Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/UV.2006.00308.html 

Entscheide



UV.2006.00308

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichter Meyer

Sozialversicherungsrichter Walser

Gerichtssekretärin Fehr
Urteil vom 26. Februar 2008
in Sachen
G.___
 
Beschwerdeführer

vertreten durch Rechtsanwältin Cordula Spörri
Ileri & Spörri Rechtsanwälte
St. Urbangasse 2, 8001 Zürich

gegen

Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
Bleicherweg 19, 8002 Zürich
Beschwerdegegnerin

Zustelladresse: Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
PRD Rechtsdienst
Hohlstrasse 552, Postfach, 8048 Zürich


Sachverhalt:
1.       G.___, geboren 1969, war seit dem 10. November 1997 als Consultant bei der A.___ AG beschäftigt und damit bei der Elvia (heute: Allianz) unfallversichert, als er am 10. Februar 1998 als Fahrzeuglenker bei einem Auffahrunfall ein Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule (HWS) erlitt (Urk. 10/1, Urk. 10/4 Ziff. 5).
         Mit Verfügung vom 7. Februar 2006 stellte die Allianz ihre Leistungen per 1. November 2005 ein (Urk. 10/91). Die vom Versicherten dagegen am 10. März 2006 erhobene Einsprache (Urk. 10/93) wies sie mit Einspracheentscheid vom 3. Juli 2006 (Urk. 10/98 = Urk. 2) ab.
2.       Gegen den Einspracheentscheid vom 3. Juli 2006 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 4. Oktober 2006 Beschwerde und beantragte, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm auch nach dem 1. November 2005 die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen, seine Arbeitsunfähigkeit sei mittels Evaluation der Leistungsfähigkeit von der Beschwerdegegnerin abzuklären und diese sei zu verpflichten, den Integritätsschaden medizinisch abklären zu lassen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3).
         Mit Beschwerdeantwort vom 4. Januar 2007 beantragte die Allianz die Abweisung der Beschwerde (Urk. 9).
         Mit Verfügung vom 23. Januar 2007 wurde der Schriftenwechsel geschlossen (Urk. 13).


Das Gericht zieht in Erwägung:
1.       Die massgebenden rechtlichen Grundlagen, insbesondere hinsichtlich der nach erlittener HWS-Distorsion bei gegebenen zusätzlichen Voraussetzungen gemäss der mit BGE 117 V 359 begründeten Praxis gesondert zu prüfenden Adäquanz des Kausalzusammenhanges, sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (Urk. 2 S. 5 f. Ziff. 5 und 6a-c, S. 7 f. Ziff. 7c). Darauf kann vorerst verwiesen werden.
2.       Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass das Unfallereignis praxisgemäss als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Fällen einzuordnen sei (Urk. 2 S. 9) und dass sich aus der Prüfung der verschiedenen Kriterien (Urk. 2 S. 10 ff.) ergebe, dass lediglich eines ansatzweise erfüllt sei (Urk. 2 S. 12 Mitte).
         Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, medizinisch sei ein objektivierbar organisches Substrat festgehalten worden (Urk. 1 S. 5 f. Ziff. III.1), es sei von einem mittelschweren, allenfalls sogar einem Grenzfall zu einem schweren Unfallereignis auszugehen (Urk. 1 S. 6 f. Ziff. III.3), und es seien die meisten Kriterien erfüllt (Urk. 1 S. 7 ff. Ziff. III.4). Ferner seien das Ausmass der Restarbeitsfähigkeit und eines allfälligen Integritätsschadens medizinisch ungenügend abgeklärt (Urk. 1 S. 10 f. Ziff. III.5 f.).

3.
3.1     Dr. med. B.___, Spezialärztin FMH für physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen, behandelte den Beschwerdeführer am Unfalltag (Urk. 10/4 Ziff. 1), diagnostizierte ein Beschleunigungstrauma der HWS (Urk. 10/4 Ziff. 5) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab 10. Februar 1998 (Urk. 10/4 Ziff. 8).
         Im Fragebogen bei HWS-Verletzungen nannte Dr. B.___ als sofort nach dem Unfall aufgetretene Beschwerden eine Verspannung der ganzen Wirbelsäulenmuskulatur, einen „sturmen Kopf“ und leichte Nackenschmerzen (Urk. 10/6 Ziff. 2). Als Befunde nannte sie eine leicht eingeschränkte HWS-Beweglichkeit und leichte Muskelverspannungen (Urk. 10/6 Ziff. 3).
         Bis Ende Februar 1999 attestierte Dr. B.___ weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % (Urk. 10/13, Urk. 10/19, Urk. 10/28, Urk. 10/37).
         Am 16. Juli und 15. September 1999 berichtete Dr. B.___, die Arbeitsfähigkeit betrage seit 1. März 1999 70 % (Urk. 10/41 Ziff. 4, Urk. 10/44). Am 10. März 2000 führte sie aus, die Arbeitsfähigkeit betrage 70 % seit 1. Oktober 1999; mit einer weiteren Steigerung sollte in Bälde gerechnet werden können (Urk. 10/47).
         Am 30. Mai 2002 berichtete Dr. B.___, unter Physiotherapie, medizinischer Trainingstherapie und zunehmendem Aufbau der Belastung habe sich der zuerst langwierige Heilverlauf doch erfreulich gebessert. Die Behandlung habe per Ende 2000 abgeschlossen werden können. Am 22./24. März 2002 sei ein leichtes Beschwerderezidiv durch Fehlbewegung aufgetreten (Urk. 10/56 Ziff. 2). Ab 2001 bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % (Urk. 10/56 Ziff. 4a).
         Am 23. Dezember 2003 bestätigte Dr. B.___, der Beschwerdeführer sei seit Anfang 2001 in seinem Beruf als Geschäftsführer wieder voll arbeits- und auch reisefähig; seit der letzten Konsultation am 12. Juni 2002 habe sie keine weiteren Behandlungen oder Therapien mehr verordnet (Urk. 10/59).
3.2     Am 15. Oktober 2004 teilte Dr. C.___, Chiropraktor, der Beschwerdegegnerin mit, dass er den Beschwerdeführer seit 5. Juni 2002 wiederholt behandelt habe (Urk. 10/72 = Urk. 3/2).
         Am 17. November 2004 berichtete lic. phil. D.___, Psychologin FSP, über die von ihr durchgeführte neuropsychologische Testuntersuchung (Urk. 10/74). Bei einem extrem hohen allgemeinen Testintelligenzniveau hätten sich fast ausschliesslich sehr gute und leicht bis deutlich überdurchschnittliche Resultate und nur einige wenige Leistungen im mittleren Normbereich gefunden. Die erhobenen Befunde wiesen auf leicht ausgeprägte Hirnfunktionsstörungen hin (Urk. 10/74 S. 3 oben).
         Dr. med. E.___, Leitender Arzt des Heilbades F.___, führte mit Schreiben vom 23. November 2004 an den Beschwerdeführer (Urk. 10/76 = Urk. 3/1) aus, er bestätige, dass er diesen vom 27. März 2000 bis 1. März 2002 behandelt habe. Er habe eine Schonhaltung des Kopfes, funktionelle Wirbelkörpersegmentblockierungen und einen sehr ausgeprägten Hartspann der ganzen Nackenmuskulatur gefunden (Urk. 10/76 S. 1).
3.3     Dr. med. H.___, Facharzt FMH für Neurologie, untersuchte den Beschwerdeführer am 25. Oktober 2004 und erstattete am 8. Dezember 2004 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/75).
         Dr. H.___ stützte sich auf die vorhandenen Akten (Urk. 10/75 S. 1-5), die Angaben des Beschwerdeführers (Urk. 10/75 S. 5 f.), die von ihm erhobenen Befunde (Urk. 10/75 S. 7 f.) und die Ergebnisse der von ihm veranlassten neuropsychologischen Untersuchung (Urk. 10/75 S. 9).
         Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers habe dieser nach dem Behandlungsabschluss bei Dr. B.___ weiterhin Therapien benötigt und beansprucht; diejenigen bei Dr. E.___ hätten jeweils ausserordentlich geholfen (Urk. 10/75 S. 10 Mitte).
         Objektivierbar seien Einschränkungen der Kopfbeweglichkeit und Hartspannveränderungen der paracervikalen Muskulatur. Der eigentliche Neurostatus im engeren Sinn hingegen sei normal (Urk. 10/75 S. 11 Mitte).
         Dr. H.___ diagnostizierte ein chronisches ausstrahlendes cervicovertebrales Syndrom nach HWS-Distorsionstrauma am 10. Februar 1998, ohne neurologische Ausfälle, aber mit leichten neuropsychologischen Hirnfunktionsstörungen (Urk. 10/75 S. 13 Ziff. 1.7), und empfahl, die offenbar erfolgreiche Behandlung durch Dr. E.___ noch nicht abzuschliessen (Urk. 10/75 S. 11). Wegen abrupt einsetzender Blockaden sei die Arbeitsfähigkeit noch nicht voll gegeben; die Ausfälle dürften jedoch das Ausmass von 10 % heute nicht überschreiten (Urk. 10/75 S. 11 unten).
3.4     Am 30. März 2005 nahm Dr. B.___ gegenüber der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers Stellung (Urk. 10/83 = Urk. 3/3). Sie habe den Beschwerdeführer nach dem Unfallereignis vom 10. Februar 1998 bis 24. März 2002 behandelt. Im März 2002 habe, vor allem im Anschluss an die teilstationäre Behandlung durch Dr. E.___, eine deutliche Besserung erzielt werden können, und sie habe den Beschwerdeführer damals als Geschäftsführer/Teilhaber der familieneigenen Firma wieder voll arbeitsfähig geschrieben. Am 12. Juni 2002 habe ihr der Beschwerdeführer telefonisch über eine akute Blockierung durch Fehlbewegung und deswegen durchgeführte chiropraktische und Akupunktur-Behandlung berichtet (Urk. 10/83 S. 1). Am 21. Januar 2005 habe sich der Beschwerdeführer erstmals seit März 2002 wieder bei ihr gemeldet und über zwischenzeitlich erfolgte Behandlungen berichtet (Urk. 10/83 S. 1 unten).
         Der Beschwerdeführer klage noch über Dauerschmerzen im Hinterkopf rechts und zeitweise einfahrende Blockierungen der HWS nach links sowie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen (Urk. 10/83 S. 2 Mitte).
         Es liege ein persistierendes cerviko-vertebrales und cerviko-cephales Beschwerde-Syndrom mit rezidivierenden Blockierungen der HWS nach links bei muskulärem Hartspann der paravertebralen Muskulatur rechts sowie segmentaler Dysfunktion C2/3 bei radiologisch belegter Hypomobilität vor (Urk. 10/83 S. 3 oben).
         Die Arbeitsfähigkeit sei bei einem selbständigen Geschäftsmann relativ schwierig zu beurteilen. Ihres Erachtens stelle die von Dr. H.___ postulierte Arbeitsunfähigkeit von 10 % eher die untere Grenze dar beziehungsweise sei mit Sicherheit nicht zu hoch angesetzt (Urk. 10/83 S. 3 Mitte).
         Am 18. November 2005 erstattete Dr. B.___ wiederum der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers einen Verlaufsbericht (Urk. 10/89 = Urk. 3/4). Darin empfahl sie die Fortsetzung der manualtherapeutischen und medikamentösen Behandlung zum Abfangen von Beschwerde-Exazerbationen und zum Erhalt des Status quo (Urk. 10/89 S. 2 Mitte).

4.
4.1     Zunächst ist zu klären, ob die Prüfung des Kausalzusammenhangs zwischen im Zeitpunkt der Leistungseinstellung (Oktober 2005) und dem im Februar 1998 erlittenen Unfall - wie von der Beschwerdegegnerin vorgenommen - gemäss den Regeln von BGE 117 V 359 zu erfolgen hat.
         Der Beschwerdeführer wandte dagegen ein, es läge durchaus ein objektivierbar organisches Substrat für die geklagten Beschwerden vor (Urk. 1 S. 5 f. Ziff. III.1). Dabei bezog er sich auf die Passage im Gutachten von Dr. H.___, wo dieser im Zusammenhang mit dem Neurostatus nebst einer leicht eingeschränkten Kopfbeweglichkeit eine Blockierung C2/3, Irritationszonen C2 und C6 rechts und C4 links, Hartspannveränderungen paracervical sowie eine Kettentendinose in einem Muskel aufführte (Urk. 10/75 S. 7 unten).
         Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, eine Druckdolenz im Nacken sowie eine Einschränkung der HWS-Beweglichkeit können für sich allein nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat qualifiziert werden (Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts, EVG, i.S. O. vom 25. Juli 2007 Erw. 5.2, U 328/06, i.S. S. vom 2. Februar 2007, Erw. 7.1.4, U 41/06, i.S. N. vom 21. August 2006 Erw. 4.2, U 306/05, i.S. M. vom 3. August 2005 Erw. 4, U 9/05). Es handelt sich dabei wohl um klinische Befunde, jedoch nicht um ein klar fassbares organisches Korrelat des geklagten Beschwerdebildes (Entscheid des EVG i.S. M. vom 4. Juli 2004 Erw. 7.2, U 354/06).
         Dem Standpunkt des Beschwerdeführers kann deshalb nicht gefolgt werden: Bei den von Dr. H.___ erhobenen Befunden handelt es sich gerade nicht um strukturelle Läsionen, sondern lediglich um deskriptive Feststellungen im Sinne von Anhaltspunkten für das Vorliegen der diagnostizierten Beschwerden. Sie stellen keinen objektivierten somatischen Befund im Sinne eines klar fassbaren, organischen Korrelats des Beschwerdebildes dar.
4.2     Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ein HWS-Trauma erlitten hat und im strittigen Zeitpunkt an Beschwerden litt, ohne dass dafür ein organisches Korrelat im Sinne einer unfallbedingten strukturellen Läsion vorhanden gewesen wäre. Nachdem zwischen den Parteien nicht strittig ist, dass auch das Erfordernis des von der Rechtsprechung so genannten typischen, „bunten“ Beschwerdebildes erfüllt sei, ist der Kausalzusammenhang und insbesondere dessen Adäquanz gemäss BGE 117 V 359 zu prüfen.
4.3     Dabei ist zuerst die Schwere des Unfallereignisses zu würdigen.
         Der Unfallhergang wurde im Polizeiprotokoll (Urk. 10/1) wie folgt festgehalten: Der (angegurtete) Beschwerdeführer wartete mit seinem Fahrzeug innerorts vor einer Ampel. Ein mit 20-30 km/h auf die Ampel zufahrender weiterer Lenker bemerkte den stehenden Wagen des Beschwerdeführers zu spät und fuhr ungebremst gegen dessen Heck, worauf dieser in das Heck des vor ihm stehenden Fahrzeugs geschoben wurde (Urk. 10/1 S. 5 Mitte, S. 6).
         Die Beschwerdegegnerin ordnete dies als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten ein. Der Beschwerdeführer machte geltend, es handle sich um ein mittelschweres, allenfalls sogar einen Grenzfall zu einem schweren Unfallereignis, dies mit Hinweis darauf, dass das hintere Fahrzeug ungebremst aufgefahren sei, dass der Fahrersitz aus seiner Verankerung gerissen worden sei, dass es zu einem weiteren Aufprall auf den vor ihm stehenden Wagen gekommen sei sowie darauf, dass er den Kopf abgedreht gehabt habe (Urk. 1 S. 6 f. Ziff. III.3).
4.4     Das Eidgenössische Versicherungsgericht stuft Auffahrkollisionen vor einem Fussgängerstreifen oder einem Lichtsignal regelmässig als mittelschweres, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen liegendes Ereignis ein (RKUV 2003 S. 375 ff. Nr. U 489 Erw. 4.2, S. 360, mit Hinweisen). Auch der Umstand, dass ein Fahrzeug durch den Aufprall in das vor ihm stehende Fahrzeug geschoben wurde, rechtfertigt - im Unterschied etwa zu einer Doppelkollision auf der Autobahn und nicht im Stadtverkehr und damit bei relativ hoher Fahrgeschwindigkeit (RKUV 2005 S. 236 ff. Nr. U 549 Erw. 5.2.1 S. 237, mit Hinweis) - keine andere Beurteilung.
         Ferner ist zu berücksichtigen, unter welchen Umständen schwerere Unfälle im mittleren Bereich bzw. im Grenzbereich zu den schweren Unfällen anzunehmen sind. Dies ist beispielsweise der Fall bei einem Reifenplatzer auf der Autobahn bei ca. 95 km/h mit anschliessendem Überschlagen des Fahrzeugs auf das Dach, beim Überschlagen eines Fahrzeuges infolge Reifenplatzers mit Kontusionen an Thorax, Schultern und Halswirbelsäule der Versicherten, oder beim Herausschleudern eines Versicherten durch das Fenster eines Autos nach Frontalzusammenstoss, wobei er mit dem Bein bis zur Hüfte im umgestürzten Wagen eingeklemmt blieb und sich eine Gehirnerschütterung, eine Kopfverletzung, einen Mittelhandbruch und Verletzungen in der Leistengegend zuzog (RKUV 2005 Nr. U 548 S. 228 Erw. 3.2.2, S. 230 f., mit Hinweisen).
4.5     Vor dem Hintergrund der aufgezeigten, gefestigten Praxis bestehen keine Anhaltspunkte, die eine andere Einordnung des Unfallereignisses rechtfertigen würden. Insbesondere geht die vom Beschwerdeführer postulierte Zuordnung im Grenzbereich zu einem schweren Unfallereignis offensichtlich fehl.
         Handelt es sich somit um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfallereignissen, so ist für die Bejahung der Adäquanz gefordert, dass ein einzelnes der unfallbezogenen Kriterien (besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzung; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; Dauerbeschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; erheblicher Grad und lange Dauer der Arbeitsunfähigkeit) in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien insgesamt in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sind (BGE 117 V 367 f. Erw. 6b mit Hinweis).

5.
5.1     Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalls sind nicht ersichtlich und wurden auch vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht.
         Gleiches gilt für das Kriterium einer allfälligen, die Unfallfolgen erheblich verschlimmert habenden ärztlichen Fehlbehandlung.
5.2     Hinsichtlich der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung wies der Beschwerdeführer darauf hin, dass er unmittelbar nach dem Unfall an einer Häufung der für HWS-Distorsionsverletzungen charakteristischen Beschwerden gelitten habe, was rechtsprechungsgemäss zur Bejahung des Kriteriums genüge (Urk. 1 S. 7 f. Ziff. III.4.1).
         Der vom Beschwerdeführer als Beleg angeführte Entscheid vom 24. Juni 2003 (U 193/01) stützt diesen Standpunkt jedoch keineswegs, wurde darin doch lediglich ausgeführt, es sei - als Ausnahme zur Regel - auch bei einem als leicht zu qualifizierenden Unfall der adäquate Kausalzusammenhang dann anhand der Kriterien für Unfälle in mittleren Bereich zu prüfen, wenn er unmittelbare Unfallfolgen gezeitigt habe, „die sich nicht offensichtlich als unfallunabhängig erweisen (z.B. Komplikationen durch die besondere Art der erlittenen Verletzung, verzögerter Heilungsverlauf, langdauernde Arbeitsunfähigkeit)“, was im konkreten Fall gegeben sei, da bereits bei der ersten ärztlichen Konsultation am Folgetag eine HWS-Distorsion diagnostiziert worden sei und seit dem Unfall durchgehend eine ganze oder teilweise Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (Erw. 4.2).
         Dass damit nicht gesagt wurde oder werden sollte, schon allein das Auftreten der Symptome einer HWS-Distorsion sei einer besonderen Art der erlittenen Verletzung gleichzusetzen, ist offenkundig. Dies ist auch insofern logisch, als das entsprechende Kriterium sonst im Zusammenhang mit HWS-Distorsionen jegliche Aussagekraft verlieren würde.
         Auch die weiteren Argumente des Beschwerdeführers zu dieser Frage (Urk. 1 S. 8) vermögen nicht zu überzeugen, denn die Diagnose eines Schleudertraumas sowie einer HWS-Distorsion vermag das Kriterium der Schwere oder der besonderen Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen und weder der Umstand einer Doppelkollision noch eine leicht seitlich abgedrehte Kopfstellung führen per se zur Bejahung des Kriteriums (vgl. RKUV 2005 S. 236 ff. Nr. U 549, Erw. 5.2.3, S. 238, mit Hinweisen).
         Dieses Kriterium ist demnach nicht erfüllt.
5.3     Zur möglicherweise ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung ist zu beachten, dass eine Behandlungsbedürftigkeit (im Sinne medikamentöser Schmerz- und Physiotherapie) während zwei bis drei Jahren nach einem Schleudertrauma der HWS respektive äquivalenten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild durchaus üblich ist (RKUV 2005 S. 236 ff. Nr. U 549 Erw. 5.2.4, mit Hinweisen). Von Bedeutung sind auch die Art und Intensität der Behandlung sowie die Frage, inwieweit davon noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist und ob von einer kontinuierlichen, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichteten ärztlichen Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer gesprochen werden kann (Entscheid des EVG i.S. B. vom 20. Oktober 2006 Erw. 3.2.3, U 488/05, mit Hinweisen).
         Der Beschwerdeführer stand seit dem Unfall im Februar 1998 bei Dr. B.___ in - wie Dr. H.___ (Urk. 10/75 S. 10 Mitte) anmerkte - kompetenter Behandlung. Dr. B.___ schloss die Behandlung, abgesehen von einem leichten Beschwerderezidiv im März 2002, per Ende 2000 ab (vorstehend Erw. 3.1). Später berichtete sie, die Behandlung habe bis März 2002 gedauert; damals sei eine deutliche Besserung zu verzeichnen gewesen, dies im Anschluss an die Behandlung durch Dr. E.___, der seinerseits angab, er habe den Beschwerdeführer bis März 2002 behandelt (vorstehend Erw. 3.2). Bis auf einen telefonischen Kontakt im Juni 2002 habe sie der Beschwerdeführer erst im Januar 2005 wieder konsultiert (vorstehend Erw. 3.4). Aktenkundig sind sodann manualtherapeutische Behandlungen seit Juni 2002 (vorstehend Erw. 3.2). Im November 2005 empfahl Dr. B.___ die Fortsetzung manualtherapeutischer und medikamentöser Behandlung „zum Abfangen von Beschwerde-Exazerbationen und zum Erhalt des Status quo“ (vorstehend Erw. 3.4).
         Würdigt man diesen Verlauf im Lichte der massgebenden Rechtsprechung, so wird deutlich, dass die ärztlich geführte und verordnete, systematische und gezielte Behandlung der Folgen des Unfalls vom Februar 1998 durch Dr. B.___ Ende 2000, mithin nach weniger als drei Jahren nach dem Unfall, mit der Feststellung einer wieder erlangten vollen Arbeitsfähigkeit beendet wurde. Ab diesem Zeitpunkt begab sich der Beschwerdeführer auf eigene Initiative - sei es wegen vorübergehender Beschwerdeverstärkungen, sei es, weil er sich subjektiv als noch nicht hinreichend wiederhergestellt erachtete - in nicht näher dokumentierte weitere Behandlungen, wobei er insbesondere die von Dr. E.___ im März 2002 abgeschlossene Behandlung als erfolgreich einstufte. Die von ihm erst im Januar 2005 erneut konsultierte Dr. B.___ empfahl sodann weitere Behandlungsmassnahmen, jedoch nicht im Hinblick auf eine Besserung des Gesundheitszustands, sondern zur Erhaltung des Status quo.
         Die Dauer der Behandlung durch Dr. B.___ kann praxisgemäss nicht als ungewöhnlich lange bezeichnet werden. Was die darauffolgenden, vom Beschwerdeführer selber veranlassten und nur spärlich dokumentierten Behandlungen anbelangt, erscheint es fraglich, ob sie als kontinuierlich und planmässig eingestuft werden können.
         Daraus folgt, dass das Kriterium, wenn überhaupt, so jedenfalls nur ansatzweise als erfüllt betrachtet werden kann.
5.4     Bezogen auf das Kriterium von Dauerbeschwerden verwies der Beschwerdeführer auf seine eigene, im Gutachten von Dr. H.___ wiedergegebene Darstellung, wonach er ständige Schmerzen im Genick im Ausstrahlung zur rechten Schulter und zum Hinterkopf habe, auf mehrmals pro Woche auftretende Kopfschmerzen, zirka einmal pro Monat auftretende Blockierungen der HWS sowie die bekannten kognitiven Störungen (Urk. 1 S. 8 f. Ziff. III.4.3).
         Dem steht entgegen, dass - ebenfalls gemäss den Angaben des Beschwerdeführers - die im März 2002 abgeschlossene Behandlung durch Dr. E.___ eine entscheidende Besserung gebracht habe. Ebenso ist die im Mai 2002 attestierte und im Dezember 2003 von Dr. B.___ bestätigte volle Arbeits- und Reisefähigkeit im Beruf als Geschäftsführer nicht vereinbar mit ununterbrochen vorhandenen, nicht belastungsabhängigen Beschwerden von nennenswerter Intensität. Dies gilt auch für die später auf 10 % veranschlagte residuelle Arbeitsunfähigkeit.
         Insgesamt lassen es die objektivierten medizinischen Feststellungen trotz geäusserten subjektiven Klagen nicht zu, das Kriterium klar zu bejahen, so dass es als fraglich zu bezeichnen ist, ob es als erfüllt betrachtet werden kann.
5.5     Für die Bejahung des Kriteriums eines schwierigen Heilungsverlauf und erheblicher Komplikationen bedarf es besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Entscheid des EVG i.S. A. vom 24. August 2007 Erw. 4.3.2, U 297/06, mit Hinweisen; Entscheide i.S. H. vom 21. September 2005 Erw. 5.3.6, U 141/05, i.S. P. vom 31. Mai 2005 Erw. 3.3.6, U 329/03, i.S. B. vom 7. Juni 2004 Erw. 3.2.6, U 69/04, i.S. F. vom 10. September 2003 Erw. 4.3, U 343/02, i.S. B. vom 7. August 2002 Erw. 2.3, U 313/01).
         Dass - wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht (Urk. 1 S. 9 Ziff. 4.4) - nach mehr als acht Jahren keine vollständige Heilung erfolgt sei und er nach wie vor Therapien und Badekuren benötige, genügt dementsprechend nicht zur Bejahung dieses Kriteriums, womit es zu verneinen ist.
5.6     Was den erheblichen Grad und die lange Dauer der Arbeitsunfähigkeit betrifft, so ist der entsprechenden Kasuistik (RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 E. d/aa, S. 544 ff.) zu entnehmen, dass in einem Fall, in welchem das Kriterium bejaht wurde, während 20 Monaten eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 2/3 und in einem anderen Fall eine solche von 40 %, jedoch dauernd, bestanden hatte; in allen anderen genannten Fällen, in denen das Kriterium bejaht wurde, hatte im Anschluss an den Unfall über längere Zeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
         Der Beschwerdeführer war im Anschluss an den Unfall vom 10. Februar 1998 zu 50 % arbeitsunfähig, dies bis Februar 1999, also während knapp 13 Monaten. Ab März 1999 betrug die Arbeitsunfähigkeit noch 30 %, dies während 22 Monaten. Ab Januar 2001 bestand gemäss der Feststellung, die Dr. B.___ im Mai 2002 machte, wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (vorstehend Erw. 3.1). Nachdem sie vom Beschwerdeführer im Jahr 2005 wieder konsultiert worden war, erachtete sie eine Arbeitsunfähigkeit von 10 % als gegeben (vorstehend Erw. 3.4), dies ohne zeitliche Präzisierung, jedoch in Übereinstimmung mit der entsprechenden gutachterlichen Feststellung im Dezember 2004 (vorstehend Erw. 3.3).
         Einerseits war also die Arbeitsunfähigkeit nie höher als 50 %, andererseits dauerte die noch 30 % betragende Arbeitsunfähigkeit annähernd zwei Jahre und verringerte sich anschliessend gemäss neueren, allerdings früheren widersprechenden, ärztlichen Beurteilungen nicht auf Null, sondern auf 10 %.
         Vor diesem Hintergrund muss vorerst offen bleiben, ob das entsprechende Kriterium zu bejahen oder zu verneinen ist.
5.7     Zusammenfassend ergibt sich, dass vier der massgeblichen Kriterien klar zu verneinen sind. Bei einem weiteren (Dauerbeschwerden) ist fraglich, ob es als erfüllt betrachtet werden kann, und ein weiteres (lange Behandlungsdauer) kann, wenn überhaupt, nur ansatzweise als erfüllt betrachtet werden. Wie sich mit dem Kriterium der Arbeitsunfähigkeit verhält, wurde vorerst offen gelassen.
         Die Gesamtwürdigung ergibt, dass keines der massgeblichen Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist. Selbst wenn das Kriterium von Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit als - allerdings nur knapp - erfüllt betrachtet würde, würde dies ferner nicht dazu führen, dass die Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt wären. Dies ist aber vorausgesetzt, damit die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen noch bestehenden Beschwerden und einem Unfallereignis der vorliegend gegebenen Intensität bejaht werden könnte.
         Somit ist die Adäquanz des Kausalzusammenhanges zwischen den Beschwerden im Zeitpunkt der Leistungseinstellung (Oktober 2005) und dem im Februar 1998 erlittenen Unfall zu verneinen.
         Demnach erweist sich die erfolgte Leistungseinstellung als rechtens, womit der angefochtene Entscheid zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.




Das Gericht erkennt:
1.         Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.         Das Verfahren ist kostenlos.
3.         Zustellung gegen Empfangsschein an:
- Rechtsanwältin Cordula Spörri
- Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
- Bundesamt für Gesundheit
4.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
           Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
           Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).