Zürich Sozialversicherungsgericht

kantone/zh_sozverger/UV.2012.00283.html 

Entscheide




Sozialversicherungsgericht

des Kantons Zürich


UV.2012.00283




II. Kammer

Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender

Sozialversicherungsrichter Bachofner

Ersatzrichterin Lienhard

Gerichtsschreiberin Schucan

Urteil vom 28. Februar 2014

in Sachen

X.___

Beschwerdeführerin


vertreten durch Rechtsanwalt Sebastian Lorentz

Lorentz Schmidt Partner, Rechtsanwälte

Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich


gegen


Schweizerische Unfallversicherungsanstalt

Rechtsabteilung

Postfach 4358, 6002 Luzern

Beschwerdegegnerin


vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christian Schürer

Rebhalde 3, 6004 Luzern





Sachverhalt:

1.X.___, geboren 1970, war bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Gemäss Schadenmeldung der Arbeitslosenversicherung vom 10. Januar 2012 (Urk. 9/2) rannte die Versicherte am 19. November 2011 bei der Flucht vor einem sexuell belästigenden Passagier in eine Türe und verletzte sich dabei an der Hand und am Hals. Der erstbehandelnde Arzt Dr. med. Y.___, Facharzt FMH für Innere Medizin, diagnostizierte am 1. Dezember 2011 eine Panikreaktion nach sexuellem Übergriff und Abwehrkampf (Urk. 9/13).

Mit Verfügung vom 24. Mai 2012 (Urk. 9/55) verneinte die SUVA die Leistungspflicht rückwirkend, da kein Unfall und keine unfallähnliche Körperschädigung vorgelegen hätten, und forderte im Sinne einer Wiedererwägung wegen zweifelloser Unrichtigkeit bereits ausgerichtete Taggelder in der Höhe von Fr. 13‘830.30 zurück.

Die dagegen von der Versicherten am 11. Juni (Urk. 9/58) und am 7. September 2012 erhobenen Einsprachen (Urk. 9/74) hiess die SUVA in ihrem Einspracheentscheid vom 7. November 2012 (Urk. 9/77 = Urk. 2) in dem Sinne teilweise gut, dass von der Rückforderung der ausgerichteten Leistungen abgesehen wurde. Im Übrigen wies sie die Einsprache ab.


2.Die Versicherte erhob gegen den Einspracheentscheid vom 7. November 2012 (Urk. 2) am 7. Dezember 2012 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es seien ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2013 (Urk. 8) beantragte die SUVA die Abweisung der Beschwerde. Am 5. März 2013 (Urk. 11) reichte die Beschwerdeführerin einen medizinischen Bericht (Urk. 12) ein. Mit Verfügung vom 12. März 2013 wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1 S. 2) abgewiesen, und sie wurde erneut aufgefordert, ihr Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes (vgl. Urk. 1 S. 2) zu substantiieren und zu belegen. Dem kam sie am 29. April 2013 (Urk. 15-16) nach.







Das Gericht zieht in Erwägung:

1.

1.1Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden  soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).

1.2Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).

1.3Gemäss höchstrichterlicher Praxis muss der für die Beurteilung erhebliche Sachverhalt mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sein (BGE 119 V 7 E. 3c/aa). Unter mehreren behaupteten oder in Betracht fallenden Sachverhalten stellt das Gericht auf denjenigen ab, der ihm am wahrscheinlichsten erscheint. Im Sozialversicherungsrecht besteht kein Rechtsgrundsatz des Inhalts, dass die Verwaltung oder das Gericht im Zweifelsfall zugunsten der versicherten Person zu entscheiden hätte (ARV 1990 Nr. 12).

1.4Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens vom Leistungsansprecher glaubhaft zu machen. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, indem er unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, so besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Richter zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat er von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Dabei schliesst der Untersuchungsgrundsatz die Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen somit in der Regel die Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen. Auch der medizinische Befund kann unter Umständen einen Beweis dafür bilden, dass eine Schädigung auf ein Unfallereignis zurückzuführen ist. Der mangelnde Nachweis eines Unfalles lässt sich aber selten durch medizinische Feststellungen ersetzen. Diese dienen aber mitunter als Indizien im Beweise für oder gegen das Vorliegen eines Unfalles (RKUV 1990 Nr. UV 86 S. 50 f.).


2.

2.1Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid (Urk. 2) damit, dass die Schadenmeldungen, die Angaben des Hausarztes und diejenigen der behandelnden Psychiaterin in keiner Weise übereinstimmten und jeweils die verschieden lautenden Aussagen der Beschwerdeführerin wiedergäben. Hinzu komme, dass die Polizei keine Hinweise für eine Vergewaltigung gefunden habe. Aufgrund der vorliegenden Akten seien das Datum des Vorfalls sowie der genaue Hergang unklar, und es könne nicht einmal gesagt werden, ob sich überhaupt ein Vorfall ereignet habe. Bei Durchsicht der verschiedenen Schilderungen des Sachverhaltes könne keine Version als die überwiegend wahrscheinlichere angesehen werden. Demzufolge bestehe Beweislosigkeit betreffend das Vorliegen eines Unfallereignisses, was zur Folge habe, dass die Leistungen ex nunc et pro futuro hätten eingestellt werden können (S. 4 f. Ziff. 2. a). Aufgrund der Akten könne man jedoch auch nicht sagen, die ursprüngliche Anerkennung der Leistungspflicht sei zweifellos unrichtig gewesen, weshalb auf die Rückforderung verzichtet werde (S. 5 Ziff. 2. b). Von weiteren Abklärungen seien keine neuen Erkenntnisse zu erwarten (S. 5 Ziff. 3).

Die polizeilichen Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin nicht Opfer eines Übergriffs geworden sei. Deshalb habe sie den Verzicht auf Strafantrag unterschrieben (Urk. 8 S. 5 Ziff. 3.4).

2.2Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend, sie habe keine widersprüchlichen Aussagen gemacht. Aufgrund der überzeugenden Ausführungen der behandelnden Psychiaterin sei es im Gegenteil so, dass sie in mehrfachen Besprechungen immer einen kohärenten Sachverhalt wiedergegeben habe, dies unter Beizug eines qualifizierten Dolmetschers. Im Gegensatz zur polizeilichen Befragung habe sie hierbei nicht unter Schamgefühlen gegenüber der damals anwesenden Tochter zu leiden gehabt (S. 4 Ziff. 19). Der stattgefundene sexuelle Übergriff habe nach wie vor zur Folge, dass sie unter den unfallkausalen Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung leide und die Beschwerdegegnerin für die notwendigen Heilbehandlungen und Erwerbsausfälle leistungspflichtig sei (S. 4 f. Ziff. 20).

2.3Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von einer Beweislosigkeit hinsichtlich des Unfallereignisses ausgegangen ist.


3.

3.1Zum Unfallhergang äussern sich folgende in den Akten liegende Berichte:

Im Polizeirapport vom 20. Dezember 2011 (Urk. 9/34) der Kantonspolizei Z.___ wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin auf einen Strafantrag betreffend Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB) durch Berühren an der Schulter verzichtet habe. Zu Ort und Zeit wurde ausgeführt, dass sich das Ereignis am Samstag, den 26. November 2011, um etwa 13.30 Uhr ereignet habe (S. 1 oben). Der Hotelgast habe die Beschwerdeführerin nach einer Massage ohne sexuelle Dienste gefragt. Da die Beschwerdeführerin kein Englisch gesprochen habe und sich mit dem Gast nur schlecht habe verständigen können, sei es vermutlich zu einem Missverständnis gekommen. Dabei habe der Gast die Beschwerdeführerin leicht an ihrer Schulter berührt. Die Beschwerdeführerin sei der Meinung gewesen, der Gast hätte sexuelle Absichten gehabt, was dieser aber klar in Abrede gestellt habe. Es sei auch zu keiner sexuellen Belästigung gekommen, und die Beschwerdeführerin habe aus freiem Willen einen Verzicht auf Strafantrag unterzeichnet (S. 3). Sie sei in der Anwesenheit ihrer Tochter, welche als Übersetzerin agiert habe, durch den Polizisten A.___ befragt worden. Im Vordergrund habe ein Missverständnis in Folge Verständigungsproblemen gestanden (S. 4). Eine Verletzung wurde nicht dokumentiert.

3.2Der Polizist A.___ bestätigte im Rahmen eines Telefonats vom 29. März 2012 (Urk. 9/35) mit der Aussendienstmitarbeiterin der Beschwerdegegnerin, dass der Notruf definitiv am 26. November 2011 eingegangen und das Dossier um 14.08 Uhr eröffnet worden sei. Sie seien damals mit drei Personen ausgerückt. Gemäss der Befragung vom Mann und der Beschwerdeführerin habe es sich wirklich nur um eine leichte Berührung der Schulter gehandelt. Der Hotelgast habe sich nach einer Massage erkundigt, wobei er keine sexuellen Absichten gehabt habe. Polizist A.___ führte weiter aus, dass, wenn andere Anzeichen da gewesen wären, ein grösseres Aufgebot ausgerückt und der Mann verhaftet worden wäre. Die Befragung der Beschwerdeführerin habe drei Stunden gedauert. Aufgrund des Sachverhaltes sei eine ebenfalls weibliche Person beigezogen worden. Die Tochter und die Polizistin hätten etwa 30 bis 45 Minuten alleine mit der Beschwerdeführerin gesprochen. Ein Hinweis auf ein Verbrechen oder einen Kampf sei nicht erwähnt worden. Auch seien keine Verletzungen angegeben worden. Polizist A.___ führte ferner aus, er könne sich die bei der ärztlichen Behandlung vom 1. Dezember 2011 festgestellten Spuren nicht erklären. Die Beschwerdeführerin habe auch kein typisches Verhalten nach einem solchen angeblichen Vorfall gezeigt. Sie hätten es ja gesehen, wenn die Beschwerdeführerin Kratzspuren am Hals gehabt hätte. Auch habe ihr Befinden nicht den Anschein gemacht, als wäre wirklich etwas Massives passiert. Die Beschwerdeführerin habe leicht verunsichert, zurückhaltend und schüchtern gewirkt. Er glaube auch nicht, dass die Beschwerdeführerin Verletzungen habe verbergen wollen.

3.3In der Schadenmeldung der Arbeitslosenkasse vom 10. Januar 2012 (Urk. 9/2) wurde als Unfalldatum der 19. November 2011, als Zeit 11.30 Uhr und als Ort der B.___ respektive das Zimmer 260 angegeben (Ziff. 4-5). Zur Unfallbeschreibung wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin auf der Flucht vor einem sexuell belästigenden Passagier in die Türe gerannt sei (Ziff. 6). Die Beschwerdeführerin habe Verletzungen am rechten Handgelenk, am Hals und an der Brustwirbelsäule erlitten (Ziff. 9).

3.4In der Schadenmeldung des Arbeitgebers vom 13. Februar 2012 (Urk. 9/19) wurde als Unfalldatum der 19. November 2011, als Unfallort das Hotel C.___ und als Zeit 15.00 Uhr genannt (Ziff. 4). Zum Sachverhalt wurde ausgeführt, dass gemäss Informationen der Beschwerdeführerin und der Hauswirtschaftsleiterin die Beschwerdeführerin von einem Gast im Zimmer eingesperrt und unangenehm angefasst worden sei. Der Gast habe sie nicht mehr los lassen wollen, bis sie zu schreien angefangen habe (Ziff. 6). Sie habe einen Schock, respektive psychische Probleme erlitten (Ziff. 9.).

3.5

3.5.1Dr. Y.___ führte in seinem Überweisungsschreiben an D.___ vom 1. Dezember 2011 (Urk. 9/67/2) aus, er sei der Hausarzt der Familie der Beschwerdeführerin, habe diese jedoch nur selten gesehen. Sie habe ihm heute geschildert, dass sie am letzten Samstag, am 26. November 2011, vormittags bei der Arbeit im Hotel von einem Gast zum Sex aufgefordert worden sei. Sie habe sich noch einigermassen verteidigen können, habe aber diverse Prellungen und eine Kratzspur am Hals, Thorax etc. Der Vorfall sei mit der Polizei in E.___ behandelt worden. Seither habe sie Angst, könne nicht schlafen und zittere, wenn sie ins Hotel komme. Sie sei nun arbeitsunfähig geschrieben, brauche aber sicher eine Therapie. Sie spreche mühsam deutsch. Ihre älteste Tochter könnte als Dolmetscherin helfen.

3.5.2Im Arztzeugnis vom 27. Januar 2012 (Urk. 9/13) führte Dr. Y.___ aus, die Erstbehandlung habe am 1. Dezember 2011 stattgefunden (Ziff. 1). Als Diagnose nannte er eine Panikreaktion nach sexuellem Übergriff und Abwehrkampf (Ziff. 5). Die Beschwerdeführerin sei gemäss ihren Angaben während Reinigungsarbeiten im Hotelzimmer von einem Gast sexuell bedrängt und an die Wand gedrückt worden (Ziff. 2). Es bestehe eine Angst und Unruhe (Ziff. 3). Sie habe Thoraxschmerzen mit Kratzwunden am Hals sowie Hämatomreste und Druckdolenzen am oberen Thorax und am rechten Oberarm. Die Beschwerdeführerin habe Angst, Atemnot und Panik beim Erzählen (Ziff. 4).

3.5.3Anlässlich eines Telefonats der Aussendienstmitarbeiterin der Beschwerdegegnerin mit Dr. Y.___ vom 29. März 2012 (Urk. 9/36) führte dieser aus, die Beschwerdeführerin sei erst zwei Wochen nach dem angeblichen Ereignis zu ihm gekommen. Der Befund, wie er ihn gesehen habe, sei im Arztbericht festgehalten. Mehr könne er nicht sagen. Er möge sich noch gut an die Untersuchung erinnern, wo die Beschwerdeführerin ihm erzählt habe, sie habe den Hotelgast am Penis befriedigen müssen. Sie habe jedoch die Möglichkeit gehabt zu flüchten. Es sei ein ganz schlimmes Ereignis gewesen, und der Hotelgast habe ihr auch die Verletzungen gemäss dem Bericht zugeführt. Angesprochen auf den Umstand, dass auf Grund des Polizeiberichtes ein solches Ereignis nicht stattgefunden habe, führte Dr. Y.___ aus, es sei für ihn schwer nachzuvollziehen, woher diese Verletzungen stammten. Er könne sich die Umstände auch nicht erklären und wisse nur, dass die Beschwerdeführerin noch diverse Rechnungen bei ihm nicht bezahlt habe, auch vor dem angeblichen Ereignis. Es sei auch gut möglich, dass die Beschwerdeführerin versuche, diese Rechnungen über die Unfallversicherung abzuwälzen. Er habe jedoch infolge seiner Pensionierung die Rechnungen storniert.

3.6

3.6.1Dr. med. F.___, Spitalfachärztin der D.___, führte im Arztzeugnis vom 1. März 2012 (Urk. 9/22) aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 22. Dezember 2011 bei ihr in Behandlung (Ziff. 1). Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin sei es am 19. November 2011 am Arbeitsplatz, wo sie als Zimmermädchen gearbeitet habe, zu einem gewaltsamen sexuellen Übergriff durch einen Hotelgast gekommen (Ziff. 2). Dr. F.___ diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und führte weiter aus, dass die finanziellen Probleme den Heilungsverlauf ungünstig beeinflussen könnten (Ziff. 7 lit. c).

3.6.2Dr. F.___ führte anlässlich eines Telefonats mit der Aussendienstmitarbeiterin der Beschwerdegegnerin vom 18. April 2012 (Urk. 9/42) angesprochen darauf, dass es gemäss Rücksprache mit den Polizeibeamten ergeben habe, dass es keine Hinweise auf einen sexuellen Übergriff gegeben habe, aus, die Beschwerdeführerin habe ihr gegenüber den folgenden Hergang geschildert: Der Mann habe versucht, sie zu vergewaltigen. Er habe ihr die Kleider weggerissen und mit dem Kopf auf ihre Brust geschlagen. Sie habe flüchten können. Auf dem Fluchtweg habe sie eingenässt und sei sofort nach Hause gegangen. Später sei sie aufgefordert worden, an den Tatort zurückzukommen und ihre Aussage bei der Polizei zu machen. Eine ärztliche Untersuchung habe erst ein paar Tage später stattgefunden, da sie kein Geld für Transportmöglichkeiten gehabt habe. Dr. F.___ führte weiter aus, die Beschwerdeführerin habe unter Anwesenheit einer Dolmetscherin sehr gut bei den Gesprächen mitgemacht. Es gebe keine Anzeichen, dass dieser Vorfall nicht stattgefunden habe. Sie sei auch mit der Beschwerdeführerin am Tatort gewesen, wobei sie sehr ängstlich gewirkt habe. Die Beschwerdeführerin habe als alleinerziehende Mutter von vier Kindern schon sehr viele Probleme, wobei auch Beziehungen mit Männern hinzukämen.

3.6.3In ihrem Bericht vom 21. Juni 2012 (Urk. 9/67) führte Dr. F.___ aus, bei Behandlungsbeginn sei zunächst das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung nach einem gewaltsamen sexuellen Übergriff durch einen Hotelgast Ende November 2011 diagnostiziert worden. Im Rahmen der Therapie habe die Beschwerdeführerin den Tathergang, ihr darauf folgendes Verhalten und die in der Folge aufgetretenen Symptome mehrfach geschildert. Aggravation oder Widersprüche seien zu keinem Zeitpunkt aufgefallen. Dass sie das Datum des Vorfalls zunächst mit dem 19. November 2011 angegeben habe, im Verlauf aber nur der 26. November 2011 in Frage komme (Information vom Arbeitgeber, Zuweiser und Polizeiprotokoll), sei auf den psychischen Ausnahmezustand der Beschwerdeführerin an diesem Tag zurückzuführen.

Initial habe eine deutliche Verbesserung des klinischen Bildes unter der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung erreicht werden können. Gegenwärtig bestehe eine mittelgradige depressive Episode als Traumafolgestörung mit Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung.

3.6.4Dr. F.___ führte in ihrem Bericht vom 1. März 2013 (Urk. 12) aus, im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie habe die Beschwerdeführerin den genannten Vorfall in Anwesenheit einer O.___ischen Dolmetscherin wiederholt geschildert. Auch hätten sie gemeinsam in Begleitung den Tatort besucht und mit den dort angestellten Frauen gesprochen. Zu keinem Zeitpunkt und in keiner Schilderung der Beschwerdeführerin seien Widersprüche oder Ungereimtheiten aufgefallen. Aufgrund des traumatischen und stark schambesetzten Charakters des Erlebnisses seien unterschiedliche Aspekte desselben Geschehens erst allmählich berichtet oder erinnert worden. Kurz nach dem Ereignis hätte sich die Beschwerdeführerin vermutlich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden (Einnässen, fluchtartiges Verlassen des Hotels). Aus der Anamnese seien keine psychiatrischen Erkrankungen oder Behandlungen vor Dezember 2011 bekannt (S. 1 f. unten).

3.7Der Aussendienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin führte in seinem am 19. April 2012 erstellten Bericht (Urk. 9/44) aus, es habe eine Besprechung mit der Beschwerdeführerin in der Agentur G.___ der Beschwerdegegnerin im Beisein einer Übersetzerin stattgefunden. Die Beschwerdeführerin habe berichtet, dass sie noch ganz genau wisse, dass der Überfall im Hotel C.___ in H.___ am 19. November 2011 stattgefunden habe. Es sei ganz sicher nicht der 26. November 2011 gewesen. Bei der Besprechung mit der Polizei habe sie grosse Angst gehabt. Ihre Tochter habe übersetzt. Auf einen Strafantrag gegen den Täter habe sie verzichtet, weil sie Angst gehabt habe. Der Sachverhalt sei so, wie sie ihn am 1. Dezember 2011 Dr. Y.___ erzählt habe. Sie habe den Hotelgast mit der Hand befriedigen müssen. Sie habe nicht fliehen können, weil die Türe geschlossen gewesen sei. Der Hotelgast habe seinen Kopf gegen ihre Brust geschlagen, sie am Hals gekratzt und sie habe sich auch noch die Hand verletzt. Zum Arzt sei sie damals nicht sofort gegangen, weil sie kein Geld für das Zugbillett gehabt habe. Darum sei sie erst am 1. Dezember 2011 zu Dr. Y.___ nach I.___ gefahren. Dies sei die Wahrheit (S. 1 Mitte).

Der Aussendienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin führte weiter aus, ein Telefongespräch mit dem Polizeiposten J.___ am 13. April 2011 habe ergeben, dass feststehe, dass die Beschwerdeführerin den Verzicht auf einen Strafantrag am 26. November 2011 unterschrieben habe (S. 1 unten).

Der Aussendienstmitarbeiter führte weiter aus, die Beschwerdeführerin habe auch nach mehrmaligem Nachfragen behauptet, der Überfall sei nicht am 26. November 2011 sondern am 19. November 2011 gewesen. Die weitere Überprüfung habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin am 19. November 2011 den ganzen Tag normal und am 26. November 2011 bis 12.09 Uhr gearbeitet habe (S. 2, vgl. Urk. 9/43).


4.

4.1Die Angaben der Beschwerdeführerin zum Ereignishergang gestalten sich insgesamt sehr unterschiedlich. Gemäss Polizeirapport betreffend das Ereignis vom 26. November 2011 (vorstehend E. 3.1) war weder von einer Verletzung noch von einem stattgefundenen Übergriff die Rede, sondern lediglich von einem Missverständnis und einer leichten Berührung der Schulter der Beschwerdeführerin durch den Täter. Am damaligen Polizeieinsatz waren zwei Polizisten und eine Polizistin beteiligt und die Befragung dauerte drei Stunden. Sodann habe gemäss Angaben des Polizisten A.___ die Polizistin während etwa 30 bis 45 Minuten im Beisein der Tochter alleine mit der Beschwerdeführerin gesprochen. Keinem der drei Polizisten fiel eine Verletzung auf und der im Nachhinein diesbezüglich befragte Polizist A.___ (vorstehend E. 3.2) konnte sich die anlässlich der Erstbehandlung durch Dr. Y.___ (vorstehend E. 3.5) am 1. Dezember 2011 festgestellten Verletzungen nicht erklären.

Auch die folgenden Schadenmeldungen waren sowohl betreffend Unfallhergang als auch betreffend das Datum sehr unterschiedlich. So verletzte sich die Beschwerdeführerin gemäss der Unfallmeldung der Arbeitslosenkasse vom 10. Januar 2012 (vorstehend E. 3.3) am 19. November 2011 angeblich, indem sie bei der Flucht vor einer sexuell belästigenden Person in die Türe gerannt sei und sich an der Hand und am Hals verletzt habe. In der Schadenmeldung des Arbeitgebers vom 13. Februar 2012 (vorstehend E. 3.4) wurde ebenfalls das zweifellos unrichtige Datum des 19. November 2011 genannt. Die Beschwerdeführerin sei von einem Gast im Zimmer eingesperrt und unangenehm angefasst worden. Der Gast habe sie nicht mehr loslassen wollen, bis sie zu schreien angefangen habe. Sie habe einen Schock erlitten. Diese Angaben finden in dem echtzeitlich ergangenen Polizeirapport keine Stütze, wurde doch anlässlich der polizeilichen Befragung am 26. November 2011 eine körperliche Verletzung weder von der Beschwerdeführerin geltend gemacht noch polizeilich festgestellt. Die Beschwerdeführerin machte zudem keinen den nachträglich geschilderten Umständen entsprechend zu erwartenden traumatisierten Eindruck (vgl. vorstehend E. 3.2). Auch die Ausführungen des erstbehandelnden Arztes Dr. Y.___ (vorstehend E. 3.5) erscheinen uneinheitlich und stimmen auch nicht mit dem in der Folge von der behandelnden Psychiaterin Dr. F.___ (vorstehend E. 3.6.2) angegebenen Sachverhalt überein. Zudem vermochten weder Dr. Y.___ noch Dr. F.___ - und im Übrigen auch die Beschwerdeführerin nicht - nachvollziehbar zu erklären, weshalb die von Dr. Y.___ am 1. Dezember 2011 festgestellten Verletzungen (Urk. 9/13 Ziff. 4) nicht bereits anlässlich der Polizeibefragung vom 26. November 2011 festgestellt wurden.

Die von Dr. F.___ für die unterschiedlichen Geschehensabläufe angegebene Begründung, es handle sich bei allem um Aspekte desselben Geschehens (vorstehend E. 3.6.4), vermag in Anbetracht dieser Widersprüche nicht zu überzeugen.

4.2Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 1a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).

Diesbezüglich fällt vor allem ins Gewicht, dass die polizeilichen Abklärungen vor Ort am 26. November 2011 ergeben haben, dass die Beschwerdeführerin nicht Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden ist. Sodann unterzeichnete die Beschwerdeführerin einen Verzicht auf einen Strafantrag. Es bestehen keine Hinweise dafür, dass der Polizeirapport respektive die Angaben des Polizisten A.___ unzutreffend wären. Der namentlich bekannte Hotelgast wurde im Zuge der polizeilichen Ermittlungen vollständig entlastet.

Die Verletzungen der Beschwerdeführerin wurden sodann erst fünf Tage später durch Dr. Y.___ festgehalten. Dass sie erst zu diesem Zeitpunkt zum Hausarzt habe gehen können, weil sie kein Geld für das Zugbillett gehabt habe, vermag nicht zu überzeugen. Zusammenfassend vermögen die vorliegenden medizinischen Berichte und Schadenmeldungen keinen Nachweis dafür zu erbringen, dass sich der von der Beschwerdeführerin behauptete Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit so zugetragen hat und sie am 26. November 2011 Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden ist. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin stehen nicht in Zusammenhang mit dem behaupteten Ereignis.

4.3Aufgrund des Gesagten ist festzuhalten, dass das vorgebrachte Unfallereignis nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist, weshalb die Beschwerdegegnerin gegenüber der Beschwerdeführerin keine Leistungen zu erbringen hat.


5.Der angefochtene Einspracheentscheid vom 7. November 2012 ist nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.


6.

6.1Da die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtsvertretung im vorliegenden Gerichtsverfahren erfüllt sind (vgl. Urk. 6, Urk. 16), ist Rechtsanwalt Sebastian Lorentz, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu bestellen und bei diesem Ausgang des Verfahrens aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

6.2Nach § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss § 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der seit 1. Juli 2011 in Kraft stehenden Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) wird - auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung - namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.

6.3Mit Kostennote vom 19. Februar 2014 (Urk. 20) machte der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen Aufwand von insgesamt 7.70 Stunden sowie Auslagen im Umfang von Fr. 80.-- für Rechnungen vom 26. März und vom 3. Mai 2013 der D.___ geltend, nebst einer Barauslagenpauschale von 3 %, bei einem Stundenansatz von Fr. 250.--.

Vorliegend war der zusätzlich nach ergangenem Einspracheentscheid durch den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eingeholte Bericht der D.___ vom 1. März 2013 (vgl. Urk. 12) nicht entscheidrelevant, weshalb die Kosten für die Rechnungen vom 26. März und vom 3. Mai 2013, welche im Übrigen nicht belegt wurden, im Umfang von Fr. 80.-- nicht vergütet werden. Ebenso unnötig erscheinen der geltend gemachte Aufwand von 0.5 Stunden für das Telefonat und den Brief an das hiesige Gericht vom 19. Februar 2014, da einzig eine Honorarnote einzureichen war. Bei einer Kürzung des geltend gemachten Aufwandes um 0.5 Stunden resultiert ein Aufwand von 7.2 Stunden, weshalb die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters unter Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) und der angegebenen Barauslagenpauschale von 3 % auf Fr. 1‘600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.

Demgemäss ist Rechtsanwalt Sebastian Lorentz mit Fr. 1‘600.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.

6.4Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.



Das Gericht beschliesst:

In Bewilligung des Gesuchs vom 7. Dezember 2012 (Urk. 1 S. 2) wird der Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Sebastian Lorentz, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt


und erkennt sodann:

1.Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.Das Verfahren ist kostenlos.

3.Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Sebastian Lorentz, Zürich, wird mit Fr. 1600.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) aus der Gerichtskasse entschädigt. Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.

4.Zustellung gegen Empfangsschein an:

Rechtsanwalt Sebastian Lorentz

Rechtsanwalt Dr. Christian Schürer unter Beilage einer Kopie von Urk. 11-12

Bundesamt für Gesundheit

sowie an:

Gerichtskasse

5.Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).




Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich


Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin




MosimannSchucan