Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/UV.2010.00109.html 

Entscheide



UV.2010.00109

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende

Sozialversicherungsrichter Spitz

Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter

Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil vom 31. August 2011
in Sachen
X.___
 
Beschwerdeführerin

vertreten durch Rechtsanwalt Christoph Erdös
Erdös & Lehmann Rechtsanwälte
Kernstrasse 37, 8004 Zürich

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin


Sachverhalt:
1.
1.1     X.___, geboren 1951, wurde am 1. November 2007 mit ihrem Fahrzeug in eine Kollision verwickelt, als ein entgegenkommendes Fahrzeug von der Fahrbahn geriet und schliesslich in ihr korrekt fahrendes Auto prallte (Urk. 12/1). Für diesen Unfall war sie bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) einerseits über ihre Arbeitgeberin Y.___ AG, bei der sie zu 40 % im Büro und Lager arbeitete, andererseits über die Z.___, bei der sie zu 60 % in der Postbearbeitung tätig war, versichert (Urk. 12/1, 12/2). Der erstbehandelnde Dr. med. A.___, Arzt für Allgemeine Medizin, stellte Nackenbeschwerden und eine verminderte Beweglichkeit sowie eine Druckschmerzhaftigkeit der Halswirbelsäule fest, diagnostizierte eine Halswirbelsäulendistorsion 2. Grades gemäss der Quebec-Task-Force-Klassifikation und attestierte eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit (Urk. 12/4). Die SUVA übernahm die Heilungskosten und richtete Taggelder aus. Da die Versicherte weiter über einen Tinnitus und über eine Schwerhörigkeit klagte, wurde sie am 10. Dezember 2007 von Dr. med. B.___, Facharzt für Hals,- Nasen- und Ohrenkrankheiten, untersucht, der eine beidseitige pancochleare Innenohrschwerhörigkeit feststellte (Urk. 12/6). Am 28. November 2007 wurde ein MRI der Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule gemacht und es wurden dabei neben Osteochondrosen eine Diskushernie im Segment C5/6 und eine dorsale Diskusprotrusion bei C6/7 diagnostiziert (Urk. 12/14). X.___ nahm ihre Tätigkeit im Postbüro der Z.___ am 3. Januar 2008 wieder auf, ab 1. April 2008 bestand wieder eine gänzliche Arbeitsfähigkeit für beide Tätigkeiten (Urk. 12/38, 8/6). Vom 23. Mai bis 5. Juni 2008 wurde die Versicherte wegen verstärkter Nackenschmerzen und Schlafstörungen nochmals gänzlich arbeitsunfähig geschrieben (Urk. 12/21, 8/6).
1.2     Ab dem 26. August 2008 erfolgte wieder eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit (Urk. 12/23). Am 25. September 2008 wurde die Diskushernie von Dr. med. C.___, Facharzt für Neurochirurgie, operativ entfernt (Urk. 12/29, 12/36). In der Folge erachtete der Kreisarzt Dr. med. D.___ diese erneute Arbeitsunfähigkeit und die Operation als nicht unfallkausal (Urk. 12/38).
         Mit Verfügung vom 14. August 2009 verneinte die SUVA ihre Leistungspflicht für die Arbeitsunfähigkeit und die Heilbehandlung mangels eines Kausalzusammenhanges zum Unfall (Urk. 12/51). Im daraufhin eingeleiteten Einspracheverfahren veranlasste die SUVA eine biomechanische Kurzbeurteilung des Unfalles bei Prof. Dr. med. O.___, Facharzt für Rechtsmedizin, Speziell Forensische Biomechanik (Urk. 8/1), und legte den Fall für ein Aktengutachten Dr. med. E.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie der Abteilung Versicherungsmedizin der SUVA, vor (Gutachten vom 3. März 2010, Urk. 12/63). Am 10. März 2010 wies die SUVA die Einsprache ab (Urk. 2).
2.       Am 9. April 2010 reichte die Versicherte dagegen Beschwerde ein und beantragte sinngemäss die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen (Urk. 1). Sie ergänzte ihre Beschwerde am 2. Mai 2010 mit Unterlagen, darunter mit einem Gutachten von Prof. Dr. F.___, Sachverständiger für Unfallanalysen, vom 16. Juni 2008, das dieser zu Handen der ermittelnden Staatsanwaltschaft erstellt hatte (Urk. 8/2), sowie zwei Schreiben der Arbeitgeberinnen Z.___ und Y.___ AG (Urk. 8/8, 8/9). In der Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2010 stellte die SUVA den Antrag auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 11). In der Replik vom 28. Juni 2010 liess die nun rechtsvertretene Versicherte den Antrag auf Feststellung einer ab 1. November 2007 ununterbrochenen und fortdauernden Leistungspflicht und auf Übernahme der Kosten der Arbeitsunfähigkeit ab 27. August 2008 und der Operation vom 25. September 2008 stellen (Urk. 18). Sie liess drei Arztberichte von Dr. A.___ vom 3. Dezember 2007 (Urk. 19/1), vom 11. Mai 2010 (Urk. 19/2) und vom 24. August 2009 (Urk. 19/3) sowie die Anklageschrift gegen den Unfallverursacher vom 10. November 2009 einreichen (Urk. 19/4). Die SUVA stellte am 8. Juli 2010 erneut den Antrag auf Abweisung der Beschwerde unter Verweisung auf ihre Beschwerdeantwort, äusserte sich inhaltlich jedoch nicht weiter zur Sache (Urk. 21).


Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1     Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden - soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2     Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3     Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 26. April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/aa). Da es sich hiebei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
1.4     Es entspricht einer Erfahrungstatsache, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen, und ein Unfallereignis nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer Schwere sowie geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten sind. In solchen Fällen hat die Unfallversicherung praxisgemäss auch für Rezidive und allfällige Operationen aufzukommen. Wird die Diskushernie durch den Unfall lediglich ausgelöst, nicht aber verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, spätere Rezidive dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190).
         Nach unfallmedizinischer Erfahrungstatsache kann eine richtunggebende, mithin dauernde, unfallbedingte Verschlimmerung einer vorbestandenen, degenerativen Erkrankung der Wirbelsäule nur als nachgewiesen gelten, wenn ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel sowie das Auftreten und Verschlimmern von Verletzungen nach einem Trauma radioskopisch erstellt sind (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45). Die Dauer, während der eine vorbestehende Wirbelsäulenerkrankung durch einen Unfall - bei Fehlen unfallbedingter Wirbelkörperfrakturen oder struktureller Läsionen an der Wirbelsäule - im Sinne einer vorübergehenden Verschlimmerung beeinflusst wird, beträgt nach unfallmedizinischer Erfahrung sechs bis neun Monate, längstens jedoch ein Jahr (Urteil des Bundesgerichts 8C_369/2008 vom 11. August 2008, E. 9.1 mit Hinweisen).
1.5     Für die Beurteilung der natürlich kausalen Unfallfolgen ist das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung gestellt werden. Dabei ist hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 122 V 160 E. 1c). Damit ist in erster Linie der Inhalt und nicht die Herkunft eines Beweismittels für die Beweiskraft entscheidend (BGE 122 V 160).
        
         Gleiches gilt grundsätzlich auch für die Berichte und Gutachten versicherungs-interner Ärzte der SUVA. Diese unterliegen ebenfalls der freien richterlichen Beweiswürdigung. Es kann ihnen Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs-frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1998 Nr. U 291 S. 69). Auch reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95, 1988 Nr. U 56 S. 370 E. 5b; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 458/00 vom 24. Oktober 2001 E. 3). Es ist an die Unparteilichkeit des versicherungsinternen Gutachters ein strenger Massstab anzulegen (BGE 122 V 162 E. 1c).
2.
2.1         Zunächst sind der Anfechtungs- und Streitgegenstand festzulegen. Verfügt hat die Beschwerdegegnerin am 14. August 2009 über ihre Haftbarkeit für die Diskushernienoperation vom 25. September 2008 und für die ab 27. August 2008 erlittene Arbeitsunfähigkeit als fragliche Folgen des Unfalles vom 1. November 2007. Strittig und zu prüfen ist damit die Leistungspflicht für die Operation vom 25. September 2008 und die Arbeitsunfähigkeit ab 27. August 2008 (Urk. 4/2, 2). Zu berücksichtigen ist bezüglich dieser, dass für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit des Einspracheentscheides der Sachverhalt massgebend ist, wie er sich bis zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes, vorliegend dem 10. März 2010, ereignet hat (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis).
         Gemäss Arztbericht von Dr. A.___ vom 24. August 2009 arbeitete die Versicherte nach der Operation ab dem 1. Dezember 2008 wieder zu 60 % bei der Z.___ und ab 1. April 2009 wieder zu 40 % bei der Y.___ AG (Urk. 12/54 Beilage 8). Dass danach bis zum Einspracheentscheid wieder eine Arbeitsunfähigkeit eingetreten wäre, geht aus den Akten nicht hervor und wird von der Versicherten im Verfahren auch nicht behauptet (Urk. 18). Demzufolge ist einzig über die Operation vom 25. September 2007 und über die in der erwähnten Zeit erfolgte Arbeitsunfähigkeit zu befinden. Soweit die Beschwerdeführerin in der Replik darüber hinausgehende Anträge stellt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.2     Vor der den Leistungsanspruch verneinenden Verfügung vom 14. August 2009 fragte die Verwaltung der SUVA den Kreisarzt Dr. D.___ um seine Meinung zum Kausalzusammenhang, den dieser verneinte (Urk. 12/38). Im Einspracheverfahren äusserte sich sodann der orthopädische Chirurg der Abteilung Versicherungsleistungen der SUVA Dr. E.___ im Aktengutachten vom 3. März 2010 zur Angelegenheit (Urk. 12/63). Er legte dar, dass mit dem erlittenen Unfallereignis ein adäquates Ereignis geschehen sei, das Ursache einer traumatischen zervikalen Diskushernie beziehungsweise eines Beschwerdeschubes einer bisher stummen Diskushernie sein könne. Allerdings seien bei der Versicherten nicht sofort nach dem Unfall die typischen zervikoradikulären Beschwerden einer Diskushernie vorhanden gewesen, sie habe nicht über Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in die obere rechte Extremität geklagt. Damit könne offen bleiben, ob die Versicherte unmittelbar vor dem Unfall beschwerdefrei gewesen sei, was ansonsten ebenfalls für eine Unfallkausalität sprechen würde. Damit sei von einer Halswirbelsäulen-Distorsion beim Unfall auszugehen, eine Beteiligung des Unfalls an der später diagnostizierten Diskushernie und ihren Beschwerden erachte er nur als möglich, die Diskushernie selber sei keine Unfallfolge (Urk. 12/63).
2.3     Anders als Dr. E.___ bezeichnete der operierende Neurochirurg Dr. C.___ die foraminale Diskushernie C5/6 im Bericht vom 8. Oktober 2008 als traumatisch (Urk. 12/29). Es habe eine Therapieresistenz und einen deutlichen Befund an der Halswirbelsäule gegeben, so dass die Indikation zur Operation bestanden habe (Urk. 12/30). Im Schreiben vom 3. September 2009 an den Hausarzt hatte Dr. C.___ dargelegt, die Versicherte habe seit dem Unfall Nackenschmerzen mit Ausstrahlung nach occipital und zum Teil rechts in die Schulter (Urk. 12/36).
2.4     Die Beschwerdeführerin reichte zusammen mit der Replik ein Schreiben von Dr. A.___ vom 3. Dezember 2007 ein, welches der Arzt damals der untersuchenden Staatsanwaltschaft eingereicht hatte. Darin berichtete er, die Versicherte klage über Schmerzen im Bereich des Nackens und der Brustwirbelsäule. Die Schmerzen seien teils intensiv, dann wieder habe sie praktisch schmerzfreie Tage. Schmerzhafte und schmerzfreie Tage würden sich etwa die Waage halten. Sie könne bei Schmerzen den Kopf kaum halten, vor allem bei längerem Stehen gebe sie Ausstrahlungen in den linken Oberarm an. Er habe die Versicherte nach dem Unfall aufgrund anhaltender Beschwerden der MRI-Untersuchung zugewiesen und dabei sei die Diskushernie zum Vorschein gekommen. Möglicherweise sei diese durch den Unfall ausgelöst worden. Dafür spreche, dass sie vor dem Ereignis keine Nackenbeschwerden gehabt habe (Urk. 19/1).
         Am 24. August 2009 berichtete der gleiche Arzt gegenüber der untersuchenden Strafbehörde, die Versicherte habe seit dem Unfall häufig Kopfschmerzen, was vor dem Unfall nicht der Fall gewesen sei. Die Schmerzen seien ziehend vom Nacken in den Kopf ausstrahlend, daneben sei sie lärm- und lichtempfindlich und es bestehe Übelkeit. Er gehe von migräneartigen Kopfschmerzen aus. Zudem bestehe ein konstanter Tinnitus. Er habe die Versicherte aufgrund konstanter Nackenbeschwerden mit Ausstrahlung in den rechten Arm und häufigen, stechenden Schmerzen im Nacken bei bestimmten Kopfbewegungen Dr. C.___ zugeführt. Aufgrund von dessen Abklärungen sei die Diskushernie auf der Höhe des 5./6. Halswirbels hervorgekommen. Seit der Operation seien die Ausstrahlungen in den rechten Arm und die stechenden Nackenschmerzen verschwunden. Geblieben seien die Kopfschmerzen und das Steifigkeitsgefühl in der Halswirbelsäule, diese sei endphasig eingeschränkt. Die übrigen Befunde seien bis auf muskuläre Verspannungen entlang der Halswirbelsäule sowie im Bereich zwischen den Schulterblättern unauffällig (Urk. 12/54 Beilage 8).
3.
3.1     Es ist aufgrund der Aktenlage davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich des Autounfalles vom 1. November 2007 eine Halswirbelsäulen-distorsion erlitt, dass jedoch die einige Zeit nach dem Unfall diagnostizierte Diskushernie, die zur vorliegend strittigen Operation fast ein Jahr nach dem Unfall geführt hat, nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit durch den Unfall verursacht wurde. Der Aktengutachter der SUVA legte überzeugend dar, dass das wesentliche Kriterium eines sofort nach dem Unfall eingetretenen typischen Beschwerdebildes einer cervikalen Diskushernie mit Ausstrahlungen und grosser Schmerzhaftigkeit (vgl. die Darlegungen im Gutachten, Urk. 12/63 S. 8) im vorliegenden Fall nicht nachgewiesen ist. Er untermauerte seine fachärztliche Ansicht mit Studien, wonach bei unfallkausalen Diskushernien als Traumafolgen, die vor allem bei vorhandenen Vorschädigungen und als Folge schwerer Verkehrsunfälle entstanden, die Symptome bei 12 % der Patienten sofort nach dem Unfall, bei den Übrigen durchschnittlich 13 Stunden nach dem Unfall und jedenfalls mit einem Latenzmaximum von 24 Stunden auftraten (Urk. 12/63 S. 7). Vorliegend wurden diese Intervalle deutlich überschritten. Dies geht aus dem Bericht des erstbehandelnden Arztes vom Unfalltag selber hervor, in dem er nichts von ausstrahlenden Beschwerden berichtete (Urk. 12/4). Auch die Beschwerdeführerin selber machte der SUVA gegenüber anlässlich eines Gesprächs vom 20. Dezember 2007 keine ausstrahlenden Schmerzen geltend (Urk. 12/8). Sodann hielt Dr. A.___ in einem Schreiben vom 4. Juli 2008 fest, von Seiten der Diskushernie bestünden keine Beschwerden (Urk. 12/21). Wenn also das Fehlen von unmittelbar nach dem Unfall aufgetretenen, akuten, rechtsseitig ausstrahlenden Nackenschmerzen gemäss Dr. E.___ als wesentliches Indiz für die nicht durch den Unfall verursachte, grössere rechtsseitige foraminale Diskushernie C5/6 spricht (Urk. 12/14), ist dem zu folgen. Auch Prof. Dr. O.___ und Dr. G.___ sprachen sich in ihrem biomechanischen Gutachten vom 22. Februar 2008 dafür aus, dass es sich bei der Diskushernie um einen Vorzustand gehandelt habe, und begründeten dies mit der Tatsache, dass weitere degenerative Befunde auf mehreren Etagen der Halswirbelsäule erhoben worden waren (Urk. 8/1, 8/37). Die Tatsache allein, dass die Versicherte vor dem Unfall über keine Nackenschmerzen geklagt hatte, dies jedoch nach dem Unfall der Fall war, ist - entgegen der Ansicht von Dr. A.___ - kein massgebendes Kriterium für die Unfallkausalität der Diskushernie. Dass der Operateur Dr. C.___ dennoch von einer traumatischen Diskushernie sprach, ändert nichts an den anderen fachärztlichen Einschätzungen, begründete doch Dr. C.___ seine Ansicht nicht weiter und seine Darstellung, dass seit dem Unfall die typischen Nackenschmerzen mit Ausstrahlung vorhanden gewesen seien, entbehren eines echtzeitlichen Nachweises (Urk. 12/36).
3.2     Die vorliegend strittige Arbeitsunfähigkeit ab 27. August 2008 war verursacht worden durch die akut schmerzhaft gewordene Diskushernie, legte die Y.___ AG in ihrem Schreiben vom 3. September 2008 doch dar, nach dem Erleiden einer heftigen Schmerzattacke am 26. August 2008 sei beim sofort erfolgten Arztbesuch gleichzeitig der Termin beim Neurochirurgen vereinbart worden (Urk. 8/6); die Operation fand sodann am 25. September 2008 statt. Anlässlich dieser wurden eine Mikrodiskektomie C5/6 von ventral, eine Dekompression und eine Stabilisation C5/6 vorgenommen und damit wurde die eigentliche Ursache der akuten Schmerzen beseitigt (Urk. 12/28). Noch am 26. November 2008 berichtete Dr. C.___ über eine weiterhin anhaltende postoperative Rekonvaleszenz (Urk. 12/30), die offenbar Anfang April 2009 mit der Wiederaufnahme auch der zweiten Teilzeittätigkeit beendet war (Urk. 12/54 Beilage 8). Weil - wie gezeigt wurde - die Diskushernie nicht durch den Unfall verursacht worden war und auch keine bildgebend erhobene Verschlechterung dieses Vorzustandes durch den Unfall nachgewiesen ist, muss die Beschwerdegegnerin weder diese Operation noch die damit verbundene, ab 27. August 2008 aufgetretene Arbeitsunfähigkeit übernehmen.
         Der Einspracheentscheid erweist sich als rechtens, die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

Das Gericht erkennt:
1.         Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.
2.         Das Verfahren ist kostenlos.
3.           Zustellung gegen Empfangsschein an:
- Rechtsanwalt Christoph Erdös
- Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
- Bundesamt für Gesundheit
4.         Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
           Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
           Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).