Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/UV.2007.00050.html 

Entscheide



UV.2007.00050

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Spitz, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichterin Annaheim

Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer

Gerichtssekretär Stocker
Urteil vom 5. Mai 2008
in Sachen
M.___
 
Beschwerdeführer

vertreten durch Rechtsanwalt Peter M. Saurer
Advokaturbüro Peter M. Saurer
Wengistrasse 7, Postfach, 8026 Zürich

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin

vertreten durch Rechtsanwalt Mathias Birrer
Kaufmann Rüedi & Partner
Löwenplatz, Zürichstrasse 12, 6004 Luzern

dieser substituiert durch Rechtsanwalt Nils Grossenbacher
Kaufmann Rüdi & Partner
Zürichstrasse 12, 6004 Luzern


Sachverhalt:
1.       M.___, geboren 1978, war seit dem 1. April 2001 als Betriebsmitarbeiter bei der A.___ AG in Zürich angestellt und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als er am 23. Dezember 2004 einen Verkehrsunfall erlitt (Urk. 12/1).
         Die medizinische Erstversorgung fand im B.___ statt; es wurde eine HWS-Distorsion diagnostiziert (Urk. 12/2/1-3). In der Folge wurde der Versicherte im C.___ behandelt (vgl. Urk. 12/7, 12/14, 12/21, 12/35, 12/43, 12/45 und 12/50). Vom 20. Juli bis 24. August 2005 war er in der Rehaklinik D.___ hospitalisiert (Urk. 12/31; vgl. auch Urk. 12/30). Kreisarzt Dr. med. E.___, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie, untersuchte den Versicherten am 2. Mai 2006 (Urk. 12/46). Assistenzärztin Dr. med. F.___ und Oberarzt Dr. med. G.___ vom C.___ attestierten dem Versicherten in ihrem Bericht vom 11. August 2006 (Urk. 12/56) wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (ab 1. August 2006).
         Mit Verfügung vom 21. September 2006 (Urk. 12/60) stellte die SUVA die Taggeldleistungen per 31. Juli 2006 und die Heilbehandlungsleistungen per 7. August 2006 ein mit der Begründung, dass die vom Versicherten noch geklagten Beschwerden in keinem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 23. Dezember 2004 stünden. Mit Eingabe vom 28. September 2006 (Urk. 12/62) erhob die Krankenversicherung des Versicherten, die sansan Versicherungen AG, Einsprache, die sie jedoch am 27. Oktober 2006 zurückzog (Urk. 12/70). Mit Eingabe vom 23. Oktober 2006 (Urk. 12/68) liess der Versicherte Einsprache erheben. Mit Entscheid vom 15. November 2006 (Urk. 2) wies die SUVA die Einsprache des Versicherten ab.

2.       Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte mit Eingabe vom 8. Februar 2007 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
„1.   Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 15.11.2006 sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, (weiterhin) Leistungen zu erbringen.
2.   Eventualiter seien die Akten an die Beschwerdegegnerin zur Neubeurteilung zurückzuweisen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.“
         Die SUVA liess in ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2007 (Urk. 11) auf Abweisung der Beschwerde schliessen. Replicando und duplicando liessen die Parteien an ihren Anträgen festhalten (Urk. 17 und 20). Mit Verfügung vom 8. November 2007 (Urk. 21) wurde der Schriftenwechsel geschlossen.
         Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.


Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1     Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Den gesetzlich umschriebenen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Verbesserung ihres Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind (Art. 19 Abs. 1 UVG e contrario).
         Ist sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalls zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Wenn die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet, steht ihr nach Art. 24 Abs. 1 UVG eine angemessene Integritätsentschädigung zu.
1.2
1.2.1   Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 406 Erw. 4.3.1, 123 V 45 Erw. 2b, 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 181 Erw. 3.1, 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
1.2.2   Diese Beweisgrundsätze gelten auch in Fällen mit Schleuderverletzungen der Halswirbelsäule, Schädelhirntraumata und äquivalenten Verletzungen. Ist ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung und so weiter vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen. Es ist zu betonen, dass es gemäss obiger Begriffsumschreibung für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs genügt, wenn der Unfall für eine bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 117 V 360 Erw. 4b).
1.3
1.3.1   Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 Erw. 3.2, 405 Erw. 2.2, 125 V 461 Erw. 5a).
1.3.2   Bei organisch nachweisbaren Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung praktisch keine Rolle, indem die Unfallversicherung auch für seltenste, schwerwiegendste Komplikationen haftet, welche nach der unfallmedizinischen Erfahrung im Allgemeinen gerade nicht einzutreten pflegen (vgl. BGE 128 V 172 Erw. 1c, 123 V 102 Erw. 3b, 118 V 291 Erw. 3a, 117 V 365 Erw. 5d/bb mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; RKUV 2004 Nr. U 505 S. 249 Erw. 2.1).
1.3.3   Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 102 Erw. 3b, 122 V 417 Erw. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
         Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
- fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; 
- erhebliche Beschwerden;
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
- erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar 2008 in Sachen Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft, U 394/06, Erw. 10.2 f.; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 Erw. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 Erw. 4a; BGE 117 V 363 Erw. 5d/aa und 367 Erw. 6a).
1.4     Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c).

2.
2.1     Die Beschwerdegegnerin stellte die Taggeldleistungen per 31. Juli 2006 und die Heilbehandlungsleistungen per 7. August 2006 im angefochtenen Einspracheentscheid im Wesentlichen mit der Begründung ein, dass zwischen den vom Beschwerdeführer noch geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Unfallereignis vom 23. Dezember 2004 kein adäquater Kausalzusammenhang mehr bestehe. Zwar sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer am 23. Dezember 2004 - obwohl die zum typischen Beschwerdebild gehörenden Beeinträchtigungen nur sehr diskret vorhanden seien - ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten habe. Da aber der erlittene Unfall als leicht beziehungsweise als geradezu banal zu qualifizieren sei, sei die Adäquanz zu verneinen. Aber selbst wenn von einem Unfall im mittleren Bereich auszugehen wäre, bestünde kein adäquater Kausalzusammenhang, denn abgesehen vom Kriterium der Dauerschmerzen sei kein einziges Adäquanzkriterium erfüllt. Zudem sei auch dieses Kriterium nicht in besonders ausgeprägter Art vorhanden (Urk. 2).
2.2     Demgegenüber liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen vortragen, dass der Verkehrsunfall vom 23. Dezember 2004 um einiges heftiger gewesen sei, als dies vom Haftpflichtversicherer und von der Beschwerdegegnerin nachträglich dargestellt worden sei. Es müsse weiter abgeklärt werden, wie sich der Unfall zugetragen habe. Der Unfall sei sehr heftig und entsprechend eindrücklich gewesen. Auch das Kriterium der Schwere und besonderen Art der Verletzung sei erfüllt. Die ärztliche Behandlung, die weiter andauere, sei ungewöhnlich lange. Das Kriterium der Dauerschmerzen sei unbestritten. Schliesslich liege auch ein schwieriger Heilungsverlauf vor. Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit könnten noch nicht abschliessend beurteilt werden. Insgesamt ergebe sich, dass - ausgehend von einem mittelschweren Unfall - die Adäquanz zu bejahen sei (Urk. 1 und 17).

3.
3.1     Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungsleistungen zu Recht per 31. Juli 2006 (Taggeld) beziehungsweise per 7. August 2006 (Heilbehandlungskosten) einstellte, weil beim Beschwerdeführer keine Gesundheitsbeeinträchtigungen mehr vorlagen, die in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 23. Dezember 2004 standen.
3.2     Assistenzärztin Dr. med. F.___ und Oberarzt Dr. med. H.___ vom C.___ diagnostizierten in ihrem Bericht vom 3. Februar 2005 (Urk. 12/7) ein cervikocephales Schmerzsyndrom bei Status nach HWS-Distorsionstrauma vom 23. Dezember 2004. Es bestünden keine Hinweise für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik. Dem Beschwerdeführer wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert und eine physiotherapeutische Behandlung verordnet.
         Am 15. Juni 2005 stellten Dr. F.___ und Dr. H.___ fest, das beim Beschwerdeführer nunmehr ein chronifiziertes cervikocephales Schmerzsyndrom mit segmentalen Dysfunktionen im oberen und unteren HWS-Bereich sowie auch eine myofasziale Schmerzkomponente im Bereich der Trapeziusmuskulatur beidseits linksbetont vorlägen. Ab 21. März 2005 sei der Beschwerdeführer wieder zu 50 % arbeitsfähig, wobei er hauptsächlich nur leichtere Tätigkeiten ausüben solle (Urk. 12/14 = Urk. 12/21).
         Lic. phil. I.___, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, und Dr. med. Zangger, Facharzt FMH für Neurologie und Physikalische Medizin und Rehabilitation, von der Rehaklinik D.___ hielten in ihrem Bericht vom 8. August 2005 (Urk. 12/30) folgende Beurteilung fest: Bei Status nach HWS-Distorsion am 23. Dezember 2004, ohne Hinweise auf eine durchgemachte leichte traumatische Hirnverletzung, fänden sich keine Hinweise auf spezifisch neuropsychologische Störungen, geschweige den auf eine dementielle Entwicklung. Bei längere Zeit einzunehmenden Zwangspositionen sei die mentale Dauerbelastbarkeit aufgrund des zunehmenden Schmerzerlebens herabgesetzt. Tätigkeiten, die in wechselnden Positionen ausgeführt werden könnten und die ein vergleichbares kognitives Anforderungsprofil wie bei der bisher ausgeübten Kontroll- und Bezeichnungstätigkeit als Lagermitarbeiter beinhalteten, könne der Beschwerdeführer aus neuropsychologischer Sicht ohne zeitliche Einschränkung ausführen. Im weiteren Verlauf könnte der nicht optimale Umgang mit Schmerzen die vorhandenen Ängste weiter akzentuieren. Um eine psychosomatische Fehlentwicklung zu vermeiden, sei der Beschwerdeführer auf eindeutige Zielsetzung, klare Anleitung und wohldosierte Belastungssteigerung angewiesen. Er fahre seit einiger Zeit wieder Auto und sei selbst in der Lage, über seine aktuelle Fahrtüchtigkeit zu entscheiden.
         Assistenzärztin Dr. med. J.___ und der Leitende Arzt Dr. med. K.___, Spezialarzt FMH für Physikalische Medizin, von der Rehaklinik D.___ äusserten sich in ihrem Bericht vom 1. September 2005 (Urk. 12/31) dahingehend, dass der Beschwerdeführer am 23. Dezember 2004 ein HWS-Distorsionstrauma erlitten habe. Aktuell bestehe vor allem noch ein zerviko-okzipitales und thorakovertebrales Schmerzsyndrom mit klinisch segmentaler Funktionsstörung im Bereich der oberen Halswirbelsäule sowie der mittleren und unteren Brustwirbelsäule bei einer Wirbelsäulenfehlform und -fehlhaltung. Die HWS-Beweglichkeit sei eingeschränkt. Die subjektiv noch geschilderten Restbeschwerden deuteten am ehesten auf eine myofasziale Überlastungsproblematik hin. In der durchgeführten neuropsychologischen Beurteilung habe man eine schmerzbedingt begrenzte mentale Dauerbelastbarkeit festgestellt. Es hätten sich aber keine Hinweise auf eine durchgemachte leichte traumatische Hirnverletzung gefunden. Eine psychosomatische Abklärung sei vom Beschwerdeführer abgelehnt worden. Dem Beschwerdeführer wurde für leichte wechselbelastende Arbeiten ohne Überkopfarbeiten und ohne Zwangshaltungen der Halswirbelsäule eine 50%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt.
         Oberärztin Dr. med. L.___ und der Leitende Arzt Dr. med. N.___ vom C.___ hielten am 21. November 2005 folgende neurologische Beurteilung fest: „St.n. indirektem HWS-Trauma mit chronifiziertem muskuloskelettalen cervico-cephalem und thoracalem Schmerzsyndrom mit Verdacht auf zusätzliche, schmerzinduzierte Spannungskopfschmerzen.“ Klinisch-neurologisch sei kein neurologisches Ausfallsyndrom festgestellt worden (Urk. 12/35).
         Dr. F.___ und Dr. G.___ konnten am 10. März 2006 über einen erfreulichen Rückgang der cervikovertebralen Schmerzen berichten. Allerdings klage der Beschwerdeführer über zum Teil in die Arme ausstrahlende Schmerzen. Wegen stärkster thorakaler Schmerzen erfolge eine neuroradiologische Abklärung der Hals- und der Brustwirbelsäule. Zurzeit werde die Schmerzproblematik noch als unfallkausal angesehen (Urk. 12/43).
In ihrem Bericht vom 24. April 2006 (Urk. 12/45) führten Dr. F.___ und Dr. G.___ aus, dass die MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule und der oberen Brustwirbelsäule weitgehend unauffällige Resultate ergeben habe. Es seien keine wesentlichen degenerativen oder posttraumatischen Veränderungen ersichtlich (lediglich eine diskrete Spondylose C5/6 mit winzigen Retrospondylophyten). In der ganzen Halswirbelsäule und in der oberen Brustwirbelsäule habe weder eine Nervenwurzelkompression noch eine Myelomalazie, noch eine Diskopathie nachgewiesen werden können. Es werde weiterhin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit achtstündiger Anwesenheit attestiert.
         Dr. E.___ hielt in seinem Bericht vom 2. Mai 2006 (Urk. 12/46) fest, dass die Funktion der Halswirbelsäule leicht eingeschränkt sei. Nuchal seien noch einzelne verspannte Muskelstränge vorhanden. Allgemein erscheine der Trainingszustand des Beschwerdeführers als schlecht. Der Unfall sei biomechanisch „aufgearbeitet“ worden. Das Delta-V, das auf den Beschwerdeführer gewirkt habe, habe höchstens 5 km/h betragen. Auf pathologisch-anatomischer Ebene lasse dies bei einem gesunden Probanden wie dem Beschwerdeführer keine wesentlichen Läsionen erwarten. Es bestehe kein Grund zur Annahme, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Unfalls vom 23. Dezember 2004 eine bleibende Schädigung erlitten habe.
         Dr. F.___ und Dr. G.___ attestierten dem Beschwerdeführer in ihrem Bericht vom 27. Juni 2006 (Urk. 12/50) weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 50 %. Am 11. August 2006 konnten Dr. F.___ und Dr. G.___ aber festhalten, dass der Beschwerdeführer seit dem 1. August 2006 wieder zu 100% arbeitsfähig sei. Es bestehe zwar immer noch ein chronisches cervikospondylogenes und thorakovertebrales Schmerzsyndrom bei Status nach HWS-Distorsionstrauma, aber es habe die Belastbarkeit des Beschwerdeführers gesteigert werden können. Die unfallbedingte Behandlung am C.___ sei nunmehr abgeschlossen (Urk. 12/56).
         In ihrem Bericht vom 17. Januar 2007 (Urk. 3/3) führten Dr. F.___ und Dr. G.___ aus, dass es nach einer Therapiepause zu einer Verschlechterung der Schmerzsymptomatik gekommen sei. Der Beschwerdeführer sei beunruhigt, dass er zwar ein 50%iges Arbeitspensum gut bewältigen könne, aber doch ständig im Unklaren sei, ob er auch ein 100%-Pensum ausführen könnte. Man habe ihm zu einer Rückfallmeldung an die SUVA geraten, da es bei einem Status nach HWS-Distorsionstrauma immer wieder zu Schmerzexacerbationen kommen könne. Zurzeit habe man keine Arbeitsunfähigkeit attestiert.
3.3
3.3.1   Aus den oben wiedergegebenen Arztberichten ergibt sich, dass beim Beschwerdeführer nach wie vor Gesundheitsbeeinträchtigungen vorliegen, die auf das Unfallereignis vom 23. Dezember 2004 zurückzuführen sind, denen aber offenbar kein organisches Substrat mehr zugrunde liegt. Weiter ist erstellt, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Verkehrsunfalls vom 23. Dezember 2004 ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten hat. Soweit die Beschwerdegegnerin diesen Umstand (anders als im angefochtenen Einspracheentscheid) im vorliegenden Prozess in Zweifel ziehen wollte (vgl. etwa Urk. 11 S. 6 f.), ist ihr zwar einerseits zuzustimmen, dass das typische bunte Beschwerdebild im vorliegenden Fall nicht besonders ausgeprägt zutage tritt. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass sämtliche beteiligten medizinischen Experten von einem Distorsionstrauma der Halswirbelsäule ausgegangen sind beziehungsweise eine entsprechende Diagnose gestellt haben (vgl. etwa Urk. 12/7, 12/30-31 und 12/35) und auch der Unfallmechanismus als typisch für eine solche Verletzung zu qualifizieren ist. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist deshalb davon auszugehen, dass die noch vorhandenen Beschwerden in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 23. Dezember 2004 stehen.
3.3.2   Zu prüfen bleibt, ob zwischen den bestehenden Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Unfallereignis vom 23. Dezember 2004 auch ein adäquater Kausalzusammenhang besteht.
         Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid davon aus, dass es sich beim Verkehrsunfall vom 23. Dezember 2004 um ein banales Unfallereignis gehandelt habe, das nicht einmal den mittelschweren Unfällen im Grenzbereich zu den leichten Unfällen anzusiedeln sei (Urk. 2 Erw. 6). Demgegenüber liess der Beschwerdeführer geltend machen, dass die vorliegenden Akten ein falsches Bild von der Intensität des Unfalls zeichneten. Das Unfallereignis vom 23. Dezember 2004 sei in Tat und Wahrheit um einiges heftiger gewesen: Entgegen den Annahmen der Beschwerdegegnerin und der zuständigen Haftpflichtversicherung sei der Beschwerdeführer mit seinem Fahrzeug noch nicht losgefahren gewesen, „als er von hinten rechts heftig und wohl ungebremst von einem anderen PW gerammt“ worden sei (Urk. 1 S. 4).
         Aufgrund der herrschenden Aktenlage erscheint zum einen die Sachverhaltsdarstellung in der Beschwerdeschrift als dramatisiert (vgl. dazu Urk. 12/1, 12/4 und 12/10). Zum anderen darf der Unfall aber auch nicht bagatellisiert werden, weshalb es als nicht sachgerecht erscheint, von einem „banalen“ Unfallereignis zu sprechen (wie etwa bei einem geringfügigen Anstossen des Kopfes). Vielmehr erscheint es als gerechtfertigt im vorliegenden Fall von einem mittelschweren Unfallereignis auszugehen. Ob es sich dabei um einen mittelschweren Unfall im eigentlichen Sinne handelt (wie aus der Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers zu schliessen wäre) oder um einen solchen im Grenzbereich zu den leichten Unfällen (was die Unfallanalyse der Haftpflichtversicherung vom 20. Juni 2005 [Urk. 12/16] nahelegt), kann vorliegend offen bleiben. Dieser Frage braucht nicht weiter nachgegangen zu werden, weil - wie unten zu zeigen sein wird - selbst in dem für den Beschwerdeführer günstigeren Fall (Vorliegen eines mittelschweren Unfalls im eigentlichen Sinne) die Adäquanz zu verneinen ist.
         Der Unfall vom 23. Dezember 2004 war weder besonders dramatisch noch eindrücklich. Es handelte sich um einen ganz gewöhnlichen Verkehrsunfall (Auffahrunfall in einem Kreisel). Die erlittenen Verletzungen waren weder schwer noch von besonderer Art. Auch das Kriterium „fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung“ ist vorliegend nicht erfüllt. Eine ärztliche Fehlbehandlung ist nicht ersichtlich. Der Heilungsverlauf war - gemäss den medizinischen Akten - nicht schwierig; erhebliche Komplikationen traten nicht auf. Auch das Adäquanzkriterium „erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen“ ist als nicht erfüllt zu qualifizieren, konnte doch der Beschwerdeführer bereits nach rund drei Monaten wieder zu 50 % arbeiten (vgl. Urk. 12/14). Einzig das Kriterium „erhebliche Beschwerden“ ist - wie auch die Beschwerdegegnerin einräumte (Urk. 2 Erw. 6d) - als erfüllt anzusehen. Dies allein reicht jedoch im vorliegenden Fall nicht aus, um die Adäquanz zu begründen.
3.4     Aus dem Gesagten ergibt sich, dass zwischen den noch vom Beschwerdeführer geklagten Gesundheitsbeeinträchtigungen und dem Unfallereignis vom 23. Dezember 2004 kein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.


Das Gericht erkennt:
1.         Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.         Das Verfahren ist kostenlos.
3.         Zustellung gegen Empfangsschein an:
- Rechtsanwalt Peter M. Saurer
- Rechtsanwalt Nils Grossenbacher
- Bundesamt für Gesundheit
4.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
           Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
           Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).