Zürich Sozialversicherungsgericht

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Entscheide



UV.2004.00186

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende

Sozialversicherungsrichter Spitz

Sozialversicherungsrichterin Bürker-Pagani

Gerichtssekretärin Kobel
Urteil vom 28. Februar 2005
in Sachen
SWICA Krankenversicherung AG
SWICA Gesundheitsorganisation, Rechtsdienst, Maria Londis
Römerstrasse 38, 8401 Winterthur
Beschwerdeführerin

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Beat Frischkopf
Bahnhofstrasse 24, Postfach, 6210 Sursee



weitere Verfahrensbeteiligte:

S.___

Beigeladene

Sachverhalt:
1.       S.___, geboren 1967, arbeitet bei der X.___ als Administrationsassistentin und ist in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen obligatorisch versichert. Am 30. Mai 2003 unterzog sie sich einer Arthroskopie des linken Kniegelenks mit arthroskopischer Teilmeniskektomie des medialen Hinterhornes (Operationsbericht von Dr. med. A.___, Spezialarzt für Chirurgie, Urk. 7/2) und erstattete der SUVA daraufhin Ende Juni/Anfang Juli 2003 Meldung darüber. Die SUVA nahm die Angaben der Arbeitgeberin (Unfall- und Berufskrankheitsmeldung UVG vom 9. Juli 2003, Urk. 7/1) und den erwähnten Operationsbericht sowie zwei weitere Berichte von Dr. A.___ (Zwischenbericht vom 18. Juli 2003, Urk. 7/3; Arztzeugnis UVG vom 11. August 2003, Urk. 7/4) zu den Akten und befragte die Versicherte am 22. August 2003 telefonisch zum Sachverhalt (Telefonnotiz in Urk. 7/6). Mit Schreiben vom 26. August 2003 teilte sie der Versicherten daraufhin mit, dass das geltend gemachte Ereignis gemäss der Ansicht des versicherungsinternen medizinischen Beraters nicht geeignet gewesen sei, die festgestellte Knieverletzung auszulösen, und die SUVA daher nicht leistungspflichtig sei (Urk. 7/7).
         Mit Schreiben vom 16. Januar 2004 opponierte die SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend SWICA) als Durchführerin der obligatorischen Krankenpflegeversicherung von S.___ gegen diese Leistungsablehnung (Urk. 7/8). Die SUVA liess daraufhin durch den Kreisarzt Dr. med. B.___ eine Aktenbeurteilung vornehmen (Ärztliche Beurteilung vom 27. Januar 2004, Urk. 7/9) und hielt danach mit Schreiben an die SWICA vom 2. Februar 2004 an ihrem ablehnenden Bescheid fest (Urk. 7/10). Auf das Ersuchen der SWICA vom 19. Februar 2004 um eine anfechtbare Verfügung hin (Urk. 7/11) liess die SUVA die Versicherte in der Agentur zum Sachverhalt befragen (Protokoll vom 31. März 2004, Urk. 7/13) und holte danach eine weitere Stellungnahme von Dr. B.___ ein (Notiz von Dr. B.___ vom 2. April 2004, Urk. 7/14). Mit Verfügung vom 8. April 2004 lehnte sie ihre Leistungspflicht erneut ab (Urk. 7/15). Die SWICA erhob mit Schreiben vom 16. April 2004 Einsprache (Urk. 7/16). Die SUVA orientierte die Versicherte darüber mit Schreiben vom 21. April 2004 (Urk. 7/17) und unterbreitete ausserdem die Akten ihrem internen Versicherungsmediziner Dr. med. C.___, Spezialarzt für Chirurgie, zur nochmaligen Beurteilung (ärztliche Beurteilung vom 9. Juni 2004, Urk. 7/18). Mit Entscheid vom 23. Juni 2004 wies sie die Einsprache daraufhin ab (Urk. 2 = Urk. 7/19).

2.       Gegen den Einspracheentscheid vom 23. Juni 2004 erhob die SWICA mit Eingabe vom 12. Juli 2004 (Urk. 1) Beschwerde mit dem Antrag (Urk. 1 S. 1):
      "Die SUVA sei in Aufhebung des Einspracheentscheids zu verpflichten, die Kosten für den am 13. Januar 2003 entstandenen Meniskusriss zu übernehmen."
         Die SUVA, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Beat Frischkopf, liess in der Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2004 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde schliessen. Mit Verfügung vom 1. November 2004 (Urk. 9) wurde S.___ zum Prozess beigeladen, und es wurde ihr Frist zur Stellungnahme angesetzt. Nachdem S.___ diese Frist unbenützt hatte verstreichen lassen, wurde der Schriftenwechsel mit Verfügung vom 14. Dezember 2004 als geschlossen erklärt (Urk. 11).
         Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.


Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1     Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2     Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 404 Erw. 2.1).
         Von der Kompetenz, Körperschädigungen in die Versicherungen einzubeziehen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch gemacht und folgende, abschliessend aufgeführte Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt:
a. Knochenbrüche;
b. Verrenkungen von Gelenken;
c. Meniskusrisse;
d. Muskelrisse;
e. Muskelzerrungen;
f. Sehnenrisse;
g. Bandläsionen;
h. Trommelfellverletzungen.
1.3     Nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung müssen mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen die übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein (BGE 129 V 467 Erw. 2.2). Hingegen schliesst ein degenerativer oder pathologischer Vorzustand eine unfallähnliche Körperschädigung rechtsprechungsgemäss nicht aus, sofern ein unfallähnliches Ereignis den vorbestehenden Gesundheitsschaden verschlimmert oder manifest werden lässt. Tritt eine schädigende äussere Einwirkung wenigstens im Sinne eines Auslösefaktors zu den krankhaften oder degenerativen Ursachen hinzu, so bejaht das Eidgenössische Versicherungsgericht bei den Verletzungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV eine unfallähnliche Körperschädigung (BGE 123 V 45 Erw. 2b mit Hinweisen; Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts in Sachen S. vom 24. Mai 2004, U 296/03, Erw. 3.2, und in Sachen SWICA gegen S. vom 27. Juni 2001, U 158/00, Erw. 1c [Urk. 3]). Diese Rechtsprechung muss erst recht auch dort anwendbar sein, wo nicht ein unfallähnliches Ereignis, sondern ein Ereignis, das sämtliche Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs nach Art. 4 ATSG erfüllt, bei einer Verletzung nach Art. 9 Abs. 2 UVV als Auslösefaktor im dargelegten Sinne gewirkt hat.

2.
2.1     Es ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin in Anbetracht der dargelegten Rechtsprechung für die Problematik im linken Knie, das am 30. Mai 2003 operativ behandelt worden ist, Leistungen zu erbringen hat.
2.2     Die Versicherte gab anlässlich der Befragung vom 31. März 2004 in der Agentur der Beschwerdegegnerin zu Protokoll, sie sei am 13. Januar 2003 im Personalrestaurant mit einem Tablar in den Händen vom Tisch weggelaufen. Dabei habe sie einen Pflanzentopf übersehen und sei mit dem Knie frontal gegen die Topfkante gestossen. Sie habe sofort einen starken Schmerz im Knie verspürt, so dass ihr schwarz vor den Augen geworden sei; eine Kollegin habe ihr daraufhin das Tablar abgenommen. Später am Arbeitsplatz habe sie keine Schwellung oder Schürfung feststellen können, und die Schmerzen seien am Abend und in den nächsten Tagen etwas abgeklungen. Da sie jedoch nicht ganz nachgelassen hätten und ab und zu Knieblockaden aufgetreten seien, habe sie Anfang Mai 2003 Dr. A.___ aufgesucht (Urk. 7/13 S. 1).
         Diese Angaben sind sowohl hinsichtlich des fraglichen schädigenden Ereignisses selber als auch hinsichtlich des Verlaufs der Beschwerden, die in der Folge auftraten, anschaulich und detailliert. Sie stimmen sodann im Wesentlichen überein mit der Sachverhaltsdarstellung, wie sie die Beschwerdegegnerin in der Notiz vom 22. August 2003 über die telefonische Befragung der Versicherten festgehalten hat (Urk. 7/6), und sie stehen ebenfalls im Einklang mit dem Vermerk "Gegen einen Blumenkasten gelaufen und Knie angeschlagen", wie er in der Unfall- und Berufskrankheitsmeldung UVG vom 9. Juli 2003 angebracht ist (Urk. 7/1). Es besteht daher kein Anlass, am Zeitpunkt und am Hergang des betreffenden Ereignisses sowie an der Entwicklung des Beschwerdebildes in der Folgezeit zu zweifeln. Dies gilt ungeachtet dessen, dass die Versicherte erst einige Wochen nach dem Vorfall erstmals einen Arzt konsultierte und der Beschwerdegegnerin Meldung erstattete. Denn gemäss der medizinischen Literatur entspricht es dort, wo chronisch degenerierte und somit vorgeschädigte Menisken von Rissen betroffen werden, dem üblichen Verlauf, dass die akuten Schmerzen innerhalb von Tagen bis Wochen zwar zurückgehen, aber nicht vollständig verschwinden (vgl. Debrunner, Orthopädie, orthopädische Chirurgie, Bern 2002, S. 1057 und S. 1058). Es leuchtet demnach ein, dass sich die Versicherte nicht unmittelbar im Anschluss an das dargestellte Ereignis dazu veranlasst sah, einen Arzt aufzusuchen, sondern dies erst tat, nachdem die Schmerzen längere Zeit fortbestanden hatten.
2.3     Ebenfalls keine Zweifel sind daran angebracht, dass der Meniskus des linken Knies schon vor dem Ereignis vom 13. Januar 2003 degenerative Veränderungen aufgewiesen hatte. Die Ausführungen von Dr. B.___ in der Beurteilung vom 27. Januar 2004, dass die Kombination der Veränderungen am medialen Meniskus-Hinterhorn mit einer Knorpelschädigung am medialen Kondylus - insbesondere auch in Anbetracht des Übergewichts der Versicherten - für eine degenerative Läsion sprächen (Urk. 7/9 S. 1), ist an sich plausibel. Weder Dr. B.___ noch Dr. C.___, der in seiner kurzen Beurteilung vom 9. Juni 2004 (Urk. 7/18) lediglich die Beurteilung von Dr. B.___ bestätigte, äusserten sich jedoch dazu, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit das Ereignis vom 13. Januar 2003 im Sinne der dargelegten Rechtsprechung als auslösender Faktor des Beschwerdebildes im linken Knie fungiert hatte. Eine derartige Funktion des fraglichen Ereignisses als auslösender Faktor kann indessen entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 6 S. 4) bei der bestehenden Aktenlage nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Denn wenn Dr. B.___ in der Beurteilung vom 27. Januar 2004 ausführte, bei der vorliegenden Konstellation mit degenerativ verändertem Gewebe sei für die Entstehung von Rissen keine wesentliche traumatische Einwirkung nötig, sondern es genügten schon alltägliche Verrichtungen (Urk. 7/9 S. 2), so stellt sich für den medizinischen Laien die Frage, ob eine Einwirkung, wie sie am 13. Januar 2003 stattfand und einen unmittelbaren starken Schmerz nach sich zog, nicht erst recht dazu geeignet gewesen wäre, zu (zusätzlichen) Rissen und zum geschilderten schmerzhaften Stadium des linken Knies zu führen. Die Beschwerdegegnerin wird daher diesbezüglich noch nähere Abklärungen durchzuführen haben. Dabei wird sie auch der Rolle eines Treppensturzes in einer Filiale der X.___, der sich gemäss den Angaben der Versicherten anlässlich der Befragung vom 31. März 2004 im Zeitraum nach dem Ereignis vom 13. Januar 2003 und vor der Erstkonsultation von Dr. A.___ zugetragen haben soll (Urk. 7/13 S. 1), nochmals näher nachzugehen haben.
         Solche näheren Abklärungen werden durch die Angaben von Dr. A.___, der im Bericht vom 18. Juli 2003 (Urk. 7/3) und im Arztzeugnis UVG vom 11. August 2003 (Urk. 7/4) eine ausschliessliche Unfallkausalität der Schädigung im linken Knie bejahte, nicht entbehrlich. Denn abgesehen davon, dass diese Auffassung nicht begründet ist, hielt Dr. A.___ fest, dass die Versicherte das linke Knie verdreht habe (Urk. 7/4), und ging somit von einem anderen Hergang des schädigenden Ereignisses aus, als es die Versicherte selber schilderte.
         Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese im Sinne der Erwägungen die erforderlichen weiteren Abklärungen tätige und hernach über ihre Leistungspflicht neu verfüge.


Das Gericht erkennt:
1.         Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene Einspracheentscheid vom 23. Juni 2004 aufgehoben und die Sache an die SUVA zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen die erforderlichen weiteren Abklärungen tätige und hernach über ihre Leistungspflicht neu verfüge.
2.         Das Verfahren ist kostenlos.
3.         Zustellung gegen Empfangsschein an:
- SWICA Krankenversicherung AG
- Rechtsanwalt Dr. Beat Frischkopf
- S.___
- Bundesamt für Gesundheit
4.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Eidgenössischen Versicherungsgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereicht werden.
Die Beschwerdeschrift ist dem Eidgenössischen Versicherungsgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift der beschwerdeführenden Person oder ihres Vertreters zu enthalten; die Ausfertigung des angefochtenen Entscheides und der dazugehörige Briefumschlag sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die beschwerdeführende Person sie in Händen hat (Art. 132 in Verbindung mit Art. 106 und 108 OG).