drei Mal pro Woche in das H.___, das gebe ihr eine Tagesstruktur und Kontakte zur Aussenwert. Sie dürfe nur aus Goodwill des Leiters des H.___ hingehen, da sie noch Taggelder beziehe und das H.___ eigentlich für IV-Rentner sei (S. 2 Mitte). Zudem habe sich die Beigeladene nach eigenen Angaben im letzten Jahr ausgeprägt zurückgezogen, seit der Medikamenteneinstellung und dem H.___besuch habe sich dies etwas verbessert (S. 7 oben). In Anlehnung an das Mini-ICF-App führte Dr. B.___ aus, dass die Fähigkeit der Beigeladenen zur Anpassung an Regeln und Routinen, die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten beziehungsweise die Selbstbehauptungsfähigkeit sowie die Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten hochgradig beeinträchtigt seien. Die Wegefähigkeit sei mittelgradig beeinträchtigt. Zudem möchte die Beigeladene im ersten Arbeitsmarkt arbeiten, sehe sich jedoch auch im H.___ als begrenzt arbeitsfähig (S. 7 f.).

    Dr. B.___ führte aus, dass kongruent mit den Arztberichten eine rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1), und eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) diagnostiziert werde. Ob zusätzlich eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) vorliege oder ob die Symptomatik anders eingeschätzt worden sei, müsse der weitere Verlauf zeigen. Für jegliche Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 8 unten).

4.10    In seiner Stellungnahme vom 16. Mai 2014 (Urk. 7/361/4) führte der RADArzt Dr. B.___ aus, dass die 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die bisherige Tätigkeit und für angepasste Tätigkeiten gemäss dem Arztbericht von Dr. F.___ vom 7. Mai 2013 (vorstehend E. 4.1) seit dem 27. Februar 2013 bestehe.

4.11    Dr. F.___ nannte in ihrem Bericht vom 27. März 2015 (Urk. 7/372/1-4) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):

- rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD10 F33.2) mit latenter Suizidalität

- emotional instabile Persönlichkeit (ICD-10 F60.3)

- Differentialdiagnose: bipolare Störung (nur differentialdiagnostisch, weil die charakteristische vollständige Remission zwischen den verschiedenen Episoden vollkommen fehle)

    Im Frühsommer 2014 sei es zu einer kurzfristigen leichten Besserung des depressiven Zustandsbildes gekommen, es sei jedoch zirka zwei Wochen nach der vermeintlichen Besserung zu einem hypomanisch anmutenden Verhalten mit erhöhtem Antrieb, Rededrang, übersteigerter Geselligkeit und Kontaktaufnahme, Ruhelosigkeit, vermindertem Schlafbedarf und Gewichtsabnahme gekommen. Ab Ende September 2014 sei es erneut zu einer zunehmend bedrückten depressiven Stimmungslage, mit Verzweiflung und Zukunftsängsten, innerer Unruhe und Erschöpfung gekommen. Auch nach Erhalt des Vorbescheides (Anspruch auf eine ganze Rente) sei es zu keiner Besserung gekommen. So komme es in den vergangenen Monaten zunehmend zu einem massiven sozialen Rückzug, die Beigeladene habe kaum mehr Kontakt zu den Angehörigen (Geschwister, Mutter). Im H.___ (Verein Sozialpsychiatrie Horgen) könne sie dreimal pro Woche in geschütztem Rahmen während zwei bis drei Stunden einer einfachen Tätigkeit nachgehen. Dort zeige sich das bereits bekannte Bild; sie könne sich schlecht von Problemen ihrer Mitmenschen abgrenzen, könne sich nicht auf die Arbeit fokussieren und sei danach jeweils erschöpft, ziehe sich zurück, schlafe zu Hause und habe Mühe, die alltäglichen Hausarbeiten zu erledigen. In den vergangenen Wochen habe sie es immer öfters nicht geschafft, ins H.___ zu gehen. Es sei zu einer erneuten Zunahme der Suizidgedanken gekommen, einzig der Gedanke an die 18-jährige, bei ihr lebende Tochter halte sie von dem Suizid ab. Die letzten Wochen sei deswegen eine höhere Sitzungsfrequenz notwendig gewesen (Ziff. 1.3).

    Angesichts der schlechten Resultate im H.___ sei derzeit auch kein Einsatz in einer angepassten Tätigkeit denkbar (Ziff. 2.1). Die Leistungsfähigkeit der Beigeladenen sei im Umfang von 80-90 % eingeschränkt (Ziff. 2.2). Die Prognose sei schlecht (Ziff. 3.3).

4.12    RAD-Arzt Dr. B.___ nahm nach Aufforderung durch das Gericht (Urk. 16) am 30. März 2016 (Urk. 18) Stellung zu seinem am 9. Mai 2014 erstellten psychiatrischen Untersuchungsbericht (vorstehend E. 4.9). Dr. B.___ führte aus, dass auf dem Boden der vulnerablen Persönlichkeit im Rahmen der Persönlichkeitsstörung, deren Symptomatik ihrerseits selber zu funktionellen Einschränkungen führe, einerseits ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome und andererseits auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von schwergradig ausgeprägten Symptomen bestehe (S. 6 oben). Dabei handle es sich jedoch um ein komplexes Wirkgefüge, worin sich Faktoren gegenseitig beeinflussen würden. Der Verlauf bei der Beigeladenen, die einerseits über längere Zeit mit Eingliederungsmassnahmen (erfolglos) unterstützt worden sei, andererseits eine längerdauernde Behandlungsphase (ebenfalls ohne wesentlichen Erfolg) hinter sich habe, lege seiner Ansicht nach klar dar, dass prognostische Einschätzungen bezüglich Arbeitsfähigkeit (konkret von 50 %) nicht hätten umgesetzt werden können. Medizinisch-theoretisch könnte noch eine Hospitalisation in einer spezialisierten Klinik durchgeführt werden. Aufgrund des bisherigen, unterdessen langjährigen Verlaufes sei er jedoch skeptisch, ob durch diese medizinische Massnahmen eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden könnte (S. 6 Mitte).

    Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in seinem Untersuchungsbericht habe einerseits auf einer Querschnittsuntersuchung (eigene Untersuchung, „Momentaufnahme“) und andererseits unter Berücksichtigung des Aktenmaterials (Längsschnittuntersuchung) basiert. Die Beigeladene habe im August 2012 von sich aus eine 80%-Anstellung angenommen, die sie aus Krankheitsgründen nicht habe bewältigen können, und sei deshalb ab Februar 2012 (richtig: 2013) 100 % arbeitsunfähig geworden; der Beigeladenen sei diese Anstellung per April 2012 (richtig: 2013) gekündigt geworden. Aufgrund der in den Berichten von Dr. F.___ durchgehenden Attestierung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit (für den Beginn der Arbeitsunfähigkeit am 27. Februar 2013 stützte er sich auf den Bericht von Dr. F.___ vom 7. Mai 2013, vgl. vorstehend E. 4.2), der eigenen Untersuchung und der Tatsache, dass die Beigeladene auch die mit 3 x 3 Stunden pro Woche recht niederfrequente geschützte Tagesstruktur im H.___ als Überforderung erlebt habe (nebst der Tatsache, dass auch die D.___-Massnahme aus Krankheitsgründen nicht erfolgreich habe durchgeführt werden können) sowie der bereits referierten Aktenlage, könne festgehalten werden, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ab Februar 2012 (richtig: April 2013) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit bestanden habe. Was die Prognose angehe, müsse vermerkt werden, dass bei diesem langjährigen Verlauf eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitsschadens zwar nicht ausgeschlossen, jedoch nicht absehbar sei, die Prognose deshalb als ungünstig beurteilt werden müsse (S. 6 unten).

    Bei der im polydisziplinären Verlaufsgutachten vom 21. September 2009 (Urk. 7/222 = Urk. 7/228) attestierten 50%igen Arbeitsfähigkeit für bisherige und angepasste Tätigkeiten handle es sich seiner Einschätzung nach um eine prognostische Beurteilung, da schon zum damaligen Zeitpunkt die Beigeladene in einem geschützten Rahmen (bei der D.___) tätig gewesen sei (wenn auch in einem 50%-Pensum). Der Verlauf bei der D.___ habe seiner Ansicht nach gezeigt, dass auch diese geschützte Tätigkeit in einem 50%Pensum der Beigeladenen aus Krankheitsgründen nicht möglich gewesen sei. Die Aufnahme einer 80%-Anstellung im August 2012 ohne Information der in der Eingliederungsphase involvierten Personen sowie die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin zur Aufnahme dieser Anstellung mit der schlussendlich erfolgten Krankschreibung ab Februar 2013 zeige seiner Ansicht nach klare Hinweise für die starke Tendenz der Beigeladenen, sich zu überfordern und ihr Kranksein nicht zu akzeptieren. Was die Frage nach Verschlechterung seit der Verlaufsbegutachtung im September 2009 angehe, sei seiner Ansicht nach fraglich, ob die 50%ige Arbeitsfähigkeit überhaupt umsetzbar gewesen sei. Mit Sicherheit könne jedoch bemerkt werden, dass ab Februar 2013 keine Arbeitsfähigkeit mehr bestanden habe (S. 7 Mitte).


5.

5.1    Die psychiatrische Untersuchung vom 9. Mai 2014 und der am gleichen Tag folgende Untersuchungsbericht des RAD-Arztes Dr. B.___ erfolgten in Kenntnis der Vorakten, berücksichtigten die beklagten Beschwerden der Beigeladenen und beruhten auf einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung (vorstehend E. 4.9, vgl. Urk. 7/347 = Urk. 3/10). Der RAD-Arzt Dr. B.___ ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und verfügte demnach über die fachlichen Ressourcen, um den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen aus psychiatrischer Sicht beurteilen zu können. Die praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten sind somit erfüllt (vorstehend E. 1.7).

    Er diagnostizierte eine rezidivierende depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1) und eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3). Ob zusätzlich eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) vorliege, müsse der weitere Verlauf zeigen. Zudem führte er in Anlehnung an das Mini-ICF-App aus, dass die Fähigkeit der Beigeladenen zur Anpassung an Regeln und Routinen, die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die Kontaktfähigkeit zu Dritten beziehungsweise die Selbstbehauptungsfähigkeit sowie die Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten hochgradig beeinträchtigt seien. Die Wegefähigkeit sei hingegen mittelgradig beeinträchtigt (vorstehend E. 4.9).

    Der RAD-Arzt Dr. B.___ attestierte der Beigeladenen sodann eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt (vorstehend E. 4.9). In seiner Stellungnahme vom 30. März 2016 legte er in nachvollziehbarer und begründeter Weise dar, wie er zu dieser Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen gekommen ist. So habe die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit einerseits auf einer Querschnittsuntersuchung und andererseits unter Berücksichtigung des Aktienmaterials basiert. Die Beigeladene habe sodann im August 2012 von sich aus eine 80%-Anstellung angenommen, die sie aus Krankheitsgründen nicht habe bewältigen können und sei deshalb ab Februar 2013 100 % arbeitsunfähig geworden. Aufgrund der in den Berichten von Dr. F.___ durchgehenden Attestierung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit (vgl. vorstehend E. 4.2, E. 4.3, E. 4.7, E. 4.11), der eigenen Untersuchung und der Tatsache, dass die Beigeladene auch die mit 3 x 3 Stunden pro Woche recht niederfrequente geschützte Tagesstruktur im H.___ als Überforderung erlebt habe, kam der RAD-Arzt Dr. B.___ zum Schluss, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ab Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit bestanden habe (vorstehend E. 4.12).

    Der RAD-Arzt Dr. B.___ legte ferner in nachvollziehbarer und schlüssiger Weise dar, weshalb er die Umsetzung der im polydisziplinären Verlaufsgutachten vom September 2009 (vorstehend E. 3.1) attestierten 50%igen Arbeitsfähigkeit für bisherige und angepasste Tätigkeiten als fraglich erachtete. Denn auch eine geschützte Tätigkeit in einem 50%Pensum sei der Beigeladenen aus Krankheitsgründen nicht möglich gewesen. Die Beigeladene tendiere stark sich zu überfordern und ihre Krankheit nicht zu akzeptieren (vorstehend E. 4.12).

5.2    Aus den Arztberichten geht sodann – im Einklang mit der RAD-Beurteilung (vorstehend E. 5.1) – hervor, dass sich die Beigeladene mit dem Antritt einer 80%-Anstellung auf dem freien Arbeitsmarkt überschätzt hat. So hielt die behandelnde Psychiaterin Dr. F.___ in ihrem Bericht vom Mai 2013 fest, dass die Beigeladene im August 2012 eine 80%-Anstellung angetreten habe, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt ihrer Einschätzung nach nur zu 50 % arbeitsfähig gewesen sei (vorstehend E. 4.2). In ihren Berichten vom Juli und Oktober 2013 hielt sie sodann fest, dass es in der recht anspruchsvollen Anstellung unweigerlich von Beginn an zur Überforderung der Beigeladenen gekommen sei. So habe das Gefühl, wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt zu sein, dem Wunsch der Beigeladenen, unbedingt unabhängig zu bleiben, nicht jedoch der Realität entsprochen (vorstehend E. 4.4, E. 4.7). Im März 2015 führte Dr. F.___ sodann aus, dass angesichts der schlechten Resultate im H.___ auch kein Einsatz in einer angepassten Tätigkeit denkbar sei (vorstehend E. 4.11).

    Dr. G.___ hielt sodann im September 2013 fest, dass die Beigeladene selbst rückblickend zum Schluss gekommen sei, dass sie sich mit ihrem Versuch, im Jahr 2012 eine Anstellung auf dem freien Arbeitsmarkt zu finden, überschätzt habe. Die Annahme einer administrativen Tätigkeit in einer Firma sei rückblickend als Versuch zu werten, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt beruflich Fuss zu fassen. Angesichts des Krankheitsverlaufes und aufgrund des aktuellen Befundes sei erklärbar, weshalb diese Absicht erfolglos geblieben sei. Es sei deshalb momentan unrealistisch, dass die Beigeladene einer Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgehen könnte (vorstehend E. 4.5).

    Schliesslich ging auch der RAD-Arzt Dr. B.___ in seiner Stellungnahme vom März 2016 davon aus, dass die Aufnahme einer 80%-Anstellung im August 2012 ohne Information der in der Eingliederungsphase involvierten Personen sowie die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin zur Aufnahme dieser Anstellung mit der Krankschreibung ab Februar 2013 klare Hinweise für die starke Tendenz der Beigeladenen, sich zu überfordern und ihr Kranksein nicht zu akzeptieren, zeige (vorstehend E. 4.12).

    Nach dem Gesagten folgt, dass die Beigeladene gewillt war, wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen, ihr dies jedoch aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung nicht gelungen ist. Selbst die Arbeit im H.___, mithin in einem geschützten Rahmen, überforderte sie. Die Ansicht der Beschwerdeführerin, die Beigeladene habe eine 80%-Anstellung im Hinblick auf eine höhere, erhoffte Rente aufgenommen (vorstehend E. 2.2), vermag deshalb nicht zu überzeugen.

5.3    Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass es sich bei der vom RAD-Arzt Dr. B.___ im Mai 2014 diagnostizierten rezidivierenden depressiven Episode, gegenwärtig mittelgradig – die behandelnde Psychiaterin Dr. F.___ sprach sodann im März 2015 sogar von einer schweren Episode (vorstehend E. 4.11) – und der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung um selbständige psychische Störungen handelt, die sich auf die Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen auswirken (vgl. vorstehend E. 1.5). Die Beigeladene befindet sich seit Oktober 2007 in regelmässiger psychiatrischer Behandlung bei Dr. F.___ (vorstehend E. 4.2), welche im Verlauf keine Besserung des Gesundheitszustands gebracht hat; der Zustand der Beigeladenen hat sich sogar verschlechtert (vorstehend E. 4.11, E. 4.12). Auch der stationäre Aufenthalt im C.___ von Ende April bis Ende Mai 2013 (vorstehend E. 4.3) brachte keine (wesentliche) Besserung (vorstehend E. 4.4-4.5, E. 4.7).

5.4    Die von Dr. F.___ im Juli 2013 gestellten Diagnosen eines rezidivierenden depressiven Zustandsbildes, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1), eines Status nach massiver Erschöpfung bei schwerer Bronchitis (Differentialdiagnose atypische Pneumonie), einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3), einer stark leistungsbezogenen Persönlichkeit (ICD10 Z73.1) sowie einer Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (vorstehend E. 4.3) sind – wie die Beschwerdeführerin zu Recht geltend machte (vorstehend E. 2.2) – in etwa gleich wie die vom RAD-Arzt Dr. B.___ in seinem Untersuchungsbericht vom Mai 2014 gestellten Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Episode, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1), einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) und einer eventuellen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) (vorstehend E. 4.9). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin liegt jedoch keine Veränderung der Arbeitsfähigkeit vor, denn bereits im Juli 2013 erachtete Dr. F.___ die Beigeladene als zu 100 % arbeitsunfähig. Es hat sich einzig die Prognose eines allfälligen Wiedereinstiegs in das Berufsleben aufgrund des schlechten Verlaufs verschlechtert. Diese Argumentation der Beschwerdeführerin vermag deshalb nicht zu überzeugen.

5.5    Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Beschwerdegegnerin für die Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen zu Recht auf den RAD-Untersuchungsbericht vom Mai 2014 und die ergänzende RAD-Stellungnahme vom März 2016, wonach die Beigeladene seit Februar 2013 weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist, abgestützt hat.


6.

6.1    Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkungen vorzunehmen.

6.2    Ein Rentenanspruch entsteht unter anderem erst, nachdem die beigeladene Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG; vorstehend E. 1.2). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist nicht nur arbeitsunfähig, wer gesundheitsbedingt die bisherige Tätigkeit nicht mehr oder nur noch beschränkt ausüben kann, sondern auch eine Person, welcher die weitere Verrichtung ihrer Berufsarbeit nur unter der Gefahr, ihren Gesundheitszustand zu verschlimmern, möglich ist. So kann beispielsweise die Wartezeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG auch zu laufen beginnen, wenn die versicherte Person über das ihr gesundheitlich Zumutbare hinaus arbeitet (Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2011 vom 24. Juli 2012 E. 4.3 mit Hinweisen).

    Die Beigeladene war vom 6. August 2012 bis 30. April 2013 bei der Y.___ als Sachbearbeiterin der Abteilung Buchhaltung in einem 80%-Pensum angestellt (Urk. 7/291 = Urk. 7/301/3-6, Urk. 7/301/2), wobei der letzte Arbeitstag im März 2013 war (Urk. 7/347 S. 1 unten). Seit dem 27. Februar 2013 ist sie zu 100 % krankgeschrieben (vgl. vorstehend E. 4.1, E. 4.10).

    Wie bereits erwähnt wurde, nahm die Beigeladene im August 2012 eine 80%-Anstellung auf dem freien Arbeitsmarkt an, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt nur zu 50 % arbeitsfähig gewesen war - die 50%ige Arbeitsfähigkeit bestand seit dem 21. April 2001 (vorstehend E. 3.1) –, was schliesslich wenig überraschend zur Überforderung führte (vorstehend E. 5.2). Somit arbeitete die Beigeladene während der Zeit ihrer 80%-Anstellung über das ihr gesundheitlich Zumutbare hinaus, was nach dem Gesagten die einjährige Wartefrist nach Art. 28 IVG nicht beeinflusst. Vor der Anstellung auf dem freien Arbeitsmarkt liess sich die Beigeladene vom 1. Februar 2011 bis 31. Juli 2012 zur Sachbearbeiterin Rechnungswesen bei der D.___ umschulen, wobei sie für diese Zeit ein Taggeld bezog (Urk. 7/270). Demzufolge war die Beigeladene während des erforderlichen einjährigen Wartejahrs zu 50 % arbeitsunfähig.

    Da ein Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches – mithin der Anmeldung der Beigeladenen bei der Beschwerdegegnerin am 28. Februar 2013 (Urk. 7/300, Urk. 7/303) – eintritt (vorstehend E. 1.3), ist der frühestmögliche Rentenbeginn – entgegen der Ansicht der Beigeladenen (vorstehend E. 2.3) – im August 2013.

6.3    Angesichts der vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beigeladenen (vorstehend E. 5.5) erübrigt sich ein Einkommensvergleich.

    Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beigeladene sodann als zu 80 % Erwerbstätige und als zu 20 % im Haushalt Tätige, ohne die sozialversicherungsrechtliche Qualifikation jedoch näher zu begründen (Urk. 7/376 S. 1 unten, vgl. Urk. 7/361 S. 5 unten). Unter Anwendung der gemischten Methode ermittelte die Beschwerdegegnerin einen Invaliditätsgrad von 80 % (Urk. 7/376, S. 2 oben).

    Die Beigeladene hat zwei Kinder, wobei die Tochter (Jahrgang 1996) bei ihr und der Sohn (Jahrgang 1995) auswärts wohnen. Die Tochter der Beigeladenen war zum Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns im August 2013 bereits 17 Jahre alt und im 1. Lehrjahr (Urk. 7/347 S. 1 Mitte), mithin nicht mehr auf die Betreuung durch ihre Mutter angewiesen. Aufgrund dessen würde die Beigeladene bei guter Gesundheit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer vollen Erwerbstätigkeit nachgehen. Diese Frage kann vorliegend jedoch – wie die Beigeladene zu Recht vorgebracht hat (Urk. 15 S. 3 Rz 3) – offen gelassen werden, da dies am Rentenanspruch nichts ändert.

6.4    Nach dem Gesagten hat die Beigeladene ab dem 1. August 2013 Anspruch auf eine ganze Rente.

    Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung vom 30. Juni 2015 (Urk. 2/2) dahingehend abzuändern, dass die Beigeladene vom 1. August 2013 bis 30. Juni 2015 Anspruch auf eine ganze Rente hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.


7.

7.1    Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG) und auf Fr. 1‘000.-- anzusetzen. Soweit die beigeladene Person aktiv am Verfahren teilgenommen hat, besteht kein Dispens von der Kostenpflicht (Kommentar zum Gesetz über das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2009 § 14 Rz 33). Die Beigeladene stellte den Antrag, ihr sei ab dem 1. Februar 2013 eine ganze Rente zuzusprechen (Urk. 15 S. 2 Ziff. 1.a). Demnach gilt sie nicht als unterlegen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten somit der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.

7.2    Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer). Die beigeladene Person, die mit ihren Anträgen durchdringt, hat bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen Anspruch auf Erstattung ihrer Parteikosten (BGE 109 V 60 E. 4). Die Prozessentschädigung ist der beigeladenen Person von der unterliegenden Partei zu entrichten.

    Die teilweise obsiegende und durch die Procap Schweizerischer Invaliden-Verband vertretene Beigeladene hat demnach Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung, die beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 185.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.



Das Gericht erkennt:

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen und die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 30. Juni 2015 wird dahingehend abgeändert, dass Z.___ ab 1. August 2013 Anspruch auf eine ganze Rente hat.

2.    Die Gerichtskosten von Fr. 1‘000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.

3.    Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Rechtsvertreter der Beigeladenen, Procap Schweizerischer Invaliden-Verband, Olten, eine Prozessentschädigung von Fr. 1'000.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.

4.    Zustellung gegen Empfangsschein an:

- Rechtsanwältin Dr. Lucy Gordon

- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle

- Procap Schweizerischer Invaliden-Verband

- Bundesamt für Sozialversicherungen

sowie an:

- Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)

5.    Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

    Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.

    Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).



Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich


Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin




MosimannPeter-Schwarzenberger